Archive for February, 2008

Sturm über Thüringen

Weil die Angst offenbar groß ist und die Suchanfragen eindeutig, hier die Sturmwarnung des Landesinnenministeriums:

Am 01. März werden nach Einschätzung des Gemeinsamen Lagezentrums des Bundes und der Länder (GMLZ) aufgrund der Meldungen des Deutschen Wetterdienstes auch für den Freistaat Thüringen Unwetter mit Orkanböen erwartet. Der Höhepunkt der Sturmentwicklung wird derzeit für die Nachmittags- und Abendstunden prognostiziert.

Das Thüringer Innenministerium rät daher zu folgenden Verhaltenshinweisen:

    * Personen sollten bei Sturm die schützenden Räume nicht verlassen und weitere Wetterberichte zur Kenntnis nehmen.

    * Im Freien sollte die Nähe von Gebäuden, Gerüsten, hohen Bäumen und Strommasten gemieden werden!

    * Leichte Gebäude oder Wohnwagen bieten möglicherweise nicht genügend Schutz, ebenso sollten Räume mit großen Deckenspannweiten oder Zelte gemieden werden.

    * Vorbeugend Gerüste, Werbetafeln, Antennenanlagen, Markisen, Partyzelte, Abdeckplatten und –planen fest verankert und Fenster, Türen und Dachluken im Haus geschlossen sein.

    * Fahrzeuge sollten nicht in der Nähe von Häusern oder hohen Bäumen geparkt werden.

    * Fenster und Türen sowie Rollläden oder Fensterläden sollten geschlossen werden.

    * Aufräumarbeiten sollten erst nach Ende des Sturmes begonnen werden. Dabei sollte auf ausreichenden Abstand zu möglicherweise einsturzgefährdeten Bauten sowie zu abgerissenen Stromleitungen oder Ähnlichem geachtet werden.

DFB-Viertelfinale: Die letzten Sekunden

Die überschwengliche Freude diverser Radiokommentatoren angesichts überraschend gewonnener Fußballspiele ist legendär. Und auch am vergangenen Dienstag war wieder so ein Tag. Der Underdog FC Carl Zeiss Jena schoß den aktuellen Deutschen Fußballmeister, den VfB Stuttgart, ins Aus. Die meisten Jenaer verfolgten das Spiel – so wie ganz ganz früher – am heimischen Radio, denn im Fernsehen bekam man nichts zu sehen und sogar in den einschlägigen Sportbars mußte man auf den Liveticker diverser Nachrichtenportale zurückgreifen. Aber auch mit dem Radio sah man den Elfmeterkrimi förmlich vor Augen. Bei Antenne Thüringen hörte sich das so an:

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Am 18./19. März 2008 findet das Halbfinalspiel statt. Jena tritt dann gegen den VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund oder Bayern München an. Die Auslosung von Gegner und Austragungsort findet am Sonntag, ab 17.10 Uhr live im ZDF statt.

Unglücksglück: Martin Walser präsentiert “Ein liebender Mann”

Von Lebenslinien

Der Schriftsteller Martin Walser, einer der bekanntesten Intellektuellen Deutschlands, präsentierte am Mittwochabend im Festsaal des Stadtschlosses Weimar seinen jüngsten Roman über die Leidenschaft des 74 Jahre alten Goethe zu der erst 19-jährigen Ulrike von Levetzow.

walser.gifEine Urlesung. Nicht am Handlungsort Marienbad, sondern in Weimar, der Wahlheimat des Protagonisten aus Martin Walsers neuem Roman “Ein liebender Mann”, dem Dicherfürsten Goethe höchstselbst. Die Vorredner geben sich die Klinke in die Hand. Einer von ihnen, Ijoma Mangold, wird den Abend moderieren. Er ist Feuilletonredakteur bei der Süddeutschen Zeitung und erörtert, was Goethe zu einem Walserschen Helden macht. Schließlich sei Goethe ein Optimist gewesen, der das Leben von allen seinen Seiten gesehen hat. Doch Walser zeigt ihn leidend. So, wie er seine Protagonisten für gewöhnlich zu zeigen pflege.

Vierundsiebzigjährig verliebt er sich in die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow. Und er leidet. Schwankt zwischen der Möglichkeit und der Unmöglichkeit hin und her, will sie sogar heiraten. Als der Plan misslingt, schreibt er seinen Schmerz noch auf dem Weg nach Weimar nieder – in der Marienbader Elegie – die Walser in sein Buch einzubetten weiß. Mangold nennt diesen “geglückten Versuch” eine “Gedichtverfilmung”, wie immer das bei einem Buch auch gehen mag. Aber die rund zweihundert, größtenteils geladenen, Zuschauer dürfen sich selbst davon überzeugen. Walser liest.

Er präsentiert uns einen munteren und humorvollen Goethe. Einen, der sich seines Alters stets bewusst ist, der im Kopf immer wieder das gleiche Rechenspiel vornimmt: 74 – 19 = 55. 55 Jahre liegen zwischen ihm und Ulrike, fast ein ganzes Leben. Und doch ist er verliebt wie ein junger Hund und redet bisweilen mit sich selbst (wobei er jeden klugen Gedanken mit einem “schreib es auf” quittiert). Walser erzählt amüsant und kurzweilig, erspinnt Dialoge zwischen den beiden und begleitet sie auf die Verlobungsfeier von Goethes Arzt. Dieser wird immerhin eine 30 Jahre jüngere Frau ehelichen, wie Goethe erfreut feststellt. Seinetwegen solle es eine “Verlobungsepedemie” geben, damit die 55 Jahre nicht mehr gar so mächtig erscheinen mögen. Natürlich ist es ein Roman, Walser legt allen Beteiligten eine Menge Sätze in den Mund, spricht Goethe Gefühle, Humor und eine mächtige Portion Eitelkeit zu und doch kann man sich diese Eigenschaften gut am alternden Goethe vorstellen. Sie passen ins bisherige Bild.

Walser spricht allerdings immer von “seinem Goethe”, der mit dem “echten Goethe” nicht zwingend viel zu tun haben müsse. Er erfüllt einen Teil von Goethes Leben mit selbigem, von dem wir sehr wenig wissen. Schreibt die Liebesbriefe neu, die Ulrike von Levetzow kurz vor ihrem Tod verbrennen und bei sich begraben ließ. Und mogelt sich gleichzeitig um das Problem der biographischen Wahrheitstreue herum, so, wie es der Roman wohl immer tut. Das Thema, die Liebe bei großem Altersunterschied, ist in Walsers Werk nicht neu. Auch “Brandung” erzählt davon – oder auch der “Lebenslauf der Liebe”. Nur diesmal eben “nach einer wahren Geschichte” wie es so gern heißt. Und zwar von niemand geringerem als dem deutschen Literaturklassiker. Immer wieder spricht Walser an diesem Abend von der Befreiung, die das Schreiben ist – er legt es auch seinem Protagonisten in den Mund. Der Schmerz, den wir alle kennen und den Goethe in Walsers Roman durchlebt, könne man nicht überwinden. Auch nicht durch das Schreiben, wie es der “wahre Goethe” einmal zu sagen pflegte. Das Schreiben vermöge nur, aus dem Schmerz etwas Schönes zu machen. Wenn man es schafft, ihn in Worte zu fassen, in Verse zu pressen, dann tut er für kurze Zeit weniger weh. Und danach müsse man eben wieder schreiben. Der Schmerz sei nichts Negatives, er gehöre zum Leben: “Wer glaubt, dass das Leben nur das Eine ist – Glück oder Unglück – der hat noch nicht richtig hingeschaut, nicht richtig hingefühlt. Es gibt nur beides, nämlich Unglücksglück”, sagt der 80-jährige Literat und lächelt.

Uran im Jenaer Trinkwasser überschreitet Grenzwert

Wie die Zeitschrift Ökotest in ihrer Februarausgabe berichtet, hat die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in einer Studie die Uranbelastung des Leitungswassers in bevölkerungsreichen Gegenden Deutschlands gemessen und kam zu dem Schluss, dass der Urangehalt des Trinkwassers in Jena deutlich über einem Grenzwert liegt, wie er vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgegeben wurde. Danach sollen 2 Mikrogramm Uran pro Liter Leitungswasser gesundheitlich unbedenklich sein. In Jena soll sich jedoch fast die dreifache Menge Uran, 5.96 Mikrogramm pro Liter, im Leitungswasser befinden. Laut BfA kann

    “der regelmäßige Verzehr in Mengen von einem halben Liter oder mehr pro Tag dieser Wässer zu einer Uranaufnahme führen, von der sich nicht mehr ausschließen lässt, dass sie nachteilige Wirkungen haben könnte.”

Nachgewiesenermaßen kann es durch die Aufnahme erhöhter Urankonzentrationen im Trinkwasser zum Auftreten von Nierenkrebs kommen, doch die Frage nach Unbedenklichkeitswerten für den Urangehalt des Trinkwassers wird von deutschen und internationalen Gesundheits- und Verbraucherschutzorganisationen unterschiedlich beantwortet:
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Babymorde in Ostdeutschland sind nur Familienplanung

Von Norbert Krause

Wolfgang Böhmer wird momentan politisch wie medial verteufelt – dabei hat er lediglich die christliche Einstellung zur Abtreibung zugespitzt. Interessanter sind jedoch seine Quellen: Die Aussagen des Kriminologen Christian Pfeiffer zu den Kindstötungen in Ostdeutschland.Gemeinsam mit Böhmer arbeitet Pfeiffer an einem ganz besonderen Bild der Ostdeutschen in der Öffentlichkeit: Sie sind alles, was die Westdeutschen nicht sind.
Wolfgang Böhmer, der CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, wird seit zwei Tagen mit Rücktrittsforderungen überhäuft, weil er dem Focus Folgendes gesagt hatte:boehmer.gif

    FOCUS: Immer neue Kindstötungen in den neuen Ländern – zuletzt drei Fälle innerhalb einer Woche in Brandenburg – schrecken die Öffentlichkeit auf. Der Kriminologe Pfeiffer behauptet, die Wahrscheinlichkeit eines Babys, umgebracht zu werden, ist in den neuen Ländern drei- bis viermal so hoch wie im Westen. Warum?
    Wolfgang Böhmer: Zunächst: Aus einer statistischen Aneinanderreihung folgt noch keine Kausalität. Dennoch ist die Häufung nicht zu leugnen. Ich erkläre sie vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern. In der DDR wurde 1972 der Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche freigegeben. Die Frauen entschieden ganz allein. Manche kamen grinsend zu uns ins Krankenhaus und sagten nur: „Wegmachen“, weil sie einen Platz für einen Urlaub an der Schwarzmeerküste hatten. Eine solche Einstellung zum Leben wirkt bis heute nach. Es kommt mir so vor, als ob Kindstötungen – die es allerdings immer schon gab – ein Mittel der Familienplanung seien.

Böhmer vermischt hier sehr viele Themen. Er redet zunächst über Schwangerschaftsabbrüche, bei denen er in seiner Tätigkeit als Chefarzt in der DDR das laxe Verhalten der Frauen selbst erlebt hat. Dies führt er dann jedoch mit dem Thema „Kindstötung nach der Geburt“ zusammen – auf das die ursprüngliche Frage eigentlich abzielte – und der nicht bewiesenen These des berüchtigten Kriminalforschers Christian Pfeiffer, dass in Ostdeutschland Kindstötungen weitaus häufiger vorkämen. Eine recht fragwürdige Mixtur.
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Jahrhundertspiel: FC Carl Zeiss Jena vs. VfB Stuttgart

Im Viertelfinale des DFB-Pokals trifft der Tabellenvorletzte der zweiten Bundesliga, der FC Carl Zeiss Jena, heute, um 19 Uhr, auf den Deutschen Meister, den VfB Stuttgart. Der FC Carl Zeiss, dem der Abstieg von der 2. Bundesliga in die Regionalliga sicher ist, hofft auf ein Wunder. In den vorhergehenden Spielen des DFB-Pokals bezwang man mit Arminia Bielefeld und dem Titelverteidiger 1. FC Nürnberg immerhin zwei Bundesligisten der ersten Riege.

    Der DFB-Pokal (bis 1943: Tschammer-Pokal) ist ein seit 1935 ausgetragener Fußball-Pokalwettbewerb für deutsche Vereinsmannschaften. Er wird jährlich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) veranstaltet und ist nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft der wichtigste Titel im nationalen Vereinsfußball. Der Sieger des DFB-Pokal wird nach dem K.-o.-System ermittelt. Die Paarungen werden vor jeder Runde ausgelost. Für die erste Hauptrunde sind die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga qualifiziert, dazu kommen 28 Mannschaften aus den unteren Ligen. Endet ein Spiel nach regulärer Spielzeit unentschieden, kommt es zu einer Verlängerung. Ist das Spiel auch nach der Verlängerung nicht entschieden, wird der Sieger durch Elfmeterschießen ermittelt. Seit 1985 wird das Endspiel des DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion ausgetragen. Quelle: WIKIPEDIA

NACHTRAG: JENA steht nach einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Stuttgart im Halbfinale des DFB-Pokals:
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Kurznachrichten 01/08

Wer hätte gedacht, dass in Thüringen (bzw. Südostdeutschland) mal wieder soviel passiert, dass die Rubrik “Kurznachrichten” wiederbelebt werden muß. Aber das ist heute der Fall. Drei Nachrichtenkracher sind unbedingt berichtenswert:

Der Thüringer SPD-Chef Christoph Matschie hat die Abstimmung über die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2009 mit einer klaren Mehrheit für sich entschieden. Sein Konkurrent Richard Dewes, der ehemalige Innenminister des Freistaates, dürfte nach dieser Schlappe endgültig im politischen Nirvana verschwinden. Damit hat sich die Thüringer SPD auch klar gegen eine Koalition mit der Linken als Juniorpartner positioniert.

Der Kapitän des FC Carl Zeiss Jena, Darlington Omodiagbe, hat sich bei einem Punktspiel an der eigenen Zunge verschluckt, so dass ihm der Erstickungstod drohte. Er war bei einem Kopfball schwer gestürzt, wobei ihm die Zunge in den Rachen rutschte. Er konnte jedoch gerettet werden.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und ehemalige Frauenarzt Wolfgang Böhmer hat in einem Focus-Interview bemerkt, dass Babymorde in Ostdeutschland anscheinend “ein Mittel der Familienplanung” seien und dass er sie sich “vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern” erkläre. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte umgehend Böhmers Rücktritt, Böhmers Vorgänger Reinhard Höppner äußerte sich „entsetzt“, Sachsen-Anhalts FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper nannte die Äußerung „Humbug“. Nach Angaben des Direktors des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, werden Kinder drei- bis viermal häufiger im Osten als im Westen von ihren Eltern getötet. Offensichtlich liegen hier objektivere Daten vor, als in unserer kleinen ad-hoc-Recherche, die eine relative Gleichverteilung solcher Mordfälle erbrachte – wenn auch durchaus nicht in der Berichterstattung.

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Und weil Youtube wahrscheinlich für immer gelöscht ist, hier ein schöner Tip vom Klingsor. Es muß ja nicht immer ein Video sein. Deshalb hier Brit-Awards-Gewinnerin Kate Nash zum Wochenanfang als embedded-mp3:

Qype spammt

Von sapere aude

Ich muß gestehen, ich habe Verständnis für Qype. Im Web 2.0 läufts schlecht. Und es wird ganz bestimmt viel zu wenig “geqyped”, wie Sven Dietrich, einer von vielen Qype-Botschaft-Vermittlungs-Ingenieuren, mir auf dem letzten Barcamp erzählte. Er erzählte mir auch, dass er die drei Sessions, die er bestreitet natürlich auch dazu nutzen möchte, die frohe Qype-Botschaft unters Volk zu bringen. Das wurde allerdings so manchem – selbst in der Branche tätigen und deshalb auch recht verständnisvollen – Zuhörer etwas zu penetrant, wie man in einem Radio-G-Interview nachhören kann:

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Aber auch die Thüringer Blogzentrale bleibt von der hochengagierten Werbung des erfolgreichen Startups nicht verschont. Vor einigen Wochen erhielt ich eine Email von meinem “Freund Detlev macdet“, von dem ich bisher nicht einmal etwas gehört habe. Er lud mich ein, das tolle Bewertungsportal Qype kennenzulernen. Die Mail landete natürlich im Papierkorb. Heute morgen flatterte erneut eine Mail ins Haus:

    Hallo,

    Du wurdest vor drei Wochen von Detlev macdet zu Qype eingeladen, hast die Einladung aber noch nicht angenommen. Hiermit möchten wir Dich einmalig daran erinnern.

    Qype ist ein Online-Stadtmagazin in dem man seine Lieblingsplätze und Geheimtipps empfehlen, bewerten und beschreiben kann – z.B. Geschäfte, Restaurants, Kindergärten, Ärzte oder auch die Ecke im Park mit dem schönsten Sonnenuntergang.

    Die beste Empfehlung ist stets die eines Freundes – also klick einfach auf den Link, um ein Kontakt von Detlev macdet bei Qype zu werden und auch selber Bewertungen zu schreiben.

    Liebe Grüße, Das Qype Team

Der freundliche aber bestimmte Ton der Email erinnert mich so ein bißchen an den jüngsten IKEA-Spot:
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Thüringen-SPD Steigbügelhalter Ramelows?

dewesmatschie.gifFür alle, die es noch nicht mitbekommen haben: In der Thüringer SPD tobt ein Machtkampf. Dieser Kampf wird auch vom Bundesvorstand der orientierungslosen Volkspartei mit Argwohn beobachtet. Die Entscheidung, um die es geht, sieht aus wie eine Personalie: Soll der derzeitige Partei- und Fraktionschef Christoph Matschie die Thüringen-SPD als Spitzenkandidat in den Landtags-Wahlkampf 2009 führen, oder soll Richard Dewes, ehemaliger Innenminister des Landes Thüringen, diese Funktion übernehmen? Doch es geht eigentlich nicht um Kompetenz, Sympathie oder Erfolg beim Wähler. Es geht um die Linkspartei, die sich in der kommenden Wahl mit ihrem agilen Spitzenkandidaten Bodo Ramelow die Pool-Position beim Ringen um die Ministerpräsidentschaft sichern könnte. Und dabei geht es dann nicht mehr um die Frage, ob man sich – wie derzeit in Hessen – durch die Linke tolerieren läßt, sondern ob man den Steigbügelhalter für den ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei spielt. Dies will Christoph Matschie von vornherein ausschließen, Richard Dewes dagegen hält sich alle Optionen offen. Und so reisen die beiden Kandidaten derzeit durch das Land, um sich und ihre Ideen vor der Urabstimmung, die am kommenden Sonntag stattfinden soll, noch ein paar Sympathiepunkte zu sichern. Im Deutschlandfunk-Interview stellte Christoph Matschie heute noch einmal klar, dass eine Koalition mit der Linkspartei “nur unter Führung der SPD zustandekommen” kann. Dewes erklärt im Interview mit dem Thüringer Augenzeugen, dass er der Meinung sei, dass es “ganz viele Menschen als ein Negativum ansehen, wenn die SPD eine Option vor der Landtagswahl ausschließt”.

Jena startet Modellprojekt zur Sprachförderung für Migrantenkinder

Stadt der Wissenschaft: Jena verbrennt Millionen für fragwürdige Imagekampagne

Von Norbert Krause

Jena ist „Stadt der Wissenschaft 2008“. Alle sind zufrieden und glücklich mit der Auszeichung, die man im letzten Jahr knapp – als einer von zwei Bewerbern – gewonnen hat. Es ist jedoch unklar, welchen tatsächlichen Effekt dieser Preis für das Image und die Bürger der Stadt hat. Dient der Titel zu mehr als nur zu einer regionalen Wohlfühlveranstaltung? Sind die enormen Werbeausgaben aus dem Haushalt der Stadt gerechtfertigt?

sciencecityjena.gifAm 02. Februar wurde mit einer großen Eröffnungs- veranstaltung das Wissenschaftsjahr begonnen. Geschätzte 25.000 Menschen waren in der Stadt unterwegs, um sich die Illuminationen unter dem Motto „Jena leuchtet“ anzusehen.

Dieser groß angelegte und 170.000 Euro teure Event wird jedoch unter den Veranstaltungen der „Stadt der Wissenschaft“ die deutliche Ausnahme bleiben. Er wurde originär für die Eröffnung konzipiert. Ansonsten laufen unter dem Motto hauptsächlich Veranstaltungen, die auch ohne diesen Wettbewerb stattgefunden hätten: Das Universitätsjubiläum, die lange Nacht der Wissenschaft, der Zug der Geister, die Veranstaltungen der Kulturarena, die Eröffnung des Stadtspeichers – nur, dass sie nun zusätzlich mit 550.000 Euro beworben werden. Die Umwidmung dieser Veranstaltungen, also allein der Name, kostet die Stadt 510.000 Euro aus ihrem Haushalt. (siehe Hauhaltsplan, 28 kb PDF-Dokument, Achtung: Das Management der Veranstaltung hat uns telefonisch explizit darum gebeten, die Namen der Einzelsponsoren nicht aufzulisten)

In dieser Größenordnung bewegten sich auch die Kalkulationen der bisherigen Titelträger: Insgesamt wurden etwa 500.000 Euro aus dem Stadthaushalt und 500.000 Euro von der regionalen Wirtschaft verwendet. Der Stifterverband gab 125.000 Euro als Preissumme und jeweils 25 Cent für jeden weiteren Euro hinzu, der von der Stadt eingeworben wird – maximal jedoch 125.000 Euro. Das ist bisher allen Städten gelungen: Jeder Preisträger hat also mehr als eine Millionen Euro für den Preis ausgegeben. Für einen Wettbewerb dessen Nutzen nicht erwiesen und der auch nur schwerlich nachzuweisen ist. Die schwer zu beantwortende Frage lautet: Wer soll eigentlich damit angesprochen werden? Für wen ist dieser Titel relevant? Die Bürger vor Ort, die Investoren, die Touristen, die überregionale Öffentlichkeit? Am besten wohl alle.
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