Archive for August, 2011

Papst in Thüringen: Einfacher Seelsorger auf Staatsbesuch

Von Neidhart von Schwarzburg

Wie man der weltanschaulichen und der politischen Kritik am Besuch Joseph Ratzingers in Thüringen auf geniale Weise die Luft aus den Segeln nehmen kann, zeigt uns der Erfurter Bischof Joachim Wanke in der Samstagsausgabe der TLZ:

Um der Kritik an den Kosten des Besuches zu widersprechen, führt Wanke ins Feld, dass es sich schließlich um einen “Staatsbesuch” handle, der eben, wie jeder andere Staatsbesuch auch, Geld koste. Den weltanschaulichen Protesten gegen Ratzinger begegnet Bischof Wanke dann allerdings mit dem Argument, dass Ratzinger ja als “Seelsorger” und “nicht als Politiker” komme. Deshalb solle man “Toleranz und Nachdenklichkeit” walten lassen und “keinen falschen Parolen aufsitzen“.

Kosten von 11 Millionen Euro für den Besuch eines einfachen Seelsorgers und Toleranz und Nachdenklichkeit gegenüber dem Staatsbesuch eines Herrschers, der zwar kein Politiker sein soll aber trotzdem einem totalitären Gottesstaat vorsteht, in dem Frauen, Homosexuelle, Anders- und Nichtgläubige nicht oder nur in untergeordneter Position erwünscht sind. Eines Staates, der Empfängnisverhütung und Schutz vor AIDS bis vor kurzem kategorisch ablehnte und verbot. Eines Staates, der Kindesmißbrauch deckte und die Europäische Menschenrechtskonvention bis heute nicht anerkannt hat.

Joseph Ratzinger ist außerdem ein Lügner und Demagoge. So hat er bei seinem Besuch in Großbritannien im letzen Jahr vor “agressivem Atheismus” gewarnt und gesagt, “dass der Atheismus der Nazis zu deren extremistischen und hasserfüllten Ansichten geführt“ habe.

In Thüringen leben heute etwa 70% bis 80% Atheisten.

Adolf Hitler war dagegen Katholik und bemühte oft in seinen Reden den “Herrgott” der ihn und das “Deutsche Volk” zu großem bestimmt hätte.

Und in seiner ersten Rundfunkansprache am 1. Februar 1933 sagte Hitler:

    Indem der ehrwürdige Herr Reichspräsident uns in diesem großherzigen Sinne die Hände zum gemeinsamen Bunde schloß, wollen wir als nationale Führer Gott, unserem Gewissen und unserem Volke geloben, die uns damit übertragene Mission als nationale Regierung entschlossen und beharrlich zu erfüllen. […] So wird es die nationale Regierung als ihre oberste und erste Aufgabe ansehen, die geistige und willensmäßige Einheit unseres Volkes wieder herzustellen.

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    Sie wird die Fundamente wahren und verteidigen, auf denen die Kraft unserer Nation beruht. Sie wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen. […] Möge der allmächtige Gott unsere Arbeit in seine Gnade nehmen, unseren Willen recht gestalten, unsere Einsicht segnen und uns mit dem Vertrauen unseres Volkes beglücken. Denn wir wollen nicht kämpfen für uns, sondern für Deutschland!

Herzlich Willkommen, Joseph Ratzinger!

Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht

Kommentar von Anonymous

Welch absurde Züge der Kult um seine eigene Person und der Verlust der Bodenhaftung annehmen kann, zeigt der Fall des Chefredakteurs der Thüringischen Landeszeitung, Hans Hoffmeister. Noch am letzten Wochenende war auf einer ganzen Seite der TLZ ein Bericht über die Ernennung Hans Hoffmeisters zum “Honorarkonsul” zu lesen, inklusive Zitaten aus einer Laudatio seines Chefs, Bodo Hombach, der ihm “Rückgrat, Prinzipien und Fingerspitzengefühl” attestierte. Wie das Fingerspitzengefühl Hoffmeisters aussieht, kann man nun auch an diesem Wochenende bewundern. Die TLZ widmet der Ernennung Hoffmeisters gar die Titelseite:

Welche Bedeutung der Titel eines Honorarkonsuls tatsächlich hat, kann man sich an dem Fall des Titelhändlers Hans-Hermann Weyer alias Consul Weyer Graf von Yorck vergegenwärtigen. Weyer ist selbst Honorarkonsul mehrerer Länder und sorgte dafür, dass möglichst viele – vor allem wohlhabende Menschen – mit den Titel eines Konsuls versorgt werden konnten.

Ein Honorar- oder Wahlkonsul ist also nichts anderes als ein ehrenamtlicher Konsul (lat. honor ‚Ehre‘). Er wird nicht bezahlt und macht auch nicht viel. Seine Aufgabe besteht vor allem in der Repräsentation und der Vertretung der Interessen des Landes, das ihm den Titel verleiht. Wie das nun vereinbar mit dem journalistischen Unabhängigkeitsgrundsatz ist, bleibt offen.

Der Titel dient vor allem dem Prestige seines Trägers. In Thomas Manns “Buddenbrooks” war der Titel des Konsuls mit erheblichem sozialen Wert verbunden. Die Position als Konsul war erblich und wurde auch von der Frau des Konsuls getragen. Damit könnte sich Lioba Knipping, Redakteurin der Jenaer Lokalausgabe der TLZ und Ehefrau Hoffmeisters, ab sofort “Honorarkonsulin” nennen. Damit gehen ihr die Elogen auf ihren Gatten in ihrer eigenen Zeitung sicher noch flüssiger von der Hand.

Übrigens wird dem Ereignis der Ernennung Hoffmeisters zum Honorarkonsul auch noch die zweite Seite der TLZ gewidmet:

Aufgezählt werden dort die “prominenten” Gäste, die zur feierlichen Eröffnung des “Konsulats” eingeladen wurden. Unter ihnen auch der polnische Konsul für das Nachbarland Sachsen, der Geschäftsführer der Mitteldeutschen Flughafen AG, Markus Kopp. Ein katholischer Pfarrer wird außerdem einen Segen sprechen.

Wenn sich die Zeitungsgruppe Thüringen fragt, warum sie innerhalb von 2 Jahren 20.000 Abonnenten verliert, sollte sie sich vielleicht einfach die Arbeit ihrer Chefredakteure genauer anschauen.

Welche Bedeutung die Ernennung Hoffmeister zum “Honorarkonsul” wirklich hat, veranschaulicht die Google-News-Suche übrigens ganz gut:

Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt

Von Sven

Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat am Freitag Post erhalten, von der Anwaltskanzlei Dr. Eick & Partner GbR. Diese Kanzlei vertritt die Zeitungsgruppe Thüringen. In dem Schreiben der Anwaltskanzlei werden wir darum gebeten aufgefordert, einen Beitrag aus der THÜRINGER BLOGZENTRALE zu entfernen. Die Kanzlei hat sich 14 Stunden für eine Rückäußerung “vorgemerkt“.

Was ist passiert?

Wir hatten darüber geschrieben, wie es kommt, dass die Zeitungsgruppe Thüringen kürzlich einen Zuwachs von 20.000 Lesern bejubeln konnte – wo doch jedes Kind weiß, dass die Zeitungsgruppe Thüringen immer weniger Zeitungen verkauft und dass vor allem die Stammleser der Zeitungen abwandern.

Das geheimnisvolle Leserwachstum ist nun tatsächlich möglich, weil die Leserzahlen eben nicht (nur) anhand der Zahl der verkauften Auflage ermittelt werden können, sondern auch durch – Achtung – Umfragen(!). Die Thüringer werden also befragt, ob sie Produkte der Zeitungsgruppe Thüringen lesen – wozu vermutlich auch das kostenlose Werbeblättchen “Allgemeiner Anzeiger” gehören dürfte. Die so ermittelte Wahrscheinlichkeit(!), dass jemand ein ZGT-Blatt liest, wird Reichweite genannt und von der „Media Analyse“ ermittelt. Wie genau das geschieht und was der Begriff “Leser” in diesem Fall bedeutet, ist jedenfalls gar nicht so einfach zu verstehen.

Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier schreibt zum Thema “Media Analyse”:

    Die Daten der „Media Analyse“, die von Medien und Werbewirtschaft als Währung behandelt werden, sind häufiger seltsam. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Onanier-Zeitschrift „Coupé“: Der sind zwischen 2004 und 2008 drei Viertel der Käufer verloren gegangen. Laut „Media Analyse“ schrumpfte die Leserzahl in diesem Zeitraum aber nur um rund ein Viertel. 2008 müsste nach diesen Werten jede Ausgabe von „Coupé“ durch zehn bis 13 Paar Hände gegangen sein, was man sich wirklich nicht vorstellen möchte.

In dem inkriminierten Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE ging es also darum zu zeigen, dass die ZGT hier nicht über den Zuwachs von zahlenden Lesern jubelt, denen die Produkte der ZGT etwas wert sind, sondern über eine zweifelhafte, per Umfrage ermittelte Zahl. Es wurde in unserem Beitrag die “verkaufte Auflage” (gemäß IVW) der “Reichweite” (gemäßt “Media-Analyse”) gegenübergestellt und damit klargemacht, dass zwischen Auflage und Reichweite ein Unterschied besteht, der offenbar eben nicht jedem klar ist.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen meint nun aber pikanterweise, dass der Beitrag in der THÜRINGER BLOGZENTRALE die IVW-Statistik, das heißt die verkaufbare “Auflage” mit der “Reichweite” verwechsle und damit suggeriere, dass die ZGT mit unzutreffenden Zahlen operiere. Die Zeitungsgruppe Thüringen möchte deshalb, dass wir den Beitrag aus dem Netz nehmen.

Wir haben den Beitrag im Netz gelassen, damit sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden kann. Und damit weiterhin jeder interessierte Leser sehen kann, dass es einen Unterschied zwischen verkaufbarer “Auflage” und einer statistischen Lesewahrscheinlichkeit (“Reichweite”) gibt.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen hat uns übrigens freundlicherweise zuerst eine Mail geschrieben – so wie im Impressum erbeten – bevor, das vergißt er nicht zu erwähnen, “weitere Schritte” in Erwägung gezogen werden. Welche weiteren Schritte das sein sollen, hat er zunächst offengelassen. Was er wohl meint?

Wir hatten in letzer Zeit jedenfalls viel zu meckern über die Zeitungsgruppe Thüringen. Verständlich, dass man darauf reagiert. Dass die Zeitungsgruppe Thüringen auf die Kritik nun mit einer anwaltlichen Löschungsaufforderung antwortet, macht klar: Es fehlt zwar an Nerven, Stil und Argumenten – aber offenbar nicht an Geld.

Und die Zeitungsgruppe Thüringen will vermutlich vor allem eines: Eine öffentliche Diskussion über die wirkliche Zahl ihrer Leser verhindern.

Anonyme Kommentatoren sind Massenmörder

Von Anonymous

Eine argumentative Linie vom anonymen Kommentator zum Massenmörder zieht der Chefredakteur der THÜRINGER ALLGEMEINEN, Paul-Josef Raue, in einem Kommentar in seiner Zeitung mit den folgenden Worten:

    Auf unserer Leserseite werden nur noch Sätze stehen, zu denen sich ein Leser mit seinem Namen bekennt. Diese Debatte deckt sich mit der Debatte, die der Bundesinnenminister im “Spiegel” entfacht hat: “Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce.”

Doch damit nicht genug.

Anonyme Kommentatoren sind für Raue auch potentielle “Extremisten wie Neonazis oder Terroristen, die unsere Freiheit zerstören wollen.”, denn ein Mitglied des Bundesvorstands der Grünen meinte, dass die “Möglichkeit, anonym oder unter einem Pseudonym zu handeln, selbstverständlich Teil unserer allgemeinen Freiheitsausübung ist.” und das gälte dann natürlich auch für Extremisten.

Menschen, die mit vollem Namen im Internet kommentieren, sind für Paul-Josef Raue dagegen vergleichbar mit den mutigen Menschen, die “Straßen von Leipzig und Erfurt gegangen sind und Leib und Leben für die Freiheit riskiert haben“. Denn “mit offenem Visier” zu kommentieren sei ein Ausdruck von Freiheit.

Welch absurde Rhetorik.

Die Meinungsdiktatur in einer Monopolzeitung mit der Freiheit der Friedlichen Revolution gleichzusetzen, zeugt tatsächlich von einer größeren Verwirrtheit und Entfremdung von der Wirklichkeit, als man hätte annehmen sollen. Nicht nur, dass die Vertreter der friedlichen Revolution oft ausschließlich unter dem Schutz der Anonymität ihre Meinung äußern konnten – es war gerade auch die massenhafte und anonyme(!) Verbreitung abweichender Ansichten von den Propagandaorganen, die zum Sturz der greisen Diktatoren beitrug.

Das Propagandaorgan ist heute wie früher die THÜRINGER ALLGEMEINE. Damals hieß sie “DAS VOLK” und feierte den Staatsbesuch eines Diktators. Heute wird der Besuch eines anderen totalitären Herrschers, des Papstes, in Thüringen begrüßt und aufwendig publizistisch begleitet.

Menschen wie Ludwig Börne, Meister Eckart, Erasmus von Rotterdam, Stendhal, Willy Brandt, George Orwell, Woody Allen, Klaus Maria Brandauer, Bob Dylan, Max Goldt oder Theo Lingen sind für Paul-Josef Raue potentielle Massenmörder, Extremisten und Terroristen, denn sie trugen Pseudonyme.

Die bloße Anonymität einer schriftlichen Äußerung von Gedanken, dummen und verrückten, klugen und schönen, wahnsinnigen und gewalttätigen führt für einen Chefredakteur einer Provinzzeitung also direkt zum Massenmord.

Eine solche Rhetorik entlarvt sich selbst als autoritär und totalitär. Es wird Zeit, dass das aufhört.

Was denken die Thüringer über den Papstbesuch?

Die Thüringer Allgemeine hat eine Diskussion zum Papstbesuch durchgeführt. Und man hat ein paar O-Töne gesammelt. Die lesen sich, als hätte der Pfarrer für das “Wort am Sonntag” die Auswahl getroffen. Bei einer solchen Umfrage mit O-Ton, Foto und vollem Namen in der Tagesezeitung ist natürlich auch immer mit einer gewissen Tendenz zur “sozialen Erwünschtheit” im Antwortverhalten zu rechnen. Heißt, man antwortet so, wie man glaubt, welche Antwort gern gehört werden würde, welche Antwort opportun ist. Die Kommentare unter dem Beitrag der TA lesen sich denn auch ganz anders.

Denn zum Glück gibt es auch das Internet. Dort herrscht eine gewisse Anonymität. Wie bei der Stimmabgabe in der Wahlkabine eines demokratischen Landes. Aus diesem Grund möchten wir hier eine kleine Umfrage durchführen, um zu prüfen, was die Thüringer wirklich über den Papstbesuch denken:

Für Kritik an dieser Abstimmung steht Euch natürlich auch hier die Kommentarspalte zur Verfügung.

Personenkult um Hoffmeister treibt neue (Stil-)Blüten

Wie immer in der Wochenendausgabe der Thüringischen Landeszeitung wird den Ereignissen im Leben ihres Chefredakteurs Hans Hoffmeister eine halbe Seite mit Großaufnahme gewidmet. Diesmal gratuliert ihm sein Chef Bodo Hombach zum Titel des “Honararkonsuls” mit den warmen Worten:

Welcher Journalist würde sich nicht schämen, für eine solche Zeitung zu arbeiten?