Ebay-Bloggercontest

Glosse von sapere aude

Gegen diese Aktion waren die Opel-Kampagne und der “Casio Exilim EX-V7″-Reinfall wirklich harmlose Werbeideen. Aber vielleicht hab ich’s nur nicht so richtig kapiert …

Also, Ebay hat sich sechs Blogger eingekauft, die jetzt, in einem eigens dafür aufgesetzten Ebay-Blog, ihre Popularität dafür nutzen, das Internet-Auktionshaus Ebay beliebter zu machen.

Das ist nichts Ungewöhnliches. Boris Becker macht es, der “Kaiser” macht es, Harald Schmidt macht es, Rudi Völler macht es, Ottfried Fischer und Günther Jauch auch … und was soll man sagen, sie wirken alle dadurch, dass sie Werbung machen, seriöser, einfach … irgendwie … glaubwürdiger.

Nun ja, es ist ja auch wichtig wofür man diese Werbung macht. Ein guter Werber muß sich doch mit dem Produkt, für das er wirbt, identifizieren können. Rudi Völler, Ottfried Fischer und Günter Jauch zum Beispiel mit Bier, das ja auch noch was Gutes für den Regenwald, das Kinderhilfswerk und – ja auch für die DKMS tut.

Ganz ähnlich gelagert ist nun offenbar auch diese Ebay-Geschichte. Denn ohne Regenwald, Kinder und/oder Knochenmarkserkrankungen geht heute in der Werbung eigentlich gar nix mehr.

Und dieser Idee können offenbar auch die sechs Ebay-Freunde einiges abgewinnen. Bei der es – wenn ich das jetzt wirklich richtig verstanden habe – darum geht, dass der jeweilige Blogger irgendwelchen Krimskrams bei Ebay ersteigert, diesen irgendwie bearbeitet/modifiziert/ergänzt und dann wieder zur Versteigerung bei Ebay einstellt. Ersteigert werden soll der Kram dann von den treuen Lesern.

Ja, das ist mal eine Aktion mit Köpfchen. Und da haben irgendwie alle was davon – sogar die Deutsche Knochemarkspenderdatei.

Aber wie ist jetzt das hier zu verstehen:

    “Sollte es tatsächlich Leute geben, die das Zeug ersteigern und auch eine positive Bilanz dabei herausspringen, wird der Gewinn zum Ende der Aktion an die DKMS gespendet.”

Wird dann bei Ebay, im übertragenen Sinne, Knochenmark versteigert? Ist das so zu verstehen, dass nur eine Spende an die DKMS geht, wenn genügend Leute mitbieten und dann von dem Geld auch was übrigbleibt – also Gewinn eingefahren wird? Wird hoch genug geboten, kriegt auch die DKMS was ab – wenn nicht, dann nicht?

Hab ich da was falsch verstanden? Sicher!

In dem “Bloggercontest”-Blog steht jedenfalls:

    “Das erwirtschaftete Geld wird am Ende der Aktion der DKMS [...] gespendet.”

Aber was ist jetzt das “erwirtschaftete” Geld? Alles, was in der Auktion eingenommen wurde? Wow, dann solltet Ihr alle soviel bieten, wie möglich und ganz vielen Leuten Bescheid sagen, dass es ein paar wirklich wertvolle Dinge zu ersteigern gibt:

  • ein Batman-Kostüm (getragen),
  • ein Werbe-T-Shirt,
  • eine Autogrammkarte (signiert, von MC Winkel!!!),
  • eine Cartoon-Figur (“Scratchy”),
  • ein Polaroid-Foto,
  • ein paar Handzeichnungen (selbst ausgeschnitten!!!)

Also, liebe Leser, erzählt die Geschichte weiter! Jeder, der von der Möglichkeit Knochenmark zu spenden erfährt, ist ein Gewinn!

[Was andere Blogger zum Thema schreiben.]

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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13 Responses to “Ebay-Bloggercontest”

  1. strudel Says:

    War ja klar, dass sich da keiner traut einen Kommentar zu schreiben.

    BTW: Wenn da jetzt am Ende doch der ein oder andere Euro für die DKMS übrig bleibt, ist das dann “schmutziges Geld”?

  2. sapere aude Says:

    Man könnte die Frage auch umdrehen: Ist es “gutes” Geld?

    Es ist einfach immer ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es gut, wenn das Geld einem guten Zweck zugute kommt – aber die Ebay-Aktion wird nicht unternommen, weil für die DKMS gesammelt werden soll. Der Bloggercontest dient nicht der DKMS, sondern die DKMS dient Ebay und den lustigen Sechs als Mittel zum Zweck.

    Die Frage ist, zu welchem?

    Feigenblatt? Akzeptanz-booster?

    Soziales Marketing ist problematisch, wird aber offenbar immer beliebter: die Telefonauskunft 11899 wirbt mit einer Spende von 9,9 Cent pro Anruf an die Deutsche Krebshilfe. Volvic will für 1 Liter Mineralwasser vier Liter sauberes Trinkwasser in Äthiopien beschaffen. Blend-a-med spendet für ein SOS Kinderdorf in Brasilien usw. usf.

    Wenn man sich die Summen anschaut, die bei den Bloggercontest-Auktionen im Moment zusammenkommen und die kommenden fünf Wochen noch erreicht werden könnten, dann kommt bei der DKMS wohl nicht so dolle viel an

  3. pulsiv Says:

    ja… genau das stört mich auch an der sache… es kommt in meinen augen zu wenig geld für die dkms raus. und das lässt die sache so nach werbung riechen.

  4. Titania Carthaga Says:

    @pulle: Es i s t ja Werbung. Oder hab ich was falsch verstanden? (jaja, ich bin Spam, ich weiß. Ich tus nie wieder…)

  5. pulsiv Says:

    klar isses werbung. hab ich nie bestritten. aber hier wird den leuten vorgegaukelt, dass da die gute absicht, etwas zu spenden im vordergrund steht. was bei den paar popligen auktionen dann rauskommt, soll an die dkms gehen? oh echt? sooo viel? ich mein… flaschenöffner… hallo?
    wenn ebay ein paar tausend noch drauflegt, dann find ich das in ordnung. und nix gegen die blogger die da mitmachen! ist echt in ordnung! auch dass die geld dafür kriegen… alles ok. aber unterm strich kommt zu wenig geld für die gute sache bei raus. und DAS hinterlässt den bitteren beigeschmack der billigen promotion.

  6. Robby Says:

    Naja, meines Erachtens nach geht es eher auf die DKMS aufmerksam zu machen, als Unsummen für sie zu spenden. Und dafür nimmt man mehr oder minder bekannte Blogger (ich kannte bei aller Liebe nur drei, mögen mich die restlichen bitte nicht steinigen, guck’ ich doch eher selten in die oberen Riegen), die eine entsprechende Anzahl von Leuten erreichen.
    So sieht das zumindest mein idealistisch-naives Ich.

    Und ebay? Kennt doch ee jeder und ist für mich eher Mittel zum Zweck, nämlich auf das Thema/die DKMS aufmerksam zu machen.

  7. sapere aude Says:

    Robby, glaubst Du ernsthaft daran, dass Ebay diesen großen Spaß veranstaltet, um auf die DKMS aufmerksam zu machen?

  8. Kyri Says:

    aha… und wieviel muss denn nun eine Firma vorab spenden um in einer Marketingaktion den Verein zu nennen und bespenden zu dürfen? Würden dann nicht die nächsten wieder herumplärren, die Firma hätte sich den guten Zweck erkauft? So kann man die Fackel der Scheinheiligkeit immer weiterreichen, von einer Glosse zur nächsten…

    Vielleicht ist es ja auch egal, solange Geld zusammenkommt und der Verein dadurch bekannter wird? (Auch wenn das vielleicht nicht das Ziel der Aktion ist.)

  9. sapere aude Says:

    Kyri, Du unterstellst hier irgendwem Scheinheiligkeit?

    Sorry, aber …

    Solange Du hier mit einer Phantasie-Emailadresse kommentierst unterstelle ich Dir erstmal, dass Du auf der Ebay-Gehaltsliste stehst. Aber so erreicht ja die Kritik offenbar den richtigen Adressaten. Korrigier’ mich bitte, sollte ich da falsch liegen!

    Was Dein Argument betrifft: Richtig, eine Marketingaktion, die sich als “Gute Sach’” verkauft, indem sie eine fiktive Spendenhöhe an das Ausmaß der Beteiligung der Konsumenten bindet, stinkt immer, meiner Meinung nach.

    Am besten wäre, jede Firma, die kommerzielle Werbung für ihre Produkte machen will, läßt Verweise auf mögliche – an die Marketingaktion gebundene Spenden weg.

    Generelle Spenden an Hilfsorganisationen sind kein Problem. Natürlich nicht :o) Auch nicht wenn diese Spenden von einem Unternehmen kommen.

    Aber zu sagen, ich mach jetzt hier mal Werbung und wasch mich rein, indem ich sozusagen einen “Schuldpfennig” zahle … nee, warum?

    Die Aktion wäre doch grundsätzlich nicht zu beanstanden gewesen. Man hat dazugelernt. Es gibt ein Extra-Blog, es ist klar als Werbung gekennzeichnet. Und die 6 bezahlten Blogger haben in ihren Blogs mehr oder weniger korrekt auf die Aktion hingewiesen und dass jemand seinen “guten Namen” für ein Produkt hergibt, das er eventuell gar nicht mag, ist ja jedem selbst überlassen.

    Es hätte alles so schön sein können …

  10. Kyri Says:

    Leider hast du einen kleinen Punkt dabei übersehen. Bei der Aktion springt nunmal Geld heraus. Und zwar durch die Leute, die bei den Auktionen bieten, was nunmal auch das Publikum ist, an das sich die Aktion eigentlich wendet. Dieser Erlös ist etwas heikel, da sich mit Sicherheit niemand, weder ebay noch die 6 Blogger, an dem Geld der eigentlichen Rezipienten bereichern wollen. Somit wird es gespendet und zur Wahrung der Transparenz auch darauf verwiesen an wen. So einfach seh ich das.

    Vielleicht siehst du jetzt auch den kleinen aber feinen Unterschied zu Krombacher-Regenwaldbier?

  11. Robby Says:

    “Robby, glaubst Du ernsthaft daran, dass Ebay diesen großen Spaß veranstaltet, um auf die DKMS aufmerksam zu machen?”

    Nein, aber ich lenk’ eben den (meinen) Fokus weg von Ebay. Weder wird Ebay durch mich dadurch menschenfreundlicher noch steigt’s im Ansehen oder sonstwas. Das Ganze hätte auch ohne die Unterstützung von Ebay stattfinden können, indem man ganz einfach sagt: “Hey, wir machen da was Kleines und als Umschlagsort nehmen wir Ebay.”

    Was anderes ist das für mich nicht. Und ich glaube auch kaum, dass Ebay ander”orts” ihr Ziel, besser dazustehen erreicht.
    Nagut, vielleicht schon. Aber ich bin dankenswerter gegen viele Manipulationen resistent *höhö* oder sagen wir, zumindest dafür sensibel.

  12. sapere aude Says:

    Transparenz? Jana türlich! Wenn ich nicht weiß, welchem Zweck mein Höchstgebot dann dient, mache ich ja möglicherweise nicht mit bei dieser Aktion, sondern finde das ganze einfach nur langweilig und doof.

    Wenn da jetzt nur gestanden hätte “Das Geld wird gespendet”, könnte das ja auch heißen, es geht an den Ku-Klux-Klan oder einen Marketingfonds für notleidende Internetauktionshäuser. Und bestimmt hätte auch wieder irgendein dahergelaufener Blogger lauthals rumgeplärrt.

    Aber wenn ich weiß an welche Hilfsorganisation das Geld dann geht, dann gibt’s da ja nichts mehr zu kritisieren und ich kann allen meinen Bloggerfreunden Bescheid sagen, dass sie da mitmachen sollen und zur Transparenz beitragen – indem sie dem Internetauktionshaus ihren Namen, ihre Anschrift, ihren Wohnort, ihr Geburtsdatum, ihre Telefonnummer und ihre Emailadresse geben, um mitbieten zu können. Ist ja schließlich ‘ne klassische Win-Win-Situation: Ebay kriegt ein paar neue Kunden u n d hat was für seinen guten Ruf getan.

  13. Meskalin Says:

    Völlig scheinheilig, das Ganze. Überlegt mal, was alleine diese Kampagne gekostet hat! Nein, ich finde es nicht okay, wenn sich gemeinnützige Organisationen für jeden Dreck hergeben – wie war das noch mit diesem stillen Wasser aus Frankreich? 10 Liter für 1 Liter oder wie? Das war ja wohl das allerletzte.
    Aber zurück zu Ebay – meiens Erachtens soll nur mal ausprobiert werden, wie man die Leute noch so animieren kann, ihren Schrott bei eBay reinzusetzen.
    Ach ja übrigens: Schwule Hosen gefällig?

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