Archive for July, 2008

Liebe Leser

Bereits seit einigen Wochen hat sich in der Nominiertenliste für den “95-Thesen-Preis 2008″ nichts verändert. Ich muß wohl einsehen, das die Wahl eines außergewöhnlichen Blogeintrags in der thüringischen/deutschen Blogosphäre kein außergewöhnliches Interesse oder Engagement hervorruft. Es wäre also an der Zeit, zu sagen: Ich geb’s auf.

Falls Ihr jedoch nur Schwierigkeiten habt, Euch an einen hervorragenden Blogeintrag des vergangenen Jahres zu erinnern, so möchte ich Euch doch – als treue Leser der Thüringer Blogzentrale – auf Knien bitten, zumindest eine der vorhandenen Nominierungen mit Eurer Stimme zu unterstützen!

Am 26. Juli 2008, um 23.59 Uhr endet die Vorschlagsfrist.

Vielen, vielen herzlichen Dank!!

Sven

TBZ jetzt auch in journalistischer Fachliteratur

Über die Thüringer Blogogsphäre und die THÜRINGER BLOGZENTRALE wurde ja bereits zweimal auch in gedruckten Medien berichtet. Im November 2006 schrieb die Thüringer Landeszeitung über die TBZ und Ende Juni diesen Jahres erfreute ein Artikel über die Thüringer Blogosphäre die Augen der Leser des Allgemeinen Anzeigers.

Doch nicht nur die Thüringer Tages- oder Wochenpresse ließ sich durch das Konzept der Thüringer Blogzentrale neugierig machen, auch die journalistische Fachliteratur ist inzwischen auf die TBZ aufmerksam geworden. Den Autoren des Buches “Vergessen? Verschwiegen? Verdrängt? 10 Jahre “Initiative Nachrichtenaufklärung” ist die TBZ einen kleinen Absatz (auf Seite 98) wert:

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Und in einem “Sammelband zur Quellenkritik in Wissenschaft und Journalismus” wird ein Beitrag von Tobias Eberwein erscheinen, der unter dem Titel “Weblogs als Quelle journalistischer Recherche” auch die Thüringer Blogzentrale erwähnt:

    “In vielen Fällen stellen Weblogs eine willkommene Möglichkeit dar, Journalisten zu Themenideen zu verhelfen, die die Massenmedien bisher nicht oder nur in ungenügendem Maße in ihrer Berichterstattung berücksichtigt haben. Dies ist etwa bei den zahlreichen Watchblogs der Fall, die gesellschaftlich relevante Themen in den Blick nehmen, um ihnen zu einer größeren Öffentlichkeit zu verhelfen. Ein Beispiel ist das Blog der zivilgesellschaftlichen Initiative „LobbyControl“, das sich das Ziel gesetzt hat, über verdeckte Machtstrukturen und Einflussstrategien in Ministerien, PR-Kampagnen und Denkfabriken aufzuklären. Ein weiteres, bekannteres Weblog ist das „Schwarzbuch Lidl“, das die Gewerkschaft Verdi eingerichtet hat, um die Arbeitszustände des Discounters Lidl zu beobachten und Missstände anzuprangern. Weitere bekannte Watchblogs sind das „Bildblog“, „SpiegelKritik“, das „GoogleWatchBlog“ oder „Klenks Watchblog“. Nicht in allen Fällen übernehmen diese Blogs investigative Rechercheaufgaben, nichtsdestotrotz können sie je nach Thematik Denkanstöße zu relevanten Themen liefern. Das gilt auch für zahlreiche regional oder lokal begrenzte Weblogs, die in vielen Fällen Inhalte thematisieren, die der klassische Regional- oder Lokaljournalismus vernachlässigt. Bekanntere regionale Projekte sind die „Thüringer Blogzentrale“ oder das „Pottblog“. Viele weitere lokale Beispiele lassen sich – nach Städten sortiert – unter blogplan.de finden.”

Ja, natürlich bin ich stolz

Kommt Papst Benedikt nach Thüringen?

hosianna.gifWährend sich die Anzeichen verdichten, dass Papst Benedikt XVI. im nächsten Jahr – dem Jahr der Landtagswahl – nach Thüringen kommen könnte, gibt es zurzeit erhebliche Schwierigkeiten zwischen amerikanischen Atheisten und Katholiken. Ein Katholik hatte eine Hostie (also kleine runde Mini-Waffel, die die Christen im Gottesdienst essen) nach der Weihe durch einen Priester (wodurch dieser angeblich zum “Leib Christi” wird) entführt. Also nicht gegessen, sondern mitgenommen. Daraufhin erhielt er von aufgebrachten Katholiken Morddrohungen. Der konservative US-amerikanische Fernsehsender Fox berichtete über den Fall (Video).

Daraufhin forderte ein prominenter amerikanischer Atheist (und Blogger, PZ Myers) dazu auf, ihm Hostien zu schicken, die er schänden könne:

    Can anyone out there score me some consecrated communion wafers? There’s no way I can personally get them — my local churches have stakes prepared for me, I’m sure — but if any of you would be willing to do what it takes to get me some, or even one, and mail it to me, I’ll show you sacrilege, gladly, and with much fanfare.”

    “Kann irgendjemand da draußen mir ein paar gesegnete Kommunionskekse besorgen? Ich kann leider nicht persönlich an sie herankommen – meine lokalen Gemeinden haben Brandpfähle für mich vorbereitet, da bin ich mir sicher – aber falls mir einer von euch eine davon besorgen könnte und sie mir per Post zuschickt, dann zeige ich euch mit Freuden ein Sakrileg, und zwar mit lauten Fanfaren.”
    Siehe auch die vollständige Übersetzung beim Humanistischen Pressedienst

Auch er erhielt daraufhin prompt Morddrohungen.

Was ist der Unterschied zwischen Hostien und Mohammed-Karikaturen?

Wagner in Weimar: Heil, Siegfried! Heil, Gutrune!

Von Louisa Reichstetter


Im Deutschen Nationaltheater Weimar schließt sich Richard Wagners „Ring” mit Emanzen und Hitlergrüßen

ring2.gifIrgendwann im Frühjahr muss sich jemand auf der Bühne im Kreis gedreht haben. Dabei schleuderte er wild Erdfarben umher. Sie klatschten gegen die Wände aus tarngrünem Grundton und fertig war die Kulisse für die `Götterdämmerung´. Schlicht und genial.
Inhalt und Inszenierung der Oper am Deutschen Nationaltheater Weimar sind jedoch weder schlicht noch genial: Es dominieren komplizierte Intrigen, Begierden im Libretto und regelmäßige Geschlechtsakte auf der Bühne. Wäre entweder Wagner oder der Regisseur Franzose, hätte dies vielleicht spannend und erotisch sein können. Doch beide sind sehr deutsch und so langweilen fast sechs Stunden phantasielose Rammeleien und perfide Betrügereien untermalt von kitschiger Spätromantik. Man konnte befürchten, was passiert, wenn der Männerchor als geschichtlicher Querschnitt der Soldaten auftritt: Vom Römerhelm über den Flieger des Ersten Weltkrieges, den Wehrmachtssoldaten bis zum amerikanischen GI ist alles vertreten. Als Bauernmädchen auf die Bühne huschen, hat der Chor nichts anderes zu tun, als die Wuschelmähnen zu wuchtigem Viervierteltakt zu vergewaltigen. Jede andere Taktart hätte sie sicher überfordert. Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek gehören zur Avantgarde der deutschen Musiktheaterszene. Doch wer sich so etwas ausdenkt, der könnte auch Fernsehdreiteiler drehen. Der geschilderte Überfluss an Geschlechtsdrang überschattet durchaus feinsinnige Ideen, wie sie beispielsweise in der Verkörperung des loyalen Pferdes Grane stecken: Dies spielt Erika Krämer in einer stummen Rolle mit wallendem weißen Haar.ring1.gif

Den gesamten Plot des letzten „Ringes” muss man sich als eine Mischung aus echter Nibelungensage und einem Remake von „Grüne Tomaten” mit Brigitte Nielsen in der Hauptrolle vorstellen: Brünnhilde liebt Siegfried, der aber muss fortziehen. Als Liebespfand hinterlässt er ihr einen güldenen Ring – just den Ring der Nibelungen, der die magische Kraft besitzt, das Leiden der Welt zu lindern.
Siegfried gelangt zielstrebig in das Reich der Gibichunger, das von dem einfältigen Gunther regiert wird. Gunther merkt nicht, dass dort eigentlich der grundböse Hagen das Sagen hat. Hagen will den Ring, was es auch koste. Mit einem fiesen Trick beziehungsweise Trank macht er den Heldentenor Siegfried gefügig: Er verliebt sich unsterblich in die Frau, die er als erste nach dem Gesöff sieht und grüßt: „Heil, Gutrune!” Die werte Gutrune ist Gunthers noch ledige Schwester. Und Gunther, der bisher nur Gefallen an der eigenen Schwester fand? Der soll im Tausch Brünnhilde erhalten. Die aber ist wehrhaft und treu, sodass es wiederum Siegfried mit der Tarnkappe richten muss. Darin sieht er aus wie Hanibal Lector als deutscher Fußballfan. Siegfried vergeht sich ausgiebig an seiner einst großen Liebe, streift ihr den Ring ab und verheiratet sie mit dem tapsigen König.
Um es kurz zu machen: Brigitte Nielsen alias Brünnhilde deckt die Intrige auf und rächt sich am ehemaligen Geliebten, indem sie zulässt, dass ihn Hagens Speer durchbohrt. Mit Hilfe von Gutrune, die Hagen unschädlich macht, gibt sie den Ring tapfer ihren rechtmäßigen Besitzerinnen, den Rheintöchtern, zurück.
Sodann taumeln wieder die Bauernmädchen in die wunderschöne Szenerie, geschaffen von Dirk Becker. Aus dem Bühnenhimmel beginnt es zu regnen: Als Sinnbild ihrer Befreiung und als Spiegel eines dümmlichen Emanzipationsbegriffs des Regisseurs fangen sie an, sich zu den letzten, überraschend leisen und vielschichtigen Wagnerakkorden nackt auszuziehen.

ring3.gifMusikalisch ist die Aufführung überzeugend. Renatus Mészárs Bass klingt als Hagen auch nach fünf Stunden noch kraftvoll, die Britin Catherine Foster als Brünnhilde meistert alle Höhen laut und klar.
Auch Norbert Schmittberg als Siegfried schlägt sich tapfer – meist nämlich muss er in unmöglichen Lagen singen, da er sich gerade wieder irgendwo auf der Bühne wälzt. Das Orchester glänzt mit perfektem Spiel unter seinem alten Dirigenten Carl St. Clair, der leider an die Komische Oper in Berlin gewechselt ist. Vielleicht hat ihn gerade der Konstrast gereizt: Wagner ist völlig humorfrei. Die Inszenierung folgte diesem Attribut des Führers´ Lieblingskomponisten weitgehend. So sind die Raben, jene Bühnenlümmel und Helfertiere des Hagen, beispielsweise als jugendliche Punks verkleidetet. Das ist nicht provokativ, sondern fragwürdig. Gleichsam erscheint es weniger als Provokation, sondern vielmehr als abgegriffene Peinlichkeit, wenn der Soldatenchor unter Hagens Ägide kurz den Hitlergruß imitiert.
Für Sexszenen und Nazisymbolik muss man eigentlich nicht ins Theater.

Die “Bilanz” des Dieter Althaus

Ende nächsten Jahres ist Landtagswahl in Thüringen und der thüringische Ministerpräsident hat schonmal vorsorglich sein Kabinett ausgetauscht, um mit jungen und mehr oder weniger unverbrauchten Kandidaten ins Rennen gehen zu können.

Und auch die junge Garde der CDU-Wähler schwärmt schon aus und macht Werbung für ihren “Dieter”. Auch in der Thüringer Blogzentrale. Gestern also schrieb ein CDU-Wähler in einem Kommentar zu den dramatischen Zustimmungsverlusten des Ministerpräsidenten:


    “Wo nichts ist, kan (sic!) viel entstehen. Wo hingegen schon viel ist, ist nicht mehr so viel Luft nach oben. Das ist der Punkt der Thüringen von Mecklenburg-Vorpommern unterscheidet.

    Thüringen hat beispielsweise mit Abstand die niedrigste Arbeitslosenzahl aller ostdeutschen Länder: “Nur” 10,8 Prozent. Danach folgen Sachsen und Berin (sic!) mit rund zwei Prozent mehr.

    Sicher hat die Thüringer CDU in manchen Teilen Nachholbedarf, aber die Familienoffensive, das gesetzlich verankerte Verbot der Neuverschuldung, die infrastrukturelle Entwicklung und das angesprochene Wirtschaftswachstum sprechen meiner Meinung nach für sich. Auch ich werde deshalb mit ziemlicher Sicherheit 2009 für Dieter stimmen.”

Schauen wir uns doch die Statistiken einmal genauer an:

Seit dem Beginn der Ministerpräsidentschaft von Dieter Althaus 2003 ist die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten kontinuierlich zurückgegangen von 741.343 auf 713.267 Beschäftigte

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