Broder fragt Huber

broder-huber.gifDie Veranstaltung in der Aula der Universität Jena, die als “Debatte” angekündigt war, erwies sich als respektvoll-höfliches Interview vor Publikum. Keine Diskussion. Keine unbequemen Fragen. Nichts zu aktuellen Scheidungsdingen, oder dem nicht nachlassenden Mitgliederschwund der evangelischen Kirche. Und (fast) keine Studenten. Wenn man mal von ein paar wenigen absieht, bestand das Publikum vorwiegend aus Trägern der Ü50-Uniform: beige Jacke, beiger Rock/Hose, graue Schuhe.

Und so wie das Publikum war auch der Gast, der Vorsitzende des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber: Reserviert, diplomatisch, leidenschaftsarm. Auch wenn man, wenn man ganz genau hinhörte – und das tat nach anderthalb Stunden in einer überhitzten und überfüllten Aula eigentlich niemand mehr – dem “Gespräch” ein paar wenige, verklausulierte Statements entnehmen konnte:

Zur persönlichen Vorstellung von Himmel und Hölle und dem Bösen; der Forderung einer “epistemischen Demut” an die Wissenschaft; zur Frage “Was war vor dem Urknall?”; zur Nutzung der Schöpfungsgeschichte für einen Kreationismus als “pseudowissenschaftlichen Weltanschauung”; zu einem dezidiert christlichen Gottesbezug in der EU-Verfassung; zur Säkularisierung als kooperative Auseinandersetzung zwischen Staaten und Kirchen vs. Ablehnung, bzw. Dämonisierung in klar nichtsekularen kommunistischen Regimes; Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Protestantismus und Katholizismus; zum “Fall” Seehofer:

    Wer sich zum christlichen Glauben bekennt, hat natürlich einen Anspruch auf Wahrung seiner Intimsphäre, er hat aber keinen Anspruch auf einen Verzicht auf öffentliche Tugenden

zur Segnung, aber nicht Trauung homosexueller Lebensgemeinschaften; zur “Bibel in gerechter Sprache” und “Apostelinnen und Aposteln”; zu “flachen und dümmlichen” Gottesdiensten zu Weihnachten; schließlich zum Lieblingsthema Henryk M. Broders, dem Islam; zu seiner “Anziehungskraft des Einfachen und Überschaubaren”; Christentum als “Liebesreligion” vs. Islam als “Machtreligion”; zum interreligösen Dialog; zur Umwidmung von von Kirchen in Moscheen; Unterstützung des intellektuellen Islam – und zu guter Letzt, seinem kleinen Traum vom Bootsurlaub auf Brandenburger Seen:

Das fast anderthalbstündige Video gibt es nach dem Klick:

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NACHTRAG: Robat war offenbar bei derselben Veranstaltung. Hier sein Bericht.

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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3 Responses to “Broder fragt Huber”

  1. robat Says:

    erstaunlich, wie ähnlich du / wir das alles gesehen haben.
    aber schön geschrieben, angenehm prägnant.

    und wenn ich mal nicht schlafen kann, dann guck ich mir halt das video nochmal an …
    =)

  2. sven Says:

    vielen dank :)

    ja, ich fand es auch sehr schade, dass broder überhaupt nicht zur geltung kam – hauptsächlich seinetwegen war ich gekommen. aber ich hab noch einen kleinen interviewschnipsel mit ihm, der ist ein bißchen spannender … :o)

  3. sapere aude : Machtreligion? Says:

    [...] Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, sieht den Islam ja bekanntermaßen als eine “Machtreligion”. Ich habe da allerdings so meine Zweifel, wenn ich mir das Interview des Deutschlandfunks mit Ayyub Axel Köhler, dem Vorsitzenden des Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland, dem höchsten Vertretungsgremium muslimischer Organisationen in Deutschland, anhöre. Auf die Frage des DLF welche “aufgeschaukelten Sachfragen” den Dialog mit der EKD erschweren, fällt es ihm hörbar schwer konkrete Punkte aus dem Positionspapier der EKD, zum Verhältnis der Evangelischen Kirche zum Islam (“Klarheit und gute Nachbarschaft Christen und Muslime in Deutschland. Eine Handreichung des Rates der EKD”) zu benennen. [...]

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