Das Symptom Richard Gutjahr

Von Neidhart von Schwarzburg

Richard Gutjahr ist ein erfahrener Journalist. Richard Gutjahr weiß, wie man eine Story verkauft. Und Richard Gutjahr weiß vor allem, wie man sich selbst verkauft. Und die halbe Blogsophäre geht dieser Story auf den Leim. Gutjahr behauptet in seinem Blog, sich “spontan” ins ägyptische Krisengebiet “durchgeschlagen” zu haben, um “selbst dort die Situation zu beobachten” und die Leser per Twitter und im Blog auf dem Laufenden zu halten.

Richard Gutjahr ist ein bloggender Journalist, der in letzter Zeit vor allem von sich reden machte, weil er sich aufdringlich bei Apple, Google oder Facebook anbiederte und dafür von hunderten Apple-, Google- und Facebook- und sonstigen Social-Media-Angestellten fleißig retweetet, verlinkt und geflattrt wurde und deshalb in der Blogosphäre tüchtigen Lärm verursachte. Dieser Richard Gutjahr hat mit seinem scheinheilig-märtyrerhaften Ägyptenbesuch jetzt noch tüchtig einen drauf gesetzt.

Das PR-Blog der mutmaßlichen Schleichwerbefirma intergenia AG schreibt deshalb (man beachte die unfreiwillige Selbstironie):


    Das dürfte das sein, wofür Flattr eigentlich erfunden wurde: um unabhängige, investigative Geschichten zu finanzieren.

Und auch andere die PR-Blogs feiern Gutjahr als uneigennützigen Helden, dem ersten

    Fall jemals, bei dem in der Berichterstattung über ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung ein unabhängig arbeitender Blogger den etablierten Medien mit einer umfangreichen Vor-Ort-Reportage ernsthaft Konkurrenz macht.

Die absurde Lobhudelei gipfelt in völlig wahrheitswidrigen Unfug, wenn der Autor schreibt:

    Was Gutjahr zum Blogger macht, ist die Tatsache, dass er sich nicht im Rahmen eines offiziellen Auftrags von einem Verlag in das nordafrikanische Land begeben hat und von dort exklusiv und traditionell für ein oder mehrere führende Nachrichtenangebote berichtet.

Das ist absurd. Gutjahr berichtet sehr wohl “exklusiv” für “führende Nachrichtenangebote“.

Gutjahr ist zwar ein eitler Selbstdarsteller aber ganz sicher nicht bekloppt und ist deshalb vermutlich auch nicht auf eigene Faust und ohne die Aussicht auf einen Auftrag nach Ägypten geflogen. Der journalistisch renommierte exklusive Abendzeitungs-Autor Richard Gutjahr macht seine “Arbeit” … und deren Gegenstand ist vor allem sein Ruf. Und das macht er im Interview mit Meedia auch klar.

Gutjahr ist jedoch mit seiner “Arbeit” in Ägypten nicht nur PR-Experte in eigener Sache, sondern auch – mehr oder weniger unwillkürlich – Propagandist der Social-Media-Industrie, die fleißg am Mythos des scheinbar “basisdemokratischen” Mediums Internet klöppelt. Es macht sich gut, dass Gutjahr seine Twitter- und Facebookaccounts mit seinem “iPhone” bestücken soll. Die Mitarbeiter von Facebook und Twitter finden es sicher auch nicht übel, dass er ihre Portale nutzt, um Banalitäten von den Kairoer Straßen zu berichten.

Mit seinen unscharfen, verwackelten Bildern bei flickr und den O-Tönen bei Twitter und Facebook wird der – illusionäre – Eindruck der Unmittelbarkeit und Echtheit erzeugt, die scheinbar nur diese Internetportale liefern können – während sie gleichzeitig still und heimlich detaillierte personenbezogene Daten über alles mögliche sammeln.

Und ein großer Teil der Blogosphäre – mit wenigen rühmlichen Ausnahmen – geht ihm auf den Leim.

Dabei ist der Fall Richard Gutjahr die offen schwärende Wunde eines längst alles zerfressenden Geschwürs der Blogopshäre. Blogs sind inzwischen tatsächlich überwiegend zum Mittel der Selbst-“Darstellung” geworden. Mit den Social-Media-Großfirmen und ihren SEO-Propaganda-Söldnern ist das große Geld in die Blogosphäre eingezogen. Unabhängige Berichterstattung in Blogs ist ein Mythos, der jetzt auf allen Kanälen und mit aller zur Verfügung stehenden Macht vor allem von denen verbreitet wird, deren Unabhängigkeit selbst ein Märchen ist.

Und durch die überwältigende Präsenz und geballten Medienmacht der Clique der Social-Media-Experten entsteht jetzt auch der Eindruck, an offensichtlicher (Selbst)PR sei gar nichts verwerfliches.

In der Sozialpsychologie gibt es eine prominente Theorie zur Einstellungsbildung und -änderung, das Elaboration-Likelihood-Modell von Richard Petty und John T. Cacioppo. Die haben herausgefunden, dass die eigene Meinung zu einem Thema vor allem über zwei Wege beeinflusst wird:

Wenn man genügend Zeit hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, wird man nur von wirklich guten Argumenten überzeugt. Hat man aber keine Zeit ins Detail zu gehen – wie das im Internet meist der Fall ist – läßt man sich auch von anderen Merkmalen beeinflussen. Dazu gehört vor allem auch die Meinung anderer. Und wenn diese oft gehört, gelesen oder gesehen wurde, neigt man dazu, seine Meinung dieser Massenmeinung anzupassen -selbst wenn man vorher ganz sicher war, dass die Fakten anders aussehen. Das wurde vor genau 60 Jahren sehr eindrücklich von dem Sozialpsychologen Solomon Asch in seinem außergewöhnlichen Konformitätsexperiment gezeigt:

Mehreren Personen in einem Raum wurden drei Linien gezeigt, die sie mit einer Referenzlinie vergleichen sollten. Eine Person war die Versuchsperson – alle anderen im Raum waren eingeweihte Mitarbeiter Aschs. Sie behaupteten wahrheitswidrig, dass z.B. die Linie B so lang wie die Referenzlinie war. Nach einiger Diskussion war auch die Versuchsperson von dieser Ansicht überzeugt und behauptete auch später – nach Abschluss der Sitzung – noch, dass Linie B die richtige sei. Je größer die Gruppe ist, desto größer ist auch die Kornformität der Versuchsperson.

Übertragen auf die Blogosphäre bedeutet dies, dass mit dem Internet ein machtvolles Instrument zur Meinungsbildung entstanden ist, das Firmen mit ausreichend “Humankapital” und Skrupellosigkeit inzwischen auch vollumfänglich zu nutzen wissen.

Die angeblich basisdemokratisch organisierte Blogopshäre ist längst zur maß- und würdelosen Meute von Mietmäulern geworden, die selbst ihrer Oma erzählen würden, dass ein iPhone gut für ihren Kreislauf und die Demokratie in Ägypten ist, wenn sie es dafür drei Tage kostenlos testen dürften.

Eigentlich müßte man Richard Gutjahr ja dankbar sein, dass er der häßlichen Fratze der PR im Internet aus Versehen die Maske der Benevolenz vom Gesicht gerissen hat.

So ein Quatsch!Klasse! (-10 von 34 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
Loading...Loading...

24 Responses to “Das Symptom Richard Gutjahr”

  1. Jojo Says:

    ” -1 von 3 Lesern finden diesen Beitrag klasse ” *hrhr*

  2. Neidhart von Schwarzburg Says:

    Auch die hier Kritisierten dürfen natürlich nach Herzenslust bewerten und kommentieren … wovon sie offensichtlich gern Gebrauch machen.

    Das war auch so beabsichtigt. *chrchrchr*

  3. consiliarius Says:

    @maennig http://t.co/muAmIHn

  4. Jörg E. Says:

    RT @astrodicticum: Interessant! "Das Symptom Richard Gutjahr": http://bit.ly/fbGRvj

  5. Thomas Schlelein Says:

    RT @AranJaeger: Aaaaaahhh jetzt verstehe ich warum alle den @gutjahr nicht leiden können ^^ http://bit.ly/fGAM7f #KannteIhnNicht

  6. DennyRamone Says:

    Selten dämlicher Blogpost. “@astrodicticum: Interessant! "Das Symptom Richard Gutjahr": http://t.co/d6kOwjy”

  7. Thomas D Says:

    RT @DennyRamone: Selten dämlicher Blogpost. “@astrodicticum: Interessant! "Das Symptom Richard Gutjahr": http://t.co/d6kOwjy”

  8. Happe Says:

    RT @astrodicticum: Interessant! "Das Symptom Richard Gutjahr": http://bit.ly/fbGRvj

  9. Roswitha Says:

    RT @astrodicticum: Interessant!
    "Das Symptom Richard Gutjahr": http://bit.ly/fbGRvj

  10. Blogzentrale Says:

    Joi, der @gutjahr-Beitrag geht aber ab: http://twurl.nl/riiae2 Die Social-Media-Consultants haben 2 Punkten Vorsprung.

  11. Boris Says:

    Richard Gutjahr ist ein Selbstdarsteller – kein Widerspruch. Er erdreistet sich, mit seinem Beruf Geld zu verdienen – auch kein Widerspruch. Er macht daraus aber auch keinen hehl.

    Ich verstehe allerdings nicht, wieso Ihr das aber zu einem Aufhänger für einen Blogeintrag über Sozialpsychologie und die Risiken von Social Media zu machen.

    Vielleicht ist das Thema Gutjahr ja derzeit interessant um Traffic, Aufmerksamkeit und damit eine Plattform zur Selbstdarstellung zu bekommen. Mir fehlt in diesem Eintrag einfach ein bisschen die logische Argumentationskette.

    Den zweiten Teil des Artikels finde ich interessant, auch wenn es keine grundlegend neuen Erkenntnisse sind. Medienimperien bedienen sich schon lange genau der selben Mittel zur Beeinflussung … dank Internet muss man jetzt aber nicht mehr Multimillionär sein, um diese Instrumente nutzen zu können.

    Vom ersten Teil kann man halten, was man will. Ich persönlich schätze die Arbeit von Richard Gutjahr, habe kein Problem damit, dass er sich selbst inszeniert und damit Geld verdient. Ich würde ihn aber auch nicht zum Helden hochstilisieren.

    Dass ihr die beiden Teile zusammengenommen habt, kommt mir aber ein bisschen wie reiten auf der Gutjahr-Welle vor. Dennoch schätze ich Eure Arbeit – wie die der meisten Blogger und Journalisten, grade weil die meisten nicht meiner Meinung sind.

  12. Dennis Says:

    Selten so einen Mist gelesen.
    Macht Gutjahr denn einen Hehl daraus, dass er eine bloggender Journalist ist? Nein.
    Macht er einen Hehl daraus, dass seine Eindrücke subjektiv sind? Nein. Will er auch nicht und soll er auch nicht.
    Was ist daran falsch sich die Roaming Gebühren durch Interviews oder einen Spendenaufruf zu refinanzieren?
    Hier wird etwas als falsch dargestellt, was wir als Blogleser oder Blogger alle wollen. Aufmerksamkeit, Unabhängig und nicht dem Mainstream folgend. Ich habe großen Respekt vor dem was Gutjahr getan hat. Mir hat es einen anderen Blick, einen anderen Einblick gegeben. Ich habe die Mainstream Medien verfolgt und auch die Blogger und freien Journalisten die aus Kairo twittern. Und daraus ergibt sich ein Gesamtbild, welches ich für mich filtern kann. Es stellt eine riesen Bereicherung meiner Wissbegierigkeit dar.
    Natürlich kann man das alles kritisch beäugen, aber in vielem kritischen was ich lese, sehe ich ein wenig Besserwisserei und auch Neid, dass man nicht die Möglichkeit oder die Eier hat die z.B. Gutjahr hat.

  13. Dr. Snuggles Says:

    RT @astrodicticum: Interessant! "Das Symptom Richard Gutjahr": http://bit.ly/fbGRvj

  14. Björn Reinhardt Says:

    Der Text ergibt für mich nicht sonderlich viel Sinn, er scheint sich aber irgendwie selber ad absurdum zu führen.

  15. Torty Says:

    @coke4all "Thüringer Blogzentrale" schimpft auf Gutjahr http://tinyurl.com/69z5qtb – Darum finden den Artikel auch -5 von 25 gut ;-) #fail

  16. Rainer Says:

    Den komplett unreflektierten und von Vorurteilen strotzenden Schnellschuss von Nico Lumma als “rühmliche Ausnahme” anzuführen, ist wirklich abstrus.

    Und Gutjahr als Journalisten vorzuwerfen, dass er von etablierten journalistischen Formaten (aka Tagesschau) genau als solcher akzeptiert und nach seiner Meinung gefragt wird ist dann vollkommen absurd.

    Nach den beiden Statements ist eigentlich klar, worauf der Artikel zielt. Da hilt auch die nachgeschobene Sozialpsychologie nicht mehr viel. Abgesehen davon halte ich den Schluss von dem erwähnten Experiments auf das Internet für zumindest mutig. Auch wenn ich von Sozialpsychologie keine Ahnung habe, erscheint mir ein Experiment von vor 50 Jahren nicht zwingend übertragbar auf eine Welt mit ganz anderen sozialen Strukturen und Realitäten. Man findet zur Not sicher immer ein Experiment, das man auf seine Theorie zurechtbiegen kann.

    Und was das Thema Selbstdarstellung angeht: Hier versucht doch auch jemand, von dem “Symptom Gutjahr” zu profitieren. Gutjahr geht gut dieser Tage.

    Ihn wird es freuen: only no news are bad news.

    Gruß
    Rainer

  17. Neidhart von Schwarzburg Says:

    So liebe Leute, nur mal zur Klarstellung, weil hier scheinbar niemand das entsprechende Abstraktionsniveau erreicht:

    NIEMAND hat ein Problem damit, dass Gutjahr mit seiner Arbeit Geld verdient.

    Das Problem ist, dass hier einer so tut, als sei er der superauthentische Megablogger … aber tatsächlich gleichzeitig für seine Arbeit bezahlt wird … und der für diese angeblich so aufregende Show von der Horde bezahlter Social-Media-Kaufmännern und -frauen auch noch bejubelt wird.

    Kein deutscher Blogger kann es sich leisten, auf eigene Faust nach Ägypten zu fliegen. Weil man mit Bloggen über Politik kein (bzw. nur sehr wenig) Geld verdienen kann.

    Bejubelt wird Gutjahrs Ägypten-Sause aber nun vor allem von all jenen, die mehr oder weniger direkt von dieser Aktion profitieren … was dann leider viele andere, die es ehrlich meinen und ehrlich an die angebliche Macht der Blogs glauben, mitzieht. Und wenn man sich als Speerspitze der Demokratie fühlen kann und damit kostenlos Werbung für seine Social-Media-Klitsche gemacht hat, dann ist das doch perfekt.

    Die sozialen Netzwerke sind voll von Social-Media-Managern. Das bringt der Job so mit sich. Aber es hat natürlich nicht jeder im Profil stehen, dass er bei Facebook, Ebay oder Google oder sonstwo beschäftigt ist. Das fällt scheinbar gar niemandem mehr auf, dass die Leute, die da von dem demokratieförderlichen Potential des „Internets“ (gemeint sind aber immer die Firmen und Unternehmen, die damit Geld verdienen) schwärmen auch direkt und vor allem von ihm profitieren.

    Das Phänomen Richard Gutjahr ist das Symptom dieser Social-Media-Manager Welle in der ehemals(!) nichtkommerziellen Blogosphäre.

    Alles was Gutjahr geschrieben hat, stand mindestens so aber meist besser und differenzierter in vielen anderen Onlineauftritten von Zeitungen und Zeitschriften. Es bedurfte keines Richard Gutjahr und auch nicht Facebook oder Twitter, um über die Lage in Ägypten informiert zu sein. Den Job haben seine Kollegen hervorragend erledigt. Dass ARD und ZDF lieber den Sturm der Liebe in der Hauptsendezeit zeigen, ändert nichts daran, dass man im Internet alles Wesentliche gefunden hat, wenn man wollte.

    Wenn man aber den Gutjahr als Vorzeige-Facebooker oder –Twitterer oder iPhone-iBook-iPad-Nutzer in die Hauptnachrichten gespült hat, hat man seinen Job erledigt.

    Dass das völlig in Ordnung sein soll und dass der einfache Blogger ohne Kommerzhintergrund das auch noch gut findet und bejubelt – und jede Kritik als “unlogisch”, “Mist”, “Besserwisserei”, “Neid”, “absurd” und “abstrus” abtut, hat mit dieser Stimmung zu tun, die durch die Masse der Social-Media-Kaufleute erzeugt wird: Konformität.

    Aber offenbar haben sich ja auch ein paar Leser ein Stück Nonkonformismus bewahrt – sonst wären es -27 von 27 Lesern, die den Beitrag hier klasse fanden :o)

  18. Tim Says:

    Gutjahr macht seinen Job. Für Zeitungen und TV. Und wird dafür bezahlt, nehme ich an. Die Internetgemeinde wird nur dafür gebraucht, ihm ein wenig Aufmerksamkeit zu spenden und den Ruhm zu mehren. Als Lohn gibt es Belanglosigkeiten per twitter und Blog.

    Das unterscheidet ihn von Jens Weinreich, der echte Informationen und Analysen per Blog verbreitet. Ein Gutjahr hätte zuviel Angst, dass sein cintent dann weniger wert wäre.

  19. Rainer Says:

    Ach du Schande: Die logische Konsequenz ist also, dass ich immer die Meinung der Minderheit teilen muss, um ein cooler Nonkonformist zu sein. Na das kann ja heiter werden …

    Ich hatte die letzten beiden Tage recht viel Zeit und habe deshalb sowohl Gutjahr in Kairo als auch die Diskussionen drumrum sehr genau verfolgt: Von seinen Befürwortern wurden etliche, m. E. durchaus fundierte und sehr sachliche Argmumente angeführt. Da auch die mit schöner Regelmäßigkeit ignoriert oder abgetan wurden, darf sich der Nonkonformist hier auch gerne erst einmal an die eigene Nase fassen.

    Offensichtlich hat das nach meiner Beobachtung und Einschätzung eine Menge Leute bewegt, ihnen gefallen, sie interessiert, was Gutjahr da macht. Das muss nicht jeder so empfinden. Aber muss man deshalb “die Anderen” als blöde/oberflächlich/naiv/nicht reflektierend/einsimensional gestrickt und wasweißichnoch hinstellen?

    Ich finde die ganze Diskussion über den “Charakter Gutjahr” und seine Vergütungen extrem müßig. Bewerten sollte man das, was er als Job abliefert. Da kann man dann auch gerne diskutieren, ob da zuviel Show in Blog und Tweets steckt und vieles andere, was das Produkt der Arbeit betrifft.

  20. Tim Says:

    Die Diskussion um die Vergütung ist müssig. Ich nehme mal an, dass er vor seinem Entschluss nach Kairo zu reisen, keine Ahnung hatte, ob er dort arbeiten kann und sein Material verkaufen. Die Internetgemeinde war sowas wie eine Versicherung. Ein Flattr-Aufruf an die Netcitizens und die Kosten sind gedeckt. Das kann man als gut empfinden, weil es Bereichterstattung erleichtert und Risiken abmildert, aber dann muss auch was als Gegenleistung kommen.

    Sowas wie “Von guter Laune ist nur noch wenig zu spüren. Die Demonstranten wirken erschöpft und auch ein wenig ratlos. Keiner weiß wie es jetzt weitergeht. Nur eins steht fest: Die Mubarak-Rede vom Vorabend hat hier niemanden glücklich gemacht.” ist eindeutig zu wenig.

    Gutjahr macht sein Ding, berkauft seine Stories und lässt sich das finazielle Risiko eines freien Journalisten aus dem Internet abnehmen.

  21. Rainer Says:

    Hi Tim,

    denkst du nicht, dass die Leute, die Geld dafür gegeben haben, das sehr bewusst taten? Es ist ja nicht so, dass sich hier jemand eine Story gekauft hätte. Wenn ich mir eine Zeitung kaufe, treffe ich diese Entschidung doch genauso: Ich vergüte journalistische Arbeit.

    Ob die Gegenleistung einem reicht oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Ich habe am 3. Tag einen kleinen Betrag gezahlt, weil es MIR das wert war. Aber ich habe das nicht als “Spende” für einen bedürftigen Journalisten empfunden.

  22. Markus Kämmerer Says:

    Das Problem an der Diskussion ist, das alle Blogs ähnlich behandelt werden. Kaum betreibt jemand ein Blog, hat er sich gewissen ungeschriebenen Regeln der ‘Blogosphäre’ zu unterwerfen, ansonsten (bzw. auch sonst) muss er mit Angriffen rechnen. Gutjahr nutzt sein Blog als einen Kanal, nicht mehr und nicht weniger. Das ist ersteinmal eine technische Einrichtung. Ob er dann deshalb mehr oder weniger Journalist ist, mehr oder weniger Geld verdienen darf oder es allen anderen mehr oder wenig Recht macht hat miteinander nichts zu tun.
    Das schöne an der ‘Blogosphäre’ ist doch, das jeder tun und lassen kann, was er will. Und das es immer einen gibt, über den man sich aufregen kann, ohne nach draußen zu schauen.
    Gutjahr leistet einen subjektiven Beitrag in der Ägypten-Debatte, das ist weit mehr, als die meisten anderen Blogger tun. Dafür flattr ich gern einmal.

  23. Journalisten: Selbstdarsteller, die | tobiasgillen Blog Says:

    […] (ich erinnere nur mal an Richard Gutjahrs vorbildliche Kairo-Reise, die nachher von Blogs (1, 2, …) stark kritisiert […]

  24. Journalisten: Selbstdarsteller, die | Netzpiloten.de Says:

    […] (ich erinnere nur mal an Richard Gutjahrs vorbildliche Kairo-Reise, die nachher von Blogs (1, 2, …) stark kritisiert […]