Bloggerwanderung: Nachgeschmack
Von Sven
Auch wenn nur ein einziger Thüringer Blogger am letzten Sonntag gewandert wäre, es wäre natürlich eine Bloggerwanderung gewesen. Es waren aber vier. Vier Thüringer Blogger, die die Sozialphobie überwanden und sich auf den Weg zum Jenaer Fuchsturm machten: Gonzo, Jojo, Robby und ich.
Ich denke es ist hier die richtige Stelle für eine schonungslose Aufarbeitung dieser scheinbaren Elitenbildung.
Bei der letzten Bloggerwanderung waren 13 Blogger dabei. Zwei der Blogger, die auch beim letzten Mal mitwanderten, schleppten auch diesmal ihre üppigen Hüften den Berg hinauf. Drei hatten eine nachvollziehbare Entschuldigung: Der Anfahrts- oder besser Anflugweg hätte mehrere hundert oder gar tausend Kilometer betragen. Ein weiterer outete sich clevererweise im Vorfeld per Blogpost als krank, ein weiterer rief an und versprach bestimmt aber danach dabei zu sein, einer verpennte es völlig und zwei meldeten zwar grundsätzliches Interesse an, kamen aber dann doch nicht.
Wieviele haben wir? 2+3+1+1+1+2=10 … und … naja … die restlichen drei haben wohl gar nicht mitbekommen, dass die 2. Blogwanderung anstand.
Aber es gab auch neue Interessenten. Petra zum Beispiel, die es versuchen wollte, oder Lars, der leider doch nicht konnte, Markus, der gern gekommen wäre, oder Jens, der ebenfalls Interesse bekundete … dann wohl aber bei einem Sonntagmittagschläfchen den Termin sanft verdämmerte.
Wir blieben also eine sehr überschaubare Gruppe. Zwei “Alte Hasen” und zwei “Neue”.
Zunächst jedoch trafen sich nur drei (einer war nahverkehrsbedingt behindert) am Hauptportal des Uni-Hauptgebäudes und erwogen das Ganze einfach abzublasen.
Mit güldenen Engelszungen schaffte ich es dennoch, meine beiden Mitleider zu überreden, den Fuchsturmberg zu erklimmen. Wir machten uns also auf den Weg und waren so plötzlich wie unvermeidlich in der allerschönsten Diskussion um – Achtung:

Wie so mancher, der hier mitliest weiß, sind die drei Herren, die – wie noch zu erzählen sein wird – die Nachhut bildeten, Gonzo, Jojo und ich, nämlich durchaus unterschiedlicher Ansicht, was das Geldverdienen im Internet betrifft.
Gonzo schwärmte also von StudiVZ-Kooperationen und Lockvogelangeboten, die schon nach der Hälfte der vorgesehenen Zeit traumhafte Besucherraten und Ausverkauf verhießen und über diese Frage gerieten wir – ich weiß nicht mehr wie – in eine Diskussion um “Zensur” im Netz.
Meine beiden Mitstreiter waren der Ansicht, dass es sich bei einem kürzlich ergangenen Urteil um einen demokratisch nicht legitimierten Willkürakt handelte, ich versuchte dagegenzuhalten, dass hier nur Gesetze zur Anwendung kamen, die vom Gesetzgeber, also dem Deutschen Bundestag, verabschiedet wurden. Der Deutsche Bundestag wiederum sei die legitim gewählte Vertretung des Deutschen Volkes.
Damit hatte ich wohl die sagenumwobene Büchse der Pandora geöffnet: Ob ich ernsthaft daran glaube, dass Politiker tatsächlich das Volk vertreten, wurde ich dann gefragt. Und mit einer munteren Diskussion um politische Teilhabe und Volksentscheide, den Abschuss von Flugzeugen und Politikerblaba ging es dem Fuchsturm entgegen.
Und dort wartete bereits auf uns, der später gestartete (!) Robby aus Erfurt. Er hatte allerdings erwogen im Anschluss an unsere Wanderung noch zum Hockey-Training zu gehen, weswegen seine – für einen Geek oder Nerd – außergewöhnliche Kondition hiermit entschuldigt ist.
Zusammen mit Robby steigerten wir dann die Diskussion hin zum Eisenbahnerstreik und ließen Jojo, der nur mit einem Willi-Pullöverchen bekleidet mit uns den zugigen Fuchsturmberg erklomm, frieren.
Beim Abstieg waren dann Jojo und seine “Käuflichkeit” Hauptgesprächsgegenstand, bis auch dieses Thema an räumliche und rhetorische Grenzen stieß und wir uns in Dialogen organisierten.
Dabei hatte ich die Freude einen sehr sympathischen Bloggerkollegen kennenzulernen, dessen Konterfei, das ich auf seinem Blog zu sehen bekam, ich überhaupt nicht mit dem lächelnden und munter schwatzenden Jungen in Einklang bringen konnte, der da neben mir lief. Eine krasse Inkonsistenzerfahrung, die wohl auch Robby zuteil wurde, wie er in seiner Zusammenfassung unserer Wanderung schrieb.
Abschließend im Markt 11 eingekehrt, steigerten wir uns noch einmal in eine Diskussion um die autonome Selbstverantwortung von so genannten StudiVZ-Campuscaptains und egoistische Geldgeilheit der Gründer des Portals. Es ging um Gerechtigkeit und Moral, um Wahlfreiheit und “Selber Schuld”.
Eine heftige, manchmal anstrengende, aber meist interessante Diskussion, die kein Ergebnis fand. Nur dieses, dass sich nun, unter Gonzos Bericht, ein Campuscaptain zu Wort meldete und bemängelte, dass sich manche Kritiker des Vorgehens der ExStudiVZ-Besitzer wie Kindergartentanten aufführen.
Nun ja, “Kindergartentante”.
Eigentlich ein gar nicht so unpassender Titel, finde ich. :)

Er ist in aller Munde, doch ist er wirklich schon in den Köpfen angekommen? Kein seriöser Wissenschaftler zieht heute noch die ursächliche Beteiligung des Menschen an der Veränderung des Weltklimas ernsthaft in Zweifel. Wenn auch über den Grund für die Zunahme von Hurrikanen heftig gestritten wird, so sind sich doch alle einig, dass steigende Meeresspiegel das Potential besitzen, ganze Staaten von der Landkarte verschwinden zu lassen.

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