Thüringen verschwindet
Thüringen ist ein wunderbares Bundesland. Eigentlich das schönste von allen. Wenn man mal von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bayern, Hessen, dem Saarland und allen anderen absieht. Das wenigstens scheint sich jeder dritte Thüringer unter 30 zu denken. Denn laut aktuellem Thüringen-Monitor (PDF-DOKUMENT) wollen 33% der 18 bis 29-jährigen Thüringen wahrscheinlich oder sogar “sehr wahrscheinlich” verlassen. Das ist leider auch die Generation, die verantwortlich für den Nachwuchs ist. Das hat zur Folge, dass Thüringens Einwohnerzahl in den nächsten Jahren um ein Siebtel sinken wird. Nach jüngsten Prognosen lebten dann im Freistaat im Jahr 2025 voraussichtlich 1,98 Millionen Menschen. Das wären dann 330.000 weniger als heute.

Wir erleben also einen jährlichen Bevölkerungsschwund von etwa 20.000 Menschen. Zwanzigtausend. Soviele, wie an der Uni Jena als Studenten eingeschrieben sind.
Gleichzeitig feiert sich die Regierung Althaus für die stetig nachlassenden Arbeitslosenzahlen. Dieter Althaus sieht in den aktuellen Zahlen eine “Bestätigung für die Wirtschaftspolitik der Landesregierung”. Die Entwicklung sei ein “Zeichen für die Stärke des Wirtschaftsstandorts”. Und nun raten Sie mal in welchem Bereich die Arbeitslosenzahl jährlich, seit dem Jahr 2004 sinkt! Um etwa 20.000 Menschen:

Jährlich 20.000 Arbeitslose weniger in Thüringen, das hört sich beeindruckend an. Entscheidend für die Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit des Bundeslandes Thüringen ist allerdings nicht die Zahl der Arbeitslosen, oder das Nachlassen dieser Zahl, sondern die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, d.h. der regulär bezahlten Arbeitsplätze. Eben all der Menschen, die einer ganz normal bezahlten Arbeit nachgehen, ohne Sozial- oder Wiedereingliederungsmaßnahmen, ohne ABM und Hartz-IV. Die Leistung der Regierung Althaus bemisst sich also nicht nach der Zahl der Leute, die sie aus dem Land getrieben hat, die vor Kummer gestorben sind oder wegen Zukunftsängsten auf ihre Elternschaft verzichtet haben, sondern in der Menge der Leute, die ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfen bestreiten können.

Und da konnten wir über die letzten Jahre ein extremes Nachlassen beobachten. Etwa 20.000 Arbeitsplätze verlor das Land Thüringen seit dem Jahr 2000 jährlich. Erst im Jahre 2007 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wieder leicht um 5456 Personen. Stärker nahm allerdings der Trend der Leute zu, die zum Arbeitsort pendeln müssen und die dem Freistaat potentiell verloren gehen – auch im Angesicht der zurückgekehrten Pendlerpauschale.
Alles in allem machen diese Zahlen vor allem eines deutlich: Die Attraktivität des Landes Thüringen für junge Familiengründer ist erschreckend gering. Und das hat seine Ursachen vor allem auch in der unübersehbaren Perspektivlosigkeit. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren durch die weltweite Rezession noch verstärken. Bleibt die Frage, ob man diese Probleme mit der CDU-Regierung unter dem Ministerpräsidenten Dieter Althaus, der sich deutlich für ein Bekenntnis zur Marktwirtschaft ausspricht, in den kommenden Jahren bewältigen kann.
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
