Sehr geehrter Herr Moderow,

in einem Leserkommentar des Online-Magazins “Jenapolis” schrieben Sie zu dem Beitrag “Das Schuchardt-Phänomen“, in dem Ihrer Partei – der CDU – und Ihrem Kandidaten – Dietmar Schuchardt – vorgeworfen wurde, Wahlen mit schierer finanzieller Überlegenheit zu gewinnen:

      “Nur für das Protokoll: Der Kreisverband hat das Plakat der drei Spitzenkandidaten und den Flyer mit allen Stadtratskandidaten verantwortet. Alles was darüber hinaus an Werbung lief, haben die einzelnen Kandidaten selbst organisiert und selbst bezahlt (bzw. die dafür notwendigen Spenden eingeworben). (…) Die Schelte für die angeblich reichen und mächtigen Kandidaten ist deplaziert.”

Ein Folgekommentator fragte daraufhin:

      “Eine Frage – wenn die umfangreiche Plakatierung privat bzw durch Spenden finanziert wurden – darf der Wähler eigentlich wissen (also ist es öffentlich), wer da für Herrn Schuchardt umfangreich spendete (bzw wissen Sie das gar und würden dieses Wissen mit den Lesern teilen)?”

Und auch Bastian Ebert fragte in einem eigenen Blogpost, der bei Jenapolis verlinkt wird:

      “Dabei wäre es durchaus wichtig zu wissen, wer im Beispiel von Schuchardt den Wahlkampf finanziert hat. Immerhin könnte das der nächste Oberbürgermeister sein, zur letzten Wahl ist er als Gegenkandidat zu Schröter angegetreten. Welche Privatpersonen oder Unternehmen haben hier Geld investiert?”

wait

Wir haben geduldig gewartet. Bisher sind Sie jedoch eine Antwort schuldig geblieben. Deshalb hier noch einmal ganz explizit: Über eine Beantwortung der Frage “Wer sind die Spender?” würden sich die Leser von Jenapolis, bastianebert.de, frankcebulla.info und der THÜRINGER BLOGZENTRALE sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Wie man heute Claqeure ködert

Die Jenaer CDU wird auf verschiedenen Kanälen gerade um Transparenz gebeten. Es ist jedoch eher nicht zu erwarten, dass der Jenaer Spitzenkandidat der CDU, Dietmar Schuchardt, die Quellen seiner Wahlkampfmittel offenlegt. Wie die CDU in Thüringen an ihre Wähler kommt, muss man sich also erschließen. Hier ein Beispiel, wie man meist eher schwach besuchte politische Veranstaltungen zum Publikumsmagnet für die eigene Klientel macht. So gesehen in Dornburg:

lieberknechtdirekt

Wozu dienen solche teuren Veranstaltungen, die Bürgernähe simulieren sollen? Sie sollen Bilder produzieren für die Lokalpresse. Denn es ist Wahlkampf in Thüringen.

Wie man Wahlen gewinnt am Beispiel Jenas

schuchiMancher, der neu in der Politik ist, glaubt, Wahlen gewinne man mit Einsatz und Idealismus. Mit bitteren Erfahrungen muß man sich eines besseren belehren lassen. Wahlen gewinnt man nur mit stupider Werbung auf allen Kanälen.. Nach dem Motto: Viel hilft viel. Indem der Name eines Kandidaten immer und immer wiederholt wird – möglichst in einem positiven Kontext – entsteht der Eindruck der Vertrautheit. Es handelt sich hier um ein einfaches psychologisches Phänomen. Den sogenannten “Mere exposure effect“. Kontakthäufigkeit = Vertrauen. Man wählt nur was man kennt. Oder was man glaubt zu kennen. Die wenigsten Wähler beschäftigen sich mit Parteiprogrammen oder überhaupt mit Politik. Relevant ist nur, ob der Name, den man ankreuzen soll, irgendwie bekannt klingt. Hängt der Name na jedem Laternenpfahl und steht an jeder größeren Straßenkreuzung ein Großplakat, wird der Eindruck der Bekanntheit und der Wichtigkeit erzeugt. Jemand für den so geworben wird, muss toll sein.

Wahlen sind nichts anderes als Materialschlachten. Wer kann sich die meisten Plakate leisten und wird am häufigsten in Presse, Funk und Fernsehen genannt … heißt, wer hat das meiste Geld zur Verfügung. Das meiste Geld haben die Großparteien SPD und CDU … und die Linke mit ihren schwarzen Kassen.

Frank Cebulla beschreibt das Phänomen sehr schön aus der Perspektive eines enttäuschten Jenaer Piraten:

      Ich kenne Leute, die von sei­nem Kon­ter­fei geträumt haben. Ein­fach, weil es über­all war. Ein Exzess der poli­ti­schen Eitel­keit, sich selbst an allen Mas­ten zu sehen, viel­tau­send­fach, auf Groß­pla­ka­ten, in Anzei­gen in Tages­zei­tun­gen — immer und über­all das glei­che Foto. Wenn man als Par­tei rich­tig Kohle hat, geht das. Man beauf­tragt eine Agen­tur zur Her­stel­lung des Pla­kats und eine andere zum Auf­hän­gen. Man zückt die Geld­börse und schwupp­di­wupp ist schon ein Tag nach der Wahl wie­der alles ver­schwun­den. Das ist so pro­fes­sio­nell und funk­tio­niert so gut, dass gar nicht auf­fällt, dass Inhalte dabei nicht vor­ge­se­hen sind. Man prü­gelt einen Namen und ein (schlecht foto­gra­fier­tes) Abbild eines Kop­fes ins Unter­be­wußte der Wäh­ler und war­tet auf die Stim­men, die wie von selbst kom­men — im Falle von Herrn Schuchardt waren es die­ses Mal 6324. Warum Herr Schuchardt eigent­lich mit so bra­chia­ler Gewalt in den Jenaer Stadt­rat will und was er dort zu tun und zu bewe­gen gedenkt, erschliesst sich mir nicht. Denn auch in der ver­gan­ge­nen Amts­pe­riode ist er dort nicht in Erschei­nung getre­ten. Er ist auch im Wahl­kampf nicht in Erschei­nung getre­ten — wenn man mal von der Seu­che sei­nes Kon­ter­feis in der Stadt absieht.

Nochmal: Geld gewinnt Wahlen, nicht Einsatz, nicht Idealismus.

Das ist die erste schwere Lektion. Und es folgen noch viele weitere …

Kirche für Atheisten – Sunday Assembly auch in Jena?!

“Kirche für Atheisten” hört sich komisch an. Gemeinsam singen, quatschen, Gutes tun und dabei gut aussehen klingt irgendwie besser.
sundayass
Seit ein paar Monaten gibt es in Großbritannien, den USA und Autralien Treffen für Atheisten, Agnostiker aber auch Gläubige, die so ähnlich ablaufen wie ein Gottesdienst … nur ohne Gott. Schon lange gibt es unter der rasant zunehmenden Gruppe der Nichtgläubigen Leute, die keine Lust haben, sich mit Christen, Muslimen oder Hindus anzulegen und ihnen den Wahnsinn ihrer religiösen Überzeugungen nachzuweisen, sondern einfach mit ihnen gemeinsam das Leben, die Welt und sich selber feiern und dabei auch Gutes für Menschen, denen es nicht so gut geht, tun wollen.

Und auch die deutschen Medien schreiben geradezu hymmnisch über die atheistischen Megachurches: In Amerika boomen die “Megakirchen” für Atheisten schreibt die WELT und die ZEIT meint hier geht es um Jubeln ohne Gott

Und auch auf kirchlichen Webseiten wird heißdiskutiert, wie das eigentlich gehen soll: “Kirche ohne Gott?” Ob ein solches Projekt weltweit erfolgreich sein kann, bezweifelt der Experte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: „In Gesellschaften, in denen Religion eine fundamentale Bedeutung hat, dürfte die Idee keine Chance haben – denn da gibt es schon religiöse Angebote und die Menschen leben bereits in festen Gemeinschaften.” schreibt das evangelikale Blatt Medienmagazin Pro


Sunday Assemblies wurden in der britischen Stadt Bath von den Komikern Sanderson Jones and Pippa Evans erfunden und haben seitdem ihren Siegeszug um die ganze Welt angetreten. Ihr Motto:

    “Live Better, Help Often and Wonder More.”

In dieser “Sonntagsversammlung” wird gemeinsam gesungen, es werden philosophische und poetische Texte gelesen. Es wird gemeinsam still nachgedacht und laut gelacht.

      “A Sunday Assembly service consists of songs (pop songs mainly) sung by the congregation, a reading (usually a poet), an interesting talk (that fits into live better, help often or wonder more), a moment of reflection and an address, which sums up the day and hopefully gives a take home message. Afterwards we have tea and cake (well, in Britain anyway!) to encourage people to stay and mingle with one another.Outside of the event we organise small groups (Smoups), and other social activities such as book clubs and choir, peer-to-peer support and local volunteering.”

Und sowas wäre jetzt auch in Jena möglich. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland will ein kleines Dorfkirchlein loswerden. Es sei in der Unterhaltung zu teuer, man sucht Nachnutzer und man denkt sogar über den kontrollierten Verfall nach. Aber die Marienkirche in Jena-Löbstedt soll erhalten bleiben. Das wollen die Löbstedter – die mehrheitlich Atheisten sind – schon. Aber zur Sporthalle umfunktionieren oder gar verfallen lassen will die Kirche hier niemand.

loebi

Für eine ausgewachsene Sunday Assembly – die erste in Deutschland(!) – die sich trägt und die kleine Kirche im Norden Jenas erhält, werden ein paar Leute gesucht, die schon immer irgendwie gedacht haben, dass sowas eigentlich eine gute Idee wäre … wer dabei sein will, wenn die ganze Welt auf Jena schaut … und wer das auch gut oder doof findet, schreibt bitte einen Kommentar und verbreitet die Idee bei Twitter und Facebook!

Landesmedienanstalt sucht Thüringer Blogger

Wir suchen für ein Projekt einen Blogger, der über interkulturelle Themen schreibt oder sich damit auskennt. Dabei sind keine Grenzen gesetzt – ob der Themenschwerpunkt nun Integration ist oder Ihr viel Kontakt zu Menschen auf der ganzen Welt habt: Hauptsache, es hat was mit dem großen Themengebiet Kulturaustausch zu tun und Ihr bloggt gelegentlich darüber.

Am 21. Juni findet in Gera das Brückenfest statt, ein internationales Kultur- und Musikfest. Für eine Gesprächsrunde beim Fest suchen wir deshalb einen Blogger, der sich in dieser Thematik wiederfindet und Lust hätte, 4-5 Fragen in einem Interview dazu zu beantworten (wäre auch super Werbung für das eigene Blog ;)). Die Fahrt- bzw. Übernachtungskosten werden voll erstattet.

Alles Weitere können wir gern per E-Mail unter info@tlm-okgera.de abklären.

Wir freuen uns über Eure Antwort.

Thüringer Landesmedienanstalt
Offener Kanal Gera
Webergasse 6/8
07545 Gera

Der wahre Wählerwille

Kämen alle Parteien in den Bundestag, die zur Wahl stehen und dürften auch alle Parteien abstimmen, dann sähe so das Ergebnis bei den zentralen Fragen des WAHLOMATEN aus (QUELLE: opendatacity):
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Bundestagswahl in Thüringen

Von Neidhart von Schwarzburg

Partei gesucht

Noch eine Woche bis zur Wahl und Deutschland ist unschlüssig wie nie. Die Bundestagswahl langweilt, weil kein wirklicher Wahlkampf stattfindet. Die Parteien und Medien verharren in Schockstarre vor … der Eurokrise und der angeblichen Erlöserin Deutschlands, Angela Merkel. Es sind Angela-Merkel-Wochen in Deutschland. Gegen diese Bundesregierung scheinen keine Partei und keine Koalition anzukommen. Das hat man schon in der SPD erkannt, als man die lahme Ente Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten aufstellte. Keiner der Newcomer der Partei drängte sich um den Posten des sicheren Verlierers. Also Peer Steinbrück als Kanzler? Wirklich?

Die BBC hat das ganze deutsche Problem sehr schön illustriert. Das Ergebnis der Bundestagswahl ist von so großer Bedeutung für die Welt, das man hier nichts dem Zufall überlassen kann:
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Pennälertheater: Premiere für Faust und Intendant

Von Neidhart von Schwarzburg

faust

Nur fünf Vorhänge, höflicher Applaus, ein paar Buhrufe und ein Türenschlagen, das ist die Ausbeute des gestrigen Abends. Der neue Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Hasko Weber, hätte gestern die Gelegenheit gehabt, wieder gut zu machen, was in Stuttgart vor acht Jahren bereits einmal gründlich danebenging: … doch er hatte anderes vor.

materdolorosaAus Goethes zeitlosem Meisterwerk wurde eine würde- und instinktlose Nummernrevue mit Slapstickeinlagen und Klamauk, wie geschaffen für gelangweilte Thüringer Schulklassen, die künftig das DNT besuchen müssen und dann Gelegenheit haben, das mit Obszönitäten und Zoten durchwirkte Stück per Smartphone mit ihren Freunden zu teilen.

Das karge Bühnenbild, die blassen Hauptdarsteller, die schnellen Schnitte zwischen den Szenen, die Videoeinspieler und die Zahl der Protagonisten (acht für alles) geben beredtes Zeugnis von der finanziellen Ausstattung des DNT. Alles wirkte so billig und gewöhnlich wie der Schlager von Karel Gott(!), mit dem Mephisto (Sebastian Kowski als einziger wirklicher Lichtblick der Inszenierung) den Faust (Lutz Salzmann, offenbar überfordert) zur Reise um die Welt zu überreden suchte.

Den größten Mißton dieser Inszenierung setzte allerdings das Gretchen. Hasko Weber läßt sie zur Anrufung der Gottesmutter – dem zartesten und verzweifeltsten Ausdruck ihrer Schande – nicht vor einem Marienbildnis knien, sondern wieder und wieder von Stuhl springen, um das Kind Fausts abzutreiben. Nora Quest unterstützt die Profanisierung der Unschuld Gretchens, indem sie Zeile um Zeile herunterleiert und nur da ein wenig Gefühl zeigt, wo sie schreit.

Dieses Stück setzt den Akzent nicht auf das vielleicht Erlösende im Reinen und im Glauben und Vertrauen, sondern auf das zynische Lob des Schmutzig-Dunklen und Abgeklärt-Egoistischen. Manifest wird dies unter anderem im Osterspaziergang, den Salzmann in herablassend-arroganten Spott kleidet. Das Volk wird mit seinem “Hier bin ich Mensch, hier darf sich sein” von einem angeekelten Faust verhöhnt. Das Lachen, das dieser “Faust” erzeugt ist kein frohes, befreiendes, sondern ein rohes, beklemmendes, wenn man ungläubig zuschauen muss, wie Mephisto Marthe mit einem langen Ringelpenis verführt. Diese groteske Obszönität war wohl einem Zuschauer zuviel, so dass er das Theater laut Türen schlagend verließ. Zum Glück hat man – offenbar in letzter Minute – auf eine Duschszene verzichtet.

Die an überraschenden Regieeinfällen sonst recht arme Inszenierung mit erheblichem Interpreationsspielraum läßt den Darstellern, die sich redlich mühen, viel Gelegenheit, wenigstens ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen. Der seltene Szenenapplaus ist jedoch am lautesten als Mephisto sein “Ein Dilettant hat es geschrieben, Und Dilettanten spielen’s auch” zum Besten gibt.

Hasko Webers “Faust” am Weimarer Nationaltheater ist nicht nur enttäuschend, er ist eine Schande. Der neue Intendant sollte in Gretchens Lied einstimmen, er wird es brauchen.