“Herr Westerwelle: Auf Wiedersehen!”
Der Kabarettist Christian Springer, alias “Fonsi”, unterbricht vor laufender Kamera sein Programm, um einen eindringlichen Appell an Guido Westerwelle zu richten:
Schüler sollen von Kirche Werte und Demokratie lernen
Das Thüringer Kultusministerium hat gestern ein Kooperationsabkommen mit der “Evangelischen Akademie Thüringen” verlängert, das vorsieht, dass allen Thüringer Schülern durch die kirchliche Einrichtung „Demokratieerziehung und Wertevermittlung” zuteil werden soll.
In fünftägigen “Projekttagen” sollen “Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 9 ermutigt und befähigt werden, über ethische, politische, kulturelle und allgemeine Themen zu philosophieren.” Bei sogenannten „Denkwegen zu Luther“ sollen “Reformation und Humanismus vor ethischem, religionskundlichem, historischem und politischem Hintergrund betrachtet werden.”
Den Schülern werden dann wohl auch Videos zum Thema “Gerechtigkeit” gezeigt, in denen es heißt:
Gerechtigkeit ist auch für Christen ganz wichtig. Sie können ihr nahekommen und dabei auf die “Gnade Gottes” vertrauen … versuchen, niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen und dabei auf die “Gnade Gottes” vertrauen”
Dazu erklärt der Vorsitzende des Humanistischen Landesverbandes Thüringen in einer ersten Stellungnahme:
„Mir bleiben einfach die Worte weg. Zum einen dekretiert eine kirchliche Einrichtung, die nur eine Minderheit der Thüringer vertritt, dem Gemeinweisen und den öffentlichen Schulen die Deutungshoheit über politische Bildung, Geschichte, Philosophie, Ethik und Wertevermittlung. Zum anderen entsetzt mich die ministerliche Gleichstellung von „Gesamtgesellschaft“ und kirchlich. Ich kann nur hoffen, dass der Minister recht bald auch die Zusammenarbeit mit anderen, vor allem säkularen Bildungsträgern sucht. Der HVD Thüringen ist gerne bereit, schulische Projekte der Demokratie- und Wertevermittlung zu unterstützen, ausgehend von einer weltanschaulich neutralen Position. Allerdings wird der HVD gegenüber demokratischen Institutionen des Freistaates keinerlei Richtlinienkompetenz beanspruchen.“
Bundesverdienstkreuz für christlichen Fundamentalisten Prof. Reinhard Haupt
Von sapere aude
Die Thüringer Ministerpräsidentin, Christine Lieberknecht, hat am 21. Januar 2010 – im Namen von Bundespräsident Horst Köhler - das Verdienstkreuz am Bande an Professor Dr. Reinhard Haupt aus Jena verliehen. Der ehmalige Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität Jena erhielt diese hohe Auszeichnung - laut Begründung der Thüringer Staatskanzlei - u.a. für sein Engagement in der kreationistischen Studiengemeinschaft “Wort und Wissen”.
Die christliche-fundamentalistische Studiengemeinschaft Wort und Wissen vertritt eine biblische Schöpfungslehre und versucht diese - in Ablehnung der wissenschaftlichen Evolutionslehre - insbesondere an Schulen und im öffentlichen Diskurs zu etablieren. So hatte Lieberknechts Vorgänger Dieter Althaus (CDU) im Herbst 2005 bundesweit für heftige Kritik gesorgt, als er den Vorsitzenden der fundamentalistischen Studiengemeinschaft »Wort und Wissen«, Siegfried Scherer, in die Thüringer Staatskanzlei einlud, um »verschiedene Theorien zur Entstehung des Lebens« zu debattieren. Die Landtagsopposition und biologische Fachverbände warfen Althaus daraufhin vor, die Staatskanzlei fördere mit Steuermitteln religiösen Fundamentalismus. Die Einladung an Scherer wurde zurückgezogen.
Im Rahmen der Medienberichterstattung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Prof. Reinhard Haupt schrieb die Thüringer Tageszeitung “Freies Wort” (Suhl): “Lieberknecht überreicht Orden an Kreationisten”, und die Zeitung “Neues Deutschland” titelte: “Thüringen: Bundesverdienstkreuz für christlichen Fundamentalisten”.
Das Neue Deutschland befragte u.a. den Professor für Biologiedidaktik in Jena, Uwe Hoßfeld, der es für »eher unglücklich” hielt “dass bei der Auszeichnung von Professor Haupt dessen Engagement bei einer wissenschaftsfeindlichen Institution, die behauptet, die Erde sei 10 000 Jahre alt, eine solche Rolle spielt«. Das werte tatsächliche Verdienste von Haupt, den er dennoch zur Auszeichnung beglückwünsche, ab. Der Vorgang führe bei Biologielehrern und Lehramtsstudenten zu Irritationen, so Hoßfeld.
Das evangelikale Medienmagazin PRO schreibt zum Thema unter dem Titel “Zum Skandal hochgeschrieben“:
“Der Christliche Medienverbund KEP (Wetzlar) kritisierte die gegenwärtige Berichterstattung über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Haupt. Gegen den engagierten Christen wird nach Ansicht von KEP-Geschäftsführer Wolfgang Baake “eine gezielte Medienkampagne” des Humanistischen Pressedienstes und der beiden Zeitungen “Neues Deutschland” und “Freies Wort” geführt.
Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbund KEP (Wetzlar), Wolfgang Baake, war im letzten Jahr ins Gerede gekommen, weil er er juristisch gegen eine Schülerzeitung vorgegangen war, die kritisch über fundamentalistische Christen berichtet hatte.
In der der Schülerzeitungsaffäre engagierte sich auch die Deutsche Evangelische Allianz, die größte Organsiation fundamentalistischer Christen in Deutschland, die im thüringischen Bad Blankenburg ihren Hauptsitz hat. Die Thüringer Staatskanzlei unterstützte die Arbeit der fundamentalistischen Christen bisher mit mindestens mehr als 600.000 Euro.
Ein Sprecher der Staatskanzlei kommentierte den Skandal um die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für Leistungen in der Verbreitung christlichen Fundamentalismus lapidar mit den Worten “Wir haben bei uns Glaubensfreiheit”.
Google: Andere Länder, andere Sitten
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Thüringer Allgemeine zensiert Erklärung der Mitarbeiter

Wortlaut des Abdrucks in der Thüringer Allgemeinen:
“Die Redaktion der Thüringer Allgemeine fordert die Rücknahme der Abberufung von Chefredakteur Sergej Lochthofen und seiner Stellvertreterin Antje-Maria Lochthofen…
Wir sehen in der Abberufung keinen Schritt im Interesse des Verlages Thüringer Allgemeine und seiner Gesellschafter, sondern eine Maßnahme zu deren Schaden… Die Abberufung des Chefredakteurs bricht mit dem Grundkonsens, auf dessen Basis 1990 die erfolgreichste Regional-Mediengruppe Deutschlands, die WAZ-Gruppe, und die erste unabhängige Tageszeitung in der Noch-DDR, die Thüringer Allgemeine, eine Zusammenarbeit auf Dauer vereinbart und nahezu zwei Jahrzehnte lang erfolgreich und vertrauensvoll praktiziert haben…
Schneller als andere Titel hat die TA auf neue Herausforderungen bei Gestaltung, Inhalt und Leserbindung reagiert. Über die redaktionelle Arbeit hinaus wurden… strukturelle Antworten entwickelt, erfolgreich umgesetzt und der Geschäftsführung vorgeschlagen. Dazu ist die Redaktion auch weiterhin ausdrücklich bereit.
Dazu fordert die Redaktion:
1. Beibehaltung der Eigenständigkeit der Vollredaktion der Thüringer Allgemeine
2. Die Belegschaft beansprucht die publizistische Unabhängigkeit der Zeitung und das Mitspracherecht bei der strukturellen und inhaltlichen Gestaltung von Redaktion und Zeitung…
3. Die Mitarbeiter fordern eine Vergütung nach Flächentarifvertrag.
4. Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben.”
Der Originalwortlaut der Erklärung wurde übrigens zuerst in der THÜRINGER BLOGZENTRALE veröffentlicht
Ostdeutscher Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, durch Westdeutschen ersetzt
Es ist eigentlich eine Bombe, die da gestern in Thüringen einschlug. Und sie war doch nur ein Vorbeben zu dem, was momentan in der Presselandschaft um sich greift: Allzu mächtige und deshalb unliebsame Chefs werden von politischen Gegnern einfach abgesetzt. Gestern der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, heute der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.
Sowohl Lochthofen als auch Brender waren zu mächtig und zu selbstständig geworden. Lochthofen, der in den Wendewirren von der damaligen Belegschaft der Thüringer Allgemeinen ins Amt gewählt(!) wurde, muss einem “Erneuerungsprozess” des Thüringer Zeitungsmonopolisten weichen. Die drei Titel Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung sollen stärker zentralisiert und vereinheitlicht werden. “Regionalen Newsdesk” nennt sich die Sparmaßnahme, mit der Redaktionen zusammengelegt und damit Kosten gespart werden sollen. Gegenüber “FAZ.net” verglich Lochthofen das Vorgehen des Verlages mit den Methoden des Stalin-Regimes.
An die Stelle des Ostdeutschen Chefredakteuers, eines der wenigen profilierten und einflussreichen ehemaligen DDR-Bürger, die auch im Westen ernstgenommen wurden, soll nun der Chefredakteuer der Braunschweiger Zeitung treten.
Hintergrundinfos gibts bei DNews und bei Meedia
Wir hatten Herrn Lochthofen im September 2007 im Blogzentrale-Interview
Live per Webcam: Ex-Häftling kehrt in Stasi-Knast zurück
Stundenlange Verhöre, absolute Isolation, totale Überwachung – das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen gilt heute als Synonym für die menschenverachtenden Haftbedingungen in der ehemaligen DDR. Hier wurden Sekunden zu Stunden – und Stunden zu Tagen.
Der ehemalige Häftling dieser Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, Carl-Wolfgang Holzapfel kehrt jetzt für sieben Tage unter möglichst realistischen Bedingungen in eine Zelle des Stasi-Gefängnisses zurück. Die Aktion wird rund um die Uhr via Webcam ins Internet übertragen und kann somit am Computer aus der Täterperspektive live miterlebt werden. Durch seine laut gesprochenen Gedanken und Berichte über Haftsituationen werden dem Betrachter zusätzlich persönlich Emotionen über die Webcam vermittelt. Die Fotografin Franziska Vu begleitet die Haftaktion und fertigt dazu eine fotografische Arbeit an.
Haben Sie Fragen an Carl-Wolfgang Holzapfel, dann schreiben Sie ihm! Er beantwortet täglich Ihre Fragen in der Zelle.
Video mit Hintergrundinformationen zur Performance bei faz.de
UPDATE: Holzapfel war offenbar Mitglied bei der rechtsextremen Partei Die Republikaner





