Anne Will

Kommentar von Sven

anne.gif Angestrengt, leidenschaftslos, ermüdend, blaß und alle möglichen verwandten Adjektive aus der Kategorie “Schreiende Langeweile” wären hier angebracht: Die Nachfolgerin der vielgescholtenen Sendung “Sabine Christiansen” erstickte förmlich an den extrem hohen Erwartungen, die im Vorfeld der Premiere an sie gestellt wurden. In der Sendung “Anne Will”, am gestrigen Sonntagabend, kam jeder eingeladene Gast ununterbrochen ausführlich zu Wort. Bereits zigfach abgedroschenen Phrasen wurden hier ungestört geprügelt was das Zeug hielt, um wenigstens noch einzelnes unentdecktes Körnchen kontroverser Relevanz zu sieben, und das Maximum an gezeigter Leidenschaft manifestierte sich in einer hochgezogenen Augenbraue Jürgen Rüttgers’.

Da sind selbst die vom Bundestagsfernsehen produzierten “Streitgespräche” spannender.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und sein rheinland-pfälzischer Amtskollege, Kurt Beck, ergingen sich in endlos larmoyanten Sonntagsreden über die Ungerechtigkeit der sozialen Ungerechtigkeit und der ebenfalls eingeladene Telekom-Chef, wies, möglicherweise weil ihm diese extreme Zurschaustellung zynischer Scheinheiligkeit der beiden Spitzenpolitiker der Großen Koalition wohl auch deutlich auf die Nerven ging, darauf hin, dass wir im Moment einen unübersehbaren Wirtschaftsaufschwung und einen merklichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen haben.

Nun ja. Alles nicht neu. Tausendmal gehört. Genau so wie die Hinweise auf die sozial-psychischen Konsequenzen extremer Arbeitsbelastung in unserer extrem fordernden Arbeitswelt. Wieso man dazu vordergründig eine prominente Landesbischöfin befragte und einen psychologischen Experten nur mal so am Rande einbezog, bleibt wohl das Geheimnis der Redaktion.

Der Sexappeal Anne Wills bei den Tagesthemen ergab sich aus der spritzigen Kombination einerseits der unerhörten Seriösität dieser Institution deutschen Spitzenjournalismus’ und diversen kalkulierten und außerordentlich subtilen Provokationen Wills im engen Korsett der Tagesthemen andererseits. Sich das anzuschauen machte einfach Spaß.

Auf einen betulicheren “Christansen”-Klon kann man allerdings verzichten.

Im “Blog” zur Sendung ist man jedoch z.T. anderer Meinung. Da beglückwünschen Zuschauer die Gastgeberin zu dieser “gelungenen Sendung” und mancher meint sogar, dass “die Quoten höher werden, als bei der Vorgängersendung.”

Wir dürfen gespannt sein.

Wer von den Lesern der Thüringer Blogzentrale die Sendung gesehen hat, kann übrigens hier unten abstimmen:

ANNE WILL war
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Und wer die Sendung doch noch sehen möchte, bevor er/sie abstimmt, der kann das hier [Link] tun.

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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7 Responses to “Anne Will”

  1. Dorin Says:

    Aber aufgepaßt beim Blog, meistens schreibt da der Onliner der Redaktion, Helge Zobel. Anne Will hat selbst noch nicht dafür in die Tasten gegriffen, soll es aber laut Zobel durchaus mal.

  2. Gilbert Says:

    Zwischen ARD- und ZDF-Krimi werden die üblichen Verdächtigen einem ziemlich dilettantischen Verhör unterzogen und lügen um die Wette. Von diesem 15-minütigen, nur vom Pinkeln unterbrochenen Pausenfüller her betrachtet ist mir ein Unterschied gar nicht aufgefallen, außer dass die Christiansen sich die Haare färben Will.

    [Letzter Satz des Kommentars wegen grober Unhöflichkeit gelöscht. d. Red.]

  3. Sven Says:

    Anne Will bloggt seit heute übrigens auch selbst

  4. Gonzo Says:

    Ich freu mich schon auf den neuesten Kommentar zur Aktuellen Sendung … :)

  5. Hasso Hombitzer Says:

    Sehr geschätzte Frau Will,

    um es kurz zu halten: SIE SIND EINE ALTERNATIVE zu Sabine Christiansen, zumindest für mich. Gerade bei dieser Gesprächsrunde “Hartz IV” haben Sie sehr diplomatisch den Daumen auf die Wunde gedrückt bei dem Thema Gerechtigkeits-Verteilung. Diesem Raubtier-Kapitalismus mit seinen Auswüchsen gerade auf dem Arbeitsmarkt muß DEUTLICH die rote Karte gezeigt werden. Das hat nicht mehr viel mit gesellschaftlicher Solidarität zu tun. Unsere Gesellschaft bricht auseinander. Und radikalisiert sich.

    Sie lassen nicht locker, und das ist das Wesentliche, das mich interessiet. Mit Freude sehe ich Ihrer nächsten Sendung entgegen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Hasso Hombitzer

  6. Siegmar Unger Says:

    Sehr geehrte/r Frau/Herr Zobel,

    da ich am Sonntag (16.05.2010) in Berlin bei Ihnen im Studio bin, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie meinen Blog-Eintrag veröffentlichen würden.

    Seit ca. 3 Monaten hat das Team von Anne Will keinen Eintrag von mir mehr veröffentlicht. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir erklären warum das so ist.

    37
    Siegmar Unger: Der Kommentar wartet auf Freischaltung.
    14. Mai 2010 um 23:10 Uhr

    Sind Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Westerwelle verwirrt?

    Es geht darum, „dass wir das Geld der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland schützen”. Dies erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut nach einem Treffen mit den Partei- und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien.

    Wie hat sie das gemeint? Wenn Deutschland eine Bürgschaft von 148 Mrd. (148.000.000.000) Euro eingeht, wen schützt sie damit? Die deutschen Bürgerinnen und Bürger, das Land Deutschland, die Währung (den Euro), Europa oder die Spekulanten (überwiegend Großbanken).

    „Die Nationalstaaten müssen sparsamer werden”, sagte Vizekanzler Guido Westerwelle. Im Lichte der aktuellen Krise müsse Europa zu Reformen bereit sein. Zugleich stellte Westerwelle klar: “Der Euro steht. Das wird und muss auch so bleiben.”

    Wie hat er das gemeint? Wer hat denn Europa zusammengeschustert? Es waren doch unsere Juristen und Politiker, die gemeint haben, wir bräuchten eine gemeinsame Währung. Eine Währung dafür, dass Aktiengesellschaften und Großbanken über Landesgrenzen hinweg spekulativ handeln und interne Bilanzen manipulieren können?

    Jetzt schimpfen die Politiker über die Spekulanten! Der Euro war eine Fehlgeburt und nun wird versucht diesen zum Maß aller Dinge zu machen. Solange die europäischen Länder unterschiedliche Finanz-, Steuer- u. Lohnstrukturen haben, solange sorgt die gemeinsame Währung für Turbulenzen. Jetzt meinen unsere Politiker, man könne mit Rettungsschirmen retten was zu retten ist. Das wäre genauso, als würde man hier zu Lande im Sommer auf Schneefall hoffen.

    Jedenfalls kann man feststellen, dass das Wetten auf den Untergang eines Landes oder einer Währung sehr lukrativ zu sein scheint. Bleibt zu hoffen, dass nicht ein Zockerpapier auf den Markt kommt, dass auf den Untergang unseres gesamten Planeten setzt!

    Mit freundlichem Gruß
    Siegmar Unger
    Bad Königshofen

    Dieser Blogbeitrag von mir wurde durch die Redaktion von Will-Media wieder nicht veröffentlicht. Herr Zobel hat natürlich meine E-Mail auch noch nicht beantwortet.

    Der Oberhammer ist jedoch, als ich am 16.05.2010 im Vorraum des Studios in Berlin ankam, wurden meine Freundin und ich nicht reingelassen, weil wir angeblich zu spät waren.

    Was sich diese Damen und Herren erlauben ist fatal. Am liebsten würde ich sofort ein Drehbuch schreiben.

    Der Titel des Drehbuches: (Ohn)Macht der Medien!

  7. Gilbert Says:

    @.Siegmar: was erwartest du vom staatlichen deutschen Propagandafernsehen? Oder andersherum: erwartest du von den gleichgeschalteten Medien etwas anderes?

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