Archive for May, 2011

Katharina König (DIE LINKE) mobbt den Papst

Von Sven

Es hätte alles so schön beschaulich werden können, heute im Thüringer Landtag. Die FDP hatte einen Antrag eingereicht mit dem der Besuch Joseph Ratzingers im September zum Jahrtausendereignis stilisiert werden sollte. Und die Fraktionen der CDU und SPD ergänzten den Wunsch der FDP um eine Wertedebatte um den ungeheuer wichtigen Aspekt des Fremdenverkehrs.

    Mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Thüringen findet ein Ereignis von historischer Dimension statt.

Die Landesregierung wurde deshalb von der FPD aufgefordert:

im Vorfeld des Papstbesuchs im Dialog mit den christlichen Kirchen und den Vertretern der anderen, in Thüringen vertretenen Weltreligionen die Diskussion um Werte und Ethik in unserer pluralistischen, freien und demokratischen Gesellschaft verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und dabei insbesondere

    1. die deutlichen Signale aus Rom in Richtung einer verstärkten Ökumene in die gesellschaftliche Debatte einzubeziehen,
    2. die Chancen und Impulse des christlichen Wertekanons in der allgemeinen Wertedebatte bei gleichzeitiger Wahrung der Religionsfreiheit zu berücksichtigen

Die Fraktionen der CDU und SPD, die die Landesregierung bilden, stellten einen kleinen Änderungsantrag mit leichten Schwerpunktveränderungen:

Die Landesregierung wurde deshalb von CDU und SPD aufgefordert:

im Vorfeld des Papstbesuchs im Dialog mit den christlichen Kirchen und den Vertretern der anderen, in Thüringen vertretenen Weltreligionen die Diskussion um Werte und Ethik in unserer pluralistischen, freien und demokratischen Gesellschaft verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken

    Und im Bereich des Fremdenverkehrs
    a) das große Potential herausragender Geschichtsorte des Christentums verstärkt zu erschließen und zu vernetzen,
    b) diese Überlieferung als Teilbereich des Kulturtourismus mit besonderem Nachdruck weiterzuentwickeln,
    c) im Rahmen der staatlichen Beteiligung an der Lutherdekade dem Gedanken der konfessionellen und religiösen Toleranz besonderes Augenmerk zu widmen

Eine aber machte der schönen Harmonie und Einigkeit über die Freude über den Besuch Joseph Ratzingers einen Strich durch die Rechnung: Die bekennende Christin und Abgeordnete der LINKEN im Thüringer Landtag, Katharina König. Sie benannte ein paar sehr unangenehme Wahrheiten und machte sich damit bei manchen ihrer Kollegen ein paar Feinde mehr:

Es lohnt sich auch, die gesamte Debatte anzuschauen. Soviel Grundfalsches über die angeblich “christlichen Wurzeln” unserer Wertegemeinschaft hat es im Thüringer Landtag selten gegeben. Und selten hat man soviel Verlogenes über einen Papst gehört, der Kindesmißbrauch deckte und Nazis rehabilitierte, Kondome verbot und Schwule, Juden und Frauen diskriminiert.

Kirche verlangt Personaltausch bei der Jenaer Telefonseelsorge

Von Siegfried R. Krebs

JENA. (fgw) Der Verein Telefonseelsorge Jena e.V. muß sich auf Druck der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands von seinem Leiter trennen. Alleiniger Grund für diesen ungeheuerlichen Vorgang, weil menschenrechtsverletzend, ist diese Tatsache: Der Mann ist konfessionslos. Eine Nachricht von Anfang Mai in der Thüringer Presse gab Anlaß zu den nachfolgenden Überlegungen.

Laut einem Protokoll der Mitgliederversammlung des o.g. Jenaer Vereins, das der berichtenden Zeitung vorliegt, habe auch der Leiter der Telefonseelsorge Dessau an den Bewerbungsgesprächen teilgenommen und sich für den Kandidaten ausgesprochen, der ausdrücklich betont haben will, konfessionslos zu sein.

In dem Zeitungsartikel heißt es wörtlich: „Der Dessauer zählte nach dessen Einstellung zu jenen Kirchenvertretern, die Beschwerde einreichten. ‘Die Mitglieder des Vereins sind sich einig, dass sie eine konfessionelle Bindung des Stellenleiters nicht für nötig erachten, der Verein aber auf die finanzielle Förderung durch die Evangelische Kirche angewiesen ist’, heißt es im Protokoll. Diesem Druck beugte sich der Verein, der sich im Einvernehmen vom neuen Leiter trennte. Weil der sich durch den Vorgang ‘einer Diskriminierung ausgesetzt fühlte, die seine Menschenwürde verletzt’, willigte er ein.”

Als Bürger „Otto Normalverbraucher” hatte der Freigeist bis dato stets angenommen, es handele sich bei der sogenannten Telefonseelsorge um eine besondere Form pastoraler Betreuung von Gläubigen, die nicht zum „Gottesdienst” in die Kirchen kommen könnten. Doch das erwies sich als Trugschluß. Ein Nachschlag bei Wikipedia klärte mich auf, da heißt es zu diesem Stichwort: „Bei der Telefonseelsorge (Schweiz: Die Dargebotene Hand, engl.: ‘telephone emergency services’, ‘crisis hotline’ oder ‘Samaritans’) handelt es sich um Hilfseinrichtungen zur telefonischen Beratung von Menschen mit Sorgen, Nöten und in Krisensituationen. Die Telefonseelsorge dient als Krisendienst unmittelbar der Suizidprävention. Sie ist in den meisten Ländern rund um die Uhr erreichbar. Es handelt sich um ein Beratungs- und Seelsorgeangebot, das vorwiegend von Ehrenamtlichen gewährleistet wird. (…) In den meisten Ländern werden die Stellen von Personenvereinigungen getragen. In Deutschland und Österreich sind zumeist Kirchen Träger der Telefonseelsorge.”

Also nichts da, von spezifischer Form von Betreuung der „Schäfchen” durch ihren „Hirten”. Nein, das Anliegen der sogenannten Telefonseelsorge wird durch die beiden englischen Begriffe „crisis hotline” oder „telephone emergency services” viel besser definiert! Es geht also darum, Menschen in Not zu beraten. Warum dies allerdings in Deutschland ausgerechnet in die Hände der Kirchen gelegt worden ist, das erschließt sich mir nicht. Statt Bibelsprüche bedürfen doch Menschen in Not doch primär einfühlsamer menschlicher Zuwendung und fachlich fundierter psychologischer Betreuung. Und dies unabhängig von individueller Weltanschauung oder religiöser Bindung des Ratsuchenden und auch des Betreuers, egal ob haupt- oder ehrenamtlich.

Und… das Pflichtigmachen der Kirchenmitgliedschaft für Leiter solcher Einrichtungen gerade im zu über 70prozentigem konfessionsfreien Ostdeutschland ist doch wohl ein einziger Anachronismus. Oder doch zuvörderst nur ein weiteres Element amtskirchlichen Missionierungswillens?

Der Jenaer Verein hat eigenen Angaben zufolge im vorigen Jahr über 13.000 Anrufe entgegengenommen. Das wirft jetzt bei mir auch diese Frage auf: Wer bezahlt eigentlich die Kosten für solche „hotlines” in Deutschland? Sind es die Amtskirchen (…die ja mit diesen Einrichtungen wieder einmal mehr “nur Gutes tun”… es zumindest öffentlichkeitswirksam behaupten!)?

Wenn nicht, aber nicht nur deshalb, dann sollten auch hierzulande solche telefonischen Beratungsangebote weltanschauungsneutral in die Hände von Personengruppen gelegt werden – die natürlich die weltanschaulich-religiöse Zusammensetzung der jeweiligen regionalen Bevölkerung widerspiegeln sollten.

Schleichwerbung und kein Ende

Von Sven

Ich bin ein bißchen in einer Zwickmühle. Ich bekomme Anrufe. Seit Wochen. Nun ja, das ist zunächst mal nichts Schlimmes. Aber jetzt kommts: Der Geschäftsführer einer Firma, die Links in Blogs kauft, will mich dazu zu bewegen, einen Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus dem Netz zu nehmen. Warum? Weil er von großen deutschen Unternehmen dafür bezahlt wird, Links in Blogs zu kaufen und weil das auch so in der Blogzentrale steht.

Viele der Blogeinträge in der THÜRINGER BLOGZENTRALE aus den letzten Wochen drehten sich nur um dieses eine Thema: Den Einfluss kommerzieller Werbeunternehmen auf Blogger und Journalisten. Dieses Phänomen greift in der Blogosphäre trotz skandalträchtiger Diskussion ungehindert um sich.

Ein Thüringer Blogger schickte uns nun kürzlich folgende Mail zu, die er von einer Werbefirma erhalten hatte:

Hier soll der Blogger ein Produkt besprechen und darf sogar kritische Dinge schreiben. Was vermutlich in der nächsten Mail gekommen wäre: Die Aufforderung zur Setzung eines Links … Wert: 50 Euro.

Auch der News-Aggregations-Dienst WIKIO sucht tolle Autoren:

Der Traum eines jeden Bloggers. Über die Dinge zu schreiben, die ihn interessieren und dafür bezahlt zu werden. Was könnte schöner sein? Bei Wikio Experts können Sie…

  • Geld verdienen, indem Sie über Themen schreiben, die Ihnen liegen
  • Kreativ sein und ganz frei Ihre Meinung äußern
  • Artikel unter Ihrem Namen veröffentlichen
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  • Und das allerschönste ist:

      Jeder veröffentlichte Beitrag wird von uns vergütet, entweder mit einem festen Betrag oder über Umsatzbeteiligung. In der Regel zahlen wir pro Artikel 5 bis 15 Euro, je nach Thema und Arbeitsaufwand. Die Beiträge sollen zwischen 300 und 400 Wörtern lang sein. In Frankreich, wo Wikio Experts schon seit 7 Monaten online ist, erhalten unsere Mitglieder oft rund 350 Euro pro Monat.

    WIKIO wirbt mit dem Slogan “Werden Sie Freelance-Autor für Wikio Experts”. Das hört sich an wie … billige Contentgenerierung und Linkkauf.

    Diese Entwicklungen sind besorgniserregend. Noch besorgniserregender ist allerdings die Naivität mit der Blogger in die Fallen der Linkkaufmafia stolpern. Linkkauf und Schleichwerbung in Blogs sind gang und gäbe, das haben wir zur Genüge besprochen. Was daran schlimm ist, auch.

    Bleibt die Frage, was ich mit dem Mann machen soll, der hier einmal die Woche anruft, weil er aus der Google-Trefferliste verschwinden will. Verstehen kann ich sein Anliegen gut. Und nett ist der Mann auch. Aber wäre es richtig, einen Blogeintrag über einen Linkkäufer aus dem Netz zu nehmen, weil der durch die öffentliche Beschreibung seines Tuns seinen Ruf gefährdet sieht?

    Ein schweres Dilemma.