Uran im Jenaer Trinkwasser überschreitet Grenzwert

Wie die Zeitschrift Ökotest in ihrer Februarausgabe berichtet, hat die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in einer Studie die Uranbelastung des Leitungswassers in bevölkerungsreichen Gegenden Deutschlands gemessen und kam zu dem Schluss, dass der Urangehalt des Trinkwassers in Jena deutlich über einem Grenzwert liegt, wie er vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ausgegeben wurde. Danach sollen 2 Mikrogramm Uran pro Liter Leitungswasser gesundheitlich unbedenklich sein. In Jena soll sich jedoch fast die dreifache Menge Uran, 5.96 Mikrogramm pro Liter, im Leitungswasser befinden. Laut BfA kann

    “der regelmäßige Verzehr in Mengen von einem halben Liter oder mehr pro Tag dieser Wässer zu einer Uranaufnahme führen, von der sich nicht mehr ausschließen lässt, dass sie nachteilige Wirkungen haben könnte.”

Nachgewiesenermaßen kann es durch die Aufnahme erhöhter Urankonzentrationen im Trinkwasser zum Auftreten von Nierenkrebs kommen, doch die Frage nach Unbedenklichkeitswerten für den Urangehalt des Trinkwassers wird von deutschen und internationalen Gesundheits- und Verbraucherschutzorganisationen unterschiedlich beantwortet:

krebs2.gifDie US-amerikanische Environmental Protection Agency (EPA) sieht erst mit 30 µg/L einen kritischen Wert als überschritten, während die Weltgesundheitsbehörde (WHO) für Trinkwasser einen Grenzwert von 15µg/L annimmt. Das Umweltbundesamt erklärt einen Höchstwert von 20 μg U/l für eine Belastungsdauer von bis zu zehn Jahren für „gesundheitlich duldbar“. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sah dagegen vorübergehend sogar einen Urangrenzwert für Säuglingsnahrung von 0,2 Mikrogramm pro Liter vor, erhöhte ihn dann auf Anforderung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und des Umweltbundesamtes (UBA) auf 2 Mikrogramm pro Liter.

Mit einem Richtwert von bis zu zwei Litern Trinkwassern pro Tag würde ein Erwachsener in Jena täglich etwa 12 Mikrogramm Uran aufnehmen. Zusammen mit der Uranmenge, die mit der Festnahrung aufgenommen wird, kann dabei ein Wert von bis zu 20 Mikrogramm Uran zusammenkommen.

Die Jenaer Stadtwerke äußern sich zurückhaltend zu den jüngsten Ergebnissen der Trinkwasserstudie. Ein Sprecher verweist auf regelmäßige Kontrollen und die vollkommene Unbedenklichkeit der Uranwerte, da es sich bei dem Jenaer Leitungswasser um sogenanntes Tiefen- oder Brunnenwasser handele, das gar nicht uranverseucht sein könne. Allerdings wurden in der Studie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft sowohl die Werte des Tiefen-, als auch des Oberflächenwassers (Boden, Quellen, Flüsse und Seen) ermittelt.

Von Seiten des Thüringer Gesundheitsministeriums gibt man Entwarnung, weisen doch nur rund 60 der 950 Wasseranlagen in Thüringen eine Uran-Belastung über fünf Mikrogramm auf.

Aber auch Zahlen des gemeinsamen Krebsregisters der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen [16,5 MB pdf-Dokument] deuten nicht auf eine erhöhte Gefahr für Nieren-, Harnblasen- oder Leberkrebs im Raum Jena hin. Jena zählt zu den kreisfreien Städten mit der geringsten Wahrscheinlichkeit für Krebsneuerkrankungen.

krebs.gif

Der Urangehalt des Jenaer Oberflächenwassers hat allerdings auch Auswirkungen auf die regionale Getränkeindustrie, stellt Professor Schnug, der Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Bodenkunde an der Universität Braunschweig, fest. Örtliche Weinbauern könnten dann mit dem geringen Urangehalt ihres Produktes werben, da die Pflanzen einen natürlichen Uranfilter bilden. Bierbrauer hätten da schon schlechtere Karten, ihr „reines“ Quellwasser wäre unter Umständen uranhaltig und damit zur Säuglingsernährung ungeeignet.

Mehr zum Thema bei Foodwatch und bei Freies Wort

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7 Responses to “Uran im Jenaer Trinkwasser überschreitet Grenzwert”

  1. Lars Zapf Says:

    Der Artikel ist exzellent recherchiert. Kompliment. Nun bleibt das Echo der offiziellen Stellen abzuwarten. Meiner Meinung nach wird es wie immer beim Herunterspielen des Sachverhaltes bleiben, denn was man nicht sieht ist ja auch keine Gefahr! Lustig fand ich dass wie immer die amerikanischen Grenzwerte 15fach so hoch wie die deutschen sind. Die Auswirkungen auf das Krebsrisiko kann man meiner Meinung nach nicht unbedingt direkt aus der gezeigten Statistik ableiten, denn ein Viertel der Jenaer Bevölkerung sind Studenten, die nur eine gewisse Zeit ind er Stadt bleiben, die Statistik also ein wenig verfälschen.

  2. sapere aude Says:

    vielen dank :o)

    die studentische populationsverzerrung ist ein ziemlich gutes argument, lars. ich werd das nochmal nachrecherchieren.

  3. christine Says:

    ich will nur mal beiläufig erwähnen, dass studenten gerne sparen…zum beispiel am wasser ausm supermarkt. meiner meinung nach trifft somit die studentische populationverzerrung nur bedingt zu. während des semesters gibt es genug studenten, die regelmäßig leitungswasser trinken- mag zwar sein, dass das viele als naiv ansehen, aber das ist nicht der disskussionspunkt.
    warum dringt so eine nachricht nicht sofort an die öffentlichkeit?

  4. sapere aude Says:

    die nachricht ist doch sofort an die öffentlichkeit gedrungen. kein grund zur aufregung und für verschwörungstheorien. :o)

    die populationsverzerrung ergibt sich aus der tatsache, dass junge menschen grundsätzlich seltener krebs bekommen und die stichprobe insofern verzerren, dass sie den prozentsatz an krebserkrankungen niedriger machen – auch wenn man in jena üblicherweise genauso häufig krebs bekommt, wie in sonst in thüringen auch.

    deshalb müssen wir nochmal genauer in die zahlen gucken, wie hoch die krebsrate in verschiedenen altersgruppen ist, vor allem bei ständigen jena-residenten.

  5. Subnetmask - das Blog » BlogArchiv » Brita Wasserfilter und Jenaer Wasserhärte Says:

    […] Bereits seit Tagen zeigte meine Senseo Kaffeemaschine mal wieder Spuren fortschreitender Verkalkung. Das hiesige Wasser ist wirklich extrem kalkhaltig – von anderen unangenehmen Zusätzen mal ganz abgesehen. Daher griff ich endlich einmal einen alten Vorschlag auf und besorgte mir einen Wasserfilter der Firma Brita und ein Päckchen mit 2Ersatzkartuschen. […]

  6. Uran, das Minus im Jenaer Wasser - Jena, Liter, Uran, Link, Fürstenbrunnen, Wert, Stadt, Brunnen - Intensivkind Says:

    […] Da schreckt man auf: Jena sei in Thüringen die Stadt mit den höchsten Uranwerten im Trinkwasser, so hieß es im Februar 1,2. Was daraus geworden ist? Nun jetzt gibt es eine Meldung von Foodwatch, welches die Daten zu Thüringen vom Gesundheitsministerium nun veröffentlicht hat. Doch kommen wir zurück nach Jena. Ein Wert für eine Stadt, wo es vier “Brunnen” gibt, die die Stadt beliefern? Und diese fördern Wasser unterschiedlichster Qualität zu den Haushalten, wie im Härtebereich gut bekannt bei den Bürgern. Nun, da stellt sich einem schon die Frage, welche Analyse man glauben kann und möchte. Als Bürger von Jena möchte man sicherlich den offiziellen Daten der Wasserwerke glauben, aber schützt guter Glaube vor den Gesundheitsschäden durch das Uran? Nein. […]

  7. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Uran im Thüringer Trinkwasser? Says:

    […] vor zwei Jahren hatten die THÜRINGER BLOGZENTRALE und andere Thüringer Medien über erhöhte Uranwerte im Trinkwasser berichtet. Allein in Jena […]