Friedenslicht auf der Reise durch Thüringen

Kommentar von Neidhart von Schwarzburg

Weihnachten, liebe Leser, Weihnachten – für den Fall, dass Sie es noch nicht bemerkt haben sollten – findet zur Zeit unmittelbar statt.

Und mit ihm, die Aufrufe der Thüringer Kirchen, Frieden in alle Welt zu bringen. Der MDR berichtet beispielsweise über ein “Friedenslicht” aus Betlehem, das seine Reise durch Thüringen angetreten hat.

Worüber der MDR leider nicht berichtet, ist der “Feldgottesdienst” in Afghanistan und die fleißige Missionsarbeit der Militärseelsorge vor Ort, dass auch die christlichen Soldaten auf ihren geistlichen Beistand nicht verzichten müssen, wenn sie Feinde des Friedens und der Demokratie töten mußten.

Die OTZ schreibt, dass die Bundestagsvizepräsidentin aus Thüringen, Kathrin Göring-Eckardt, die auch Präses der Evangelischen Kirche und Präsidentin des evangelischen Kirchentages ist, den Besuch Papst Benedikts in Deutschland und seine bevorstehende Rede vor dem Deutschen Bundestag als “gutes Zeichen für Ökumene” sieht. Der Papst sei “in jedem Fall eine herausragende Person der Zeitgeschichte“.

Was die OTZ nicht schreibt, ist, dass Partei- und Kirchenkollegen den Besuch des Papstes im Bundestag massiv kritisieren. Und was Atheistenvertreter vom Oberhaupt der katholischen Kirche halten, darf stellvertretend Richard Dawkins im britischen Guardian noch einmal klarstellen.


Die Thüringer Allgemeine druckt Auszüge
aus einer Weihnachtspredigt der Thüringer Ministerpräsidentin, die diese vor 21 Jahren in der Dorfkirche Ottmannshausen nahe Weimar hielt. Sie kritisierte damals die Mächtigen – und die seelenlose Konsumkultur des Westens.

Was die Thüringer Allgemeine nicht druckt, ist die Höhe der üppigen Fraktionszuschüsse, die sich die Thüringer CDU-Fraktion – also die Christlich(!) Demokratische Union – mit Ministerpräsidentin Lieberknecht an der Spitze im Landtag selbst genehmigt. 121.000 Euro sind das pro Monat. Die Zuschüsse an alle Fraktionen im Thüringer Landtag stieg von 5 auf 7.5 Millionen Euro:

Die Thüringische Landeszeitung wiederum hebt Pfarrer Carsten Kämpf ins Blatt. Der darf “ohne jegliche Gefühlsduselei” und in aller Ausführlichkeit auf den “ursprünglichen Kern” der “Weihnachtsbotschaft” zu sprechen kommen. Zum Beispiel spricht er über die vielen caritativen Hilfsangebote und vor allem die Kindereinrichtungen der katholischen Kirche.

Was die die Kirche tatsächlich zur Caritas beiträgt, schreibt die Thüringische Landeszeitung nicht. Sie fragt auch nicht weiter nach. Wir können es ihr trotzdem sagen: Es sind rund 9% des Gesamthaushaltes. Den Rest tragen der Staat, die Versicherten und diverse Spender. Die Meriten aber bekommen die Kirchen … zugesprochen. Vor allem an Weihnachten. Von Pfarrern in Thüringer Medien.

Was wäre Weihnachten ohne Pfarrer, die auf allem Kanälen von der Botschaft der Liebe Jesu Christi schwärmen, ohne Politiker, die ihre ganz persönliche Bedeutung der Weihnachtsgeschichte schildern, ohne die unzähligen Aufrufe zu Spenden, Frieden und Nächstenliebe?

Eigentlich auch ganz schön.

Sollten Sie Kirchenmitglied sein, erfahren Sie hier, wie sie austreten können.

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4 Responses to “Friedenslicht auf der Reise durch Thüringen”

  1. Blogzentrale Says:

    "Friedenslicht auf der Reise durch Thüringen" Was Thüringer Medien zu Weihnachten schreiben – und was sie nicht schreiben http://is.gd/jqZOZ

  2. Thüringer Blogs Says:

    Friedenslicht auf der Reise durch Thüringen: Kommentar von Neidhart von Schwarzburg
    Weihnachten, liebe Leser, We… http://bit.ly/e8Hxa3

  3. Mazbln Says:

    Worüber die Thüringer WAZ-Blätter sicher auch nicht berichtet haben, ist die detaillierte Auflistung, “Wie die Kirche sich von den Heiden finanzieren lässt” (FAZ) im Mitte November erschienenen “Violettbuch Kirchefinanzen” (mehr dazu unter http://hpd.de/node/10633). Dort wurde deutlich, dass der Staat und damit alle Steuerzahler den Kirchen jährlich Vorteile von fast 20 Mrd. EUR zukommen lässt. Selbst wenn man den Nutzen der (ideologisierten) Sozialarbeit abzieht, bleiben immer noch 9 Mrd. EUR übrig, die alle Steuerzahler den Kirchen buchstäblich in den Rachen schmeißen, wobei man sich dabei auf Ansprüche aus der napoleonischen Säkulasierung von vor über 200 Jahren beruft.

    Über solche “Kleinigkeiten” erfährt der gemeine Thüringer in seiner “Heimatzeitung” natürlich nichts. Man soll ja die Bürger nicht beunruhigen.

    Es ist wohl an der Zeit, die Säkularisierung endlich mal abzuschließen. Wer wegen seines Glaubens meint, die Kirchen unterstützen zu müssen, soll dies gerne tun. Dafür aber alle zur Kasse zu bitten (in Thüringen gehören beispielsweise weniger als 40 % der Einwohner einer Religionsgemeinschaft an), halte ich für ein deutlich überkommenes Ritual. Konsequenterweise müsste man dann zwar wohl auch auf Weihnachten als Feiertag verzichten, damit könnte ich aber leben.

  4. zoom » Umleitung: Rekorddefizite für Kommunen, 750 Jahre Knappschaft, Spiegel, Friedenslicht auf Reisen und SPD - die Tante. « Says:

    [...] Friedenslicht auf der Reise: Weihnachten findet zur Zeit unmittelbar statt. Und mit ihm, die Aufrufe der Thüringer Kirchen, Frieden in alle Welt zu bringen. Der MDR berichtet beispielsweise über ein “Friedenslicht” aus Betlehem, das seine Reise durch Thüringen angetreten hat. Worüber der MDR leider nicht berichtet, ist der “Feldgottesdienst” in Afghanistan und die fleißige Missionsarbeit der Militärseelsorge vor Ort, dass auch die christlichen Soldaten auf ihren geistlichen Beistand nicht verzichten müssen, wenn sie Feinde des Friedens und der Demokratie töten mußten … blogzentrale [...]

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