Archive for December, 2008

Protected: Thüringen verschwindet

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Tolles Thüringen: Das HartzvierVZ?

    “Das erste kostenlose Mitmach-Internet von Thüringern für Thüringer ist seit heute um Null Uhr im Netz. Es setzt dabei neben Service-Angeboten ganz auf die lokale Kompetenz der Thüringer. Als “Bürgerreporter” können die Nutzer nun ihr eigenes Internet gestalten, in dem sie Texte, Fotos und Videos von Ereignissen direkt vor Ort in das Netz stellen. So erfährt jeder mit nur wenigen Klicks, was bei ihm vor der Haustür passiert. Jeder kann das Ereignis und die Videos bewerten und kommentieren.”


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Sagt … äh… ja, wer eigentlich? Birga Berndsen? Die in der Feurigstraße 54 in 10827 Berlin sitzt? Naja, sicher eine waschechte Exil-Thüringerin, die jetzt den Proximus-Verlag leitet, der das Portal “Tolles Thüringen” betreibt. Der Proximus-Verlag?

Markus – übrigens ein unabhängiger Thüringer Blogger – hat schon recherchiert

    “Im Impressum finden wir die Proximus-Verlag GmbH, Feurigstraße 54, Berlin mit der Geschäftsführerin Birga Berndsen (Bio). Außer der Geschäftsführerin werden keine Mitarbeiter vorgestellt. Ob es auch einen Sitz in Thüringen gibt, geht aus der Seite nicht hervor. Eine Suche nach der Domain (tollesthüringen.de, aktualisiert am 13.09.2008) und den Markennamen “Tolles Thüringen” verschleiert den Urheber weiter, denn beide gehören der Firma “Hauptstadtsee 760. VV GmbH” in Berlin. Diese Firma scheint eine reine Postfachadresse zu sein, denn es gibt gleich hunderte Firmen “Hauptstadtsee xxx V V Gmbh” in Berlin. Bevor das selbst gegebene Motto „Aus liebe zum Land“ wirklich glaubhaft wird, ist etwas mehr Transparenz nötig.”

Nun ja. Das kann ja heiter werden.

    “Tolles Thürigen ist ein Social Network, verbunden mit einem redaktionellen Teil. Und Social Networks haben ja einen unglaublichen Zulauf gegenwärtig. Es funktioniert so, dass einzelne Personen ein Profil über sich einrichten können, mit Bildern, Informationen; Gruppen schaffen können, sich in Gruppen zusammenschließen, sich vernetzen, Informationen austauschen, auf Termine aufmerksam machen. Ein Bürgernetzwerk, das den redaktionellen Teil mit dem sozialen Netzwerk verbindet”

Klingt irgendwie vertraut, oder? Sowas haben wir schonmal gehört. Irgendwann in grauer Vorzeit. Mitmachnetz. User generated content. Eigenes Internet gestalten. Ein weiteres Startup versucht sich nun an der absurden Idee, Thüringer mit Thüringern zu vernetzen. Und sie machen’s nicht unter dem Ministerpräsidenten, dem alten Wirbelwind, zum offiziellen Webstart. Es reichte immerhin für eine dürre Pressemeldung in der TLZ, die nicht mal den Link richtig hinbekommen. Aber das ist ja nichts neues.

Aber schauen wir uns dieses “junge Startup” doch mal genauer an. Da haben sich wohl ein paar arbeitslose Webgestalter zusammengetan und haben sich überlegt, wohin man seine reichliche Tagesfreizeit denn mal möglichst sinnlos investieren könnte? Bisher trieb man sich im ErstiVZ, StudiVZ, MeinVZ herum, schrieb wohl ein bißchen Internettagebuch und wollte wohl eigentlich Journalist werden. Dumm nur, dass es auf diesem Arbeitsmarkt gerade ganz ganz schlecht aussieht. Was also liegt hier näher, als zum Arbeitsamt zu gehen, einen Startup-Kredit zusammenzubetteln, denen dabei irgendwelche Geschichten aufzutischen, mit viel Web 2.0-Blabla, von dem die eh keine Ahnung haben und los kann’s gehen, der lange Weg in die erste eigene Insolvenz.

Doch halt! Es geht viel cleverer. Eine Beteiligungsgesellschaft gründen. Fix einen Verlag aus dem Boden stampfen. Und arbeitslose Online-Journalisten suchen. Denen 400 Euro in die Hand drücken und los geht sie, die Datensammlung.

Mit einem sozialen Netzwerk nämlich. Sehr erfolgreich und sehr sehr sicher für die Nutzer. Das weiß man ja. Datenschutz und Informationsfreiheit werden hier nämlich groß geschrieben:

Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, ob sich das “Tolle Thüringen” für die Betreiber lohnen wird. Für Thüringen lohnt es sich auf jeden Fall: Denn es sind wieder ein paar Arbeitslose von der Straße. Die vernetzen sich ja jetzt fleißig im Flächenland Thüringen mit zwei Millionen anderen Thüringern. Und wenn es nur für zwei bis drei Jahre ist.

Tolles Thüringen!
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Eine aktuelle Analyse des Geschäftsmodells von “Tolles Thüringen” und seiner mutmaßlichen Verbindungen zur Thüringer CDU finden sie hier.

Und hier gibt es ein Interview mit dem Chefredakteur des Portals “Tolles Thüringen”, in dem er alle Vorwürfe der Parteilichkeit bestreitet und behauptet, dass die Auswahl der vorgestellten CDU-Wahlkreiskandidaten rein zufällig geschah. Bekannt ist uns, dass in Erfurt, Jena und Weimar ausschließlich Kandidaten der CDU vorgestellt wurden.

Der Chefredakteur von “Tolles Thüringen”, Jochen Dersch, behauptet außerdem wahrheitswidrig, wir hätten uns wegen unserer Berichterstattung über die Arbeitssituation bei tollesthueringen.de “entschuldigt”. Es gibt keinen Grund für eine Entschuldigung. 400 Euro Monatsgehalt sind Ausbeutung.

Für ein Gespräch war Herr Dersch übrigens für uns nicht zu erreichen.