Archive for June, 2009

Unsere Heimat: Unrechtsstaat

Kommentar von Sven

“Heimweh nach der Diktatur” titelt Spiegel-Online. Und im Artikel warnt der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, 59,

    “vor der Verharmlosung der SED-Diktatur durch Jugendliche, die ihr Wissen über die DDR eher aus Familiengesprächen als aus dem Schulunterricht bezögen.”

Es ist eine Debatte, wie man sie aus Familienstreitigkeiten zur Genüge kennt. Man redet laut aneinander vorbei und meint doch im Grunde genau dasselbe.

Selbstverständlich war die DDR ein Unrechtsstaat.

Selbstverständlich will keiner die Mauer, die Selbstschussanlagen, die Stasi oder Erich Honecker zurück.

Selbstverständlich war die DDR das schönste Land der Welt.

Ja was denn sonst. Wir sind hier aufgewachsen. Wir sind hier zur Schule gegangen, haben die “FRÖSI” und “neues leben” gelesen und sind zu den “Jungen Naturforschern und Technikern” gegangen. Wir standen gemeinsam für frische Brötchen beim Bäcker an und haben uns über die SERO-Pfennige gefreut. Wir sind im FDGB-Urlaub Freunde für’s Leben geworden und haben bei der Fußball-Weltmeisterschaft für die BRD gejubelt.

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Bildungsstreik in Thüringen: Mach mit und sei dabei?

Von Robby

bildungsstreik.gifOh mein Gott! Erst eben habe ich festgestellt, wie schockierend und peinlich die Sache mit dem Bildungs- streik eigentlich ist. Im Seminar Beratungspsycho- logie ging es heute um psychologische Beratung im Bereich Werbung. Im Zuge dessen war es im praktischen Teil unsere Aufgabe ein Plakat für den Bildungsstreik zu entwerfen. Gleichzeitig wurden zu Beginn der Veranstaltung der aktuelle Flyer ausgeteilt, bei dem ich mich frage, wer sich von so etwas angesprochen und motiviert fühlt? Man werfe bitte einen Blick hierauf.

Nicht nur, dass ich nicht verstehe, was das Krümelmonster mit dem Bildungsstreik zu tun hat, nein, der Slogan beziehungsweise die Aufforderung “Mach mit und sei dabei” ist wirklich der Hammer. Erinnert mich ehrlich gesagt an “1, 2 oder 3 – letzte Chance, vorbei.”. Kindergarten- oder maximal Grundschulniveau. Warum sollte ich mitmachen, außer, damit ich wie alle anderen mitmache und dabei bin? Sorry, aber sinnlose Menschenaufläufe sind nicht mein Fall.

Weiterhin habe ich persönlich mit der Begriffswahl Streikdemo ein Problem. Das klingt nach Hauptsache gegen, aber nicht im Ansatz nach Wofür. Wie schon in dem Videokommentar angesprochen sehe ich auch hier wieder das Problem: Fordern ohne etwas dafür anzubieten. Und eine .de.vu-Domain macht das ganze nicht besser. Die (einmaligen) 12€ (oder weniger) für eine ordentliche Adresse sollte man schon haben, zumindest würde das in meinen Augen einen gewissen Grad Seriösitität liefern.

Nuja. Auch wenn unser Seminar aufgrund des Bildungsstreiks morgen ausfällt, geh ich wohl nicht mit Steine schmeißen. Erstens habe ich etwas gegen Massenaufläufe und zweitens kann ich mich deswegen und darüber hinaus nicht damit identifizieren. Ich gehe Seifenblasen vom Balkon steigen lassen. Denn erstens macht das Spaß und zweitens kann dann jeder sagen “Guckt mal, die Seifenblasen zerplatzen wie unsere Träume und Wünsche nach Bildung. Wie metaphorisch.”. Uns geht es zwar um die Seifenblasen, aber so bekommt jeder, was er will.

bildungsstreik2.gifWas unser Plakat angeht: In knappen 15 Minuten entwickelten wir den Slogan

“Bildung für alle!?
Alle für Bildung!”

Aufgehübscht mit verschiedenen, prototypischen Studentenvertretern respektive deren Strichmännchenkopfpendants. Das Plakat hängt auch irgendwo im Campusgebäude aus. Der Hintergrund der Botschaft? Bildung nicht nur als Recht, sondern auch als Pflicht. Dazu beachte man die latente Musketierverbindung. Nichts, aber auch nichts anderes als die soziale Verantwortung würde mich dazu bewegen, an der Streikdemo zu partizipieren. Und selbst mit der habe ich immer noch eine starke Tendenz zum Schulterzucken.

Deutsche Einheit?

Von Franzzi

tor.gifEs ist ein Thema, das uns verfolgt in diesem Dauer-Jubiläums-Jahr. Unter anderem gedenken wir 20 Jahre Mauerfall, obwohl das ein Ereignis ist, das nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft.

Denn die Mauern in den Köpfen sind noch nicht gefallen.

Ich verstehe das Problem durchaus. Wem 40 Jahre konsequent und allumgebend erzählt worden ist, der jeweils andere Deutsche sei der größte Feind und lebe im falschen System, der kann nicht plötzlich und auch nicht nach 20 Jahren “Einheit” sagen, er sei nicht anders. Er kann wahrscheinlich genauso wenig sagen, er möge den anderen.

Es freut mich, die versöhnlicheren Töne zu hören. Wie vorgestern Nacht als bei Deutschlandradio Kultur die Nachtgespräche am Telefon zum Thema “Einheitsbericht 2009. Wie einig sind sich die Deutschen?” liefen. Die meisten Anrufer wollten ein Ende der ewigen Unterscheidungstiraden, ein Ende der Vorurteile und Unterstellungen. Auch wenn mein positiver Eindruck vom Zustand dieser Bevölkerung durch einen Anrufer gegen Ende der Sendung stark getrübt wurde, der meinte, die Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West gingen bis auf den 30-jährigen Krieg zurück, seien immer schon da gewesen und auch für die Zukunft unüberbrückbar. Das Argument ist so doof, da muss man sich nicht mal die Mühe machen, es zu entkräften. Es entkräftet sich selbst.

Vielmehr stimme ich denen zu, die den Schwarzen Peter bei Medien und politischen Eliten sehen. Ich hasse diese grundsätzliche Kritik an den Medien, aber wenn es um Bedeutungsmacht und dergleichen geht, ist sie häufig berechtigt. Auch ich kann die Schlagzeilen nicht mehr hören: “Der Osten verkraftet die Krise besser”, “Soziale Ungleichheit zwischen Ost und West wächst weiter” und so weiter und so fort. Ein Hörer aus Weimar merkte an, man könne genauso sinnvoll Strukturdaten aus Nord und Süd vergleichen oder einzelne Bundesländer als Grundlage von Vergleichen nehmen. Aber das Aufrechterhalten der Ost-West-Vergleiche erhalte auch das Bild der Unterschiedlichkeit in den Köpfen der Menschen.

Das stimmt wohl. Diese Republik steht dabei gerade vor so einer großen Chance. Am Eingang ins Erwachsenenleben, in den Universitäten und den Ausbildungszentren, in Redaktionen und in den Nachwuchsorganisationen der Parteien sammelt sich eine Generation für die das geteilte Deutschland nur eine Erinnerung ist, keine selbst erlebte Identität. Das Ost- oder West-Sein wird ihnen aufgedrückt von den Erzählungen der Eltern und Großeltern und von den herum geisternden Begriffen des Ossis und des Wessis. Von den ewigen Vergleichen und dem ewigen Unterstreichen der Unterschiedlichkeit.

bisky.gifWir, die wir Anfang 20 sind, könnten diese Kategorien getrost vergessen. Wir fühlen uns nicht als Ost- oder Westdeutsche. Nicht mal, wenn wir dem jeweils “anderen” gegenüber sitzen, und das kommt in meinem Studiengang andauernd vor. Weil wir nicht mehr darüber nachdenken, aus welchem Teil Deutschlands unser Gesprächspartner kommt. Es spielt einfach keine Rolle. Außer in den Diskussionen über das deutsch-deutsche Verhältnis. Über die Probleme der DDR-Aufarbeitung und die Deutungshoheit. Es scheinen aber nicht unsere Probleme mit Selbst- und Fremdzuschreibung zu sein, die wir da diskutieren. Zwar erzählen “westdeutsche” Kommilitonen, dass sie “drüben” Freunde haben, die noch nie “im Osten” waren und diesen Landesteil so rückständig wie Australien im 16. Jahrhundert halten. Aber das seien Ausnahmen von Daheimgebliebenen, die sich dem fremden “Anderen” noch nie gegenüber gesehen haben. Die nicht feststellen konnten, dass der andere genau die gleiche Musik hört, die gleichen Probleme hat und auch weiß, wie sich Liebeskummer anfühlt. Für den die DDR ein genauso ferner Staat ist wie für ihn selbst. Weil er sie auch nur aus dem Geschichtsbuch und den Erzählungen und Fernsehdokumentationen kennt.

Die Begegnungen der Post-Mauer-Generationen sind entspannter und können Vorurteile leichter abbauen. Weil die Feindbilder uns nur anerzogen wurden, wir haben sie nicht selbst aktiv aufgebaut.

Es ist, als sei die Mauer in unseren Köpfen gefallen oder als sei sie nie dagewesen. Das sollte Deutschland in diesem Jahr als Chance begreifen. Und in jedem anderen Jahr auch. Und es sind die Medien und die politischen Eliten, die diesen Mauerfall bei der Jugend zur Kenntnis nehmen und ihn nicht gefährden sollten. Durch ihre ewigen Diskussionen um Ossi und Wessi.
Alle, die sich noch als Ossis oder Wessis fühlen, sollten ihre Ideologien und Feindbilder in den Koffer packen, quer durch die Republik reisen und sich endlich mal einander begegnen.

3TBL jetzt auch gedruckt

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Also Leute, fix loslaufen und heut noch eine TLZ kaufen!

“Weblogs als Tagebuch mit Kommentarfunktion”

Wir werden das Image wohl nicht mehr los – Weblogs als Tagebücher – dabei ist der Artikel von Anna-Lena über die 3. Thüringer Bloglesung und die Thüringer Blogosophäre eigentlich sonst recht manierlich:

tlz.gifNervös wartet Eric Kehler auf seinen großen Auftritt. Gleich wird der 20-Jährige vor den rund 50 Zuhörern lesen, die in die Jenaer Café-Bar «Markt 11» gekommen sind, um das zu hören, was sie sonst nur im Internet finden können: Blogeinträge. «Mein Weblog ist als eine Art Tagebuch gedacht, in dem andere stöbern und ihre Kommentare hinterlassen können», sagt der Informatikstudent. Seit drei Jahren schreibt er aus Gotha unter smikey.de in chronologisch geordneten Beiträgen regelmäßig auf, was er macht, denkt, fühlt – und die Welt kann mitlesen. Doch erst zum zweiten Mal trägt er seine Geschichten einem Publikum vor.

Die Menschen, die sich an diesem Abend unter dem Motto «Netzliteratur: Leben im Hypertext» im Markt 11 versammelt haben, sind selbst größtenteils Blogger, Mittzwanziger, und das, was man gemeinhin als «hip» bezeichnen würde. Für einige von ihnen ist das Internet die Möglichkeit, Freunde und Bekannte über Privates auf dem Laufenden zu halten. Andere nutzen es, um sich über fachliche Dinge auszutauschen. Von Technik über Autos und Sport bis hin zu Strickmustern: Für alles findet man das richtige Blog.

WEITERLESEN (auch für kurze Zeit bei der TLZ)

3TBL erste Reaktionen

Die 3. Thüringer Bloglesung fand in diesem Jahr vor allem auch bei Twitter statt:

#bloglesung#3tbl


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Die ersten Blog-Berichte kommen von:

René (yetanotherblog)

Smikey

Seiner Pestilenz Pest Krause

Bastih

Robby

Urban Desire

Happyarts

Lady Bennett

Truckonline

Kolumnistenschwein

Der Geschichtenerzähler

cuentacuentos

Petra für alle

Rundablage

Presse

Gonzo

Jojo

Bewerberblog

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Heute sind Europa- und Kommunalwahlen

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Entscheidungshilfen zur Jenaer Kommunalwahl gibt es hier