Archive for February, 2011

Werbung: Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren?

Von Sven

Eigentlich scheint die bisweilen hitzige Debatte um Schleichwerbung in Thüringer Blogs für die Beteiligten inzwischen abgeschlossen. Das Interesse und die Gemüter sind etwas abgekühlt. Gut so. Das schafft den Raum für eine gründliche und differenzierte Auseinandersetzung mit Lesern, die wirklich an der Sache interessiert sind.

Den meisten war am Ende der Diskussion klar: Wer die “Zusammenarbeit” von Bloggern und werbetreibenden Unternehmen kritisiert, ist weltfremd, ein verbohrter Ideologe und im Grunde selbst ein Schwein. So einer ist scheinbar auch mit den besten Argumenten nicht davon zu überzeugen, dass jede Art von PR, product placement und andere kreativ-subtile Formen der (Schleich)Werbung inzwischen unvermeidliche Selbstverständlichkeiten vor allem und gerade auch in Blogs sind. Selbstverständlichkeiten, die eben so hinzunehmen seien.

Kassandra meint dazu: (more…)

Gut, Freunde, es gibt Gesprächsbedarf

Von Sven

Mit der Thüringer Blogopshäre ist das so eine Sache. Wir haben eigentlich schon sehr viel Spaß miteinander gehabt. Die Blogwanderungen und -lesungen, der Bloggerkonvent, das Glühweinsocialising oder die Tweetups waren eigentlich immer recht lustig. Aber selbstverständlich gibt es, wenn unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen aufeinandertreffen, auch Mißverständnisse, Ärger und Verletzungen. Bei ankelilli gibt es bereits eine sehr angeregte Diskussion zu aktuellen – auch von mir angestoßenen – Problemen.

Robat fragt:

Das wäre sicherlich schön. Eine hilfreiche Voraussetzung dafür sind immer klärende Gespräche. Dafür soll es nun auch hier in den Kommentaren Gelegenheit geben.

Aber Achtung! Auch wegen früher schmerzvoller Erfahrungen hier der explizite Hinweis: Hier in der THÜRINGER BLOGZENTRALE darf gern hart und polemisch zur Sache diskutiert werden. Persönliche Beleidigungen werden jedoch gelöscht und der Autor der Beleidigung (hier ein Beispiel) wird verwarnt und bei Wiederholung gesperrt. Wer sich dennoch zensiert fühlt – und dieser Vorwurf kommt mit absoluter Sicherheit – darf sich auf seinem privaten Blog oder in seiner eigenen Timeline selbstverständlich ungehemmt Luft machen. Das geschieht ja auch bereits.

Die notwendige Diskussion muss übrigens nicht nur hier oder in anderen Blogs oder bei Twitter stattfinden. Wir könnten uns gern auch mal wieder treffen. Zu einem “Cleanup” zum Beispiel. Ich jedenfalls hätte Lust darauf, endlich mal ein paar angestaute Probleme in der großen Runde anzugehen. Dazu gehören Schleichwerbung und Linkkauf in Thüringer Blogs, die vierte Bloglesung und die Situation der Thüringer Blogos- und Twittosphäre ganz allgemein.

Na dann los!

Guttenberg muss gehen! Rücktritt! Sofort!

Kommentar von Neidhart von Schwarzburg

Es ist absurd. Da wird zur Zeit eine Diskussion darüber geführt, ob sich ein Minister der Bundesrepublik Deutschland bei anderen Autoren bedienen darf, um eine akademische Qualifikationsarbeit aufzufüllen. So etwas darf kein Schüler, kein Lehrer und ganz selbstverständlich auch kein Bundesminister, Bundes- kanzler oder Bundespräsident.

Es ist grotesk. Da wird von Parteifreunden Guttenbergs ernstlich argumentiert, dass diese Erfahrung doch wohl jeder schon mal gemacht hätte. Ja, wer hätte denn in seinem Leben noch nie gespickt, gelinst und abgeschrieben? Offenbar scheint den Damen und Herren von der allzu verständnisvollen Fraktion entgangen zu sein, dass es sich hier nicht um ein argloses Abschreiben vom Banknachbarn handelt. Eine Doktorarbeit ist eine der bedeutensten wissenschaftlichen Arbeiten, für die weniger skrupellose Autoren Jahre ihres (Familien)Lebens hintanstellen, um sich mit dem wichtigsten akademischen Grad schmücken zu können. Sollten sich die Funde der Internet-Community bestätigen, handelt es sich bei der von Guttenberg eingereichten Schrift um eine fast vollständige Collage aus Zeitungsauschnitten, Hausarbeiten, wissenschaftlichen Fachpublikationen, Zuarbeiten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages usw.usf.

Es ist bizarr. Da werden inzwischen PR-Spezialisten von der Leine gelassen, die bereits bei einem anderen neoliberalen Kandiaten für ein hohes Amt im Staate eine Graswurzelbewegung im Internet simuliert haben. In einer Facebookaktion soll Guttenbergs Ehre gerettet werden. Fast hunderttausend Facebookmitglieder finden den Unterstützungsaufruf für Karl-Theodor zu Guttenberg gut.

Die Fakten scheinen dagegen mehr als eindeutig. Guttenberg hat offenbar auf fast 70% der Seiten der von ihm eingereichten Arbeit Zitate anderer Autoren – teilweise über mehrere Seiten hinweg – eingefügt, ohne diese explizit zu kennzeichnen:
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E pluribus unum: Raubkopierer Guttenberg, sein Plagiat & die Folgen

Die “Lichtgestalt” der deutschen Politik, Karl-Theodor zu Guttenberg, soll seine Dissertation mit nicht gekennzeichneten Zitaten aufgefüllt haben. Was mit einem Beitrag der Süddeutschen begann und dann auch die FAZ auf den Plan rief, bei der Guttenberg die Einleitung seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, hat inzwischen das Internet erreicht.

Der Ausgangs-Arbeit von Professor Fischer-Lescano in der “Kritischen Justiz” (hier als PDF verfügbar) schließen sich nun viele fleißige Prokrastinierer an. In einem (schwer erreichbaren) Google-Doc und einem Wiki werden die Plagiate akribisch gesammelt.

Guttenberg soll sich an einem Reiseführer «Wildniswandern in Kanada und Alaska: Zu Fuss und im Kanu» bedient und nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios sogar den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für seine Dissertation genutzt haben.

Inzwischen soll eine spezielle Tastatur entdeckt worden sein, mit der Guttenberg seine Arbeit verfasst haben soll. Spekuliert wird, ob Guttenberg die Arbeit überhaupt selbst geschrieben hat.

Die BILD weiß, was von der ganzen Sache zu halten ist und wittert eine linke Verschwörung:

    “Wieso „linke Szene“? Professor Fischer-Lescano, der den Vorgang ins Rollen brachte, war 2010 Mitbegründer einer „Denkwerkstatt“ für rot-rot-grüne Zukunftsentwürfe – zusammen mit u. a. Hessens Ex-SPD-Chefin Andrea Ypsilanti, dem Grünen Attac-Mitglied Sven Giegold und der Vize-Chefin der Linkspartei, Katja Kipping.”

… und Franz Josef Wagner, der seine Meinung zum Thema unrechtmäßige Promotion innerhalb von anderthalb Jahren komplett geändert hat, darf kommentieren:

    “Worum geht es bei den Plagiatsvorwürfen um Ihre Doktorarbeit? Um die Reinheit der Wissenschaft? Oder darum, einen Superstar zu entzaubern?Ihre Beliebtheit im Polit-Barometer ist titanisch. Sie werden Lichtgestalt genannt. Die Deutschen erwarten, dass Sie höhere Aufgaben übernehmen – Ministerpräsident von Bayern, Kanzler von Deutschland. …

    Die Plagiatsvorwürfe sollen Sie zu einem Taugenichts reduzieren, einem Abschreiber, einem Betrüger. Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.”

Und Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt unterstellt sogar eine:

Bei Twitter werden Guttenbergs Plagiate dagegen so kommentiert:

Volker Pispers über das Lottospiel Kapitalismus

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Lokaljournalismus 2.0: “Mein Anzeiger” und “Deutschland Today”

Von Sven

Lokaljournalismus im Netz sei “das nächste große Ding” … behaupten die Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Sie können Ihre Eigenwerbung bei SPIEGEL ONLINE, der taz, dem Deutschlandfunk und dem Medienmagazin ZAPP unterbringen. Währenddessen startete die Zeitungsgruppe Thüringen vorgestern ein lokales Portal, für das schon mal über “Nutzertypologien” und “Meinungsführer” nachgedacht wurde.

Die THÜRINGER BLOGZENTRALE gibt es jetzt seit 5 Jahren. Wir haben Lokalpolitiker geärgert, Bundes- und Landespolitik zerissen, Kunst und Kultur kritisiert, die Thüringer Medienlandschaft beobachtet und die Entwicklung der deutschen Internetpolitik – mit Schleichwerbung, Netzsperren und Datenschutzkatastrophen – kritisch hinterfragt … wir haben hier deshalb diverse Shitstorms überstanden, sind knapp an einer Abmahnung (eines prominenten anderen Bloggers) vorbeigeschlittert, sind bedroht und beleidigt worden, wir haben Interviews gegeben und Vorträge gehalten. Wir waren im Fernsehen, in der Zeitung und im Radio, stehen in medienwissenschaftlichen Fachpublikationen und Dissertationen. Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat in Hochzeiten mehr als 10.000 Besucher am Tag und ihre Autoren arbeiten auch für die ZEIT, TELEPOLIS, Leipziger Volkszeitung oder die Thüringer Allgemeine. Die THÜRINGER BLOGZENTRALE steht auf Platz vier der hundert beliebtesten Regionalblogs in Deutschland.
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Bodo Ramelow und die S-Frage bei Stuckrad-Barre

Von Sven

Es verfolgt ihn. Fast immer, wenn der Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, jetzt im Fernsehen auftritt, muss er sich inzwischen rechtfertigen. Für eine ganz einfache Frage, die ihm die THÜRINGER BLOGZENTRALE am 13. September 2009 per Twitter gestellt hat. Bei N24 flippt er genauso aus, wie zuvor bei Twitter. Aber warum? Es ist doch eigentlich eine Frage, die sehr leicht zu beantworten sein müßte. Vor allem für einen, der Wert darauf legt, dass in dieser Sache ein absolutes Transparenzgebot herrscht.

In der Sendung Stuckrad-Late-Night taucht sie denn auch wieder auf, die große Unbeantwortete:
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Das Symptom Richard Gutjahr

Von Neidhart von Schwarzburg

Richard Gutjahr ist ein erfahrener Journalist. Richard Gutjahr weiß, wie man eine Story verkauft. Und Richard Gutjahr weiß vor allem, wie man sich selbst verkauft. Und die halbe Blogsophäre geht dieser Story auf den Leim. Gutjahr behauptet in seinem Blog, sich “spontan” ins ägyptische Krisengebiet “durchgeschlagen” zu haben, um “selbst dort die Situation zu beobachten” und die Leser per Twitter und im Blog auf dem Laufenden zu halten.

Richard Gutjahr ist ein bloggender Journalist, der in letzter Zeit vor allem von sich reden machte, weil er sich aufdringlich bei Apple, Google oder Facebook anbiederte und dafür von hunderten Apple-, Google- und Facebook- und sonstigen Social-Media-Angestellten fleißig retweetet, verlinkt und geflattrt wurde und deshalb in der Blogosphäre tüchtigen Lärm verursachte. Dieser Richard Gutjahr hat mit seinem scheinheilig-märtyrerhaften Ägyptenbesuch jetzt noch tüchtig einen drauf gesetzt.
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