Archive for February, 2007

Blogger: Wir wollen doch nur spielen

bloggerin.gif“Sobald man seinem Namen am Telefon ein “Der Spiegel” folgen lässt, hört man, wie am anderen Ende die Hacken zusammen- geschlagen werden.” schrieb einmal der ehemalige Spiegel- Redakteur Tom Schimmeck. Meldet man sich als Blogger, kann der Gegenüber seine Herablassung meist nur mühsam larvieren, vorausgesetzt, er hat überhaupt schon einmal etwas von Blogs gehört.

Dass man als Blogger nicht ernstgenommen wird, ist eine weithin bekannte Selbstverständlichkeit. Und durchaus auch ein Problem, vor allem bei einer gründlichen Recherche. Hier haben “richtige” Journalisten noch ein tüchtiges Pfund zum Wuchern.

Vielleicht auch deshalb ignorieren Journalisten das Phänomen Weblogs häufig, verniedlichen oder dämonisieren es. Und nicht selten schwingt in solchen Marginalisierungen der Vorwurf mit, dass Blogger ja nur ihre völlig überflüssige Meinung in ihr unerträglich banales “Tagebuch”, genannt “Blog”, im Internet kippen, und mit diesem lästigen Informationsmüll am Ende sogar noch unbescholtene Bürger beleidigen und daran hindern ihrer rechtschaffenen Arbeit nachzugehen. Erst neulich schrieb ein Mitarbeiter der Thüringer Allgemeinen, in einer Polemik über die Machtspiele zwischen dem Ilmenauer Unirektor und einem Blogger und ehemaligen Stura-Mitglied:

“Student Tino S. führt im Internet ein öffentliches Tagebuch, ein Blog. Rund 500000 davon gibt es laut Schätzungen in Deutschland. Die meisten beschreiben darin ihren Tagesverlauf, diskutieren über neueste Computertechnik oder geben sich Beziehungstipps. Nicht jedoch der Ilmenauer Student. Der dortige Studentenrat, schreibt der selbst ernannte “Aufklärer”, sei in einen “braunen Sumpf” verwickelt. Er verstecke Nazis, sympathisiere mit rechtsextremen Burschenschaften und habe zudem Steuerhinterziehung begünstigt.”

Dieser Mitarbeiter der TA hat es selbst einmal mit dem Bloggen probiert, es aber bald wieder gelassen, weil er wohl gemerkt hat, dass es sich bei seiner Schreibe nicht lohnt zu bloggen, und es dann doch kuscheliger ist, weiter irgendwelchen Ortsbauernführern in den Hintern zu kriechen.

Bloggen ist wie nackt zu einer Singleparty zu gehen. (more…)

Radwanderkarte für Thüringen vorgestellt

Von Jan [rad-thueringen.de]

logo_staedtekette1.jpgDas erste gedruckte Werk zum Radfernweg Thüringer Städtekette, “Thüringer Städtekette Radwanderweg” ist demnächst im Buchhandel und den Touristinformationen erhältlich.
Es ist ein Radwanderführer, der die 225 Kilometer lange Strecke zwischen Eisenach und Altenburg beschreibt. Wie Perlen auf einer Kette reihen sich die Städte Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, Jena, Gera und Altenburg von West- nach Ostthüringen auf einer Route, die weitestgehend befahrene Straßen ausspart. Nur hinter Ronneburg muss der Radwanderer auch künftig auf einer Länge von etwa 500 Metern weiter die B 7 nutzen.

4 Etappen quer durch Thüringen werden von der Autorin einzeln vorgestellt. 20 Kartenblätter im Maßstab 1:50 000 sowie die Stadtpläne der sieben Städte geben Orientierung und Tipps für Reiseziele, ergänzt durch die Telefonnummern von Tourist-Informationen. (more…)

Heimliche Onlinedurchsuchung – a never ending story

Von Peter [lahnix.de]

Herr Schliemann von der “Christlich” Demokratischen Union, seines Zeichens Justizminister in Thüringen, gab heute in Erfurt die folgenden Worte zum Besten, über die ich als freiheitlich und demokratisch denkender Mensch nur mit dem Kopf schütteln kann.

Zitat von heise.de:

“Es muss eine Rechtsgrundlage für verdeckte Online-Durchsuchungen geschaffen werden, ohne die grundgesetzlich geschützte Privatsphäre übermäßig zu beeinträchtigen.”

Soso, “ohne die grundgesetzlich geschützte Privatsphäre übermäßig zu beeinträchtigen” also. Ich bin auch gegen eine teilweise Beeinträchtigung, sehr geehrter Herr Schliemann, von der “Christlich” Demokratischen Union. Und damit stehe ich nicht allein. Nicht in Thüringen und auch nicht in Deutschland! Und nun? Passen wir jetzt das Grundgesetz an und streichen die “grundgesetzlich geschützte Privatsphäre” einfach?

Und “heise.de”, Herr Schliemann von der “Christlich” Demokratischen Union ist Gott sei Dank nicht “Thüringen”.

Textspeier: Mittwoch, 19 Uhr, Blankenhain

peppel.gif …in der Stadtbibliothek. Gelegen über der Gaststätte “Alte Molkerei”, am Stadtausgang (Eingang?) von Blankenhain Richtung Rudolstadt. Beginn 19 Uhr. Eintritt frei. (Achtung: Tomaten und Eier werden von rüden Ordnungskräften beim Eintritt zur Veranstaltung konsequent konfisziert!). Bei dieser Lesung handelt es sich um eine Benefizveranstaltung zur Erhaltung der Blankenhainer Bibliothek.

Verlost wird übrigens eine wertlose Tasche. Der Textspeier dazu:

“Vielleicht ist es ja Krokodilleder. Und es liegt ein Brilliant in der Tasche. tasche.gifUngefähr ‘n halbes Kilo schwer. Und dazu 800 Gramm Koks. Soll ja gut sein für die Kreativität. Da fehlt mir aber die Erfahrung. Das Einzigste, was ich mir mal in die Nase zog, war ein Medizinball. Seitdem habe ich eine eher nasale Aussprache. Deshalb halten mich alle im Ort für einen Franzosen. Hat aber auch was Gutes: Ich kriege von meinem Chef an jedem 14.Juli frei. Wäre ich ja schön blöd, wenn ich mir das Ding raus operieren täte! Ich habe mir sogar überlegt, ein Original Schweizer Taschenmesser zu schnüffeln. Die haben nämlich am 1.August ihren Nationalfeiertag. Aber wer immer frei hat, der braucht eine Tasche fürs Picknick. Womit sich der Kreis irgendwie schließt. Oder?”

Klingsor organisiert die Mitfahrgelegenheit.

Update: Lesungsvideo 1

ENRON the smartest guys in the room

Im Jenaer Programmkino “Schillerhof” läuft zur Zeit der Dokumentarfilm “ENRON the smartest guys in the room”, über einen der größten Wirtschaftsskandale der amerikanischen Geschichte. Enron Manager hatten massiv Bilanzen gefälscht, Mitarbeiterpensionen verschleudert und eine skandalöse Personalpolitik betrieben:

enron.gif

Im Frühjahr letzten Jahres wurde der Gründer des Konzerns des Betruges für schuldig befunden und starb.

Blogpolitik

Mit drei Themen:

1. Wer darf mich anlinken?

2. Ilmenauer Blogger von der Uni abgemahnt – Stipendium gestoppt, Exmatrikultion angedroht.

3. Wer Werbung auf seiner Seite schaltet, muß eine Gewerbe anmelden

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Wer darf mich anlinken?

Grundsätzliches wird mal wieder diskutiert in Berlin, München, Düsseldorf und Hamburg:

Darf der Internetauftritt der Tageszeitung “Die Welt” auf bekannte Blogs verlinken?

Manche verbitten sich das mit unhöflichen Worten, für manche ist das nicht das Thema.

Die “Welt Online” erscheint im Axel-Springer-Verlag, in dem unter anderem auch die BILD erscheint.

Zur BILD schrieb der außerordentliche Max Goldt einmal:

„Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz grade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”

Mein Nachbar und der Zynismus, in: Der Krapfen auf dem Sims, Berlin 2001

Dass dem so ist, kann jeder Neugierige fast täglich im meistgelesenen Weblog Deutschlands, dem BILDblog, nachlesen.

Dieses BILDblog, das die alltäglichen Fehler, Verleumdungen, Hetzartikel und Bigotterien der BILD akribisch auflistet, wurde nun von der Online-Redaktion der “Welt” explizit empfohlen.

Doch nicht nur das BILDblog, auch die “blogbar“, in der Don Alphonso die StudiVZ Probleme laut und deutlich besprach, und das “lawblog” von Udo Vetter, der sich Interviewanfragen der BILD-Redaktion explizit verbat, wurden entsprechend Neugierigen ans Herz gelegt.

Don Alphonso reagierte auf die Empfehlung mit deutlichen Worten (via):

“ich sage dem rechtsreaktionären Drecksblatt, dass ich von denen nicht verlinkt werden will. Zum Kotzen, dieses Pack – noch dazu, wenn manm sich anschaut, welchen Webschleim sie sonst nich verlinken.”

und offenbar in einer Mail direkt an die Redaktion:
(more…)

Carl Zeiss Jena schiesst drei Tore in den ersten elf Minuten

… und ich komme in der zwölften. Der FC Carl Zeiss Jena hat mit seinem 3:1 Sieg gegen 1860 München die Abstiegsposition in der 2. Bundesliga verlassen, mit einem Spiel, das über lange Strecken blödes Rumgebolze war, und ich komme zu diesem – wahrscheinlich bald legendären – Spiel eine Minute zu spät. Unglaublich. 11 022 Zuschauer! Und dann habe ich auch noch zehn Euro verloren. Ich hatte mit meinem Schwager gewettet, dass Jena auch dieses Spiel, wie soviele zuvor, kläglich verlieren wird. So wie sie dann spielten, hätte es auch eine Niederlage werden müssen, die 1860ger dominierten über weite Strecken das Spiel, und nur die personelle Überlegenheit – mehrere Stammspieler und der Trainer von 1860 München waren wegen Grippe und anderen Wehwehchen nicht nach Jena zu holen – sicherte den Überraschungserfolg in den ersten 11 Minuten. Legendär. Und ich, der sein erstes Fussballspiel überhaupt besucht, komme zu spät.

Naja, Jabb hat schöne Bilder.


Korrektur:
Eine dreissigsekündige Videoaufnahme des Spiels wurde wegen ungeklärter Rechtefragen – und wegen Verweisen auf erschreckende Präzedenzfälle – nachträglich aus dem obigen Beitrag gelöscht.

Der Link zu den Bildern von Markus Kämmerer ist allerdings korrekt. Markus war als akkreditierter Journalist vor Ort.

Nicht vergessen: Heute, 20 Uhr, Skypecast

Thema: “Bürgerjournalismus, cui bono, quo vadis, alea iacta est?“

Chefredakteur läßt bloggen – olle Kamellen Kolumnen

Morgendliche Überraschung im Feedreader: Der Chefradakteur der TLZ, Hans Hoffmeister, bloggt. Was das wohl sein wird, fragt sich da der – gemeine aber aufmerksame – Leser der Thüringischen Landeszeitung. Und es ist, wie soll es anders ein, eine Resterampe. Zweitverwertung der “Schlüsselloch”-Kolumne des Chefredakteurs. Man nennt das dann auch ganz modern “Blog” und erklärt frech:

“Was ist ein Blog? Weblogs sind Tagebücher.”

tlz.gif

Wie oft, bitte, wie oft weisen Blogger darauf hin, dass Blogs keine Tagebücher sind und in den seltensten Fällen tagebuchartigen Charakter haben? Aber es scheint nicht anzukommen in den Hirnen zwischen den graumelierten Schläfen.

Das “Blog” des Chefredakteurs wird, wie alle Blogs auf den Seiten der Zeitungsgruppe Thüringen, keinen Erfolg haben. Der Nutzen wird, wie immer, die Kosten nicht aufwiegen, und das Ganze wird genau so sang- und klanglos in der Ecke stehen, wie alle anderen Versuche Anschluß an die Mediendemokratie zu gewinnen. Traurig nur, daß uninformierte Leser hier einen völlig falschen Eindruck von Blogs bekommen.

Aber wir wollen die TLZ nicht allzusehr schelten. In einem Gespräch weist man darauf hin, dass man sich darüber im Klaren ist, dass das jetzt wohl nicht das Nonplusultra wird, man wollte lediglich die Vorteile, vor allem die Kommentarfunktion, der Blogtechnik nutzen, um die Leserreaktionen vom Print ins Netz zu holen. Eigentlich keine grundsätzlich schlechte Idee … wenn da nicht die formalen Mängel wären.

Einen winzigen Schritt in die richtige Richtung hat man allerdings auch unternommen: es gibt offenbar eine Trackbackfunktion. Das wollen wir doch gleich mal testen … hihi.
Klappt. Sieht gut aus. Problem ist nur, dass sich der Link im Popup öffnet. Aber sonst. Naja, vielleicht lesen wir mal rein, Herr Hoffmeister. Oder doch besser: Lieber Praktikant!

Nachtrag: Ach ja, einen “richtigen” Blogger soll es bei der TLZ irgendwann in der nächsten Zeit aber auch geben: Karsten Heuke. Der, der den Artikel über die Thüringer Blogzentrale für die TLZ verfasst hat und schon damals mit beeindruckender Kenntnis der Blogsophäre glänzte. Man darf also gespannt sein. Heukes eigenen Blogversuche sind ja eher Marketinginstrumente mit Augenkrebsgefahr. Ob er sich damit Freunde macht?

Sein Freund, der Betreiber der Webseite puffbohne.de, macht sich übrigens einer tüchtigen Unverschämtheit schuldig, indem er den RSS-Feed der THÜRINGER BLOGZENTRALE ungefragt in seine Seite einbindet. Auch wenn das nur zu privaten Zwecken geschieht, wird der Content von Suchmaschinen indiziert und führt den Leser direkt zur “Puffbohne”. Wie nennt man sowas nur gleich?

Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga am Freitag in Jena

Von Markus Kämmerer

fcz.gifFür den FC Carl Zeiss Jena geht es diesen Freitag um 18.00 Uhr im Ernst-Abbe-Sportfeld beim Spiel gegen den TSV 1860 München wieder um drei wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Bis Mittwoch Morgen wurden schon 7300 Karten für dieses Spiel verkauft.

Für das nachfolgende Auswärtsspiel gegen Unterhaching wird der FCC mit seinem Hauptsponsor für den Preis von 5 Euro, inkl. Ticket, 12 Busse zur Verfügung stellen. Weitere 1500 Karten stehen für die individuell anreisende Fans bereit.

Ausführliche Informationen der heutigen Pressekonferenz zu diesem Spiel hat Jens Mende in den Artikeln „Die Löwenbändiger sind heiß“ und „Kevin Schlitte: Vertrag bis 2009 verlängert“ auf Jenakompakt zusammengefasst.

Die Pressekonferenz zum Spiel FC Carl Zeiss Jena gegen TSV 1860 München gibt’s hier zum Nachören:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Der Bericht der TLZ zur Pressekonferenz

Löwen spielen ohne Cheftrainer: Vorbericht bei 1860

Bürgerjournalismus, cui bono, quo vadis, alea iacta est?

buejo.gifMichael G. schreibt eine Belegarbeit zu journalistischen Grundlagen (Bürgerjournalismus) und regionalen/lokalen Blogprojekten an der HTW Mittweida (Sachsen). Da liegt es natürlich nahe, auch mal bei der THÜRINGER BLOGZENTRALE anzufragen, wie die sich das so vorstellen und wie sie’s machen. Und da das Thema Bürgerjournalismus gerade ein sehr heißes ist, ist es sicher spannend, sich auch mal ausführlich über die gemeine Graswurzel und ihr Begehr auszutauschen. Aber nicht in einem blutarmen Livechat (*g*) zu unchristlichen Tageszeiten, sondern in einer Wahnsinns-Konferenzschaltung am Freitagabend, um 20 Uhr, im

Skypecast “Bürgerjournalismus, cui bono, quo vadis, alea iacta est?

Eingeladen sind alle Interessierten und Interessanten. Vielleicht findet sich ja auch ein hier mitlesender Vertreter des Lokaljournalismus ein. Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn wir viele Meinungen, aber auch einige Fakten zusammentragen können.

Man braucht dazu eine aktuelle Skype-Version und – wenn möglich – eine schnelle Internetverbindung.

Der Skypecast wird mitgeschnitten und – in Auszügen – später hier, zum Nachhören, zur Verfügung gestellt.

Michael (Radio-G), wie ging das gleich nochmal mit dem Mitschnitt?