Archive for March, 2011

Kinderkanal: Millionenbetrug und die Konsequenzen

Stuttgarter Gegenzeitung “Kontext” als Vorbild für Thüringen?

In Stuttgart hatte man die Nase voll von der Hofberichterstattung der Stuttgarter Zeitung. Diese machte sich allzu auffällig für den Bahnhofsneubau “Stuttgart 21” stark. Deshalb startet nun ein kleines Team von Journalisten eine Gegenzeitung für das Schwabenland. Geleitet wird die neue Zeitung von einem ehemaligen Chefreporter der Stuttgarter Zeitung, Josef-Otto Freudenreich. Freudenreich veröffentlichte 2008 ein Buch über Filz, Korruption und Kumpanei in Baden-Württemberg“, in dem er seiner eigenen Zeitung ein ganzes Kapitel widmete.

Ende 2009 verließ er seine Zeitung dann – u.a. auch weil man sich immer stärker in Richtung gewinnbringendem Boulevard auf Kosten der journalistischen Qualität bewegte. Eine Klage, die man auch aus Thüringen kennt. Folgerichtig sieht Freudenreich in der Entwicklung der Stuttgarter Zeitung einen bundesweiten Trend. Der SPIEGEL schrieb dazu in seiner Ausgabe der letzten Woche:

    Die Abhängigkeit der Blätter gegenüber Anzeigenkunden sei gewachsen, die meisten Redaktionen seien nach etlichen Sparrunden ausgedünnt. “Mit dem Job, wie ich ihn gelernt habe, hat das meiste nichts mehr zu tun.” sagt er. Er will mit langen, selbstrecherchierten Geschichten einen Kontrapunkt setzen. “Gerade das aufgeklärte bürgerliche Publikum ist unzufrieden mit dem, was es journalistisch geboten bekommt” sagt er.

Am 6. April soll Kontext starten: Online und als Printbeilage zur taz. Mit 200.000 Euro privater Spenden will man ein Jahr über die Runden kommen. Gespendet haben Prominente wie Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter oder der Schauspieler Walter Sittler.

In Baden-Württemberg brauchte es einen absurden Bahnhofsneubau, um den demokratischen Instinkt von Bürgern und Journalisten wachzurufen. Was zur Hölle muss in Thüringen passieren? Filz, Korruption und Kumpanei gibt es auch in Thüringen zur Genüge … und ein paar richtig gute Journalisten in (Zwangs)Rente, die sehr unzufrieden über die aktuellen Entwicklungen des Thüringer Journalismus sind, auch.

Die THÜRINGER BLOGZENTRALE steht jedenfalls für solche Experimente wie das in Stuttgart zur vollen Verfügung.

Monsanto: Vom Chemieriesen zum Agrarriesen

Die ARTE-Dokumentation von Marie-Monique Robin zeigt eindrücklich, wie ein einzelnes Unternehmen versucht, weltweit Kontrolle über unsere Ernährung zu erlangen. Er entlarvt die absurden Versprechungen von Monsanto und zeigt, dass Pestizide und Gen-Pflanzen keine Lösung für Hunger und Klimawandel darstellen, sondern in erster Linie dem Profitinteresse eines großen Konzerns dienen.

Joseph Ratzinger in Thüringen und im Bundestag

Joseph Ratzinger kommt im September diesen Jahres nach Deutschland. Vor allem kommt er aber nach Thüringen. Am Donnerstag, dem 22. September, wird er in Berlin landen und anschließend eine Rede vor dem Deutschen Bundestag halten dürfen. Am darauffolgenden Freitag wird er auf dem Erfurter Domplatz einen Gottesdienst zelebrieren und anschließend zur Wallfahrtskapelle Etzelsbach im Thüringer Eichsfeld weiterreisen.

Der Deutschlandbesuch von Joseph Ratzinger steht unter dem Motto «Wo Gott ist, da ist Zukunft».

Unterdessen regt sich erheblicher Protest gegen den Besuch des deutschen Papstes in Thüringen und seine geplante Rede vor dem Deutschen Bundestag.

Das Erfurter Radio F.R.E.I. berichtet von Planungen kirchenkritischer Gruppierungen für ein regelrechtes “Vatikantribunal”.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele hat angekündigt, den Plenarsaal zu verlassen, wenn Papst Benedikt XVI. wie angekündigt im September im Bundestag eine Rede halten wird. “Ich halte davon nichts”, sagte er der “Mitteldeutschen Zeitung” (Online-Ausgabe) zu der Rede. “Ich werde rausgehen. Ich bin auch bei Putin und bei Bush rausgegangen. Unserem Heiligen Vater nehme ich besonders übel, dass er sich in Lateinamerika nicht zu seiner Schuld und der seiner Kirche bekannt hat.” Kritiker werfen der katholischen Kirche die Christianisierung der Ureinwohner vor. Joseph Ratzinger war zudem in den achtziger Jahren als Präfekt der Glaubenskongregation gegen die lateinamerikanischen Befreiungstheologen vorgegangen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat die angekündigte Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag scharf kritisiert. Es irritiere ihn sehr, dass die römisch-katholische Kirche sich nicht nur als Kirche, sondern auch als Staat verstehe, sagte Schneider der “Berliner Zeitung”.

Ein Protestbündnis plant eine Großdemo zum Papstbesuch. Schwule und Lesben wollen dann gegen Sexualmoral der katholischen Kirche protestieren.

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) kritisiert die eklatante Bevorzugung der katholischen Kirche gegenüber anderen Weltanschauungsgemeinschaften. Obendrein werde damit eine Organisation hofiert, in der Werte wie Demokratie und Gleichberechtigung der Frau keinen Platz hätten. Dies könne auch nicht dadurch ausgeglichen werden, dass nun auch andere religiöse Oberhäupter in gleicher Weise eingeladen werden. „Wenn nun Vertreter aller möglichen Religionen im Bundestag auftreten würden, würde das die Vermischung von Politik und Religion auf die Spitze treiben“.

Joseph Ratzinger wird als Staatsoberhaupt im Bundestag sprechen.

Beim Besuch Joseph Ratzingers in Großbritannien im September vergangenen Jahr hatte es erhebliche Proteste gegeben. Die Briten lehnten den Besuch Ratzingers aus folgenden Gründen ab:

  • Befürwortung einer sehr eingeschränkten Nutzung bzw. eines Verbots der Nutzung von Kondomen – AIDS-Risiko wird in Kauf genommen
  • Unterstützung der Erziehung von Kindern nach Weltanschauungen getrennt
  • Abtreibungsverbot für alle – auch besonders beeinträchtigte Frauen (Vergewaltigung, Behinderung)
  • Gegner gleicher Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender
  • Mangelhafte Aufarbeitung oder gar Vertuschung der Fälle von Kindesmißbrauch in der Katholischen Kirche
  • Rehabilitation des notorischen Holocaustleugners Bischof Richard Williamson und des Hitler-Verharmlosers Papst, Pius XII.
  • Der Staat Vatikan erkennt außerdem die Europäische Erklärung der Menschenrechte nicht an.

Weitere Informationen unter http://www.protest-the-pope.org.uk/

Lothar Dombrowski zu Merkel, Mappus & Guttenberg

ABSCHALTEN: Die Thüringer Mahnwachen

Viele zivilgesellschaftliche Gruppen in Deutschland rufen im Angesicht der Ereignisse in Japan dazu auf, am Montag, 14. März, von 18 Uhr bis 18.30 Uhr in möglichst vielen Orten auf zentralen Plätzen zu Mahnwachen zusammenzukommen, um gemeinsam dafür zu streiten, dass die Atomkraftwerke in der Bundesrepublik endlich stillgelegt werden. Die bereits gemeldeten Orte sind auf der Karte mit blauen Nadeln markiert.

Die Thüringer Mahnwachen sollen u.a. an folgenden Orten stattfinden:

Eisenach: 18:00 Uhr – Rathaus
Erfurt: 18:30 Uhr – Anger
Erfurt Elxleben: 18:30 – St. Michaelis Kirche, Thomas Müntzer Str. 42
Gera: 17:00 Uhr – Arcaden, Heinrichstraße 30
Ilmenau: 17:30 Uhr – Apothekerbrunnen
Jena: 18:00 Uhr – Stadtkirche
Pößneck: 17:00 Uhr – Marktplatz
Meiningen: 18:00 Uhr – Marktplatz
Weimar: 18:00 Uhr – Theaterplatz

Videocracy: Die Berlusconisierung der Medien

Videocracy ist ein Dokumentarfilm des italienisch-schwedischen Regisseurs Erik Gandini aus dem Jahr 2009 über Silvio Berlusconis Einfluss auf das italienische Fernsehen und damit auf die italienische Kultur und Politik.

Das italienische Fernsehen ist zu großen Teilen unter der Kontrolle Berlusconis. Was mit einem privaten Fernsehsender mit leichter Unterhaltung mit “Tutti Frutti”-Elementen begann wurde später zum größten und einflussreichsten Medienunternehmen Italiens.

Das TV-Programm umkränzt mit leichten Unterhaltungsshows Berlusconis politische Meinungen und Visionen. Zu sehen sind vor allem vollbusige, halbnackten Frauen, sogenannte “Veline” an der Seite ältlicher Showmaster.

Die Dokumentation zeigt die ganze Bandbreite des Wahnsinns und des Elends einer Nation, die von einem einzigen Mann völlig hypnotisiert zu sein scheint.

Dieses – nur scheinbar – sehr italienische Phänomen liefert aber auch eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Meinungen von Volk und Qualitätsmedien zur Guttenberg-Affäre in Deutschland und gibt einen Hinweis darauf, was wir noch zu erwarten haben, wenn einer der größten deutschen Medienkonzerne neben dem Zeitungsmarkt auch noch das Privatfernsehen dominiert.

Inszenierte Revolutionshow: Ägypten, Tunesien & Libyen

Von Neidhart von Schwarzburg

Die “Revolutionen” im Nahen Osten wirken beeindruckend. Die Bilder aus der Bürgerkriegsregion Libyen sind übermächtig. Die Berichte deutscher Medien zum Thema sind mehr als eindeutig. “Das Volk”, das nun endlich genug hat, stürzt seine verrückten Diktatoren. Doch wem nützt diese “Demokratiebewegung” in den arabischen Staaten? Wer profitiert von der politischen Unsicherheit in dieser Region?

Eine Spur führt von den Organisatoren der Demonstrationen zu den Lehrmeistern der Aufständischen. Die “Demokratisierungsbewegungen” der letzten 20 Jahre folgten immer einem ganz bestimmten Muster. Die Symbole ähneln sich frappierend.

Das ARD-Magazin Weltspiegel berichtete am vergangenen Sonntag über einen Revolutionsexport. Von Serbien nach Ägypten. Die ägyptischen “Rebellen” sollen bei den “Revolutionären” von “Otpor” in die Schule gegangen sein. Otpor ist eine serbische Organisation, die im Jahr 2000 berühmt wurde, weil sie wesentlich am Sturz Milosevics beteiligt war.

Und die Deutsche Welle (VIDEO) und 3sat berichtete über die Belgrader Revolutionsexporteure aus dem “Zentrum für angewandte und gewaltlose Strategien“:

An ihrem Dokumentarfilm “Schachmatt – Strategie einer Revolution” für den Fernsehsender ARTE hat die Filmemacherin Susanne Brandstätter fast drei Jahre lang gearbeitet, um die Hintergründe der rumänischen Revolution 1989 und des Sturzes von Diktator Nicolae Ceausescu aufdecken zu können. Ihr Film zeigt, wie und warum Medien und Geheimdienste Deutschlands, Ungarns und vor allem die USA hinter den Kulissen agiert haben. Dabei ging es nicht nur um das Wohl des rumänischen Volkes.

Europas Einigung und Deutschlands Wiedervereinigung standen auf dem Spiel – und Amerikas Vormacht. Susanne Brandstätter stellt die Ereignisse in Rumänien in einen internationalen Kontext und lässt die ganze Dimension dieser Geschehnisse erkennen. Es war ein internationales Schachspiel – ein Machtspiel mit weit reichenden Folgen für Europa und die USA.

Das, was wir heute in Ägypten, Libyen und Tunesien erleben, ist wahrscheinlich ein weiterer Schachzug im Machtspiel der Großmächte um die Hegemonie im Nahen Osten.