Kommentar von Neidhart von Schwarzburg
Es ist absurd. Da wird zur Zeit eine Diskussion darüber geführt, ob sich ein Minister der Bundesrepublik Deutschland bei anderen Autoren bedienen darf, um eine akademische Qualifikationsarbeit aufzufüllen. So etwas darf kein Schüler, kein Lehrer und ganz selbstverständlich auch kein Bundesminister, Bundes- kanzler oder Bundespräsident.
Es ist grotesk. Da wird von Parteifreunden Guttenbergs ernstlich argumentiert, dass diese Erfahrung doch wohl jeder schon mal gemacht hätte. Ja, wer hätte denn in seinem Leben noch nie gespickt, gelinst und abgeschrieben? Offenbar scheint den Damen und Herren von der allzu verständnisvollen Fraktion entgangen zu sein, dass es sich hier nicht um ein argloses Abschreiben vom Banknachbarn handelt. Eine Doktorarbeit ist eine der bedeutensten wissenschaftlichen Arbeiten, für die weniger skrupellose Autoren Jahre ihres (Familien)Lebens hintanstellen, um sich mit dem wichtigsten akademischen Grad schmücken zu können. Sollten sich die Funde der Internet-Community bestätigen, handelt es sich bei der von Guttenberg eingereichten Schrift um eine fast vollständige Collage aus Zeitungsauschnitten, Hausarbeiten, wissenschaftlichen Fachpublikationen, Zuarbeiten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages usw.usf.
Es ist bizarr. Da werden inzwischen PR-Spezialisten von der Leine gelassen, die bereits bei einem anderen neoliberalen Kandiaten für ein hohes Amt im Staate eine Graswurzelbewegung im Internet simuliert haben. In einer Facebookaktion soll Guttenbergs Ehre gerettet werden. Fast hunderttausend Facebookmitglieder finden den Unterstützungsaufruf für Karl-Theodor zu Guttenberg gut.
Die Fakten scheinen dagegen mehr als eindeutig. Guttenberg hat offenbar auf fast 70% der Seiten der von ihm eingereichten Arbeit Zitate anderer Autoren – teilweise über mehrere Seiten hinweg – eingefügt, ohne diese explizit zu kennzeichnen:
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