Archive for September, 2007

Epizentrum: Die satirische TBZ – Kolumne V

Natürlich, wer nicht allzu pingelig durchs Leben wankt, der mag es ja unter Umständen als überaus freundlich abtun, wenn die Kassiererin des Discounters über die Strasse einem zum eben vonstatten gegangenen Sonnenuntergang einen “schönen Feierabend” wünscht. Wenn man allerdings zu jenem unangenehmen Typus Mensch gehört, welcher die Haare nicht nur in jeder Suppe sucht, sondern auch stets seinen üppig bewachsenen Kopf vorher über dieser schüttelt, dann hält man das vermeintliche Wohlwollen der lächelnden Supermarkt-Angestellten doch eher für einen gewollten oder auch ungewollten Affront gegenüber circa 10 Prozent der Kundschaft.

Denn so hoch ungefähr ist die bundesdeutsche Arbeitslosenquote anno 2007.

Und arbeitslos sein bedeutet nun einmal in aller erster Linie, gegenwärtig eben keinen schönen Feierabend zu haben. Was ja auch aus Sicht der Logik nicht unbedingt erklärungswürdig scheint, aber, wenn denn trotzdem erwünscht, ungefähr mit dem Bilde eines Kurzstrecken-Schwimmers vergleichbar ist, der sich gewiss nicht schwarz darüber ärgern muss, sein Handtuch vergessen zu haben, wenn er um kurz vor Zwanzig Uhr am Städtischen Hallenschwimmbade ankommen ist, dieses aber schon vor weit über zwei Jahren abgerissen wurde!
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2. Thüringer Blogwanderung

blogger.jpgViel ist passiert seit unserer ersten Thüringer Blogwanderung. Ein Jahr ist es her, dass sich 13 Thüringer Blogger auf die Strümpfe machten, um sich zum ersten Mal kennenzulernen. Man hatte sich nie zuvor gesehen, nur gelesen, und war nun gespannt auf die Menschen, die sich hinter den Blogs verbargen.

Schweißtreibend war die Wanderung auf den Landgrafen, aber hier bot sich – besser als bei “Kneipen-Bloggertreffen” – die Gelegenheit, den Gesprächspartner fluchs zu tauschen und sich im Fall von aufkommender Langeweile, mit der allgegenwärtigen Natur zu beschäftigen. Aber eigentlich kam nie wirklich Langeweile auf. Die meist etwas untrainierten Blogger hatten reichlich mit der Last des Anstiegs zu kämpfen, wurden aber mit dem wunderbaren Blick über Jena und interessanten Gesprächen entschädigt. Und es gab viel zu besprechen. Soviel, dass die Wanderung erst am fortgeschrittenen Abend im Café “Markt 11″ ein Ende nahm.

Das greifbarste Ergebnis des ersten großen Zusammentreffens der Thüringer Blogosphäre war die THÜRINGER BLOGZENTRALE. Und um die – wie um die ganze Thüringer Blogosphäre – entspannen sich dann auch einige aufregende Geschichten.

Wer diese Geschichten nicht kennt und sie gerne hören möchte – und viele andere dazu, der sei doch dabei, bei der 2. Thüringer Blogwanderung:

Wann soll die Blogwanderung stattfinden?
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Am Sonntag, 7. Oktober 2007, ab 14 Uhr in Jena.

Eingeladen ist jede/r (!) Thüringer BloggerIn. Blogger aus anderen Ländereien und alle Noch-nicht-Blogger sind natürlich ebenso willkommen!

Epizentrum: Die satirische TBZ – Kolumne IV

Wir wollen uns nichts vormachen: In jeder Minute unseres Lebens sind wir mannigfachen Manipulationen ausgesetzt. Und egal wie kunterbunt, glitzernd und charmant uns diese auch dargereicht werden – befreit man sie vom Geschenkpapier und den Schleifen – bleiben nur ein penetrantes

“Wähl mich!“ – “Kauf mich!” – “Fick mich!“.

Und um diese Kernforderungen unseres auf Begierden ausgerichteten Gesellschaftssystems ja auch ohne jegliches murren und knurren jederzeit anstandslos zu erfüllen, wird unser Denkvermögen rund um die Uhr mit der lächerlichsten aller Werbebotschaften kampfunfähig geschossen, welche da lautet:

DU willst es doch auch!

Doch allein dieses “Wähl mich!” ist ein äußerst zweischneidiges Schwert, denn sobald man in einem über bundesdeutschen Boden entführten Verkehrsflugzeug sitzt, kann es nämlich durchaus passieren, dass CDU-Verteidigungsminister Franz Josef Jung, welchem man eventuell bei der letzten fatalen Bundestagswahl vertrauensdusselig seine Stimme gab, dieses zum Abschuss freigibt. Und dann stellt man mit einem unkontrollierbaren Zucken in den Augenlidern in den letzten Sekunden seines gescheiterten Lebens verdutzt fest, dass man in der Wahlkabine anno 2005 ja quasi sein eigenes Todesurteil unterschrieben hat.
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Veranstaltungshinweis

Der Demokratische Jugendring Jena e.V. veranstaltet morgen (20. September), ab 18 Uhr eine Diskussionsrunde zum Thema “Computerspiele – zwischen Gewalt, Spaß und Sucht” in der Rathausdiele Jena.

Gäste: Angelika Heyen (Landesmedienanstalt), Prof. Wolfgang Frindte (Kommunikationspsychologe an der Uni Jena), Marek Klingelstein (USK), Steffen Nollenberger (SIT), Anreas Leube (Student an der FSU), Andrej Rosenheinrich (Radio-OKJ), u.a.

Anne Will

Kommentar von Sven

anne.gif Angestrengt, leidenschaftslos, ermüdend, blaß und alle möglichen verwandten Adjektive aus der Kategorie “Schreiende Langeweile” wären hier angebracht: Die Nachfolgerin der vielgescholtenen Sendung “Sabine Christiansen” erstickte förmlich an den extrem hohen Erwartungen, die im Vorfeld der Premiere an sie gestellt wurden. In der Sendung “Anne Will”, am gestrigen Sonntagabend, kam jeder eingeladene Gast ununterbrochen ausführlich zu Wort. Bereits zigfach abgedroschenen Phrasen wurden hier ungestört geprügelt was das Zeug hielt, um wenigstens noch einzelnes unentdecktes Körnchen kontroverser Relevanz zu sieben, und das Maximum an gezeigter Leidenschaft manifestierte sich in einer hochgezogenen Augenbraue Jürgen Rüttgers’.

Da sind selbst die vom Bundestagsfernsehen produzierten “Streitgespräche” spannender.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und sein rheinland-pfälzischer Amtskollege, Kurt Beck, ergingen sich in endlos larmoyanten Sonntagsreden über die Ungerechtigkeit der sozialen Ungerechtigkeit und der ebenfalls eingeladene Telekom-Chef, wies, möglicherweise weil ihm diese extreme Zurschaustellung zynischer Scheinheiligkeit der beiden Spitzenpolitiker der Großen Koalition wohl auch deutlich auf die Nerven ging, darauf hin, dass wir im Moment einen unübersehbaren Wirtschaftsaufschwung und einen merklichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen haben.

Nun ja. Alles nicht neu. Tausendmal gehört. Genau so wie die Hinweise auf die sozial-psychischen Konsequenzen extremer Arbeitsbelastung in unserer extrem fordernden Arbeitswelt. Wieso man dazu vordergründig eine prominente Landesbischöfin befragte und einen psychologischen Experten nur mal so am Rande einbezog, bleibt wohl das Geheimnis der Redaktion.

Der Sexappeal Anne Wills bei den Tagesthemen ergab sich aus der spritzigen Kombination einerseits der unerhörten Seriösität dieser Institution deutschen Spitzenjournalismus’ und diversen kalkulierten und außerordentlich subtilen Provokationen Wills im engen Korsett der Tagesthemen andererseits. Sich das anzuschauen machte einfach Spaß.

Auf einen betulicheren “Christansen”-Klon kann man allerdings verzichten.

Im “Blog” zur Sendung ist man jedoch z.T. anderer Meinung. Da beglückwünschen Zuschauer die Gastgeberin zu dieser “gelungenen Sendung” und mancher meint sogar, dass “die Quoten höher werden, als bei der Vorgängersendung.”

Wir dürfen gespannt sein.

Wer von den Lesern der Thüringer Blogzentrale die Sendung gesehen hat, kann übrigens hier unten abstimmen:

ANNE WILL war
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Und wer die Sendung doch noch sehen möchte, bevor er/sie abstimmt, der kann das hier [Link] tun.

Parteipolitisches Erdbeben: Grüne in Göttingen

gruene1.gifVon “Entsetzen” ist die Rede, von einer “schweren Niederlage der Führung”, die Illustrierte SPIEGEL versteigt sich in gewohnt boulevardesker Manier gar zu der Alliteration “Grünen-Gau von Göttingen” und tritt nochmal gründlich nach – und zwar deutlich unter die Gürtellinie:

Abgesehen von der Tatsache, dass die Bundeswehr damals, am 22. Dezember 2001, also kurz nach den Anschlägen vom 11. September, auch mit den Stimmen der CDU/CSU und der FDP-Fraktion an den Hindukusch geschickt wurde [Die Stimmverteilung kann hier nachgelesen werden], ist die vom SPIEGEL und manchem anderen Medium getroffene Feststellung, dass die Basis der GRÜNEN einen Abzug deutscher Unterstützung aus Afghanistan will, schlicht falsch.
Die meisten anderen aber kriegen das hin mit der differenzierten Berichterstattung. Die FAZ z.B. zitiert die Parteivorsitzende Claudia Roth mit den Worten:

Das heißt also klipp und klar:

Die GRÜNEN wollen in Afghanistan bleiben.
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Epizentrum: Die satirische TBZ – Kolumne III

In den Jahren, in denen bei mir die Haare auch in den nicht öffentlichen Körperregionen zu sprießen begannen, nannte ich ein Zimmer mein eigen, welches zwar nicht beheizt, dafür aber ohne den Makel des mit Geschwistern teilen müssen. Das Zimmer war nicht besonders groß, oder, um es etwas bildhafter zu gestalten: wenn die gesamte elterliche Wohnung die Erde gewesen wäre, so war mein Zimmer bloß Monaco. Und die Wände Monacos schmückte ich mit Postern, teils von mit Westtante infizierten Klassenkameraden zu horrenden Preisen erworben, teils aus dem “Fachblatt für Tanz- und Unterhaltungsmusik” namens “Melodie & Rhythmus“, was die ostdeutsche Variante des “Rolling Stone” war. Die hatten sogar mal die Puhdys drin, was der “Rolling Stone” glaube nicht ein einziges mal geschafft hatte. Neben Deep Purple, AC/DC und Led Zeppelin hatte ich auch ein selbst gemaltes Plakat von “KISS” an Monacos Grenzen gepinnt, denn die waren Dank ihrer Schminke selbst für meine groben Hände keine besonders große künstlerische Herausforderung, die hätte sogar mein Opa erkannt. Und Opa, der hatte Brillengläser, so stark wie die in ostdeutschen Bahnhöfen berühmt-berüchtigten MITROPA-Aschenbecher. Ich weiß nicht mehr genau, welche Musiker noch explizit zu jener Zeit als Tapetentapete herhalten mussten, aber alle hatten gemein, sie spielten entweder Gitarre, Schlagzeug oder Bass, und machten, was mein Vater gemein hin “einen Krawall” zu nennen pflegte. Wahrscheinlich war mein Musikgeschmack schon damals nicht der verkehrteste, was mich wohl auch nach der Wende glücklicherweise davor bewahrte, bei einem der Thüringer Privatrundfunksender mein Einkommen suchen zu wollen.
Auch die Wände unserer ansonsten spartanisch möblierten Klassenzimmer waren zu damaligen Zeiten reichlich behangen, mit großen Landkarten, auf dem unser Staat samt anderer sozialistischer Bagage rot eingefärbt war, mit Bildern von Stoph und Honecker und von Angela Davis, die ich indes über Jahre hinweg für ein Mitglied der Gruppe Boney M. hielt, bis mich eine Note 5 im Fach Staatsbürgerkunde eines Besseren belehrte. Ich empfand die Bilder stets als ziemlich unangenehm, denn der Blick Honeckers folgte einem unbeirrt, auch beim popeln und beim ständigen morgendlichen Hausaufgaben abschreiben, denn ich war, wie es mein Vater es zu nennen pflegte, “stinkend faul”. Im Grunde genommen hatte das Honeckersche Starren aber recht wenig gebracht, die Partei kriegte mich jedenfalls nicht, und die Stasi ebenso wenig. Was sich, sieht man die Renten, die ehemalige Stasi-Offiziere im wiedervereinten Deutschland abkassieren, rückblickend schon a ls eine abgeschwächte Form von Blindheit in Sachen Zukunftsvorsorge offenbart. Jedenfalls bin ich heutzutage nun, wenn es um Wandbehänge geht, um etliche Einheiten sensibler, da ich ja schließlich schon in frühester Jugend lernte, dass nur das, was man eigenhändig an die Wand gehangen hat, dem eigenen Wohlbefinden auch von gewisser Bedeutung ist. Was einem dagegen vor die Nase gehangen wird, ist nicht mal den Nagel wert, an dem es auf ungewisse Zeit der Schwerkraft trotzen muss.

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Wir sind alle potentielle Blondierungsmittelbomber

uberwachung2.gifWer bisher dachte, von der sogenannten heimlichen Onlinedurchsuchung zukünftig verschont zu bleiben, der lausche den einhelligen Bekräftigungen von Spitzenpolitikern:

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Angela Merkel am 12.09.2007, zur Haushaltsdebatte im Bundestag

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Dieter Althaus im Deutschlandfunk-Interview am 11.9. 2007

Aber auch Spitzenjournalisten [25 MB mp3-File!] sind sich nicht zu schade, die allgemein immer stärker um sich greifende Angst zu schüren und zu behaupten, dass wir nichts so dringend brauchen wie die heimliche Onlinedurchsuchung, unter Vernachlässigung der Tatsache, dass man selbst schon Opfer von Willkürmaßnahmen war.

Den Nachweis der Nützlichkeit der heimlichen Onlinedurchsuchung bleibt man nach wie vor schuldig. Dass Onlinedurchsuchung der jüngst entdeckten potentiellen Terroristen nicht in einer Durchstöberung der heimischen Festplatte bestand, da waren die Irren offensichtlich noch schlau genug, unterschlägt man dabei sehr gern.

Die fehlgeleiteten jungmännlichen Wasserstoffperoxidfreunde wählten nämlich eine wirklich ausgefuchste Methode der Nachrichtenfernübermittlung: Man versendete keine Emails, sondern speicherte Geschriebenes nur im Emailportal. So konnte dann jeder, der Zugang zu dem Account hatte, die Nachrichten lesen. Dies war offensichtlich auch ausländischen Geheimdiensten möglich. Wenn man also den Inhalt, selbst von Nachrichten, die gar nicht verschickt, sondern nur gespeichert werden, kennt, wie weit her ist es dann mit der informationellen Selbstbestimmung?
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Video von der Antinazidemo in Jena

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Der “Thüringer Augenzeuge” hat ein längeres Video, von den aufsehenerregenden Antinazi-Protesten am vergangenen Samstag in Jena, online gestellt. Sehr lustig auch die Kommentare dazu …

Richard Dawkins: “Der Gotteswahn” (The God Delusion)

Von Moses Immanuel Stern

dawk.gifAm heutigen* 11. September ist ein Buch in deutscher Übersetzung erschienen, das zweifelsfrei nachweist, dass es keinen Gott gibt und das außerdem zeigt, dass der Glaube an einen persönlichen Gott, der die Erde geschaffen haben soll, einen Gott, der Gebete erhört und Sünden bestraft, dass dieser Glaube der denkbar schlimmste Irrtum mit den schrecklichsten Folgen ist, den es auf der Welt gibt.

Richard Dawkins, Professor für „Public Understanding of Science“ an der Oxford Universität, Mitglied der Royal Society und Autor des Weltbestsellers „The Selfish Gene“ (Das egoistische Gen), hat im letzten Jahr im englischsprachigen Raum ein Buch veröffentlicht, das seitdem für extrem enthusiastische Hymnen und nicht weniger zornigen Widerspruch sorgt. Auch in Deutschland hat man das Potential dieses explosiven Buches erkannt und sich schon früh mit den Thesen dieser überraschend meinungsstarken Absage an jede Art von Schriftgläubigkeit und personifizierten Gott beschäftigt.

Bereits zu Anfang letzten Jahres sorgte Dawkins weltweit, vor allem im Internet, für Wirbel, als seine anderthalbstündige BBC-Dokumentation „The Root of all Evil?“ (Die Wurzel alles Bösen?) über die Gefährlichkeit der Weltreligionen bei Googlevideo erschien:

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Wehrhafte Demokratie? Der 8. September 2007 in Jena

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