Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht

Kommentar von Anonymous

Welch absurde Züge der Kult um seine eigene Person und der Verlust der Bodenhaftung annehmen kann, zeigt der Fall des Chefredakteurs der Thüringischen Landeszeitung, Hans Hoffmeister. Noch am letzten Wochenende war auf einer ganzen Seite der TLZ ein Bericht über die Ernennung Hans Hoffmeisters zum “Honorarkonsul” zu lesen, inklusive Zitaten aus einer Laudatio seines Chefs, Bodo Hombach, der ihm “Rückgrat, Prinzipien und Fingerspitzengefühl” attestierte. Wie das Fingerspitzengefühl Hoffmeisters aussieht, kann man nun auch an diesem Wochenende bewundern. Die TLZ widmet der Ernennung Hoffmeisters gar die Titelseite:

Welche Bedeutung der Titel eines Honorarkonsuls tatsächlich hat, kann man sich an dem Fall des Titelhändlers Hans-Hermann Weyer alias Consul Weyer Graf von Yorck vergegenwärtigen. Weyer ist selbst Honorarkonsul mehrerer Länder und sorgte dafür, dass möglichst viele – vor allem wohlhabende Menschen – mit den Titel eines Konsuls versorgt werden konnten.

Ein Honorar- oder Wahlkonsul ist also nichts anderes als ein ehrenamtlicher Konsul (lat. honor ‚Ehre‘). Er wird nicht bezahlt und macht auch nicht viel. Seine Aufgabe besteht vor allem in der Repräsentation und der Vertretung der Interessen des Landes, das ihm den Titel verleiht. Wie das nun vereinbar mit dem journalistischen Unabhängigkeitsgrundsatz ist, bleibt offen.

Der Titel dient vor allem dem Prestige seines Trägers. In Thomas Manns “Buddenbrooks” war der Titel des Konsuls mit erheblichem sozialen Wert verbunden. Die Position als Konsul war erblich und wurde auch von der Frau des Konsuls getragen. Damit könnte sich Lioba Knipping, Redakteurin der Jenaer Lokalausgabe der TLZ und Ehefrau Hoffmeisters, ab sofort “Honorarkonsulin” nennen. Damit gehen ihr die Elogen auf ihren Gatten in ihrer eigenen Zeitung sicher noch flüssiger von der Hand.

Übrigens wird dem Ereignis der Ernennung Hoffmeisters zum Honorarkonsul auch noch die zweite Seite der TLZ gewidmet:

Aufgezählt werden dort die “prominenten” Gäste, die zur feierlichen Eröffnung des “Konsulats” eingeladen wurden. Unter ihnen auch der polnische Konsul für das Nachbarland Sachsen, der Geschäftsführer der Mitteldeutschen Flughafen AG, Markus Kopp. Ein katholischer Pfarrer wird außerdem einen Segen sprechen.

Wenn sich die Zeitungsgruppe Thüringen fragt, warum sie innerhalb von 2 Jahren 20.000 Abonnenten verliert, sollte sie sich vielleicht einfach die Arbeit ihrer Chefredakteure genauer anschauen.

Welche Bedeutung die Ernennung Hoffmeister zum “Honorarkonsul” wirklich hat, veranschaulicht die Google-News-Suche übrigens ganz gut:

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
Loading...

6 Responses to “Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht”

  1. Blogzentrale Says:

    [New Blogpost] Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht http://t.co/qBcjQiy

  2. Thüringer Blogs Says:

    Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht: Kommentar von Anonymous
    Welch absurde Züge der Kult u… http://t.co/98q77An

  3. Maggy Says:

    Bravo! Und es geht weiter! Auf den Seiten 1 und 3 der heutigen Ausgabe- was finden wir da? Richtig! Wieder 2 Artikel zum leidigen Honorarkonsul-Thema plus das dementsprechende Programm, was da heute in Weimar ablaufen wird. Ich denke, kaum einen interessiert das wirklich, zumal so ein Kosnul nur ein Titel ohne Mittel ist. Aber-nichtsdestotrotz: wir Meckerer haben wieder einen Aufhänger gefunden und einen weiteren Grund die Zeitung abzubestellen.

  4. sven Says:

    Stimmt, nur falls es immer noch nicht alle mitbekommen haben. Konsul Hoffmeister auch heute (Montag) nochmal in der TLZ:

  5. Maggy Says:

    Ach, Leute, so langsam wirds echt langweilig! Am heutigen Dienstag wieder Berge von Hoffmeister-Scheiß. Also, ich werde in den nächsten Tagen die TLZ abbestellen. Ich kann den Müll nicht mehr ertragen und diese Selbstbeweihräucherung!

  6. Guennie04 Says:

    Leute, was habe ich gegrübelt. Warum machen die bei der TLZ diesen Blödsinn gedankenlos mit. Heil sei dem Tag an dem er uns erschienen, heil Dir o Hans Hoffmeister. Ich kann mich noch sehr gut an die 43 Fotos im N(eues)D(eutschland) erinnern, als über den Besuch des Staatsratsvorsitzenden E.H. auf der Leipziger Frühjahrsmesse berichtet und die gleiche Veranstaltung auf der Leipziger Herbstmesse noch einmal zelebriert wurde. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn der heissgeliebte von allen begehrte und hochverehrte Herr H.H. in seinem fast auflagenstärksten thüringer Presseorgan so viel Meriten bekommt. Aus diesem Grunde habe ich diese Zeitung abbestellt. Es tut mir nur um einige Leserbriefe leid, die ich nun nicht mehr zu lesen bekomme.