Archive for June, 2007

Der 95-Thesen-Preis: Die Nominierten

test-4.gifUnter diesem Eintrag wurden die Nominierungen für den 95-Thesen-Preis, der mit 100 EURO dotiert ist, gesammelt.

Die Diskussion findet in einem anderen Blogeintrag, nämlich hier (bitte klicken!) statt.

Der Gewinner ist:


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Der 95-Thesen-Preis für den besten Blogeintrag

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    „Laut der Überlieferung soll der Mönch Martin Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen zu Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Disputation herbeizuführen. Damit leitete er die Reformation ein.“ Quelle: Wikipedia

Martin Luther gilt als der erste Blogger. Er hat ein, zu seiner Zeit supermodernes Publi- kationsmedium veritabel zu nutzen gewußt, um seine revolutionären Ideen und reformatorischen Ansätze für ein großes Publikum zu publizieren und hat damit einen der größten kulturellen und politischen Umbrüche in der Weltgeschichte eingeleitet. Als anekdotischer Beginn dieser langen Umbruchsphase gilt der Thesenanschlag an der Wittenberger Schloßkirche.

Die Diskussion um die Qualität, Verlässlichkeit und Nützlichkeit von neuzeitlichen Diskussionsbeiträgen und Thesen in Blogs ist schier unaufhörlich und unüberblickbar. Vor allem etablierte Medien und Blogger, aber auch Blogger unter sich, zeihen einander fehlender Seriösität, Irrelevanz, Gossenjournalismus, Klickhurerei und Schleichwerbung.

Blogs speisen ihre Bedeutung aus dem permanenten Strom von Diskussionen um des “Kaisers Bart”, und manchmal, aber nur manchmal, kommen dabei echte Perlen der Diskussionskultur zustande, werden kontroverse Thesen aufgestellt und wieder verworfen, wird mit ätzenden Polemiken aufeinander eingedroschen, werden kluge und leise, explosiv einleuchtende Anmerkungen gemacht – und manchmal wird vielleicht sogar eine Synthese gefunden.

Die Award-Kultur in der deutschen Blogosphäre ist mit grundsätzlichen Mängeln behaftet:

1. Die bedeutensten Preise werden von etablierten Medienunternehmen ausgelobt
2. Es gibt meist eine Jury, die mit erfahrenen Journalisten besetzt ist
3. Die Preise werden meist an Journalisten vergeben
4. Die Preise sind nicht blogspezifisch
5. Preisträger ist immer ein bestimmtes Blog, nie die Diskutanten oder Trackbacker
6. Publikumspreise haben immer den Mangel des Klickbetrugs

Blogs sind ein vielseitiges Medium, meist ein Hobby, manchmal ein Kleinstunternehmen, aber meist kreativer, schneller und facettenreicher als etablierte Medienunternehmen. Sie folgen anderen Gesetzmäßigkeiten und Idolen – wenn überhaupt. Blogeinträge sind in den meisten Fällen stark meinungshaltig und manchmal sogar hoch polemisch. Deshalb wird Blogs in toto Kampagnenjournalismus unterstellt und es werden Maßstäbe des etablierten Journalismus angelegt, wenn immer ein Blogeintrag unliebsam erscheint.

Blogs beziehen ihren Reiz vor allem durch den hohen Anteil an unmittelbarer Partizipation. Nicht zuletzt deshalb erscheint das, was in Blogs steht, oft unübersichtlich und manchmal gar als schlicht undurchsichtiges Meinungsdickicht. Dem werden oft strukturbildende Maßnahmen entgegengesetzt, wie etwa Blogcharts oder Blog-Awards, die allerdings nicht in der Lage sind die Dynamik von Blogs und der Dinge, die in ihnen stehen, zureichend abzubilden.

Um all diese Umstände annähernd zu berücksichtigen und um die Frage zu beantworten, was nun ein wirklich guter Blogeintrag ist, wird hiermit der „95-Thesen-Preis“ ausgelobt.

Vorschläge per Kommentar oder Trackback sind HIER [Link] vorzunehmen. Dort finden sich auch die Vorschlagskonditionen

Die Diskussion um den 95-Thesen-Preis soll hier unten geführt werden damit das Vorschlagsposting [Link] für die Vorschläge frei bleibt.

Der „95-Thesen-Preis“ soll dazu dienen, der Öffentlichkeit die besten deutschen Blogeinträge verfügbar zu machen, den primus inter pares zu küren, der THÜRINGER BLOGZENTRALE überregionale Aufmerksamkeit zu verschaffen und endlich die verdammte Frage zu beantworten, was eigentlich ein wirklich guter Blogeintrag ist.


*Die THÜRINGER BLOGZENTRALE ist ein bürgerjournalistisches Medium Thüringer Blogger. Es ist werbefrei, partizipationsorientiert und herausgebergeleitet. Alle Thüringer Blogger haben das Recht Beiträge zur Zweitveröffentlichung einzureichen. Es besteht keine Veröffentlichungspflicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Danke Don

Richtigstellung der Autorin des Beitrags:

Im Folgenden gebe ich wieder, worauf Don Alphonso hingewiesen hat: Er habe nicht “Alle Journalisten sind zynische Dreckschweine” gesagt, sondern “Journalisten sind zynische Dreckschweine”. Dies sei demnach ein falsch wiedergegebenes Zitat und deshalb zu korrigieren. Dies ist hiermit geschehen. Ebenso weist Don Alphonso darauf hin, dass dieses Zitat fiel, um eine lange Kette journalistischer Versäumnisse und Fehltritte aufzuzeigen, auf die hier nicht näher eingegangen wurde. Diese würden seine Aussage erklären. Mein Artikel risse das Zitat aus seinem Kontext und würde es seines Sinnes entstellen.

Der Beitrag wurde zur Vermeidung weiterer Streitigkeiten entfernt.

Hinweis: Da in der selektiven Darstellung durch Don Alphonso in verschiedenen Kommentaren auf unterschiedlichen Blogs der Eindruck entsteht, wir hätten unsererseits mit juristischen Konsequenzen gedroht, sei hiermit klargestellt:

Das ist unzutreffend. Man muß sich nur die Logik dieses verqueren “Arguments” vor Augen führen. Zu welchem Zweck hätten wir Don Alphonso mit dem Anwalt drohen sollen???

Wir haben Don Alphonso zu keinem Zeitpunkt “mit dem Anwalt gedroht”. Er schrieb stattdessen in seiner ersten Mail an uns folgendes:

    “Ich will keine weiteren Rechtsstreitigkeiten, ich habe genug Prozesse in meinem normalen Beruf, und würde mir deshalb wünschen, dass Du mal mit jemandem, der etwas mehr Ahnung von Medienrecht hat als Franzzi, die Sache durchgehst und überlegst, ob das Ding angesichts des gefälschten Zitates so zu halten ist. Ich mag niemanden in irgendwelche Messer laufen lassen.”

Unserer anschließenden Deutung, als Planung juristischer Schritte seinerseits, widersprach er nicht.

An diese Mail anschließend entspann sich ein längerer Emaildialog an dessen Ende wir ihn baten, die durch ihn beanstandeten Zitate noch einmal klar zu benennen, so dass wir eine Besprechung dieser möglichen publizistischen Mängel mit jemandem “der etwas mehr Ahnung von Medienrecht hat” als wir, noch einmal vornehmen können.

Die endgültige Entscheidung, den Text herauszunehmen, fiel, als Don Alphonso uns anschließend ein Ultimatum stellte, ohne seine Vorwürfe konkretisiert zu haben.

Grimme Online Award: Wer sind Lilli und Judith?

Von sapere aude

Ein bißchen komisch ist das schon. Da schreiben zwei, offenbar weibliche Personen einen Kommentar bei Stefan Niggemeier (22.37 Uhr):

Lieber Stefan Niggemeier,
herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Ja, es ist schon bekannt. Dem Grimme Institut ist der peinliche Fehler unterlaufen, dass es heute, 18.6.07, bereits die Preisträger online gestellt hat: http://www.grimme-institut.de/…..hp?id=582. Na ja, und wer hat (als einziges Angebot) in der Kategorie Bildung und Wissen gewonnen! Genau. Der elektronische Reporter…
— Judith — 18. Juni 2007, 22:37

und in der Blogbar (22.56 Uhr):

Kommentar von Lilli, 18.6.2007, 22:56

Tja, und jetzt ist dem Grimme Institut auch noch der peinliche Fehler unterlaufen, dass sie heute, 18.6.07, bereits die Preisträger online gestellt haben: http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=582 Und ratet mal, wer in der Kategorie Bildung und Wissen gewonnen hat! Genau. Der elektronische Reporter. Da fällt dir echt nix mehr ein…

Zur gleichen Zeit bricht die Lawine los. Angefangen bei Felix Schwenzel (um 22.52 Uhr), der möglicherweise die Kommentare zu dem Posting von Stefan abonniert hatte.

Bleibt die Frage: Wer schreibt zwei anonyme Kommentare sehr ähnlichen Wortlauts, kurz nachdem die Testseite online war – laut Grimme-Management ca. 22.40 Uhr? Und woher wissen die, dass die Seite online war? Und wieso wird solange von niemandem bemerkt, dass sie auch frei zugänglich ist? Und wer sind Lilli und Judith?

Tag: Grimme Online Award

Ich bitte das Doppelposting zu entschuldigen, aber bei mir drüben geht grade gar nix mehr.

Grimme Online Award noch zu retten?

grimme.jpgDer wahrscheinlich angesehenste deutsche Medienpreis, der auch in der Sparte “Online” vergeben wird, hat nun nicht mehr nur Kratzer im Lack, sondern tiefe Scharten. Nachdem für den diesjährigen Grimme Online Award nicht nur ein Onlineangebot nominiert wurde, das zu zu Beginn der Nominierungsphase gerade mal gestartet war (einen Tag vorher) und dann sogar einer der Juroren aus der Jury austrat, um sich nachnominieren zu lassen, ist heute offenbar eine Bombe geplatzt:

Die Sieger wurden vermutlich nun, zwei Tage zu früh auf der Webseite des Grimme Online Awards veröffentlicht. Unter den Preisträgern sollen sich das nachnominierte Jurymitglied Mario Sixtus (Elektrischer Reporter) und – noch bedenklicher – auch das Webangebot befinden, das einen Tag vor Abschluß der Vorschlagsphase gestartet war. Im Bereich Publikumspreis. Hier war die Abstimmung – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Preisträger – aber offiziell noch gar nicht beendet.

Nicht auszuschließen ist, dass es sich bei der veröffentlichten Seite (nicht mehr online) um eine Testseite handelte, die von einer aufmerksamen “Leserin” (bereits um 22.37 Uhr) entdeckt wurde. Vermutlich handelt es sich um ein und dieselbe Person, die sich einmal als “Lilli” und einmal als “Judith” identifiziert. Alle nachfolgenden Berichte bauen auf diesen Kommentaren auf.

Bedenklich wäre eine bewußte Lancierung dieses Vorfalls von Seiten des Grimme Online Awards um die Aufmerksamkeit für dieses Ereignis zu erhöhen, um danach mitzuteilen, dass es sich bei diesem vermeintlichen Fauxpas nur um einen Test gehandelt habe.

Bereits im November letzten Jahres hatte es ebenfalls Diskussionen um Schlampereien und “Klickbetrug” beim Uservoting des “Best of Blogs”-Awards der Deutschen Welle gegeben.

Nachtrag (11.37 Uhr): Das Management des Grimme Online Awards teilt auf telefonische Nachfrage der THÜRINGER BLOGZENTRALE mit, dass es sich bei der versehentlich, um ca. 22.40 Uhr online gestellen Seite natürlich nicht um eine bewußte PR-Strategie handelte. Das Uservoting wurde bereits um 17 Uhr beendet, um die Vorbereitung der Preisträgerseite zu ermöglichen.

Braucht Deutschland Mindestlöhne?

Geht es nach der SPD, offenbar nicht so richtig. Im März hatte der Juniorpartner in der Großen Koalition noch eine Unterschriftenkampagne gegen Lohndumping und für Mindestlöhne gestartet, mit folgenden Worten:

    “Gerechter Lohn für gute Arbeit sollte eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem arbeiten in Deutschland immer mehr Menschen Vollzeit, ohne von ihrem Lohn die Familie ernähren zu können. Armutslöhne verletzen die Würde des Menschen. Lohndumping schadet unserer Wirtschaft. Die SPD hat deshalb mit Unterstützung der Gewerkschaften eine Unterschriftenkampagne [PDF, 466 kB] für Mindestlöhne gestartet.”

SPD-Parteichef Kurt Beck hatte sein Eintreten für Mindestlohn im April noch einmal ausdrücklich bestätigt:

    “Deutschland braucht einen gesetzlichen Mindestlohn. Menschenunwürdige, diskriminierende Löhne darf es nicht mehr geben. Weil die Tarifpartner das nicht allein schaffen, ist am Ende ein gesetzlicher Mindestlohn nötig, der die Untergrenze über alle Branchen hinweg beschreibt.”

Die Linkspartei kann diese Sache natürlich komplett unterschreiben und hat das auch getan. Und nicht nur das. Man brachte einen Antrag zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in den Bundestag ein, der zur Begründung den Wortlaut der Unterschriftenkampagne exakt übernahm und begleitete das mit folgenden einfühlsamen Worten:

    “Wir begrüßen auch, dass es in Teilen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion offene Sympathien für die Einführung von Mindestlöhnen gibt. Dann steht einer breiten Bundestagsmehrheit für den Antrag der Linken für die Einführung von Mindestlöhnen, der die Forderungen der SPD-Kampagne aufnimmt und gestern in den Bundestag eingereicht worden ist, nichts mehr im Wege.”

Die SPD (und natürlich auch CDU und FDP) stimmte im Bundestag gegen den Antrag.

An diesem Wochenende wird die neue Partei aus WASG und Linkspartei gegründet. Mit dem abgelehnten Antrag hat sich die “Die Linke”, wie sie sich dann nennt, ein schönes Geschenk gemacht. Im Jahr 2009 könnte Die Linke dann den ersten Ministerpräsidenten, der SED-Nachfolgeorganisation stellen. In Thüringen.

Was denkt Ihr zum Thema Mindestlohn? Wie findet Ihr die Entscheidung der SPD gegen die eigene Unterschriftenkampagne? Haltet Ihr es für realistisch, dass ein Mitglied der ehemaligen SED Ministerpräsident in Thüringen wird?

Schon wieder einer …

Kommentar von sapere aude

Warum ist es nicht möglich, dass Blogger werbliche Einträge* in ihren Blogs unterlassen? Und wenn sie sich dessen schon nicht enthalten können, das nicht mal kenntlich machen? Es ist zum im Halbkreis kotzen. Man ist tatsächlich versucht zu sagen, dass all die Kritiker, die Bloggern billige Käuflichkeit unterstellen, Recht haben, auf ganzer Linie richtig liegen. Auch heute war in einem Blogeintrag auf einem Thüringer Blog wieder die ungekennzeichnete Präsentation eines Sponsors zu finden.

Und das ist Scheiße!

Man könnte einwenden, dass ich mich hier künstlich ereifere. Dass es mich schließlich nichts angeht wenn jemand bloggt was er will. Das mag richtig sein. Und glücklicherweise gibt es noch keine Aufsicht der Landesmedienanstalten über Blogs – aber es ärgert mich. Und das vor allem deswegen, weil ich diese Blogger und ihre Beiträge eigentlich mag. Es gibt ein paar Thüringer Blogs, die nur der Suchmaschinenoptimierung und der Werbung dienen. Dieses Zeug ist unlesbar und deshalb in der TBZ auch nicht verlinkt. Man kann diesen Mist ignorieren, aber man kommt ja an Blogs, die eigentlich solide inhaltliche Arbeit abliefern nicht vorbei.

Es fällt natürlich schwer, nein zu sagen, wenn ein Sponsor um ein Erwähnung bittet. Es fällt natürlich leicht, festzustellen, dass man sich gegenseitig helfen, unter die Arme greifen kann, dass ja jeder was davon hat, wenn man ein bißchen Werbung macht. Und eine Erwähnung ist ja noch lange keine Werbung. Auch wenn es sich um eine einstündige Erwähnung handelt.

Blogeinträge, die sich mit dem Wirken eines Werbepartners oder Arbeitgebers beschäftigen sind mindestens grenzwertig, wenn nicht klipp und klar als Product-placement oder Schleichwerbung zu bezeichnen, auch wenn der Eindruck eines redaktionellen Interesses transportiert wird, das ohne Zweifel sicher auch bestehen kann.

Man kann das Problem aber vielleicht so verdeutlichen: Wenn Parteien die täglichen Nachrichten zusammenbasteln würden, würde man dann noch Nachrichten gucken? Liest irgendwer von Euch die regionalen Tageszeitungen? Und warum nicht? Weil sie zu 80% aus Hofberichterstattung, Werbung, PR und Pressemeldungen bestehen.

Blogeinträge, die sich mit einem Sponsor oder einer Institution beschäftigen, von der man ideell oder finanziell abhängig ist, sind wertlos weil sie keine Information transportieren, und selbst wenn, immer den Verdacht der Gekauftheit tragen. Der Blogger verliert damit einfach an Glaubwürdigkeit, vor allem dann, wenn er sonst tatsächlich wertvolle Informationen publiziert.

Hinweis: Bei diesem Eintrag handelt es sich um einen Kommentar. Er ist in einer speziellen Schärfe abgefaßt um eine – gern auch heftige – Diskussion anzuregen. Persönliche Beleidigungen wurden jedoch natürlich bewußt vermieden. Kommentare zu diesem Eintrag, die beleidigende Äußerungen oder die Diskussion von Persönlichkeitseigenschaften enthalten, werden unkommentiert gelöscht.

NACHTRAG 2: *Gemeint sind Blogeinträge oder Banner, die nicht als Werbung gekennzeichnet sind. Oder die nicht auf das Sponsoring des Blogs hinweisen, wenn sich der Eintrag auf den Sponsor bezieht.

NACHTRAG: Es gibt allerdings auch Werbung in Blogs, die man bringen darf. Wenn sie wirklich witzig ist!

Wie zum Beispiel die Improvisationen beim Dreh der Frostaspots:
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Jena: Autofreier Sonntag – Nahverkehr kostenlos

Am kommenden Sonntag wird zum autofreien Sonntag aufgerufen. Autobesitzern wird empfohlen das Auto stehen zu lassen und die – nur am Sonntag – kostenlosen Nahverkehrsmittel zu nutzen. Und damit sich auch jeder dran hält werden von 10 bis 18 Uhr folgende Straßen gesperrt:

- Östlicher Löbdergraben nur aus Richtung Lutherplatz bis Roter Turm (Gegenrichtung frei).
- Südlicher Löbdergraben zwischen Fischergasse und Holzmarkt
- Teichgraben zwischen Holzmarkt und Leutragraben
- Schillerstraße ab E.-Abbe-Straße bis Teichgraben
- Leutragraben ab Krautgasse bis Teichgraben

(Mit Google-Maps sind nur ungefähren Abschnitte angegeben!)

Der Jenaer Stadtrat hat einen umfassenden Beschluss zur Unterstützung der Autofreien Tage am 17.6. und 22.9. gefasst. So wird am 17.6. der Nahverkehr kostenfrei fahren. Außerdem sollen zahlreiche Angebote für Familien und Aktionen / Infostände zum Thema Umwelt / Klima in der Jenaer Innenstadt stattfinden.

Angst

Der Jenaer Stadtrat diskutierte am vergangenen Mittwoch lange über ein einziges Wort: Rechtsextremismus

Die Stadt will nämlich einen Fonds einrichten – bzw. fortführen – der sich der politischen Bildung widmet. Einen Fonds, der Projekte unterstützt, die über Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz aufklären sollen.

linkss.gifIm Stadtrat war man sich über die Mittel von zunächst 15.000 Euro, später 30.000 Euro einig – nur die Formulierung war unklar. Sollte man speziell den Kampf gegen Rechtsextremismus in den Titel mit aufnehmen oder sollte man alle Extremismusformen, also v.a. auch den Linksextremismus mit einschließen und deshalb auf eine explizite Nennung des Rechtsextremismus verzichten?

Den Stadträten, die solches vorschlugen, ging es auch um sogenannte “Fanprojekte”, also Hooligans, aber vor allem von Stadträten der CDU wurde, mit Blick auf die Ereignisse in Rostock, der Linksextremismus dem Rechtsextremismus gleichgestellt.

Der Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen zum Jahr 2006 schreibt zum rechtsextremistischen Gewaltpotential in Thüringen u.a. folgendes:

    “Zahlreiche Neonazis, unter denen sich viele Führungskader befinden, sind vorbestraft, weil sie Gewalttaten – oft mit allgemeinem kriminellen Hintergrund – begangen haben. Wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, kommt es sowohl gegenüber dem politischen Gegner als auch untereinander durchaus zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Seit einigen Jahren treten in einigen Bundesländern bei rechtsextremistischen Demonstrationen mitunter Personengruppen auf, die sich als „Autonome Nationalisten“ bezeichnen. Deren Kennzeichen sind:

    · militante Kampfformen („Schwarzer Block“ und Gewaltandrohungen gegen Polizei und Gegendemonstranten),

    · ein verändertes Outfit (schwarze Kleidung oder/und Vermummung),

    · die Verwendung abgewandelter „linker“ Symbole und einer Sprache mit Anglizismen.

Linksextremistische Gewalttaten richten sich fast ausschließlich gegen Rechtsextreme. So beschreibt der Verfassungsschutzbericht die Aktivitäten linker “Autonomer” in Thüringen so:

    “Das Potenzial der gewaltbereiten autonomen Szene Thüringen belief sich 2006 auf etwa 150 Personen; somit stagnierte es weiterhin auf dem Stand des Jahres 2002. Die Zahl, die Art und die Intensität der Aktivitäten, die im Freistaat auf die Autonomen zurückgingen, änderten sich im Wesentlichen nicht. Auch im Berichtszeitraum blieben „traditionelle“ Aktionen und Aktivitäten, die über mehrere Jahre stattgefunden hatten, aus. So organisierte die autonome Szene auch 2006 keine „Revolutionäre Mai-Demonstration“, die von 2001 bis 2004 jährlich organisiert worden war.

    Diese Entwicklung ist vor allem darauf zurückzuführen sein, dass sich die Aktivitäten der Szene auch 2006 nahezu ausschließlich auf das Aktionsfeld „Antifaschismus“ konzentrierten.”

Der Jenaer Oberbürgermeister, Dr. Albrecht Schröter, hatte einen Gegenantrag zur Diskussion gestellt, in dem er sich zunächst für eine allgemeine Formulierung aussprach, die alle Formen des Extremismus mit einschließen sollte und damit die Gefahren des Linksextremismus denen des Rechtsextremismus gleichstellte. Schröter lenkte dann aber, nach einer mehrstündigen Diskussion und einem Kompromißvorschlag der PDS, ein, den Titel des seit Jahren laufenden Stadtprogramms “Gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Intoleranz (Beschlossen durch den Runden Tisch für Demokratie der Stadt Jena am 27. Juni 2001)” zu übernehmen.

rechtss.gifEbenfalls in der letzten Woche wollte das Ordnungsamt in dem kleinen Eichsfelder Örtchen Heiligenstadt den Auftritt einer sechzehnköpfigen Klezmerband, die in 200 Metern Entfernung zu einem Nazi-Aufmarsch an einem SPD-Informationsstand spielen wollte verbieten. Die Band durfte heute nur nur noch in einer kleineren Besetzung auftreten.

Das Ordnungsamt begründete den Verbotsversuch damit, dass sich Landratsamt, Polizei und Stadtverwaltung in einer Sitzung darüber einig gewesen sein sollen, dass eine “Gefahr durch die Mengenlage bestehe“.

Blogzählung: Wieviele Blogs gibt es?

blogsss1.gifDer Blogstatistikdienst “Blogcensus”, der die Aufgabe hat sämtliche deutschsprachige Blogs zu zählen, verzeichnet bis heute insgesamt 110.115 deutschsprachige Blogs. Wie einer der Betreuer des Blogcensus, Jens Schröder (Popkulturjunkie), in einem Podcast der “netzwelt” berichtet, soll die Gesamtliste der Blogs nicht veröffentlicht werden. Wie dann allerdings die Überprüfbarkeit der Daten gewährleistet sein soll bleibt fraglich, aber möglicherweise ist für die Zukunft eine Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen vorgesehen, die umfassenden Datenschutz gewährleisten.

Interessant ist das Projekt vor allem auch deswegen, weil Schröder noch Ende April den Ansatz der Thüringer Blogzentrale, nach sämtlichen Thüringer Blogs zu suchen, als “merkwürdige Volkszählung” abtat*

Laut einer (nicht wirklich ernstzunehmenden) Hochrechnung der THÜRINGER BLOGZENTRALE gibt es in Deutschland ca. 8000 Blogs. Eine Zahl, die stark von den bisherigen Zahlen der Blogcensusrechnung abweicht. Auch wenn hier derselbe Vollständigkeitsanspruch zugrundeliegt: Die Ermittlung der Gesamtzahl Thüringer Blogs. Die Zahl 8000 ergibt sich aus dem Faktor, der sich aus dem Bevölkerungsanteil Thüringer Blogger errechnet, übertragen auf die deutsche Gesamtbevölkerung. Unser Suchalgorithmus ist allerdings weniger geheimnisvoll als die Blogcensusmethode: Wir suchen explizit nach Blogs, die sich zu Thüringen äußern, nehmen Empfehlungen auf und suchen nach Blogs mit Thüringer Impressum.

Datenschutzbedenken können wir mit der Feststellung entgegnen, dass nicht nur allen gelisteten Bloggern bekannt ist, dass sie in der Blogroll der Thüringer Blogzentrale stehen, sondern dass eine große Zahl selbst um Aufnahme ersucht hat und dass es selbstverständlich keine Zwangsverlinkung gibt.
Zwei Blogs haben bisher explizit um den Ausschluss gebeten, nicht jedoch aus Datenschutz-, sondern aus ideellen Gründen.

Der Datenschutz bleibt auch insofern gewährleistet, als dass keinerlei weitere Daten – es sei denn mit explizitem Einverständnis der jeweilig Betroffenen – publiziert werden, lediglich ihre Zuordnung zu einem Bundesland und einer bestimmten Stadt ist möglich. Diese Informationen können in aller Regel auch dem Impressum des jeweiligen Blogs entnommen werden. Wem die Zuordnung zu einer bestimmten Stadt nicht angenehm ist, der kann sich selbstverständlich auch ganz allgemein unter der Rubrik Thüringen einordnen lassen.

Die bei Blogcensus angegebene Zahl von 110.115 Blogs ist jedenfalls zunächst das unsortierte Ergebnis eines automatischen Crawlers. Die gründliche Suche nach deutschsprachigen Blogs, die noch aktualisiert werden und keinen reinen Spam darstellen, wird mühsam von Hand und per Augenschein vorgenommen. Eine Sisyphosarbeit, kommen doch täglich hunderte neuer – vor allem Spam und SEO – Blogs hinzu, auch wenn sich laut Frankfurter Allgemeine Zeitung das Wachstum der Blogosphäre abgeschwächt hat. “Die Blogosphäre hat ihren Zenit überschritten” titelte man Ende Mai und fragt suggestiv: “Ist Bloggen bald wieder aus der Mode?”

Die Angaben der FAZ stammen v.a. auch von der quasi alleinstehenden Blogsuchmaschine Technorati, die zwar inzwischen die weiterhin zunehmende Zahl von weltweit 70 Millionen Blogs verzeichnet, wobei jedoch eher die Zahl der Blogleichen, denn die Menge der aktiv betriebenen Blogs zunimmt. Letztere stagniert nämlich. Die tägliche Postingfrequenz und die Zahl der neuen Blogs pro Tag hat 2006 ein Plateau erreicht.

Häufig wird die Zahl und Bedeutung der deutschen Blogs mit der amerikanischer Blogs verglichen. In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk meint Stefan Niggemeier auf den Einwurf der Moderatorin, dass die deutsche Blogsophäre im Vergleich zur amerikanischen noch “in den Kinderschuhen” stecke, dass die Ursache dafür wohl in der streitfreudigeren amerikanischen Diskussionskultur zu suchen sei – im Vergleich zur deutschen Konsenskultur – und zum anderen im Unmut über die gleichgeschaltete amerikanische Medienlandschaft, der in Deutschland dieses Ausmaß wohl noch nicht erreicht habe:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Die Annahme, dass es in Deutschland eine geringer ausgeprägte Streitkultur gäbe und dass der Unmut über Medieneberichterstattung in Deutschland wohl geringer sei, kann man mit dem Verweis auf die Chiffre Heiligendamm durchaus bezweifeln.

Zu dieser Problematik sollte man außerdem noch zwei wesentliche Fakten mit berücksichtigen: US-amerikanische Blogger schreiben nicht nur für ein Publikum, das fast viermal so groß ist, wie das potentiell deutsche Publikum, sie schreiben auch in der lingua franca der Welt, zu Themen, die durchaus auch Bedeutung für den Rest der Welt haben, wie z.B. zur US-amerikanischen Außenpolitik. Wir können hier also von einem osmotischen Vorgang sprechen – der einseitigen Diffusion von Lesern durch eine semipermeable Membran der Sprachgrenzen. Damit ist es möglich, dass durch die hohen Besucherzahlen in US-amerikanischen Blogs Werbeerlöse erzielt werden, die es durchaus anstrebenswert erscheinen lassen das Bloggen zum Fulltimejob zu machen, was im deutschsprachigen Bereich bisher nur sehr eingeschränkt möglich ist. Zu der hohen regelmäßigen Leserzahl kommen die Besucher, die über Suchmaschinen auf die außerordentlich stark verlinkten und deshalb in der Trefferhierachie weit oben stehenden Blogs gelangen. Diese “zufälligen” Besucher machen einen Großteil des Umsatzes durch Textwerbung aus.

Fragen, die sich in Zukunft für die deutsche Blogosphäre stellen, sind wohl keine nach extraordinärer Zunahme der Bloganzahl mehr. Mit der Stabilisierung der Zahl der Internetanschlüsse und der Internetnutzung wird sich möglicherweise auch die Zahl der Blogs stabilisieren.

Die kommenden Entwicklungen werden vermutlich eher in die Tiefe gehen. So dürfen wir auf die neuesten Diversifikationen und Aggregationen gespannt sein, also die Herausbildung und Weiterentwicklung von Blogs mit Spezialthemen und die zunehmende Bündelung von Know-how und Ressourcen.

Fast ebenso wichtig wie die Anzahl von Blogs ist die Zahl ihrer Besucher. Auch hier gibt es nur sehr ungenaue Zahlen zur Besucherzahlentwicklung. Die Angaben des Blogstatistikdienstes Blogscout reichen leider nur sieben Monate zurück, doch so wie es aussieht, bleiben auch die Besucherzahlen über die letzten Monate, mit 300.000 bis 400.000 täglichen Unique Visitors recht stabil. Die zunehmende Zahl der Blogs, die auf der Statistikseite verzeichnet ist, meint die Blogs, die sich bei Blogscout anmelden. Da das noch ein freiwilliger Vorgang ist, ist hier auch noch mit einer kontinuierlichen Zunahme zu rechnen. Verknüpft man allerdings die Zunahmekurve mit der stabilen Besucherzahlkurve könnte man u.U. vermuten, dass die Gesamtbesucherzahlen in der deutschen Blogsophäre sogar rückläufig sind. Auf eine Email mit Fragen zu dieser Entwicklung hat Dirk Olbertz, der Betreiber von Blogscout, bisher leider nicht geantwortet.

Mit der wachsenden Professionalisierung stellen sich natürlich definitorische und formale Fragen: Können Blogs, die hauptamtlich von Journalisten betrieben werden, noch ihren ursprünglichen Charakter als autonom-authentische “Onlinetagebücher” wahren oder sollten diese nicht auch den klaren Regeln der hart durchgreifenden Landesmedienanstalten unterliegen – im Gegensatz selbstverständlich zu Blogs mit gelegentlichen Meinungsäußerungen und vielen Links …

Aber das ist eigentlich eine ganz andere Geschichte.

*Der Begriff Volkszählung ist durchaus auch negativ konnotiert, da einer solchen Erhebung von statistischen Bevölkerungsdaten häufig Datenschutzmängel unterstellt werden. Siehe auch DLF-Podcast zur letzten Volkszählung in der Bundesrepublik 1987).

Bunte Huckel

Wer kann sachdienliche Hinweise zu Aufklebern in der Jenaer Innenstadt mit diesem Motiv geben?

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Bitte wenden Sie sich hierzu vertrauensvoll an unseren Viral-Marketing-Experten JaBB!
Dort gibt es auch mehr Beweisfotos und eine Karte der Tatorte.