Archive for June, 2011

Matthias Matussek “Das katholische Abenteuer – Eine Provokation”?

Von Neidhart von Schwarzburg

Matthias Matussek hat ein Buch veröffentlicht. Mal wieder. Ein eitles, verlogenes und in Teilen vermutlich zusammengegoogeltes Buch über ein eigentlich wichtiges Thema: Heute Katholik sein in Deutschland.

Ich hatte gehofft, dass uns der Verlag ein Buch zuschickt*, das mich zum Nachdenken anregt, das neue Ideen birgt und vielleicht ein wenig Verständnis schaffen kann für die Rolle eines Katholiken in Deutschland nach dem Mißbrauchsskandal. Was ich bekam, war die eitle Autobiographie eines ehemaligen Ministranten und Jesuitenzöglings in einem Stil sentimentaler Pop-Religiosität und trotziger Bigotterie mit seitenlangen, wiederverwursteten Interviews mit bekannten Geistesgrößen wie Martin Walser oder Rüdiger Safranski, eingebettet in die langatmige Aufzählung bekannter Fakten, überflüssiger, teilweise grundfalscher Details und Zitate aus dem Internet – kurz ein langweiliges Buch … aber zu allerletzt eine Provokation.

Denn wen bitte sollte eine so kenntnisarme Litanei provozieren?

Atheisten oder Anhänger der Aufklärung jedenfalls nicht. Denn Matussek steigt bereits im Vorwort mit zwei blauen Augen in den Ring. Er schreibt:

    “Der Philosoph Robert Spaemann nennt Gott ein “unsterbliches Gerücht”, eins, das sich durch die Zeiten so hartnäckig hält und so weit und lückenlos verbreitet ist, dass die Beweislast mittlerweile doch bei der Gegenseite liegen sollte. Ich warte also gespannt auf den wissenschaftlichen Beweis “Gott kann es nicht geben weil…”

Bereits dieser Quatsch, der sich schon auf Seite 12 des Buches findet, läßt erahnen, dass der Rest nicht besser werden kann. Der ehemalige Leiter der Feuilletonredaktion des bedeutensten Wochenblatts Deutschlands sollte wissen und schreiben, dass “Nichtexistenz” von was auch immer niemals “bewiesen” werden kann – zumal die Nichtexistenz einer angeblichen Entität für die es nicht einmal eine einheitliche Definition sondern lediglich einen ziemlich schillernden Begriff wie “Gott” gibt.

Und dann wartet Matussek, bereits ein wenige Zeilen weiter, mit einer Begründung der Theodizee in der Willensfreiheit des Menschen auf! Was kann man von einem Buch erwarten, das mit einem solch naiven Vorwort beginnt, das eher in die Mitte des vorvorigen Jahrhunderts gehört als in das zweite Jahrtausend. Will Matussek seine Leser für dumm verkaufen oder ist er tatsächlich so naiv, anzunehmen, dass Naturkatastrophen ihre Ursache in der fehlenden Bereitschaft der Befolgung der Zehn Gebote haben?

Offenbar, denn Matussek setzt sein Buch mit einer ermüdenden Abhandlung über die Todsünden fort, um anschließend seine “Education sentimentale” im katholischen Elternhaus und dem Bonner Mißbrauchsinternat “Aloisiuskolleg” ausführlichst zu schildern. Wer das Buch dann noch nicht weggelegt hat, tut dies spätestens nach dem Kapitel das übertitelt ist mit:

    “Einige Argumente für den Glauben, die das atheistische Team blass aussehen lassen, sowie ein paar Mitspieler, vor denen selbst der Gegner normalerweise in die Knie geht.”

Naa, was denken Sie? Kann Matussek das Versprechen halten, das er hier so großspurig gibt? Sie ahnten es: natürlich nicht.

Seinen bis heute nicht exkommunizierten und zu Lebzeiten fleißig Kirchensteuern zahlenden katholischen Glaubensbruder Adolf Hitler beschreibt Matthias Matussek ernstlich als “atheistische Spitzenkraft”.

Den Entdecker des Evolutionsprinzips und Agnostiker Charles Darwin wiederum reklamiert Mattusek für sich und seinen Glauben indem er ernstlich behauptet, dieser hätte “aus logischen Gründen” an “seinem Gottesglauben” festgehalten. Matussek hat sich zur Bestätigung seiner absurden These von der Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Religion offenbar ein falsches Zitat aus dem Internet zusammengegoogelt. Zu dem Zitat findet sich bei Matussek natürlich keine Quellenangabe. Es lautet:

    “Ich habe niemals die Existenz Gottes verneint. Ich glaube, dass die Entwicklungstheorie absolut versöhnlich ist mit dem Glauben an Gott. – Die Unmöglichkeit des Beweisens und Begreifens, dass das großartige, über alle Maßen herrliche Weltall ebenso wie der Mensch zufällig geworden ist, scheint mir das Hauptargument für die Existenz Gottes.”

Darwin hat das natürlich nie so geschrieben. Was der bekennende Agnostiker tatsächlich schrieb – und was wohl so die Grundlage dieses angeblichen Zitats wurde – war:

    “I may say that the impossibility of conceiving that this grand and wondrous universe, with our conscious selves, arose through chance, seems to me the chief argument for the existence of God; but whether this is an argument of real value, I have never been able to decide. I am aware that if we admit a first cause, the mind still craves to know whence it came and how it arose. Nor can I overlook the difficulty from the immense amount of suffering through the world. I am, also, induced to defer to a certain extent to the judgment of the many able men who have fully believed in God; but here again I see how poor an argument this is. The safest conclusion seems to be that the whole subject is beyond the scope of man’s intellect; but man can do his duty.”

Letter 8837 — Darwin, C. R. to Doedes, N. D., 2 Apr 1873

Ich habe dann aufgehört zu lesen. Ein Buch, das mit so schlecht recherchiertem, offensichtlich ausschließlich zu Propagandazwecken zusammengelogenem Unfug aufwartet, stiehlt mir meine Zeit … und die jedes anderen Lesers. Sparen Sie sich diese für ein gutes Buch!

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*Der DVA-Verlag hat der THÜRINGER BLOGZENTRALE das hier besprochene Buch kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt – also geschenkt. Es gab keine weiteren Absprachen. Es wurde um das Buch – mit dem Hinweis auf eine mögliche Rezension in der THÜRINGER BLOGZENTRALE – gebeten und es wurde kommentarlos zugeschickt. Bei diesem Blogeintrag handelt es sich also um Werbung.

TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping

Von Anonymous

Die THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG schreibt gern und viel über sich selbst, heißt, über die Taten ihres Chefredakteurs Hans Hoffmeister. Verfasst werden solche Beiträge unter anderem von einer engen Vertrauten Hoffmeisters – seiner Ehefrau.

„Schwarz-Grün – das war mal tatsächlich eine Perspektive unter Dieter Althaus und Katrin Göring-Eckardt“, schwelgt die Redakteurin, die über eine Podiumsdiskussion der Thüringischen Landeszeitung in Jena schreibt (TLZ vom 16. Juni 2011, Seite 3).

Am Ende, so geht es weiter, hätten der grünen Spitzenfrau nur ein paar Tausend Stimmen gefehlt – und Dieter Althaus wäre sicher heute noch Ministerpräsident und sie seine Stellvertreterin. „Thüringen hätte es den Hamburgern gezeigt, wie es geht…“ Und es lag an keinem geringeren als an TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister, Moderator der Podiumsrunde, genau daran zu erinnern.

Der so zitierte agile Moderator dominiert auch im weiteren Fortgang den Bericht, so dass dem geneigten Leser schnell klar wird, wer eigentlich die wichtige Person auf diesem Podium war – nicht Mario Voigt von der CDU, nicht Anja Siegesmund von den Grünen, nicht also die eingeladenen Gäste, sondern Veranstalter Hoffmeister.

Und das klingt in dem Bericht dann so: Die Tatsache, dass unter den Zuhörern sehr viele TLZ-Leser waren, „mithin Elite“, habe Hoffmeister geradezu „beflügelt“. „Er insistierte, provozierte und karikierte seine beiden politischen Gesprächspartner“ hieß es zweideutig, auch wenn das die Frage aufwirft, was einem so alles passieren kann auf einem TLZ-Podium – welcher Gast will schon gern zur Karikatur werden? Sei’s drum, der Selbstdarstellung wird bei der TLZ so einiges untergeordnet – im Zweifelsfall auch die Objektivität. So wird Hoffmeister als Analytiker voller Weitblick hingestellt, auch wenn die Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist: Der Einschätzung von Mario Voigt, heißt es an anderer Stelle, dass Thüringen schön sei (oha!), habe Hoffmeister flugs widersprochen: „Der Thüringer ist im Deutschlandvergleich viel zu fett, weil er viel zu gut isst.“ Zweifellos: Das sind Analysen von Gewicht. Zwischen solchen habe die „aufgekratzte Debatte“ gependelt, berichtete die Redakteurin euphorisch, um zu dem Fazit zu gelangen: „Eine Analyse jagte die nächste.

Dass Hans Hoffmeister ein toller Hecht ist, weiß der regelmäßige TLZ-Leser schon längst, denn die Person, über die in der TLZ regelmäßig berichtet wird, ist ihr eigener Chefredakteur – Hans Hoffmeister, der Podiumsveranstalter, Buchherausgeber, politische Analytiker.

Während es sich andere Zeitungen zur Aufgabe machen, über Relevantes zu berichten, das ihnen aus anderen Quellen zu Gehör kommt, ist die TLZ gern ihre eigene Quelle und berichtet über sich selbst. Und dabei natürlich an erster Stelle über Hans Hoffmeister. Aber wie ist es dabei wohl mit dem Gebot der Unabhängigkeit bestellt? Wenn ein Redakteur über eigene, hausgemachte Vorgänge, oft federführend initiiert vom eigenen Chefredakteur, berichtet, kann er das wirklich frei und unabhängig?

Der Verdacht ist ein anderer: Hier schafft sich eine Zeitung in schöner Regelmäßigkeit selbst die Anlässe, um hinterher jubelnd und groß aufgemacht über sich selbst berichten zu können.

Längst hat man sich dazu auch ein passendes personelles Instrumentarium geschaffen.

Im vorliegenden Fall heißt die Redakteurin, die über Hoffmeisters tolle Aktion schreibt, Lioba Knipping. Das ist nicht nur die Jenaer Lokalchefin der Zeitung, sondern auch – Hans Hoffmeisters Ehefrau.

Und so wird ein Aufmacher von einer halben Zeitungsseite quasi zur innerfamiliären Angelegenheit: Er macht, sie schreibt. Dumm nur, dass der Leser, der das nicht weiß, durch die Namensungleichheit nicht erkennen kann, wie eng die beiden verbandelt sind. Vielleicht sprechen sie die Aktionen ja am Frühstückstisch oder abends bei einem hübschen Glas Rotwein ab. Und was in dem Bericht stehen soll, gleich mit.

Der Leser fragt sich, wie sich das Ganze mit den gängigen Standards einer unabhängigen Berichterstattung verträgt. Unabhängig – das heißt, wer schreibt, sollte dem Gegenstand seiner Berichterstattung mit (kritischer) Distanz gegenübertreten. Nur diese Distanz macht Urteile glaubwürdig, die auch lobend, gewogen, manchmal sogar euphorisch ausfallen können. Doch wenn die Ehefrau über ihren Göttergatten schreibt, ist man geneigt, auf andere Gründe für die rosarote Brille zu kommen. Vielleicht ist ja Vetternwirtschaft nicht mal das richtige Wort. Vielleicht wäre „Familienbande“ treffender. Womit wir es in jedem Fall zu tun haben, das ist Hoffmeisterscher Filz.

Die Zeitungsgruppe WAZ, zu der auch die Thüringische Landeszeitung gehört, hat sich im Jahr 2007 einen Ehrenkodex gegeben, den alle Chefredakteure unterschrieben haben. Dort heißt es unter anderem: „Schleichwerbung in jeglicher Form ist verboten. Bewusste Zuwiderhandlungen haben arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Zwar ist damit wohl hauptsächlich die verdeckte Werbung für kommerzielle Produkte Dritter gemeint. Aber ist die eigene Zeitung nicht auch ein kommerzielles Produkt? Eines, das man bei der TLZ regelmäßig mit einer Berichterstattung begleitet, die alles ist, nur eines nicht: glaubwürdig. Man könnte diese Praxis als eine besonders subversive Art der Falschberichterstattung bezeichnen, weil der normale Leser die Hintergründe schlecht erkennen kann. Motto: Anlass, Art und Ausrichtung der Berichterstattung – alles in einer Hand. Es ist ein Armutszeugnis, dass ein derartiger Sittenverfall unter den Standards, für die sich die WAZ sonst so lobt, in der Thüringer Provinz zum Normalfall werden kann.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Frau Knipping über die Aktivitäten ihres Ehemanns schrieb. Schön, wie sich ein Ehepaar hier die Bälle zuwirft. Nur leider: ein Bärendienst für den unabhängigen Journalismus. Ein Leser postete auf der TLZ-Homepage, dass er sich wundert, wie Knipping zu ihren Informationen kommt, schließlich sei sie nach einer halben Stunde schon wieder gegangen, die Veranstaltung habe aber zwei Stunden gedauert. Nun ja, die Dame sitzt halt ganz nah an der Quelle. Wer wird sich da mit lästiger Anwesenheit quälen.

Veröffentlichung in der Blogzentrale per Safemail

Gestern erreichte die THÜRINGER BLOGZENTRALE sehr interessante Post. Verschickt per Safemail. Kein Absender. Kein erklärender Text. Kein Gruß. Einfach ein Artikel. Gut geschrieben und mit interessantem Inhalt. Es geht – wie so oft in der Blogzentrale – um die Qualität der Erzeugnisse des Thüringer Zeitungsmonopolisten.

Noch gestern veröffentlichte das PR-Portal “Informationsdienst Wissenschaft” einen Beitrag, der feststellt, dass die Monopolstellung eines Druckerzeugnisses in einer Region gerade zu dessen besonderer Qualität beitragen soll. Prof. Dr. Frank Marcinkowski vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster wollte in einer Studie nachgewiesen haben, dass mit zunehmender Intensität des Wettbewerb zwischen Printprodukten die Qualität abnahm. Qualität war bei Marcinkowski definiert mit “Akteursvielfalt, Politisierung und Anti-Provinzialismus” .

Solche Dinge kann man der Zeitungsgruppe Thüringen mit ihren Blättern TLZ, OTZ und TA jedenfalls nicht vorwerfen. Hier mischen sich sehr wenige durchaus gut recherchierte und pointiert formulierte Beiträge mit blöder Propaganda – wobei letztere den eindeutig prominenteren Platz einnimmt.

Nicht dass das Thüringer Publikum hohe journalistische Qualität zu würdigen wüßte … jedenfalls …

Es gibt die Möglichkeit in der THÜRINGER BLOGZENTRALE Beiträge zu veröffentlichen, die einen gewissen Nachrichten- und Unterhaltungswert haben und in den Blättern der Zeitungsgruppe Thüringen ganz sicher nicht erscheinen werden. Per Safemail. Nun ja. Schlimm genug.

Der SPD-Chef ist gegen die Trennung von Staat und Kirche

Seit dem Herbst vergangenen Jahres gibt es einen inoffiziellen Arbeitskreis von Laizisten in der SPD. Die Genossen wollen, dass Religion wirklich Privatsache wird. Das ist in Deutschland nämlich nicht der Fall. Alle Deutschen – ob Christ, Atheist oder gar Muslim – zahlen jährlich eine Art vesteckte Kirchensteuer, die die Kirchen nach Belieben ausgeben können. Es gibt zwar keine “Staatskirche” aber allein der Freistaat Thüringen zahlt jährlich rund 22 Millionen Euro an die beiden Großkirchen. Der Thüringer SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz bringt den Grund für die Initiative seiner Parteigenossen auf den Punkt:

Der SPD-Vorsitzende und evangelische Christ, Sigmar Gabriel, findet die Initiative der vornehmlich ostdeutschen Genossen nicht ganz so nachvollziehbar. Auf die Frage des
christlich-fundamentalistischen “Evangelischen Pressedienstes”, warum er gegen einen offiziellen laizistischen Arbeitskreis ist, antwortet er

Das bedeutet im Klartext: Die SPD ist gegen eine klare Trennung von Staat und Kirche. Ganz anders übrigens als die Mehrheit der Deutschen. Die spricht sich nämlich für die Trennung aus.

Die Rolle von Kirchen soll noch eine andere sein, als eine soziale. Welche das sein soll und warum diese besonders schützenswert ist, läßt Gabriel offen. Dass die Kirchen in Staat und Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen sollen, sieht übrigens die Mehrheit der Ostdeutschen nicht so gern. Bei einer Umfrage des Instituts infratest dimap kam man zu dem Ergebnis, dass die Mehrzahl der Ostdeutschen findet, dass Kirchen einen viel zu großen Einfluss haben:

Wiglaf Droste fasste diese Ansicht der Ostdeutschen am 3.6.2011 in der jungen Welt in folgende kleine Anekdote:

    Am 14. Mai starb Michael John, der die Erfurter Herbstlese erfand und dann auch noch die Erfurter Frühlingslese organisierte. Ich freute mich immer, von ihm eingeladen zu werden, und ich weiß noch genau, was er bei unserer letzten Begegnung am 27.März zu mir sagte: »Man kann gegen die DDR eine Menge sagen, aber diese penetranten Christen hat sie gut in Schach gehalten und zurückgedrängt. Und aus Rache dafür sitzt hier seit 1989/90 auf jedem zweiten Stuhl ein Christ, hat von nichts eine Ahnung, redet aber überall mit, will bestimmen und nervt.«

Netzarbeiter im Büro

Matussek und de Maizière wollen bomben und beten

Kommentar von Neidhart von Schwarzburg

Der Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und der SPIEGEL-Kolumnist Matthias Matussek sind der Meinung, Christentum und Krieg ließen sich gut vereinbaren. Für die, die man in diesem Krieg tötet zu beten, sei “nötig und sinnvoll“. Die Aufforderung der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, lieber mit ihnen zu beten, findet Matussek dagegen “theologisches Mokkagebäck“.

Matthias Matussek und Thomas de Maizière haben ein paar Dinge gemeinsam. Beide sind im Jahr 1954 geboren. Beide besuchten das erzkatholische Jesuiten- internat “Aloisiuskolleg” im feinen Diplomatenvorort Bonn Bad Godesberg und kennen sich deshalb höchstwahrscheinlich schon aus der Schulzeit und beide sind der Überzeugung, dass Christen ihre Feinde – trotz des Gebots der “Feindesliebe” – töten dürfen.

    “Vor Gewalt darf man nicht weichen”

meint der deutsche Verteidigungsminister und findet mit dieser These bei seinem Internatskollegen Matussek ein offenes Ohr und uneingeschränkte Zustimmung. Sollte dieses apodiktische Gebot auch für die Taliban gelten, wird es mit den beiden Christen Thomas de Maizière und Matthias Matussek wohl nie eine friedliche Lösung in Afghanistan geben.

Man darf die Taliban also töten. Geht es nach de Maizière und Matussek, sollte man aber außerdem für sie beten:

    “Das Beten für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll.”

Was man jedoch keinesfalls tun darf, ist, mit ihnen zu beten.

Margot Käßmann hatte es in der letzten Woche auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden gewagt, zu fordern, dass man mit den “Taliban beten solle, statt sie zu bombardieren“. Schlimmer noch, sie hatte behauptet:

    “Es gibt keinen gerechten Krieg, es gibt nur einen gerechten Frieden”

Für den Zögling des Bonner Jesuiteninternats Matussek sind diese Worte “wohlklingende fromme Phrasen“, ist diese Friedensethik “theologisches Mokkagebäck“. Die Zuhörer Käßmanns auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden sind für Matussek “Kirchentag-Groupies“, “meist weiblich“, die “sich ins selig Ungefähre juchzen und schmachten“.

Aber Matussek hat natürlich recht. Die Bibel ist voll des Säbelgerassels und Kopfabschlagens und selbst Jesus war sich – laut Bibelautoren – nicht zu schade, die Ermordung der Feinde Gottes zu fordern. Und das Christentum kennt natürlich sehr wohl den “gerechten Krieg“. Auch Luther war der Überzeugung dass Gewaltanwendung zur Erhaltung der göttlichen Ordnung von Obrigkeit und Untertanen zulässig sei.

Insofern ist Matusseks Kriegshetze in quellennaher Auslegung der überlieferten biblischen Texte und der jahrtausendealten christlichen Tradition von Augustinus bis Thomas von Aquin nur konsequent und Frau Käßmann entfernt sich mit ihrer humanistischen Friedensethik eigentlich vom Altem und Neuem Testament. Die Feindesliebe Jesu galt allen, nur nicht den “Feinden Gottes”, die in der Hölle schmoren sollten.

Frau Käßmann setzt sich nun sowohl von biblischen als auch von den Wurzeln ihrer Kirche ab. Sie fordert zum Dialog auf, will gebildete Fronten aufweichen und Gemeinsamkeiten herausstellen. Das passt christlichen Taliban wie Matussek natürlich nicht in ihr schönes Weltbild: Hie die gewalttätigen Muslime, da die angeblich durch Feindesliebe(!) moralisch erhabeneren Christen.

    Ja, die Feindesliebe ist der revolutionäre Kern des Christentums, und zeichnet es vor allen anderen Religionen, etwa dem Islam, geradezu aus. Und so tat der fast immer besonnene Verteidigungsminister, der evangelische Christ Thomas de Maizière, recht daran, als er auf dem Kirchentag forderte, für Opfer und Täter gleichermaßen zu beten. Auch für die Taliban? Auch für die Taliban. Geht das denn, bomben und beten? Aber sicher.

    Es gibt den bellum iustum, den gerechten Krieg. Seit dem heiligen Augustinus dürfen Christen Krieg führen, wenn er dem Frieden dient. Und das Gebet für die Feinde?

    Ich kann dafür beten, dass Jesus Christus die Herzen noch der grimmigsten Taliban erleuchtet und mit der Botschaft des Friedens erfüllt.

Dass Matussek hier einer selbstwertdienlichen Schizophrenie aufsitzt, erschließt sich dem rachegeifernden “Freund des Friedens” offenbar nicht.

Matthias Matussek, dessen Kolumnen stets an der Grenze zur Volksverhetzung changieren, war sich schon nicht zu schade, der Bundeskanzlerin zu ihrer “Freude” über die Tötung Osama bin Ladens zu sekundieren:

    “Man kann den Tod zornig zur Kenntnis nehmen, wie es schon jetzt einige islamistische Nachwuchskader in westlichen oder arabischen Ländern tun. Doch wir Übrigen, wenn wir nicht gerade mit moralisierender Selbstgerechtigkeit beschäftigt sind, atmen auf und legen eine wüste, gespenstische, zehnjährige Mördergeschichte erschöpft zur Seite.”

Man darf den Tod bin Ladens natürlich auch dann “zornig zur Kenntnis” nehmen, wenn man kein “islamistische Nachwuchskader” ist und bin Laden am liebsten vor einem ordentlichen Gericht gesehen hätte. Aber das passt nicht in das “Wer-nicht-für-uns-ist-ist-gegen-uns”-Weltbild des katholischen Hardliners und zunehmend militanten Kriegsbefürworters. Matussek zitiert lieber die Bibel, in der die Feinde Israels und Gottes: “Wie Krüge aus Ton zertrümmert” werden sollen.

Matussek ist mit seiner entfesselten Kriegsrhetorik der Freund eines jeden Religionsfeindes. Hier fühlt sich noch der zurückhaltenste Atheist bestätigt, dass die Religion noch immer die beste Begründung für einen Krieg liefert.

Wen wundert da noch, dass es gerade die christliche Partei war, die den humanitären Einsatz in Afghanistan – der er noch unter Rot-Grün war – zu einem Kriegseinsatz mit “Präventivschlägen” gemacht hat.

Matthias Matussek und seine Glaubensbrüder argumentieren – ganz wie ihre militanten Gegner – mit den überlieferten Werten einer jahrtausendealten Hirtenkultur auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Institution und das in einer Welt, die Waffen kennt, die auf einen Schlag Millionen von Menschen das Leben kosten können.

Es müßte eine Weltregion geben, wohin die die Irren und Hardliner aller Couleur verschifft werden. Dort sollten sie nach Herzenlust mit Äxten und Hellebarden aufeinander losgehen können. Sie sollen hetzen, einander verfolgen, foltern und töten dürfen … und meinetwegen auch miteinander oder füreinander beten.

Währenddessen könnten die anderen wenigstens mal in Ruhe miteinander reden.

Russischer Milliardär verdient an Umweltskandal in Thüringen

Irgendwie hat jeder schon einmal etwas davon mitbekommen und gleich wieder weggehört: Die Werra ist versalzen.

Das klingt wie ein ziemlich langweiliges Nischenthema für strickende Sandalenträger. In Wirklichkeit ist es ein Umweltskandal allererster Güte. Das Großunternehmen Kali und Salz AG – mit mehr als 8000 Arbeitsplätzen – droht mit Schließung, wenn es das Flusswasser der Werra nicht mehr mit Tonnen von Salz verdrecken darf. Das Unternehmen verdient sich mit dieser Erpressung gleichzeitig eine goldene Nase. Die Kosten aber tragen die Werra-Anrainer.

Achtzig Prozent des abgebauten Salzes muss entsorgt werden. Das geschieht auf Abraumhalten, in Katakomben und eben durch Verpressung der Salzlauge ins Erdreich und damit in das Grundwasser und durch direkte Einleitung in die Werra.

Noch absurder: Der Flusslauf wurde von der Quelle an nach der Wende für Millionen von Euro aufwendig gereinigt und steht unter besonderem Schutz. Ab Gerstungen ist die Werra jedoch nur noch eine stinkende Kloake und zerstört Flora und Fauna am Flußlauf. Das Trinkwasser schmeckt salzig und gleicht eher einer trüben Brühe. Über große Strecken hatte die Werra etwa einen Salzgehalt wie die Ostsee. Die starke Versalzung zerstörte und veränderte das Ökosystem nahezu vollständig.

Das ARD-Magazin Panorama sendete im Mai einen Beitrag über den grotesken Umweltskandal:

Das Großunternehmen K+S AG macht derweil glänzende Gewinne (im Jahr 2009 fast 100 Millionen Euro) und beschert seinen Aktionären üppige Dividenden. Die Aktienmehrheit hat ein russischer Milliardär.