Werbung: Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren?

Von Sven

Eigentlich scheint die bisweilen hitzige Debatte um Schleichwerbung in Thüringer Blogs für die Beteiligten inzwischen abgeschlossen. Das Interesse und die Gemüter sind etwas abgekühlt. Gut so. Das schafft den Raum für eine gründliche und differenzierte Auseinandersetzung mit Lesern, die wirklich an der Sache interessiert sind.

Den meisten war am Ende der Diskussion klar: Wer die “Zusammenarbeit” von Bloggern und werbetreibenden Unternehmen kritisiert, ist weltfremd, ein verbohrter Ideologe und im Grunde selbst ein Schwein. So einer ist scheinbar auch mit den besten Argumenten nicht davon zu überzeugen, dass jede Art von PR, product placement und andere kreativ-subtile Formen der (Schleich)Werbung inzwischen unvermeidliche Selbstverständlichkeiten vor allem und gerade auch in Blogs sind. Selbstverständlichkeiten, die eben so hinzunehmen seien.

Kassandra meint dazu:

    Werbung kann vieles sein: Nervig, böse, aufdringlich, originell, beratend, unwahr … Solange wir im Kapitalismus leben, sind wir darauf angewiesen, unsere Produkte oder unsere Arbeitskraft zu verkaufen (…) Als gut beratener Verbraucher informieren wir uns selbst über die Dinge, die wir kaufen wollen. Gesponserte Bwertungen mögen wir daher nicht, da sie nicht objektiv sind. Das heißt aber nicht, dass jede Bewertung eines Produkts, z.B. eines Buches, durch einen kleinen Blog unreflektierte Werbung ist, nur weil der Autor /die Autorin dieses Buch geschenkt bekam. Dann brauchen wir keine Rezensionen mehr zu lesen, denn für die gilt das dann ebenso.

Doch handelt die Bloggerin wirklich unabhängig?

Sie bekommt die Bücher geschenkt. Ist sie dann überhaupt in der bloßen Auswahl, welche Bücher sie für rezensierenswert hält und dann auch in ihrem Urteil selbst frei und wahrhaftig? Ist die Tatsache, dass sie gerade dieses oder jenes Buch überhaupt bespricht, dass sie einen Link setzt, nicht bereits Werbung? Keine platte, offensichtliche und oberflächliche – und vor allem gekennzeichnete Werbung, wie “Kauft Buch X”, sondern eher eine sehr subtile Werbeform, die sich als Dienst am Leser ausgibt, tatsächlich aber Dienst am Rezensierten ist.

Die Sache mit der Schleichwerbung ist wahrlich kompliziert. Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Florian stellt deshalb verschiedene (fiktive) Szenarien zur Debatte:

  • Szenario 1) Ein Verlag/Autor (es müssen natürlich keine Bücher sein aber ich bleib bei dem Beispiel) tritt an ein Medium (Zeitung, TV, Blog, etc) heran und schlägt vor „Ich geb dir dieses Buch und schreibst dafür einen positiven Text in deinem Medium!“. Der Blogger (bleiben wir bei Blogs) macht das.
  • Szenario 2) Ein Verlag schickt – unverlangt – Bücher an einen Blogger. Der liest sie und bloggt darüber positiv oder negativ; je nachdem wie es ihm gefallen hat. Oder auch nicht; je nachdem ob er Bock hat oder nicht.
  • Szenario 3) Ein Blogger findet ein Buch interessant und fragt beim Verlag um ein Rezensionsexemplar an. Er bekommt das Buch und bloggt darüber positiv oder negativ; je nachdem wie es ihm gefallen hat. Oder auch nicht; je nachdem ob er Bock hat oder nicht.
  • Szenario 4) Ein Blogger ist mit einem Autor befreundet und findet ein Buch von ihm interessant. Er fragt nach einem Exemplar. Er bekommt das Buch und bloggt darüber positiv oder negativ; je nachdem wie es ihm gefallen hat. Oder auch nicht; je nachdem ob er Bock hat oder nicht.
  • Was davon ist Schleichwerbung. Meiner Meinung nach nur Szenario 1 (Szenarien 2 und – viel häufiger 3 – passieren in meinem Blog regelmäßig). Für dich aber anscheinend alle Szenarien. Wenn das deine Meinung ist, dann ist das wohl so. Aber ich halte das für extrem überzogen…

Im Grunde ist die Diskussion um inhaltsbasierte Werbung in Blogs so alt wie Blogs selbst. Viele sehr große und mit bemerkenswerten Engagement geführte Debatten um diese Frage gab es in der deutschen Blogopshäre bereits im Gründungsjahr der THÜRINGER BLOGZENTRALE 2006. Damals wurden Coca-Cola-WGs eingerichtet oder vier der bekanntesten deutschen Blogger für vier Wochen je ein Opel zur Verfügung gestellt, den sie auf Herz und Nieren testen und bebloggen durften. Über die Coca-Cola- und Opelblogger brach ein Sturm der Entrüstung herein. Und ein Jahr später erschütterte die Diskussion um den “King of Zock” die Blogosphäre und auch die THÜRINGER BLOGZENTRALE.

Abgebügelt wurde die Kritik an den Werbeaktionen der käuflichen Blogger mit zwei Argumenten, die wir so oder so ähnlich auch jetzt wieder hörten:

Wegen des ersten Punkts wird Kritik an der “Zusammenarbeit” zwischen Bloggern und Werbetreibenden als unbefugte und unverschämte Einmischung in das Blogger-Leser-Verhältnis gewertet. Der Kritisierende wird damit zum Kritisierten:

D.h. das Ziel ist, dass er einsieht, begreift und seine Perspektive ändert. Einsicht und Perspektivänderung des Befürworters subtiler Werbung ist dagegen nicht vorgesehen – womit eine gemeinsame Lösungsfindung natürlich nicht eben einfacher wird.

Doch so richtig und wichtig die Kritik am Kritiker ist und so engagiert die Debatte hierzu geführt werden darf, geführt werden muss, so wenig darf man dabei die eigentliche Frage aus dem Blick verlieren. Denn wenn auch Journalisten Geschenke für ihre Arbeit erhalten:

Wo beginnt Schleichwerbung?

Peter ist z.B. folgender Meinung:

    Wenn jemand ein Buch geschickt bekommt ist das NICHT AUTOMATISCH Schleichwerbung. Und erst recht nicht, wenn die Person kennzeichnet, dass es ein Rezensionsexemplar ist. Wenn man ständig alle Artikel kaufen müsste, um sie zu rezensieren würde das erhebliche Kosten verursachen. Zudem kann man Rezensionsexemplare oft schon früher als Verkaufsstart beziehen. Dies soll ermöglichen den potentiellen Lesern eine Empfehlung oder Nicht-Empfehlung geben zu können. Wenn sich Anke dazu entscheidet, dass das Buch ihr gefällt ist das ihr gutes Recht. Und dann kann sie das auch schreiben. Wenn sie dafür Geld bekommen hätte (ich gehe mal davon aus, dass das nicht passiert ist), dann wäre das Schleichwerbung. Hier liegt die eigentlich ziemlich klar definierte Grenze. Nach § 4 (3) des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) “ist Schleichwerbung unzulässig, weil jede Werbemaßnahme so beschaffen sein muss, dass ihr werbender Charakter von den Angesprochenen erkannt werden kann”.

Und Peter ergänzt:

    Wir wissen beide, welche Meinung Du über Werbung hast. Und die finde nicht nur ich etwas zu extrem

Das schreibt er nicht ohne Grund. Ich habe meine Skepsis und meine Ablehnung gegenüber vielen (nicht allen) Formen der PR und der Werbung zum Ausdruck gebracht. Das hat eine Ursache. Und die möchte ich erläutern.

Judith Holofernes hat in der letzten Woche einen ziemlichen Sturm entfacht. Sie wollte nicht für die BILD werben. Auch nicht “kritisch” und mit einem “Augenzwinkern”. In einem Interview Sebastian Heiser auf den taz-blogs macht sie klar, welcher Grundhaltung diese Absage entsprang:

    “Ich habe Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation angefangen in dem Glauben, das hätte irgendwas mit Medien und Journalismus zu tun, hab mich dann in einem Werberstudiengang wiedergefunden und innerhalb weniger Veranstaltungen das kalte Grauen gekriegt (…) Aus Ernüchterung darüber, wie dieses Business läuft, habe ich ja erst angefangen, mich mit Werbekritik und dann mit Konsum- und Globalisierungskritik zu beschäftigen.”

Werbekritik? Was generelle Werbekritik nun wieder mit einer Kinderbuchrezension zu tun, könnte man fragen. Im Wikipedia-Artikel zum Thema wird man fündig. Hier werden Autoren mit ziemlich passenden Analysen der aktuellen Situation auch im Internet zitiert. So meint beispielsweise Georg Franck in seiner “Ökonomie der Aufmerksamkeit”:

    „Der Werbung und den Medien können wir nicht mehr entkommen. Aber was bedeutet das für uns? Der öffentliche Raum verwandelt sich zunehmend in eine gigantische Werbefläche für Produkte aller Art. Die ästhetischen und politischen Konsequenzen sind überhaupt noch nicht abzusehen.“

Hanno Rauterberg wird hier mit seiner Feststellung erwähnt, dass Werbung eine Diktatur ist:

    „Ad Creep (die schleichende Übernahme aller Bereiche durch Werbung): […] geworben wird in Schulen, Flughäfen Wartehallen, Arztpraxen, Kinos, Krankenhäusern, Tankstellen, Fahrstühlen, Läden, im Internet, auf Obst, an Geldmaschinen, auf Mülleimern und zahllosen anderen Orten. Es gibt Werbung auf dem Strand und an WC-Wänden.“

Das aber führt – laute Robert W. McChesney – zu einer absurden Situation:

    “Mit zunehmender Kommerzialisierung wird es für den einzelnen Werbenden schwieriger, Erfolg zu haben, wodurch er sich zu größeren Anstrengungen gezwungen sieht.“

Damit führt Werbung letztendlich zu einer ständigen Zunahme des Konsums in einer Gesellschaft. Es ist ein irrer Teufelkreis, ein Strudel in dem nur die noch an der Oberfläche schwimmen, die (oft aus Verzweiflung) noch skrupelloser und noch rücksichtloser als andere sind und dabei noch besser lügen und betrügen können und sich nicht erwischen lassen.

Es geht also gleich um das große Ganze. Gesellschafts und Konsumkritik, Medien-, Werbungs- und gar Globalisierungskritik.

Das Internet wird nun zunehmend zum Schauplatz der Verteilungskämpfe der Werbeagenturen. Gefragt ist, wer die kreativere und effektivere Werbeform für alle Arten der Internetkommunikation entwickelt. Mit ihrer massiven Präsenz verdrängt die PR für Produkte und Meinungen aller Art die relevante Information, die wirkliche Kommunikation, die echten Diskussionen und die wahren Meinungen und Empfehlungen, die wirklich aus einem inneren Antrieb kommen und die es nicht nur deswegen gibt, weil mich jemand dafür bezahlt oder beschenkt.

Klaus Kocks, einer der berüchtigsten deutschen PR-Berater, formulierte es in einem Interview mit dem “Lufthansa-Magazin” so:


    “Die Presse ist längst auf Platz fünf abgerutscht. Die vierte Macht im Staate ist die PR. Darum müßte man über den Einfluss meines Standes sicher nachdenken. PR, wenn sie redlich ist, sollte zu erkennen geben, welchen Interessen sie dient. Als Zeitungsleser als Bürger will ich wissen: In wessen Interesse wird hier geredet, wer bezahlt das, welche Ideologie wird da bedient. Wenn diese Fragen nicht immer wieder gestellt werden, verlieren wir uns. Wer öffentlich Vertrauen fordert, ist ein Idiot. Man muss Mißtrauen fordern. Ich selbst bin ja einer der PR-Leute, die zugeben, dass sie lügen – deswegen komme ich mit Journalisten so gut klar. Und auf die Frage, was man in dieser Welt noch glauben kann, gebe ich eine knappe Antwort: nichts.”

.
Die Frage muss also nicht lauten: Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren? Denn natürlich darf sie das. So wie ein Journalist andere Dinge rezensiert. Die eigentliche Frage ist: Kann man der Auswahl und dem Urteil des Journalisten und der Bloggerin vertrauen? Diese Frage kann – und darf – man getrost mit “nein” beantworten. Auch öffentlich!

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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46 Responses to “Werbung: Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren?”

  1. Thüringer Blogs Says:

    Werbung: Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren?: Von Sven
    Eigentlich ist die bisweilen hitzige Debatte um… http://bit.ly/ibwuvR

  2. Steve Says:

    Hallo Sven,

    ein wirklich sehr interessanter Artikel.

    Verstehe ich Dich in Deinen Aussagen richtig, dass Du “PR” als Ganzes komplett ablehnst? In jedem Bereich?

    “Die eigentliche Frage ist: Kann man der Auswahl und dem Urteil des Journalisten und der Bloggerin vertrauen? Diese Frage kann – und darf – man getrost mit “nein” beantworten. Auch öffentlich!”

    Diese Aussage von Dir irritiert mich etwas. Denn letzlich bedeutet dies, dass Du nichts und niemandem vertraust. Sehe ich dies richtig?

  3. sven Says:

    Es geht hier nicht um mich als Person – und auch keine andere Person – also auch nicht um die Frage, ob ich überhaupt jemandem vertraue, sondern darum, ob man PR vertrauen sollte.

    Ich meine nein.

    Was meinst Du?

  4. Robby Says:

    “Die Frage muss also nicht lauten: Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren? Denn natürlich darf sie das. So wie ein Journalist andere Dinge rezensiert. Die eigentliche Frage ist: Kann man der Auswahl und dem Urteil des Journalisten und der Bloggerin vertrauen? Diese Frage kann – und darf – man getrost mit “nein” beantworten. Auch öffentlich!”

    Diese Frage ist allerdings etwas anderes als “Du machst Schleichwerbung und deswegen fliegst du aus der Blogroll.”. Womit wir dann wieder bei Wertschätzung von anderen Meinungen und Personen sind, wo du – und das habe ich dir bezüglich anderen Themen schon mehrfach gesagt – aus meiner Sicht zu engstirnig und verabsolutierend argumentierst, be- und verurteilst. Differenzierung sieht (für mich) anders aus. Brauchen wir aber an der Stelle nicht (wieder) drüber reden.

    Ansonsten kann ich nur Florians Zitation zustimmen. Szenario 1 ist Schleichwerbung, alles andere nicht. Ansonsten kannst du das ja gleich in jedem Segment verteufeln. Oh, Frauen machen sich hübsch, welch unlauterer Wettbewerb. Männer laden Frauen zum Essen ein, wie gemein. Balz ist Werbung. Dass man das hinterfragt, versteht sich von selbst. Oder eben auch nicht. Je nach Vorgehensweise hat das verschiedene Konsequenzen. Nicht mehr und nicht weniger. Die kannst du für dich bewerten, wie du möchtest, kannst auch gerne sagen, wieso, weshalb, warum du das tust, aber hör bitte auf – just speaking for myself again – das in verabsolutierender Form zu tun, so als wäre das die einzige wahre Sicht auf die Welt und jeder, der das nicht so sieht, ist irgendein dummer, verblendeter, ideologischer Spacken. Denn damit steht du genauso im Abseits wie die ganzen religiösen Fanatiker und Werbung-um-jeden-Preis-Fuzzis. Differenzierung, das Erkennen und Akzeptieren von Grauschattierungen sehen für mich anders aus. Dass man aus so einer Nummer nur schwer rauskommt, ohne (vermeintlich) sein Gesicht zu verlieren, zumindest (gefühlt) vor sich selbst… nun ja, Entscheidungen und Konsequenzen.

    Aber manchmal bietet es sich an Brechts Spruch zu folgen: „Wer A sagt, der muß nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.“ – das hat zumindest mehr Stil und Klasse, als wissend auf dem Holzweg in den Untergang zu reiten. Wieder nur meine persönliche Meinung und ja, aus eigener Erfahrung bin ich mit entsprechenden Schwierigkeiten vertraut, nicht zuletzt, wenn die Reaktionen des Gegenübers schwer einzuschätzen sind und man sich damit angreifbar macht. Nun ja. Wobei Konsequenz, Konsistenz und Prinzipientreue manchen in der Welt nicht schaden könnte.

  5. Steve Says:

    Ich sehe PR an sich nicht als böse an.

    Es gibt beispielsweise viele weniger schöne Dinge auf dieser Welt wie Hunger, Kinderarbeit etc. Und es gibt viele NGO´s die sich mit diesen Dingen befassen und die Gesellschaft auf solche Dinge hinweisen. Auch das ist PR.

    Ich setze PR nicht mit Werbung gleich. Werbung zielt für mein Verständnis auf Verkauf, Umsatz, Absatz, also im wirtschaftlichen Sinne – PR an sich hat diese Aufgabe nicht. Nimmt PR sich dieser Aufgabe an, wird es für mich zu Werbung. (und um nicht missverstanden zu werden: auch Werbung finde ich per se nicht schlecht oder böse)

    In Deinem Artikel pauschalierst Du für mein Verständnis etwas stark. Dies kann man auch als Stilmittel gebrauchen, deswegen meine Nachfrage.

    Und Deine Aussage hat schon mit Deiner Person zu tun. Es ist ja Deine Menung – wenn ich dies recht verstanden habe – und somit ein Teil von Dir. Und wenn Du als Person diese Einstellung hast, dann scheint es mir, greift diese auch auf andere Lebensbereiche über. Denn Du beziehst Dich auf die Person des Bloggers, des Journalisten und stellst dessen Glaubwürdigkeit in Frage. Doch ist jeder Blogger und Journalist ein Mensch wie Du und ich, hat eine eigene Ansicht und Meinung und gibt diese im besten Falle wieder. Dies pauschal als nicht glaubwürdig zu erachten halte ich für falsch, bedeutet es doch, allen Medien und auch allen Menschen die Glaubwürdigkeit abzusprechen.

    Zumindest erkenne ich den Unterschied, den Du ja irgendwo machen musst, wenn es nicht um die Person geht (was es aber irgendwie immer tut), nicht. Also wo unterscheidest Du zwischen dem Journalist (Beruf) und dem Mensch dahinter?

  6. Dystopist Says:

    Ich möchte darauf hinweisen, dass die Ausgangsfrage für die gesamte Diskussion nicht die danach war “Darf eine Bloggerin Kinderbücher rezensieren?” – wo jedem klar sein sollte, dass sie das darf.

    Die viel dringendere und meistdiskutierte Frage war doch, ob jemand, der sich selbst als Blogzentrale Thüringens bezeichnet – der also für viele, die seinen Blog besuchen schon aus der Bezeichnung heraus ein gewisses Standing hat bzw. eine Erwartung bedient – einfach eine Zensur aufgrund seiner persönlichen und doch vergleichsweise krassen Einstellung zu Werbung (niemand hat jemals behauptet, dass ich oder Beetlebum oder sonstwer Schleichwerbung in Blogs befürwortet) durchführen sollte. Aus meiner Sicht ist das Etikettenschwindel und mit der Führung des Blogs als Blogzentrale betreibst du unlautere Werbung für deine persönlichen Ansichten. Nachher könnte jemand noch deine z.B. politische Meinung für die der Blogger in der Blogroll, die die Blogzentrale ja quasi vertreten will, halten. Mir ist klar, dass du als einziger Mitbegründer der Zentrale nur noch übrig bist und die anderen Gründer sich kaum bzw. gar nicht mehr beteiligen. Aber dann hätte das Projekt eingestellt werden sollen statt von einem alleine, mit eigenen und glaubt man Beetlebum, veränderten Regeln weitergeführt werden.

    Ich selbst rezensiere wissenschaftliche Titel für eine Website und bekomme die Bücher, die ich dort quasi “bestelle” kostenlos zugeschickt. Die Website bekommt sie kostenlos von den Verlagen. Stellt sich nun die Frage, ob ich jetzt weniger befangen bin, nur weil die Zwischeninstanz Rezensionswebsite dazwischen geschaltet ist oder nicht. Ich denke, ich bin weder in dem einen, noch in dem anderen Fall befangen, sondern versuche, anderen potentiellen Lesern bei der Entscheidung darüber, was in dem Buch steht und wie ich als “Profi” es einschätze, zu helfen. Etwas anderes macht auch Anke nicht und in der Betrachtung ihrer Beiträge nehme ich als intelligenter Mensch, für den ich mich halte, eine qualitative Abwägung der Verlässlichkeit ihrer Einschätzung vor. Diese basiert v.a. aus meiner Erfahrung mit dem Rest des Blogs, der nämlich nicht gerade vor Werbung strotzt, sondern wirklich liebenswert geschrieben ist (und das sage ich jetzt nicht, weil ich mit ihr befreundet bin – das bin ich erst durch ihre Twitter- und Blogaktivitäten, die mir gezeigt haben, dass man ihr vertrauen kann) – sollte allerdings das Gegenteil der Fall sein, dann wäre Anke ein wirklich perfider Mensch und definitiv aus jeder Blogroll zu entfernen. Ich – und auch du – wissen, dass dies nicht der Fall ist.

    Es geht letztlich vor allem um eines: Vertrauen. Anscheinend fällt es dir schwer, Leuten zu vertrauen, dass sie sich nicht durch ein Buch im Gegenwert von 10 Euro kaufen lassen, selbst wenn du weißt, dass diese Person durchaus vertrauenswürdig ist. Es geht hier auch viel um so etwas wie Bloggerehre, die du Anke anscheinend absprichst, indem du ihr die Fähigkeit zur freien Meinungsäußerung absprichst und – drastisch genug formuliert – Korruption unterstellst, denn über etwas anderes reden wir hier nicht.

    Mir wäre auch sehr daran gelegen, wenn die Thüringer Blogosphäre nicht so zerklüftet wäre, wie sie derzeit ist, da wir insgesamt nicht viele sind im Vergleich zu Ländern wie NRW oder Berlin. Umso wichtiger ist das bereits angesprochene Vertrauen, dass wir untereinander haben sollten. Vertrauen darin, dass auch andere sich nicht dumm-doof und unkritisch äußern, nur weil sie etwas kostenlos bekommen. Es gibt eine Welt jenseits von Schwarz-und-Weiß.

    Ist schon schade, dass es ein PR-Berater im “Lufthansa-Magazin” schafft, dich dazu zu bringen, alles und jedem zu misstrauen. Ich schließe mit einem Zitat von Henry Louis Mencken, das irgendwie oft seine Richtigkeit hat:
    “Vertrauen ist das Gefühl, einem Menschen sogar dann glauben zu können, wenn man weiß, dass man an seiner Stelle lügen würde.”

  7. Florian Freistetter Says:

    Sorry, aber gleich der erste Satz ist schonmal ziemlicher Quark.

    “Den meisten war am Ende der Diskussion klar: Wer die “Zusammenarbeit” von Bloggern und werbetreibenden Unternehmen kritisiert, ist weltfremd, ein verbohrter Ideologe und im Grunde selbst ein Schwein. So einer ist scheinbar auch mit den besten Argumenten nicht davon zu überzeugen, dass jede Art von PR, product placement und andere kreativ-subtile Formen der (Schleich)Werbung inzwischen unvermeidliche Selbstverständlichkeiten vor allem und gerade auch in Blogs sind. Selbstverständlichkeiten, die eben so hinzunehmen seien. ”

    Das hat so niemand gesagt und denkt auch niemand. (Und das weisst du ja auch).

    Abgesehen davon wäre es noch interessant gewesen, wenn du auf die 4 Punkte von mir eingegangen wärst. Was ist denn nun böse Schleichwerbung und was nicht?

  8. Florian Freistetter Says:

    P.S. Oder hast du darauf schon in Ankes Blog geantwortet? Ich bin nicht auf dem laufenden…

  9. Anke Says:

    Bei mir steht nichts. So viel Aufmerksamkeit verdient die nichtsbringende DIskussion nicht. Hier geht es meiner Meinung nach nur um Klickhasche. Yey, die TBZ ist mal wieder Gesprächsthema.
    Ich bin raus, danke.

  10. sven Says:

    Florian, das hab ich – vielleicht ein wenig zu subtil – versucht, mit diesem Blogeintrag zu beantworten … :o)

    Ich bin der generellen Ansicht, dass Rezensionen, die mit Entgelt oder Geschenken – welcher Art und Größe auch immer – vonseiten des Rezensierten verbunden sind, nicht objektiv und unabhängig sein können.

    Aber ich will mal auf die Szenarien im Einzelnen eingehen:

    * Szenario 1) Ein Verlag/Autor (es müssen natürlich keine Bücher sein aber ich bleib bei dem Beispiel) tritt an ein Medium (Zeitung, TV, Blog, etc) heran und schlägt vor „Ich geb dir dieses Buch und schreibst dafür einen positiven Text in deinem Medium!“. Der Blogger (bleiben wir bei Blogs) macht das.

    Schleichwerbung. Ganz klar und hier offenbar auch ohne Dissens.

    * Szenario 2) Ein Verlag schickt – unverlangt – Bücher an einen Blogger. Der liest sie und bloggt darüber positiv oder negativ; je nachdem wie es ihm gefallen hat. Oder auch nicht; je nachdem ob er Bock hat oder nicht.

    Grenzwertig

    Hier kommt es – meiner Meinung nach – darauf an, ob die Bücher tatsächlich(!) unverlangt und ungefragt – also quasi zufällig – zugeschickt wurden. Und ob der Blogger das unerwartete Buchgeschenk im Blogeintrag explizit erwähnt.

    Schwierig zu beurteilen ist dieser Fall, weil es sein könnte, dass der Blogger implizit hoffen könnte, durch eine positive Besprechung des zugeschickten Buches, weitere “zufällige” Buchgeschenke zu erhalten und vielleicht irgendwann eine “Zusammenarbeit” mit dem Verlag zu beginnen.

    * Szenario 3) Ein Blogger findet ein Buch interessant und fragt beim Verlag um ein Rezensionsexemplar an. Er bekommt das Buch und bloggt darüber positiv oder negativ; je nachdem wie es ihm gefallen hat. Oder auch nicht; je nachdem ob er Bock hat oder nicht.

    Grenzwertig.

    Auch hier besteht das Problem, dass der Blogger damit rechnen muss, bei einer negativen Besprechung kein Rezensionsexemplar mehr zu bekommen. Das führt mindestens zu einer gezügelten Negativkritik.

    * Szenario 4) Ein Blogger ist mit einem Autor befreundet und findet ein Buch von ihm interessant. Er fragt nach einem Exemplar. Er bekommt das Buch und bloggt darüber positiv oder negativ; je nachdem wie es ihm gefallen hat. Oder auch nicht; je nachdem ob er Bock hat oder nicht.

    Doppelt grenzwertig

    Wenn der Blogger explizit erwähnt, dass er mit dem Autor des Buches befreundet ist und dass er das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt bekam, dann hilft das dem Leser bei der Einordnung der Rezension. Wirklich unabhängig ist sie im Grunde nicht, da man immer irgendwelche Rücksichten auf den Autor nimmt.

    Hier mal mögliche Varianten ohne Schleichwerbung:

    1. Ein Blogger kauft ein Buch. Autor und Verlag geben oder schenken dem Blogger nichts. Auch in Zukunft nicht.

    2. Ein Blogger bekommt ein Buch von einem Freund geliehen.
    Autor und Verlag geben oder schenken dem Blogger nichts. Auch in Zukunft nicht.

    3. Ein Blogger bekommt ein Buch von einem Freund geschenkt.
    Autor und Verlag geben oder schenken dem Blogger nichts. Auch in Zukunft nicht.

    4. Ein Blogger bekommt ein Buch aus der Bibliothek.
    Autor und Verlag geben oder schenken dem Blogger nichts. Auch in Zukunft nicht.

    5. Ein Blogger liest ein Buch in der Buchhandlung.
    Autor und Verlag geben oder schenken dem Blogger nichts. Auch in Zukunft nicht.

    6. Ein Blogger liest bei anderen Bloggern von dem Buch und kauft es sich oder bekommt es geliehen oder bekommt es kostenlos weil es für ALLE kostenlos ist. Autor und Verlag geben oder schenken dem Blogger sonst nichts. Auch in Zukunft nicht.

    Das Problem ist im Grunde immer, dass man als Rezensent, der ein Buch von Verlag oder Autor geschenkt bekommt, ein kostenloser Werber für das Produkt ist.

    Aber was ist mit Verlagen, die es sich nicht leisten können, Rezensionsexemplare an alle Redaktionen oder Blogger zu schicken?

    Was ist mit Autoren, die gar keinen Verlag haben, der es ihnen ermöglicht, Links in Blogs setzen zu lassen.

    Dass nur bestimmte Verlage sich eine solch freigiebige Geschenkkultur für Rezensenten leisten können, führt dazu, dass eben auch eine bestimmte Meinungskultur die öffentliche Meinung bestimmt.

    Wie das funktioniert, beschreibt das “Propagandamodell” von Noam Chomsky und Edward S. Herman.

    Es zeigt, wie sich durch Massenmedien als Folge von strukturell bedingten ökonomischen Zwängen, zunehmend ein dezentralisiertes und nicht-verschwörerisches(!) Propagandasystem bildet, das fähig ist, den Konsens einer kulturellen Subgruppe in der Öffentlichkeit zu verankern – während gleichzeitig der Anschein eines demokratischen Konsens gewahrt bleibt.

    Diese ökonomischen Zwänge haben inzwischen auch das Netz erreicht. Und deshalb setzen sich auch im Netz – bei dem unerbittlichen Kampf um die Aufmerksamkeitsökonomie – gewisse Gesetzmäßigkeiten durch.

    Zu diesen gehört, dass mehr und mehr auch im Internet nicht mehr jeder gehört wird, der eine Meinung hat, sondern zunehmend die, die die Zeit haben, diese Meinung zu bilden und die über das ausreichend populäre Medium verfügen um diese Meinung zu äußern.

    Wenn Bloggen nicht primär den Interessen der Leserschaft folgt, sondern darauf achten muss, die Personen über deren Produkte berichtet wird, nicht zu verärgern, unterliegt es im Grunde denselben Problemen wie die Massenmedien.

  11. sven Says:

    Robby, ich schreibe doch gar nicht, dass Werbung per se und uneingeschränkt zu verurteilen ist. Ich tue dies auch nicht – wie Du behauptest – in einer apodiktischen und keinen Widerspruch duldenden Form … Es sei denn für Dich ist eine Diskussionsaufforderung gleichbedeutend mit der Aufforderung die Klappe zu halten.

    Du darfst Dich hier äußern. Und Du darfst mir sogar unterstellen, andere als “dumme, verblendete, ideologische Spacken” zu sehen. Ich hoffe aber, dass Du mir zugestehst, dass ich feststelle, dass ich das nicht tue und ich würde mich freuen, wenn Du mir eine konkrete Stelle zeigen könntestan der ich diese täte.

    Im Übrigen geht es mir persönlich je eben gerade um die “Grauschattierungen”. Ich würde gern verstehen, wie man das, was in meinen Augen Schleichwerbung ist, rechtfertigen kann. Und ich möchte dagegen meine Einwände vorbringen können. Siehe oben!

    Wo ist das Problem?

  12. Robby Says:

    Wieso “rechtfertigen”? Andere sehen die Welt eben anders als du und verhalten sich entsprechend anders. Es ist, wie es ist. Dir das wieso, weshalb, warum zu erklären, ist mir zu müßig. Was du betrachten und bewerten kannst, wie du möchtest, es ist, wie es ist.

    Was mich stört, ist diese – hmm – Konfusität. Erst gibt es Geschrei wegen vermeintlicher Schleichwerbung, dann war das ja gar nicht dein Anliegen, sondern nur, das man es kritisch hinterfragt. Kritisch hinterfragen sei aber a) jedem selbst überlassen (Ich gehe auch nicht auf die Straße und sage allen, die ich für dumm und blöd erachte, dass sie doch mal etwas ändern sollen.) und sieht b) für mich anders aus als “Ich haue erstmal mit dem Vorschlaghammer meines eigenen Weltbilds um mich”. Denn das hast du getan, selbst, als dir massiver Widerspruch entgegen schlug. Und jetzt – der Eindruck entsteht zumindest bei mir – tust du so, als wäre es gar nicht darum gegangen. Was alles okay ist, nur du dann eben damit rechnen musst, dass es manchen zu blöd wird. Das kannst du traurig, schade, sonstwie finden, dich miss- und unverstanden fühlen, aber… who cares, und umgekehrt war das vielleicht genauso.

    Abgesehen davon: Was soll der Aufriss? Ich meine, wenn man die TBZ sieht als das, was es ist, dein persönlicher und privater Spielplatz zum Austoben, und nicht als “Repräsentation Thüringer Blogs und Blogger”, ist es doch scheiß egal, was selbige von deinen Blogrollkriterien halten. Es interessiert ja auch keinen, ob/wen ich verlinke, ob aufgrund der Texte, Brüsten oder weil mir die Rezensionen so gut gefallen. Von daher verstehe ich die ganze Diskussion nicht. Es ist dein privater Blog, von daher hast du doch gar keinen Grund dich zu rechtfertigen oder mit irgendwem zu diskutieren, ob/warum du jemanden verlinken solltest oder nicht. Zumindest nicht von meiner Seite.

    “Mach was du willst.”, möchte ich fast sagen, gerne auch “Du bist frei deine eigenen Entscheidungen zu treffen.” (Das klingt freundlicher.) Dass deine Handlungen unterschiedliche Konsequenzen nach sich ziehen können… nun ja, so ist das dummerweise im Leben. Für uns alle.

  13. sven Says:

    Steve, Du schreibst:

    Es gibt beispielsweise viele weniger schöne Dinge auf dieser Welt wie Hunger, Kinderarbeit etc. Und es gibt viele NGO´s die sich mit diesen Dingen befassen und die Gesellschaft auf solche Dinge hinweisen. Auch das ist PR.

    Richtig. Aber es gibt hier ein Problem: Die NGOs sind gewungen PR zu machen, weil ihre Gegner auch PR machen. Das Dumme an diesem ungleichen Kampf ist, dass die NGOs in diesem ungleichen Kampf die Unterlegenen sein werden, weil sie eben nicht über vergleichbare Propaganda-Mittel verfügen wie ihre Gegner.

    PR hat die Aufgabe, zu verkürzen, zu Stereotypisieren und zu lügen, um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Die Aufgabe der PR ist nicht die Wahrheitsfindung, sondern die Wahrheitsverschleierung.

    Auch Lüge ist ja in Ausnahmefällen unvermeidlich um Leben oder Existenz von Einzelnen nicht in unmittelbare Gefahr zu bringen.

    Aber die systematische Lüge aus primären Gründen der Profitmaximierung, diese Aufgabe leistet vor allem PR.

    Du fragst, ob man den Beruf des Journalisten vom Menschen dahinter trennen kann. Das kann man natürlich nicht. Aber wenn man Wertefragen diskutiert, wie wir das hier tun, geht es primär nicht um die Motive des Einzelnen – auch wenn die sicher interessant sind – sondern um die Interessen aller.

    Wenn man versucht, Zusammenhänge zu verstehen, ist es zwar gut, nicht zu vergessen, dass es auch eine subjektive Perspektive gibt – aber relevant und verbindlich ist die objektive.

    Ich wünschte mir hier eine Antwort auf die Frage, was Schleichwerbung ist. Und zwar in einer für alle nachvollziehbaren Definition.

    Ich würde in diesem Fall die Beliebigkeit – die Robby vorschlägt – vermeiden und gern eine für alle (die meisten) zufriedenstellende Sprachregelung finden, die es auch erlaubt, sinnvolle Handlungsmaßstäbe aufzustellen … aka “Wer gehört in die Blogzentrale und wer nicht”

    Dazu sollte man sich, meine ich, mit den Argumenten auseinandersetzen.

  14. sven Says:

    Dystopist und Robby

    Die Debatte begann mit diesem Tweet:

    http://twitter.com/thueringerblogs/status/39628152145850368

    Er richtete sich an alle(!) Rezensenten und sollte Debattengrundlage sein.

    Um Schleichwerbung ging es also zunächst gar nicht. Das hat sich erst durch die Diskussion und den anschließenden Blogeintrag von Anke ergeben.

    Durch ihren Blogeintrag erhielt Anke viel Zuspruch und ich viel Unverständnis. Klar.

    Und natürlich kam die Frage auf, wie ich so diktatorisch über diese Dinge entscheiden kann.

    Das habe ich aber gar nicht – sondern ich habe ja zum Widerspruch aufgerufen.

    Als der kam, habe ich mich der Diskussion mit all ihren Argumenten gestellt … und Anke hat Änderungen angekündigt.

    Anschließend hat sie jedoch auf Wiederaufnahme in die Blogroll der Blogzentrale verzichtet.

    Dieser Weg steht Euch ebenfalls offen. Ihr könnt es auch so machen wie Jojo und Euch explizit vond er Blogzentrale distanzieren.

    Oder ihr seht es so wie Florian, der schrieb:

    “Ich hab bis jetzt mit der Blogzentrale keine Probleme gehabt; fand bis jetzt die meisten Texte dort interessant bin auch nicht zwingend der Meinung dass man sie ob ihres Auftretens als Sprachrohr der thüringer Blogs ansehen muss.”

    Ich kann es nur noch einmal wiederholen: Ihr habt das Recht, eine eigene Blogzentrale aufzumachen. Ihr habt das Recht, darin aufzunehmen, wen Ihr dessen für würdig erachtet. Ihr habt das Recht alles viel besser und richtiger zu machen als die Thüringer Blogzentrale.

    Die Thüringer Blogzentrale heißt Thüringer Blogzentrale, weil sie ein Blog der Thüringer Blogger ist, die darin mitarbeiten wollen und die sich für ihr Schicksal interessieren.

    Dass es sich hier nicht um ein Zentralorgan aller Thüringer Blogger handelt, wird im ABOUT ausreichend klar gemacht.

    Wenn Ihr wollt, dass Thüringer Blogger anders wahrgenommen werden sollen, als durch die Thüringer Blogzentrale oder thueringerblogs, dann habt ihr die Möglichkeit, selbst entsprechende Aggregatoren aufzusetzen und Eure Expertise den Interessierten zur Verfügung zu stellen.

    Ich würde mich über ein oder mehrere solcher Konkurrenz-Portale wirklich freuen und würde es auf jeden Fall auch publizistisch unterstützen.

    Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, dass die Thüringer Bloglandschaft “zerklüftet” ist.

    Aber ich kann mein Angebot zur Nivellierung dieser gefühlten “Zerklüftung” nur noch einmal wiederholen:

    Ich würde mich gern mit Euch auf eine Apfelschorle treffen, um die persönlichen Probleme von Angesicht zu Angesicht zu klären. Bis jetzt hat sich keiner getraut :o)

  15. Florian Freistetter Says:

    Sven: Du meinst also tatsächlich dass ein Blogger sofort jeder Urteilskraft verlustig geht, nur weil er vom Verlag ein Buch geschenkt bekommt? Ernsthaft? Mag ja sein, dass du als Psychologe diverse Prozesse dieser besser verstehst als andere. Aber das du Rezensenten von Bücher pauschal unterstellst, sie können nicht objektiv schreiben oder würden sich bewusst oder unbewusst immer den Wünschen des Verlags/Autors beugen ist Unsinn.

    Du darfst gern mal raten: Welche der oben genannten Szenarien liegen den hier verlinkten Rezensionen zu grunde:

    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/09/durchgefallen-vom-urknall-zum-durchknall.php
    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/11/dieter-broers-revolution-2012.php
    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/09/wer-nichts-weiss-muss-alles-glauben.php
    http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/01/massive-gottesteilchen-lhc-und-peter-higgs.php

  16. Florian Freistetter Says:

    “Die Thüringer Blogzentrale heißt Thüringer Blogzentrale, weil sie ein Blog der Thüringer Blogger ist, die darin mitarbeiten wollen und die sich für ihr Schicksal interessieren. “

    Naja, komm – das ist aber schon eine etwas weit hergeholte Definition. Es geht nicht um die Möglichkeiten sondern um die Realität. Ich nenn mein Blog ja auch nicht “Blog der Nobelpreisträger” (mit der Begründung “Alle Nobelpreisträger die sich für das Blog interessieren dürfen gerne mitschreiben”). Es geht um die Frage, ob sich an der Zentrale tatsächlich genug Leute beteiligen um den Namen “Zentrale” zu rechtfertigen. Oder du beschränkst dich darauf zu sagen, dass das Ding eben heisst wie es heisst und das in der Blogbeschreibung ausreichend erklärt ist, worum es sich handelt. Aber jetzt mit “Alle Blogger können mitschreiben wenn sie wollen, deswegen ist eine Blogzentrale” zu kommen ist als Argument ein wenig billig…

  17. sven Says:

    Ha, gute Beispiele Florian :o)

    Mit Anmerkungen:

    Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass der Rezensent JEDER Urteilskraft verlustig geht.

    Und ich behaupte auch nicht, dass sie sich unbedingt immer allen Wünschen des Verlages beugen.

    Aber einem Wunsch beugst Du Dich – im Veröffentlichgungsfall – auf jeden Fall: Du erwähnst das Buch. Und bei einem befreundeten Autor erwähnst Du es vermutlich freundlicher. Bei Broers machst Du Dich darüber lustig – erreichst aber auch potentielle Fans von Broers, die ja bei dir mitlesen.

    Mal anders gefragt: Warum, glaubst Du, schicken Dir die Verlage die Bücher zu? Weil sie Dich mögen? Weil Du ein wirklich objektiver Rezensent bist?

    Sie wollen Dein Publikum erreichen, um 100 Ihrer Bücher zu einem Preis von 20 Euro loszuwerden. Und das kostet sie lediglich 3 Euro inklusive Porto.

    Ein Schnitt, der sich lohnt.

  18. sven Says:

    Doch, Florian, es geht auch um die Möglichkeit. Denn diese führt dazu, dass es eben hier und da Thüringer Blogger gibt, die die Gelegenheit nutzen.

    Und das soll auch in Zukunft so bleiben.

    In Berlin gibt es eine Werbeagentur, die sich

    http://www.zentrale-intelligenz-agentur.de/

    nennt.

    Dürfen die das?

  19. Florian Freistetter Says:

    “Mal anders gefragt: Warum, glaubst Du, schicken Dir die Verlage die Bücher zu? Weil sie Dich mögen? Weil Du ein wirklich objektiver Rezensent bist?”

    Mir hat noch kein einziger Verlag Bücher – unverlangt – zugeschickt.

    “Sie wollen Dein Publikum erreichen, um 100 Ihrer Bücher zu einem Preis von 20 Euro loszuwerden. Und das kostet sie lediglich 3 Euro inklusive Porto. “

    Ja – und weil ein Verlag Bücher verkaufen will, darf man unter keinen Umständen irgendetwas tun, dass ihm dabei hilft, oder wie?!

    Natürlich will ein Verlag Bücher verkaufen. Und ich will über Bücher schreiben. Wenn ich z.B. über das Buch von Broers schreiben will, dann gebe ich für so einen Schund kein Geld aus sondern frage den Verlag ob er mir eins schickt und schreibe dann darüber. Wenn ich über das Buch der ScienceBusters schreiben will, dann frag ich den Verlag ob er mir eines zur Verfügung stellt und schreibe darüber.

    Ich kann natürlich auch in den Laden gehen, für beide Bücher Geld bezahlen und dann ganz genau die gleichen Rezensionen schreiben. Und – Überraschung! – über diese Rezensionen wird sich der Verlag ganz genauso freuen. JEDE positive Rezension hilft dem Verlag und dem Autor. Und weisst du was: das ist nicht schlimm.

    “Bei Broers machst Du Dich darüber lustig – erreichst aber auch potentielle Fans von Broers, die ja bei dir mitlesen. “

    Das Thema werde ich hier jetzt nicht vertiefen. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass man alles, was einen stört totschweigen muss um ja niemanden darauf hinzuweisen, dass es sowas gibt. Halte ich für Blödsinn. (Und über dieses “X ist Pfui! Red da nicht drüber!” hab ich bei mir im Blog schon oft genug diskutiert, das muss ich hier nicht auch noch tun).

  20. Peter Says:

    Lieber Sven,

    leider ist Deine Beschreibung des Problems nach wie vor unzureichend. Erwartet hätte ich eine Auseinandersetzung mit den Begriffen. Mit dem was Schleichwerbung ist, wo sie für Dich beginnt, ab wann eine Linksetzung ein PR-Fall wird, wann eine Rezension PR wird und derart. Daraus lassen sich sicher Regeln und Handlungsmaximen ableiten. Stattdessen lese ich hier einen dieser langweiligen Auswürfe wie furchtbar die Welt ist und wie doch alles von Werbung bestimmt wird. Wer so etwas lesen möchte der kann das tun. Aber dann bitte fundiert unter dem Begriff “Kritische Theorie” bei Adorno, Horkheimer, Marcuse etc.
    Vielleicht kennst Du sie sogar. Aber wenn Du sie kennen würdest, dann würde Dir vielleicht auch ein Licht aufgehen und Du würdest bemerken, dass “Wir sind Helden” sich mit ihrer Initiative vor allem selbst einen Gefallen getan haben. Steigern Sie doch durch diese (Haha wie ironisch) PR-Aktion ihren Nachrichtenwert um ein vielfaches und bringen sich, statt mit neuer künstlerischer Aktivität, mit einer Negativ-Kampagne für die große Zeitung in die Schlagzeilen. Man bemerke dazu in dem von Dir zitierten Link heißt es, der WSH-Server habe dem Ansturm nicht standgehalten. Und wem nützt das sonst noch? Richtig! Der Bild. Denn so kommt ihr Name in ziemlich allen Medien unter – und das kostenlos. Und sie nehmen den Brief und machen was damit? Richtig! Werbung. Und Du glaubst doch nicht wirklich, dass der durchschnittliche “Wir sind Helden”-Hörer die Bild liest, oder? Und zu guter Letzt hast Du glücklicherweise auch gleich Herrn Kocks gefunden, der wieder so ein Beispiel dafür ist, wie man mit Kritik an der PR vor allem PR für sich selber macht. Oder was denkst Du, warum der so bekannt ist? Und der Fakt, dass Du dafür ein Interview von ihm mit dem Lufthansa-Magazin zitierst, macht es nicht unbedingt besser…
    Das Wirtschaftskommunikation nichts mit Journalismus zu tun hat, das müsste doch mittlerweile jedes Grundschulkind wissen. Judith Holofernes brauchte dafür erst einige Vorlesungen an der Uni. Leider ist das aber trotzdem traurig, wie man an der Diskussion um die wahrscheinliche Ersetzung einer Professur für Journalistik am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften der Uni Leipzig durch eine für “Umwelt- und Gesundheitskommunikation” sehen kann.

    Du hast zwar hier ein paar Beispiele gegeben wann und wo eine Rezension deiner Meinung nach zu Werbung mutiert, aber leider ist das etwas weltfremd. Ich würde mir wünschen, dass man diese Debatte beenden kann, weil es endlich eine klare Grenze gibt. Aber ich kann Dir sagen: Wo ich sie bei Dir vermute zu sehen, liegt sie nicht. In Deinem Menschenbild scheint sich jeder gleich von einem Geschenk beeinflussen zu lassen. Nur weil jemand ein Buch rezensiert, was er sich wahrscheinlich sowieso gekauft hätte, sendet er/sie noch lange nicht die Ideologie dieses Gegenstandes aus. Und wenn Du denkst jemand rezensiert automatisch positiv, weil er denkt Firmen würden sonst keine Produkte mehr an ihn senden, dann ist das ziemlich fatalistisch.

    Man kann auch durchaus kritisch konsumieren. Und da macht es keinen Unterschied, ob das Produkt bezahlt ist oder nicht. Wichtig ist die Ethik der Blogger und wir sollten uns viel eher dazu bemühen diese in ihren Anstrengungen zu schulen und dafür zu sorgen, dass sie lernen mit PR umzugehen und ihnen Wege aufzeigen, wie sie es sich leisten können unabhängig zu sein. Das PR durchaus auch ihre guten Seiten hat, das hast Du anhand der NGOs schon erklärt. Und nein, da muss ich widersprechen, sie tun es nicht nur weil es ihre “Gegner” tun. Viele Pressesprecher die ich in meiner Arbeit getroffen habe handeln nach dem Prinzip “Tue Gutes und rede darüber”.

    Das schlechte Menschenbild – das ist der Psychologe in Dir. Berufskrankheit. Weil Du schon so viel schlechtes gesehen hast, glaubst Du alles Gute ausblenden zu können. Auf dem richtigen Auge blind sozusagen. Und genau das stößt vielen hier so übel auf. Dass Du Dich und Deine Ethik hier als die einzig Wahre verkaufst (und leider ist nicht mal ganz klar welche Ethik Du hast). Und auch wenn Du noch so oft betonst, dass Du andere Meinungen akzeptierst, wenn Du anderen absprichst sich nicht von einem Rezessionsexemplar für den Kaufwert von 10, 20 Euro vereinnahmen zu lassen, dann brichst Du damit jede Verbindung zwischen Dir und Deiner eigentlich löblichen Moralinsel ab.

    Was das Propagandamodell von Chomsky und Herman betrifft: Es ist ein Modell und erklärt vieles sehr einfach. Zudem wurde es in einer Zeit erstellt, als das Internet noch nicht mal in den Kinderschuhen steckte (1988). Das Internet zeigt jeden Tag, dass es nur eingeschränkt darauf anwendbar ist. Schau Dir nur die Umbrüche in der arabischen Welt an.

    Du magst vielleicht die richtige Idee für diesen Beitrag gehabt haben. Aber die Ausführung ist leider – und das sage ich trotz meiner Sympathien für Dich – lausig. Ansonsten hättest Du Dich auf die Beantwortung der einen oder anderen Frage konzentriert: Die erste wäre gewesen: “Wo beginnt die Beeinflussung von Meinung? Und wie können wir Bloggern helfen sich nicht vereinnahmen zu lassen?” Und auch: “Wie kann man auch ohne Werbung etwas mit seinem Blog verdienen?”

    Ich hoffe Du siehst diesen Kommentar als sinnvollen Diskussionsbeitrag. Und in Bezug auf die direkte Art dessen kann ich nur sagen: Wer austeilt muss auch einstecken können! Sieh ihn bitte als Rezension. Denn Dein Werk ist leider mangelhaft. Und ich kann das trotz dessen, dass wir uns kennen, so sagen. Und selbst wenn Du bei unserem letzten Treffen die Rechnung gezahlt hättest, hätte ich das hier auch geschrieben. Wenn Du nun auf ein weiteres Treffen mit mir verzichten willst, kann ich damit auch leben (wobei ich nicht denke, dass Du das tun würdest). Ich hoffe Du erkennst die Ironie in diesem Absatz.

    Ich freue mich auf eine sinnvolle Antwort.

    Lieben Gruß,

    Peter

  21. Robby Says:

    “Aber einem Wunsch beugst Du Dich – im Veröffentlichgungsfall – auf jeden Fall: Du erwähnst das Buch.”

    Wie schlimm! Wieso lässt du dann an “Wir sind Helden” ein gutes Haar, hast ihnen sogar bei Twitter für ihre Äußerung gedankt. Denn immerhin haben Sie doch die Bild-Zeitung erwähnt?!

    Am besten konsumieren (und kommentieren) wir gar nichts mehr. Werbung ist natürlich. Sogesehen wirbst du hier die ganze Zeit für deine Meinung, mit dem Unterschied, dass einige, die diese kritisch hinterfragen, darauf nicht anspringen. Und wie war das letztens in deinem Aufruf zu einem Treffen: Du hast Markt 11 erwähnt! Wenn das mal keine Schleichwerbung ist. Und selbst wenn nicht, so hast du den Laden doch erwähnt.

    Und komm’ mir jetzt nicht mit “Meine Intention war eine ganz andere.”. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. (Und ob du den Markt 11 erwähnst, weil er dir gefällt, sie dir Geld dafür gegeben haben, weil da die letzte Bloglesung war oder warum auch immer, ändert nichts daran, dass du es tust.)

    Für mich verschwimmen da ein wenig die Grenzen. Genauso könnte man sagen, du solltest dich schämen, weil du dich für deine Arbeit bezahlen lässt, sonst würdest du sie nicht tun/erledigen. Oder das alle Menschen, die nur für Geld etwas machen, schlechte Menschen sind. Oder das alle Menschen, die die ihnen gegebenen Möglichkeiten nutzen und dabei andere Entscheidungsmaßstäbe als du anlegen, verurteilenswert sind. Wie die ganzen Gläubigen.

    Und jetzt kannst du wieder sagen, dass du das ja nicht so siehst und sagst. Dann kommt aber das tolle “Sender-Empfänger”-Spiel zum Tragen. Nicht, dass man etwas ändern muss, nur weil einen ein Dutzend Menschen nicht oder nicht richtig versteht, aber man kann zumindest mal drüber nachdenken, ob nicht vielleicht doch etwas dran ist/es nicht doch (auch) an einem liegt. Dann kann man immer noch sagen “Ist mir scheißegal.” oder “Ist mir nicht scheißegal, aber ich ändere trotzdem nichts.”. Nicht bezogen auf deine Inhalte, sondern die Art, wie du sie kommunizierst. Und anscheinend erzeugst du bei “einigen” damit ein recht – hmm – absolutes Bild. Mag sein, dass du die Welt nicht schwarz-weiß siehst. Deine Ausführungen zeichnen mir etwas anderes.

    Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

  22. Kassandra Says:

    Mh … eins verstehe ich trotzdem nicht, wenn Rezensenten nicht ojektiv sind und also (schleich-)werben, wieso fliegt dann die Bloggerin mit minmaler Reichweite raus und der bekannte Blogger bleibt drin? (Nicht dass ich persönlich ihn raushaben will, aber wo ist der Unterschied?)

  23. sven Says:

    Florian, Du schreibst:

    „Mir hat noch kein einziger Verlag Bücher – unverlangt – zugeschickt.“

    Eines Deiner Szenarien sieht aber genau dies vor.

    Du hast dann gefragt, welches der Szenarien zu welchem Buchbesprechungs-Link auf Deinem Blog passt.

    Ich ging deshalb davon aus, dass es je eins der grenzwertigen Beispiele je einem Link entsprach (bis auf das erste natürlich:o).

    Und nein, selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass Verlage ihre Bücher verkaufen wollen. Aber man muss sich trotzdem fragen, ob man nach drei miesen Rezensionen der Bücher eines Verlages noch mit weiteren Kostenlos-Exemplaren rechnen kann.

    Und selbstverständlich ist es nicht schlimm, wenn sich ein Verlag über gute Besprechungen eines Buches freut. Warum auch? Dagegen ist nichts einzuwenden. Solange es kein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Blogger und Verleger gibt.

    Das Mißverständnis teilst Du offenbar mit Robby. Die bloße Erwähnung eines Produkts macht die Erwähnung nocht nicht zur Schleichwerbung. Sie setzt außerdem einen materiellen Vorteil durch die Erwähnung voraus.

    Im Grunde ist es doch eine scheinbare Win-Win-Situation. Du erhältst ein Buch, für das Du möglicherweise 20 bis 30 Euro ausgeben müßtest, kostenlos. Dafür mußt Du „lediglich“ eine Rezension schreiben. Aber das Rezension schreiben ist ja auch eine Arbeit, die Du Dir sparen könntest. Du könntest das Buch ja auch einfach lesen und genießen …

    Haben Dir auch schon Verlage den Wunsch nach einem Buch abgeschlagen?

    Waren das eher die größeren oder die kleineren Verlage?

    Und nein: Selbstverständlich sollte man Dinge, die einen stören, nicht totschweigen. Dass ich kein Freund dieser Ansicht bin, sollte Dir die aktuelle Diskussion ausreichend gezeigt haben. :o)

  24. Robby Says:

    Und nein, selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass Verlage ihre Bücher verkaufen wollen. Aber man muss sich trotzdem fragen, ob man nach drei miesen Rezensionen der Bücher eines Verlages noch mit weiteren Kostenlos-Exemplaren rechnen kann.

    Und? Vielleicht würde der jemand ja die Bücher auch so kaufen (und tut es im Anschluss daran, ob mit oder ohne anschließende Rezension) und nutzt so nur eine Möglichkeit es anderweitig zu bekommen. Wenn ein lediger, unverheirateter Mann Sex haben will, kann er in’n Puff gehen und Geld auf’n Tisch legen, oder irgendwo eine abschleppen, wenn sich eine findet/er weiß, wie’s geht. Wieso Geld für das Buch auf den Tisch legen, wenn man es auch so (legal) haben kann? Wenn der Sex für die Dame nicht so knülle war und daraufhin keine mehr mit dem Typen ins Bett geht, kann er immer noch Geld für Sex auf den Tisch legen.

    Ja, der Vergleich hinkt, aber gefällt mir sehr gut. (Und was wäre, wenn eine Frau sagt “Nur, wenn du hinterher deinen Freunden erzählst, wie es war.”. Materieller Vorteil?! :D)

    “Die bloße Erwähnung eines Produkts macht die Erwähnung nocht nicht zur Schleichwerbung. Sie setzt außerdem einen materiellen Vorteil durch die Erwähnung voraus.”

    In deiner Welt vielleicht, in meiner nicht. Wo wir dabei sind: Gilt das eigentlich noch, dass du Schleichwerbung aus der Blogroll nimmst? Falls ja, möchte ich mich hiermit, gemäß deiner Kriterien, selbst anzeigen:

    http://www.robundseb.de/blog/2009/05/20/mydays-dinner-in-the-sky/
    http://www.robundseb.de/blog/2009/06/27/dinner-in-the-sky-metropolis/
    http://www.robundseb.de/blog/2009/06/27/dinner-in-the-sky-in-bildern/

    Für mich ist Schleichwerbung intransparent. Wenn jemand sagt, XY hat mir das zukommen lassen (gerne auch mit dem Zweck, das zu testen), die Person das rezensiert und seine/ihre Meinung dazu schreibt, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Dass ein jeder selbst entscheided, ob, wie, wofür er sich hergibt, steht auf einem anderen Papier. Ich habe auch schon Müll bekommen, den ich abgelehnt oder entsprechend negativ (ohne Backlink und Namensnennung :P) kommentiert habe. Angebote, die für mich nicht transparent genug waren. Aber selbst da: Wenn andere diese annehmen, ist das okay. Dass ich mich davon dann möglicherweise distanziere oder sage “Find ich blöd.”, mag sein, aber im Endeffekt ist es deren Sache und entweder ich stehe zu ihnen oder gehe. Sich daneben stellen und mit dem Finger zeigen – was bringt’s?

    (Nach der Maxime sollte ich im Zuge der Selbstkonsistenz vermutlich gehen und hier nichts mehr zu schreiben *hehe*)

  25. Steve Says:

    @Sven:

    “Richtig. Aber es gibt hier ein Problem: Die NGOs sind gewungen PR zu machen, weil ihre Gegner auch PR machen.”

    Das sehe ich anders. Warum machen Greenpeace, WorldVison, UNICEF etc Werbung/PR? a) um auf Missstände hinzuweisen b) um Spendengelder zu sammeln um diese Missstände zu mildern oder abzuschaffen

    Ist dies unlauter? Sicherlich nicht, es ist legitim.

    Warum ist das gleiche Verhalten bei Unternehmen verwerflich? Der Sinn eines Unternehmes ist es, Gewinne zu erwirtschaften. Einen Teil dieser fliessen vielleicht in soziale Projekte, auf welche man dann pressetechnisch wieder aufmerksam macht, also PR betreibt. Sicher führt dies zu einem guten Ruf, was dem eigentlichen Unternehmeszweck dienlich ist. Na und? Wenn das Unternehmen mehr verdient kann auch mehr in soziale Projekte fliessen oder es werden neue Arbeitsplätze geschaffen etc. Hier pauschal etwas Böses zu unterstellen halte ich für falsch.

    Und um einen evtl. Einwand vorwegzunehmen: ich bin nicht so naiv zu glauben, dass das von mir positiv gezeichnete Beispiel generell so stattfindet. :)

    “Das Dumme an diesem ungleichen Kampf ist, dass die NGOs in diesem ungleichen Kampf die Unterlegenen sein werden, weil sie eben nicht über vergleichbare Propaganda-Mittel verfügen wie ihre Gegner.”

    Auch diese Einstellung teile ich nicht. Klar haben die meisten NGO´s nicht Unsummen an Geld. Aber selbst wenn sie es hätten – würden diese dann auf PR verzichten!? Wohl kaum.

    “PR hat die Aufgabe, zu verkürzen, zu Stereotypisieren und zu lügen, um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Die Aufgabe der PR ist nicht die Wahrheitsfindung, sondern die Wahrheitsverschleierung.”

    Oha… wo hast Du das denn bitte her? PR hat überhaupt nicht die Aufgabe zu lügen und zu verschleiern. Nur weil dies einige Unternehmen/Personen/Organisationen so tun, heisst dies noch lange nicht, dass es dem Wesen der PR entspricht. PR soll in erste Linie Kommunikation zwischen A und B bewirken. PR soll Öffentlichkeit erzeugen. Dies kann natürlich auch negativ und verwerfliche Thematiken betreffen. Ja, es kann auch dazu führen, dass “geschönte Wahrheiten” verbreitet werden. Soetwas trifft aber auf alle Lebensbereiche zu. Der Mensch ist nunmal nicht grundsätzlich gut, aber auch nicht grundsätzlich böse.

    Ich habe mich nicht mit der – offebar recht umfänglichen – Ausgangslage zu diesem Rezensionsthema beschäftigt. Ich kenne keinen von Euch persönlich (oder doch!?) und ehrlich gesagt geht mich dieses Thema auch rein gar nichts an. Ich habe meinen ersten Kommentar auf diesen Artikel hier bezogen. Auf dessen inhaltliche Aussage oder vielmehr wie ich sie verstanden habe, wie sie bei mir ankam.

    Ich finde es schade, dass Du recht pauschal urteilst.

    Egal um was es geht, wirklich objektiv ist es doch eigentlich nie, wenn es um Meinungen geht, oder? Was ist denn, um bei dem hier gängigen Beispiel zu bleiben, wenn sich ein Blogger ein Buch kauft (!) weil er den Autor mag, dessen Stil gut findet, sein politisches/gesellschaftliches/soziales Engagement etc, es liest und dann darüber eine Rezension schreibt? Auch das ist doch nicht objektiv und auch hier kann man “Befangenheit” unterstellen.

    Sobald jemand seine Meinung einbringt wird es subjektiv und diese Subjektivität wird von Emotionen, Situationen, Erfahrungen etc beeinflusst. Was ist denn, wenn jemand bloggt/rezensiert um seinen “Fame” zu steigern, weil es ihr/ihm gefäält, dass andere sie/ihn lesen, kommentieren, verlinken etc? Ist das nicht auch irgendwie eine “Bezahlung”, ein “Geschenk”?

    “Aber die systematische Lüge aus primären Gründen der Profitmaximierung, diese Aufgabe leistet vor allem PR.”

    Mir gefällt es genauso wenig, wenn Unternehmen/Organisiationen/Personen versuchen Dinge zu verschleiern, sich selbst nach aussen gut darzustellen um daraus “Gewinne” abzuziehen ausschliesslich zum eigenen Vorteil. Aber hier mit der Gieskanne über alle wegzugegen erachte ich einfach als falsch.

    “Du fragst, ob man den Beruf des Journalisten vom Menschen dahinter trennen kann. Das kann man natürlich nicht. Aber wenn man Wertefragen diskutiert, wie wir das hier tun, geht es primär nicht um die Motive des Einzelnen – auch wenn die sicher interessant sind – sondern um die Interessen aller.”

    Ein sehr schönes Votum. Die Interessen aller! Geht es denn hier wirklich um die Interessen aller? Soweit ich es aus dieser Diskussion hier herauslese, gab es Diskussionen zu diesem Thema, und eine grössere Anzahl von Lesern hat hier wohl eine andere Auffassung als Du. Es geht also wirklich um die Interessen ALLER?

    Ich verstehe Deine Ansätze, und es mag Sachlagen und Situationen geben, in denen Deine Vermutungen zutreffen. Aber für meine Begriffe schiesst Du mit Deinen Ansichten und der Pauschalierung hierbei doch recht weit über das Ziel hinaus.

    “Ich wünschte mir hier eine Antwort auf die Frage, was Schleichwerbung ist. Und zwar in einer für alle nachvollziehbaren Definition.”

    Diese Frage kann man nicht beantworten. Denn dies sieht einfach jeder anders. Du recht eng, andere wieder lockerer. Hier einen Konsens zu finden ist wohl nicht möglich. In dieser Diskussion wohl aber auch deswegen nicht, weil ich etwas den Eindruck habe, dass Du von Deiner Meinung nicht wirklich abweichen möchtest – genau dies ist aber für einen Konsens zwingend notwendig. Aber vielleicht irre ich mich, schliesslich kenne ich dich nicht. Das bisherige was ich gelesen habe lässt diesen Eindruck jedoch bei mir entstehen.

    “Wer gehört in die Blogzentrale und wer nicht”

    Hm, diese Frage hast Du doch selbst beantwortet. Jeder der Interesse hat! Oder habe ich dies falsch verstanden?

    “Dazu sollte man sich, meine ich, mit den Argumenten auseinandersetzen.”

    Tun wir dies denn nicht die ganze Zeit!?

    Auch wenn das für mich ein nicht ganz so bedeutender “Nebenkriegsschauplatz” ist – Deine Aussage:

    “In Berlin gibt es eine Werbeagentur, die sich zentrale-intelligenz-agentur.de nennt. Dürfen die das?”

    Diese Frage kann ich mit nicht mit Ja oder Nein beantworten. ABER: zwischen zentral und Zentrale musst Du schon unterscheiden. Das eine bestimmt eher eine Örtlichkeit bzw dessen Position und das andere die Schnittstelle oder die Haupstelle einer Vereinigung oder Organisation. Beides ist also nicht miteinander vergleichbar. ;)

  26. Kassandra Says:

    ok, keine Antwort ist auch eine …

  27. sven Says:

    Nononono, sorry, Kassandra! Ich bin auch nur ein Mensch, der sich um seine Familie kümmern, arbeiten und schlafen muss :o)

    Ich arbeite die Kommentare gerade chronologisch ab. Es sind ja inzwischen ein paar theoretisch wirklich anspruchsvolle Sachen hinzugekommen, darauf kann ich ja nicht einfach so was hinrotzen :)

    Also bitte Geduld! Ich bin dran.

  28. Florian Freistetter Says:

    Sven: Wenn ich bei einem Verlag ein Rezensionsexemplar anfordere, dann bedeutet das nicht, dass ich dann auch eine Rezension schreiben MUSS.

    Aber ich habe jetzt ehrlich keine Lust mehr über dieses Thema zu diskutieren. Deine PR-Paranoia ist so extrem; das wir 1) nie zu eine gemeinsamen Ergebnis kommen werden und 2) alles höchstens in Streit ausartet. Meinetwegen halte alle Blogger die Rezensionsexemplare von Büchern bekommen und rezensieren für böse PR-Schergen. Aber ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr äußern.

  29. Kassandra Says:

    @sven: diese anspruchsvollen Diskurse sind für mich als einfache Mathematikerin zu hoch und zu praxisfern. Mir reicht eine kurze Antwort

  30. sven Says:

    Kassandra, zu Deiner Frage:

    Ich kenne Florian persönlich und lese sein Blog nun schon eine längere Zeit.

    Ich mag Florian und schätze seine Expertise und seine Meinung.

    Ich habe in seinem Blog nicht den Eindruck gewonnen, dass:

    1. die Rezensionen einen prominenten Platz einnehmen

    2. er die rezensierten Bücher geschenkt bekam

    Der erste Eindruck bleibt bestehen, den zweiten mußte ich aufgrund der hier stattfindenden Diskussion ändern.

    Ich würde mir wünschen, dass Florian in seinen zukünftigen Rezensionen darauf hinweist, dass er das Buch, das rezensiert wird, geschenkt bekam und dass auch alle anderen Abhängigkeiten (materieller oder freundschaftlicher Art) offengelegt werden. Dazu hat sich in der Blogosphäre der sogenannte “Disclaimer” etabliert.

    Anke hatte eine solche Praxis aufgrund der stattgefundenen Diskussion angeboten (und sie zieht es auch durch) und ich fand dieses Angebot gut und ausreichend, so dass ich ihr wiederum angeboten habe, wieder in die Blogzentrale aufgenommen zu werden. Sie hat dies aber abgelehnt.

    Ich vermute, Florian wird sich in die Redaktion seines Blogs nicht reinreden lassen wollen. Und da ihn die Diskussion hier (und meine Uneinsichtigkeit) eh nervt, wird er das sicher auch nicht weiter goutieren.

    Aber falls weiterhin Rezensionen ohne Disclaimer in seinem Blog erscheinen, werde ich ihn – schweren Herzens – aus der Blogroll nehmen.

    Es ist dies eine Entscheidung, die ich ehrlich gesagt nicht gern so treffe. Aber meine ideologische Verbohrtheit und Deine berechtigten investigativen Fragen, Kassandra, lassen mir keine andere Wahl. :o)

  31. sven Says:

    Mit Robbies Blog würde übrigens ebenso verfahren. Ich bin – ehrlich gesagt – erschrocken, dass es sich bei diesem “Dinner in the sky”-Geschichten um Werbung handelt.

    (Die Kategoriserung des Beitrags als “Geschenke und Auftragsarbeiten” macht nicht transparent, dass er dafür einen geldwerten Vorteil in Gegenwert von fast 100 Euro erhielt)

    Ich hatte nur die Bilder gesehen, und fand das ganz interessant und witzig …

    Wenn ich mitbekommen hätte, dass das bezahlte Werbung war, hätte ich Robby darauf angesprochen.

  32. Florian Freistetter Says:

    Manche Bücher bezahle ich selbst; manche nicht. Was ich aber immer selbst entscheide ist, ob ich in meinem Blog eine Rezension schreibe oder nicht. Du darfst mir auch gerne unterstellen, das meine Rezensionen nicht mehr objektiv sind, weil ich für manche Bücher, über die ich (vorher!) entschieden habe zu schreiben (oder nicht) kein Geld bezahlt habe. Aber ich sehe tatsächlich keinen Grund, mein Blog nur wegen deiner absurden PR-Paranoi zu ändern. Also wird dir nichts anderes übrig bleiben als mich fiesen Schleichwerbeblogger aus der Blogroll zu nehmen…

  33. sven Says:

    Schade, Florian.

    So unterschiedlich die Meinungen hier insgesamt waren. Einen Konsens glaubte ich ausgemacht zu haben:

    Dass man die Leser über materielle und ideelle Abhängigkeiten informieren sollte.

    Das halten auch Anke und einige der Diskutanten hier und auf Ankes Blog für richtig und wichtig.

    Ich würde das deshalb nicht als PR-Paranoia bezeichnen. Sondern als der Konsens, den wir hier unter anderem gesucht haben.

    Ich sehe Dich übrigens nicht als “fiesen Schleichwerbeblogger”, sondern als einen, der sich alle Mühe gibt, das Richtige aber auch manchmal das für ihn selbst Notwendige zu tun.

    Über das Notwendige besteht bei uns kein Dissens. Ich verstehe Deine Situation.

    Über das “Richtige” muss man streiten. Möglichst ohne allzu große Kränkungen. Ich gebe mir dabei alle Mühe.

  34. Florian Freistetter Says:

    Tja, im Gegensatz zu dir bestreite ich allerdings “abhängig” von irgendjemandem zu sein, nur weil ich über ein Buch schreibe, dass ich nicht selbst bezahlt habe.

  35. Kassandra Says:

    @sven danke für die Antwort

  36. Robby Says:

    “Mit Robbies Blog würde übrigens ebenso verfahren. Ich bin – ehrlich gesagt – erschrocken, dass es sich bei diesem “Dinner in the sky”-Geschichten um Werbung handelt.

    (Die Kategoriserung des Beitrags als “Geschenke und Auftragsarbeiten” macht nicht transparent, dass er dafür einen geldwerten Vorteil in Gegenwert von fast 100 Euro erhielt)

    Naja, so ganz stimmt das ja nicht. Siehe den Ursprungspost:
    http://www.robundseb.de/blog/2009/05/20/mydays-dinner-in-the-sky/

    Da reflektiere ich sogar das Gebahren von mydays, weise auf deren (vermutliche) Intention hin und habe dennoch keinen Grund das Geschenk nicht anzunehmen, weil es gepasst hat. Anschließend habe ich – ähnlich abhängig wie Florian – das rezensiert. Nicht, weil ich musste, sondern weil es ein Erlebnis war, dass ich für bloggenswert hielt. Und – falls du dir nicht nur die Bilder angeguckt hast – findet sich eine, in meinen Augen, differenzierte Betrachtung.

    Aber nicht zu vergessen: Fakt ist, ich habe darüber berichtet und es erwähnt. Was bin ich doch für ein böser Schleichwerber!

  37. Robby Says:

    Ach ja, die Frage, warum du nicht Wir sind Helden mit ihrer öffentlichen Distanzierung zerreißt, die sie selbst kritisch sehen, hast du mir nicht beantwortet. Immerhin haben die auch die Bild-Zeitung erwähnt. (Aber okay, die sind vermutlich nicht von Relevanz, da nicht in der Blogroll *fg*)

    PS: Es gibt kein richtig oder falsch, nur Entscheidungen und Konsequenzen. Was du als richtig (oder falsch) erachtest, ist nur das Ergebnis deiner Bewertungsschemata. Sogesehen gibt es nur. Die Natur kennt keine Bewertung, die Natur ist.

  38. sven Says:

    Robby, wenn jemand Dein Blog sehr intensiv verfolgt, dann hat er alle drei Beiträge gelesen und kann dann auch einen Zusammenhang herstellen.

    Wenn jemand eher sporadisch auf darauf schaut – so wie ich – oder gar nur zufällig aufschlägt, ist aus den letzten beiden Beiträgen, nämlich denen mit der Rezension und den Bildern, nicht zu ersehen, dass dieser Ausflug gesponsert war.

    Und Du hast es scheinbar immer noch nicht verstanden: Die bloße Erwähnung eines Produkts macht die Erwähnung noch nicht zur Schleichwerbung. Auch wenn das in der Populärkultur so gehandhabt wird. Die Voraussetzung für Schleichwerbung ist ein materieller Vorteil, der dem Autor für die Erwähnung des Produkts vom Produzenten zugute kommt.

    Deswegen ist die Tatsache, dass Wir sind Helden die BILD erwähnen auch keine Schleichwerbung. Sie haben für ihre Erwähnung der BILD kein Entgelt erhalten.

    Im Übrigen ist Dein Werterelativismus natürlich eine Möglichkeit, sich bei problematischen Verhaltenstendenzen weniger schlecht zu fühlen.

    Ob “gut” und “schlecht” lediglich irrelevante kognitive Kategorien sind, erkennst Du spätestens an den Konsequenzen Deiner Entscheidungen, wenn Du sie nicht mit anderen kommunizierst.

    “Gut” oder “schlecht” sind nämlich soziale Kategorien (Bewertungsschemata), die einer ständigen Dynamik unterliegen. Die notwendige Voraussetzung dafür ist Diskurs. Und der findet z.B. auch hier statt.

    Wenn Du also, um Dich geistig nicht weiter anstrengen zu müssen, lieber auf den Diskurs über Werte verzichtest, ist das Deine Sache, aber deswegen zu behaupten, es gäbe keine, ist wie ein Blinder, der behauptet, es gäbe keine Farben.

  39. Stefan Gotthold Says:

    ich wollte mich eigentlich zu dem Thema nicht mehr äussern, muss es aber trotzdem tun.
    Sven, Du schriebst auf Robys Kommentar folgendes.
    Wenn jemand eher sporadisch auf darauf schaut – so wie ich – oder gar nur zufällig aufschlägt, ist aus den letzten beiden Beiträgen, nämlich denen mit der Rezension und den Bildern, nicht zu ersehen, dass dieser Ausflug gesponsert war.

    Hier räumst Du ein, das der kurzfristige Besucher nicht ersehen kann, das wohl Robys Diner gesponsort war, weil er nicht alles sehen konnte.
    In unserer Diskussion über die TBZ und die Sicht des Namens auf sporadische Benutzer, hast Du mir gesagt das sich jeder doch informieren kann. Wo liegt hier der Unterschied?
    Du kannst Dich doch bei Roby informieren, wenn Du alle drei Beiträge liest. Damit ist es doch nach Deiner Definition keine Verschleierung mehr. Ich habe beim Durchlesen aller Kommentare und Deiner Argumentation langsam das Gefühl, dass Du Dir gern alles zurecht drehst.
    Wie gesagt ich kann es verstehen…ich würde meinen Blog genau so verteidigen. Was ich hier aber sehr merkwürdig finde, ist die Tatsache das bisher keiner der anderen Thüringer Blogger sich in irgendeiner Art geäussert hat, die Deinen Vorstellungen entsprechen. Irgendwie finde ich hier keinen Kommentator der sich mit ähnlichen Argumenten wie Deinen geäussert hat. Muss nicht heissen das alle anderen Recht haben und Du nicht, aber es würde mir schon zu denken geben.

    So long…das war es wieder von meiner Seite.

  40. sven Says:

    Stefan, Du schreibst:

    “Hier räumst Du ein, das der kurzfristige Besucher nicht ersehen kann, das wohl Robys Diner gesponsort war, weil er nicht alles sehen konnte.”

    Meine Frage:

    Ist Dir der Unterschied zwischen einem x-beliebigen Blogpost und einer im Header verlinkten Hauptseite, wie dem ABOUT, gegenwärtig?

    Falls nicht, will ich es Dir erklären:

    Robbies erstes Posting mit dem Sponsoringhinweis ist weder von der Hauptseite – und jetzt kommts – und noch nicht einmal von den Seiten auf denen die Rezensionen und Bilder stehen verlinkt.

    Dagegen steht das ABOUT im Header der TBZ und ist deshalb von JEDER Seite der Blogzentrale übersichtlich erreichbar.

    Du fragst aber, worin der Unterschied liegt. Das will ich Dir sagen: Ein sporadischer Leser bei Robby entwickelt ganz sicher nicht soviel Engagement wie Du hier zur Zeit in der TBZ. :o)

    Aber Du wirst schon Deine Gründe haben …

  41. Stefan Gotthold Says:

    Dein Posting hat für mich nen leicht arroganten Unterton und etwas anmaßend finde ich es auch. Der Unterschied ist mir wohl bekannt, was aber wenn der sporadische Besucher weder die Posts noch das About liest? Macht es eine falsche Darstellung richtiger nur weil die Möglichkeit besteht sich zu informieren?
    Ein sporadischer Leser wird auch nicht Deine, für mich sehr komische, Ansichten übernehmen, nur weil Du es hingeschrieben hast.
    Natürlich habe ich meine Gründe…grundlos würde ich nie in einem Blog Kommentare hinterlassen.
    Auf meinen letzten Absatz bist Du gar nicht eingegangen. Aber dafür wirst Du sicher Deine Gründe haben…

  42. Stefan Gotthold Says:

    Sven,
    was ich bei der ganzen Diskussion einfach nicht verstehe ist was Du eigentlich möchtest. Nach dem was ich gelesen habe möchtest Du das alle Blogger am besten auf der Hauptseite ein Schild platzieren, auf dem genau aufgelistet steht, was diese mit gesponsorten Artikeln, Büchern etc. verdienen. Im Gegensatz zu Anke hat Roby geschrieben das er das Dinner geaponsort bekommen hat, das reicht Dir aber anscheinend auch nicht. Kritik an Deiner Darstellung der TBZ und Ihrer Aussendarstellung lässt Du aber nicht gelten.
    Du behälst Dir vor Posts, Kommentare etc. die Deine Person angreifen zu löschen, ist auch in Ordnung, aber so manch eine Deiner Antworten sind nicht viel anders und gehen manchmal sehr unter die Gürtellinie.
    Ich empfehle Dir mal einen Disclaimer aufzusetzen, bei dem klar wird nach welchen Regeln Du hier Blogger aufnimmst oder rauswirfst. Und sag jetzt nicht das wäre nicht Dein Blog, sondern der Blog von Thüringer Bloggern. Das wäre gelogen oder hab ich irgendwen hier schreiben sehen, dass sowohl Ankes als auch jetzt Florians Blog aus der Bloggroll genommen werden soll? Ich glaube nicht.
    Ich wünsche Dir nun noch einmal viel Spass weiterhin mit Deinem Blog und bin mal wieder raus.
    Adios!

  43. sven Says:

    Aufgrund der Diskussion habe ich ABOUT und IMPRESSUM so optimiert, dass auch dem ungeübtesten Leser klar werden sollte, dass die THÜRINGER BLOGZENTRALE kein “Verlautbarungs- und Zentralorgan” aller Thüringer Blogger ist.

    Bitte überzeugt Euch selbst! Über Verbesserungsvorschläge wäre ich dankbar.

  44. sven Says:

    Wenn Ihr denkt, ich hätte Euch und unsere kleine Diskussion hier vergessen oder gar beendet, so irrt Ihr Euch. :o)

    Viel von dem, was wir hier diskutiert haben, hat mich in den letzten Tagen bewegt.

    Die langen Beiträge von Peter und Steve sind ja noch unbeantwortet geblieben und ich habe jetzt die nötige Muße, im Einzelnen zunächst auf den Beitrag von Peter einzugehen.

    Peter fragt:

    1. Was ich eigentlich als Schleichwerbung bezeiche

    2. Wann eine Rezension PR wird

    3. Wann eine Linksetzung PR wird

    Diese Fragen sind sehr leicht zu beantworten.

    Schleichwerbung und PR beginnen da, wo derjenige, der ein Produkt erwähnt für eben diese Erwähnung vom Produzenten Geld oder andere geldwerte Vorteile erhält – ohne seinen Leser über dieses Arrangement zu informieren.

    Ist der Leser nämlich über die Geschenke oder die Bezahlung informiert, weiß er, dass es sich um Werbung handelt und kann sie entsprechend ignorieren.

    Das Ziel von Schleichwerbung ist ja eben, den Leser oder Zuschauer uninformiert zu lassen, damit er nicht abschaltet, umblättert oder wegklickt.

    Peter, Du schreibst, ich würde einen Sermon unfundierter Gesellschaftskritik abliefern. Ich solle stattdessen mit Adorno, Horkheimer, Marcuse kommen.

    Dazu will ich folgendes sagen:

    Ich könnte – was die Bosheit von Propagaganda/PR betrifft – auch Le Bon, Lippmann oder Bernays diskutieren und in einem der kommenden Beiträge wird das auch geschehen, aber die allgemeine Werbekritik war an dieser Stelle erst einmal ein Einstieg.

    Und „Wir sind Helden“ haben sich allein durch die Tatsache, dass sie überhaupt kommunizieren einen Gefallen getan.

    Ich denke, dass nicht abzusehen war, welchen Nerv die Band mit dem Statement auf ihrer Homepage treffen würde. Aber es traf glücklicherweise mitten ins Schwarze.

    Hinterher soll es dann immer gesteuert worden sein. Ich gehe aber davon aus, dass Judith sich einfach nur geärgert hat und dem Luft machen wollte:

    Und ich denke nicht, dass es eine kühle kalkulierte PR-Aktion war.

    Schleichwerbung war es jedenfalls nicht.

    Peter, Du meinst ich sei weltfremd, weil ich denke, dass man sich durch ein Buchgeschenk beeinflussen läßt und weil ich nicht sehe, dass PR auch ihre „Guten Seiten“ hat.

    Ich denke, dass sich jeder in einer ruhigen Minute einmal selbst prüfen sollte, ob er, nachdem er ein winziges Werbegeschenk – das kann auch ein Kugelschreiber sein – erhalten hat, noch immer genauso unabhängig und komplett objektiv über den Schenkenden urteilen würde als vor dem Geschenk.

    Man kann sich diese Frage auch nach Plausibilität beantworten:
    Geben Unternehmen JÄHRLICH 3 MILLIARDEN EURO (http://blog.wa-shop.de/2010/06/werbeartikel-umsatz-75-ruckgang-in-2009/) für Werbegeschenke aus, die keine Wirkung haben?

    Und natürlich gibt es PR für scheinbar gute Sachen. Das Problem ist, dass die PR für die „Guten“ leider meist nicht über die finanziellen Möglichkeiten der „Bösen“ verfügen.

    Deshalb unterliegen die „Guten“ im direkten Wettstreit auch viel zu oft.

    Was glaubt Ihr, wer den Kampf um die „lustige“ BILD-Werbung in der Masse gewonnen hat?

    Holofernes hat einen Text auf ihre Homepage gesetzt. Die BILD hat für eine Anzeige mit dem Text in der taz bezahlt. Die BILD konnte damit ihre angebliche Souveränität unter Beweis stellen und hat sicher manches Schmunzeln bei taz-Lesern hervorgerufen – Holofernes hat auf eine ihrerseits nichts weiter unternommen. Sie hätte ja auch eine Anzeige schalten können, wie schäbig sie das Verhalten der BILD findet, dass die einfach ihren Text zu Werbezwecken verwenden … aber diesen Kampf hätte – wie gesagt, die BILD gewonnen. Denn BILD verfügt über die Mittel.

    Peter, Du meinst, ich hätte eigentlich damit beginnen müssen, folgende Fragen zu beantworten:

    1. Wo beginnt die Beeinflussung von Meinung?

    2. Und wie können wir Bloggern helfen sich nicht
    vereinnahmen zu lassen?

    3. Wie kann man auch ohne Werbung etwas mit seinem Blog verdienen?

    Drei wesentliche Fragen.

    Zu 1. Beeinflussung von Meinung beginnt mit jeder Art von Kommunikation. Die Frage ist aber nicht, wo Beeinflussung von Meinung beginnt, sondern, wo sie am stärksten ist. Und das ist – das wissen wir alle – in den Massenmedien – womit wir wieder bei Chomsky und Herman sind.

    Zu 2. Indem wir solche Diskussionen wie diese hier führen.

    Zu 3. Durch Spenden und zahlende Leser.

    Peter, ich sehe Deinen Beitrag als sehr nützlich und fruchtbar. Und was das „einstecken“ angeht, das beherrsche ich ganz gut – solange es auf der Sachebene bleibt und nicht persönlich wird. Auf der Sachebene lasse ich mich auch gern mal einen Idioten schimpfen – auf der Beziehungsebene wäre damit die Diskussion beendet.

    Und treffen können wir uns jederzeit gern wieder. Und Du kannst auch meine Rechnung zahlen – aber das würde ich dann bei einem Hinweis auf Dein Projekt in der TBZ auch erwähnen.

    Also überleg Dir das lieber … :o)

  45. Befindlichkeiten | Says:

    […] Mehr dazu finden interessierte hier und hier. […]

  46. Blogs: Die Sache mit der Werbung | basic Says:

    […] Blogroll der Thüringer BlogZentrale herausgenommen. Sven (Betreiber der Thüringer BlogZentrale) äußert sich ausführlichst zu seinem Weltbild, Werbebild und Blogbild. Ein interessanter Einblick, der aufzeigt, wie […]