Archive for September, 2011

Religionsfreie Zone Erfurt … live

Anti-Papst-Demo in Erfurt

Aktuelle Fotos von der Demo gegen den Papst gibt es hier und auch hier

Demo gegen den Papst ist keine schlechte Gastfreundschaft

Warum das so ist, erklärt die ennomane:

Ich muss etwas bekennen: Ich bin kein Atheist, kein Agnostiker und kein Anhänger einer Religionsgmeinschaft – meine Ansichten sind einfach nur Privatsache. Mein Bekenntnis: Ich bin ein ganz großer Anhänger der Religionsfreiheit. Ich habe genauso wenig etwas gegen Christen wie gegen Anhänger anderer Religionen oder Atheisten. Wirklich Leute, glaubt was ihr wollt. Es ist mir egal. Ich habe aber ein Problem damit, wie der Katholizismus in Deutschland gegen die Religionsfreiheit verstößt – unter anderem.

Es geht nicht um Hexenverbrennungen, Kreuzzüge oder Galileo Galilei, sondern hier und heute um eine Sexualmoral, die die Menschen psychisch deformiert, krank macht und sie ihrer eigentlich doch nach dem Grundgesetz geschützten Würde beraubt. Der Zölibat ist Ausdruck einer krankhaften Einstellung zur eigenen Körperlichkeit. Ausgerechnet jemand, der noch nie Sex hatte (oder ohne schlechtes Gewissen haben durfte), soll als Seelsorger anderen Menschen bei ihren Gewissensnöten helfen. Homophobie ist ähnlich absurd wie die Angst davor, Freitags Fleisch zu essen. Und Frauen nicht für das Priesteramt geeignet zu halten, ist sexistische Diskriminierung in Reinform.

Das wäre alles noch einigermaßen egal, wenn die Katholiken ein Verein wären, der unter sich bleibt und das Ganze als Privatsache ansieht. Tun sie aber nicht. Kirche und Staat sind in Deutschland verquickt. Ich finanziere als Steuerzahler die Einkommen von Bischöfen, obwohl ich kein Kirchenmitglied bin und keine Kirchensteuer zahle. Ich finanziere Grundschulen, an denen 6jährige Knirpse abgewiesen werden, weil sie die falsche Konfession haben. Ich finanziere Religionslehrer, die Kindern Angst vor ihrer aufkeimenden Sexualität einreden. Ich finanziere Krankenhäuser, die Ärzte feuern, die sich scheiden lassen. Ich will das nicht.

Gegen den Papst zu demonstrieren ist ganz gewiss keine schlechte Gastfreundschaft. Gerade weil die Kirche in Deutschland gesellschaftlich und politisch Macht ausübt, ist es weder borniert noch kleinlich, dem “Staatsgast” Josef Ratzinger laut die Meinung zu sagen. Er ist als Kirchenoberhaupt und gerade als Staatsgast eben auch Politiker – und zwar einer, der öffentlich Homophobie und Sexismus vertritt. Es muss möglich sein, sich kritisch gegen diese servile Papstbesoffenheit in Medien und Bundestag zu äußern. Jakob Augstein bringt die steile These, Papstkritik sei pubertär und Ethik sei in der Politik nicht gut aufgehoben. Also überlassen wir sie ausgerechnet der katholischen Kirche, die Missbrauchsopfern lieber Schweigegeld zahlt, statt einen Päderasten vor Gericht zu bringen?

Den Rest des Beitrages kann man hier weiterlesen

Zeitplan zum Papstbesuch in Thüringen

Freitag, 23. September 2011
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10:45 Uhr – Ankunft am Flughafen Erfurt

Ankunft am Flughafen Erfurt und Begrüßung durch Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen.

11:15 Uhr – Besuch des Doms St. Marien zu Erfurt

Begrüßung von Joseph Ratzinger. im Dom St. Marien zu Erfurt durch Bischof Dr. Joachim Wanke (Erfurt).

11:45 Uhr – Gespräch mit der Evangelischen Kirche in Deutschland

Gespräch mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Kapitelsaal des Augustinerklosters zu Erfurt, Ansprache Joseph Ratzingers.

12:20 Uhr – Ökumenischer Wortgottesdienst

Gottesdienst in der Kirche des Augustinerkonventes, Predigt Joseph Ratzingers.


13:20 Uhr – Mittagessen

16:45 Uhr – Hubschrauberflug zur Wallfahrtskapelle von Etzelsbach

17:30 Uhr – Ankunft in Etzelsbach

17:45 Uhr – Gottesdienst in Etzelsbach

18:00 Uhr – Bahnhofsvorplatz Erfurt: Protesteveranstaltung unter dem Motto “Heidenspass statt Höllenangst”

19:00 Uhr – Hubschrauberflug Ratzingers nach Erfurt

19:40 Uhr – Ankunft Ratzingers am Flughafen Erfurt

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Samstag, 24. September 2011
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07:30 Uhr bis 12:00 Uhr Anger in Erfurt “Religionsfreie Zone”

09:00 Uhr – Auftritt Ratzingers auf auf dem Domplatz zu Erfurt

11:50 Uhr – Flug von Erfurt nach Lahr

Lothar König und der Papst

Von Sven

Mit seiner Auflehnung gegen die Staatsgewalt und andere Autoritäten hat es der Pfarrer Lothar König aus Jena weit gebracht. Erst hatte es die Stasi auf ihn abgesehen, dann der Freistaat Sachsen. Sein neuester Coup: Er hat einen Käfig bauen lassen, mit dem der Papst bei seinem Besuch in Thüringen gefangen werden soll. Ein Willkommenstransparent hängt ebenfalls in der gut besuchten Johannistraße im Jenaer Stadtzentrum:

SPIEGEL ONLINE berichtet über die Aktion und die bewegte Biographie des Stadtjugendpfarrers:

    In der vierten Klasse bemalte er ein Foto von DDR-Staatschef Walter Ulbricht und wäre fast von der Schule geflogen. Als Jugendlicher schrieb er nach dem Einmarsch der Roten Armee in Prag ” Dubcek” an eine Hauswand. Seine Wohnung wurde daraufhin durchsucht.

    Er geriet in das Visier der Staatssicherheit, durfte nicht studieren. Nach einer Ausbildung zum Diakon wurde er Pfarrer. Zur Wendezeit gehörte er zu den führenden Oppositionellen der DDR. Er wurde verhört und beschattet.

Und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Seine Tochter, die Landtagsabgeordnete Katharina König, hat es mit ihrer Unterstützung des Protests gegen den Papst bis auf die “Gefährderliste” des Thüringer Landeskriminalamtes geschafft. Allein indem sie einen Link auf die Webseite des Aktionsbündnisses gegen den Papstbesuch http://papstabschaffen.blogsport.de/ setzte. Dabei freut sie sich doch eigentlich, dass der Papst nach Thüringen kommt. So kann man ihm ein paar ganz grundsätzliche Fragen stellen:

Den Papst erwarten in Erfurt heftige Proteste

Von Neidhart von Schwarzburg

Am kommenden Freitag und Samstag ist das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Joseph Ratzinger, in Erfurt. Opferverbände, Menschenrechtsgruppen und Bürgerrechtler haben zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen. Nicht ohne Grund.

Den meisten Thüringern ist der Besuch Ratzingers egal. Doch ihm schlägt bei seinem Besuch in Thüringen nicht nur Gleichgültigkeit, sondern auch gut organisierte Begeisterung und lautstarke Kritik entgegen.

Die Kirche hat den Besuch so geplant, dass er ein PR-Erfolg werden könnte. Ratzinger spricht vor seinem Besuch in Thüringen im Deutschen Bundestag. Dorthin eingeladen hat sich Ratzinger übrigens selbst.

→”Also, es war der Wunsch des Vatikan, dass der Papst im Bundestag reden kann.” sagt der CSU-Abgeordnete in Deutschen Bundestag Stefan Müller laut Deutschlandfunk und weiter:


    “Der Bundestagspräsident hat im Ältestenrat erklärt, dass der Wunsch des Papstes an ihn herangetragen worden ist. Dieser Wunsch sei über den Vorsitzenden der Bischofskonferenz an den Bundespräsidenten weitergegeben worden. Und das Präsidium des Bundestages hat dann entschieden, diesem Wunsch zu entsprechen und den Papst während seiner Deutschlandreise einzuladen.”

Gegen diese Selbsteinladung und den Auftritt Ratzingers regt sich nun Protest von etwa hundert Bundestagsabgeordneten, die der Rede fern bleiben werden. Der grüne Bundestagsabgeordnete →Christian Ströbele hat zum Beispiel angekündigt, den Plenarsaal zu verlassen. “Ich halte davon nichts”, sagte er der “Mitteldeutschen Zeitung” (Online-Ausgabe) zu der Rede.

    “Ich werde rausgehen. Ich bin auch bei Putin und bei Bush rausgegangen. Unserem Heiligen Vater nehme ich besonders übel, dass er sich in Lateinamerika nicht zu seiner Schuld und der seiner Kirche bekannt hat.”

→Die leeren Sitze sollen mit ehemaligen Bundestagsabgeordneten aufgefüllt werden.

    “Nach Informationen der “Leipziger Volkszeitung” will die SPD-Fraktionsführung mit der Einladung von ehemaligen Abgeordneten die Parlamentarierreihen auffüllen, um den Eindruck des sichtbaren Protestes zu vermeiden.”

schreibt die katholische Nachrichtenseite “domradio”.

Und auch am Erfurter Flughafen wird Joseph Ratzinger von ausgesuchten Thüringern begrüßt werden. Im Vorfeld des Besuches →suchte die Zeitungsgruppe Thüringen mit einem Gewinnspiel “Familien mit Kindern”, die dem Papst bei seinem Einflug zujubeln können.

    Die Gewinner werden in unmittelbarer Nähe zum Roten Teppich stehen, auf dem der Papst zusammen mit Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht das Ehrenspalier der Thüringer Polizei abschreitet. Nur wenige Meter trennen sie dann vom Heiligen Vater. Näher kommt ihm wohl kaum jemand aus der Bevölkerung.
    Das Angebot richtet sich vor allem an Familien mit Kindern, die zusammen dieses besondere Ereignis in Thüringen erleben möchten.

Die Kinder jubeln dabei einem Mann zu, der das Oberhaupt des einzigen Staates in Europa ist, der kein Parlament besitzt. Entscheidungen werden in diesem Staat nicht demokratisch gefällt, sondern autoritär und totalitär.

Die Thüringer Kinder bejubeln dann auch das Oberhaupt eines Staates, der die Menschenrechte von Frauen, Nichtkatholiken und Homosexuellen nicht anerkennt.

→Und sie jubeln einem Mann zu, der vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” angeklagt wurde:

    “Tausende Seiten von Beweismaterial über sexuelle Gewalt, Vergewaltigung und Folter durch Mitglieder des römisch-katholischen Klerus brachten uns zu dem Schluss, dass ein systematischer Angriff auf Kinder und verletzliche Erwachsene seit Jahrzehnten vor sich geht”

stellen die Ankläger fest.

→Die etwa 700 deutschen Opfer der Mißbrauchsfälle in katholischen Kirchen, Kindergärten, Schulen und Internaten werden je etwa 5000 Euro Entschädigung erhalten. Das wären insgesamt etwa 3.5. Millionen Euro.

→Insgesamt mehr als 25 Millionen Euro wird der Besuch des Oberhauptes der Katholischen Kirche in Deutschland kosten.

Im gottlosen Thüringen wird Joseph Ratzinger außerdem von Atheisten und deshalb von überwiegend säkular lebenden und denkenden Menschen empfangen. →Säkulare Regionen wie Thüringen beschrieb Joseph Ratzinger bei seinem Kroatien-Besuch im Juni so:

    “Als Ideal pflegt man den individuellen Wohlstand durch den Konsum materieller Güter sowie durch flüchtige Erlebnisse, wobei die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen und die tiefsten menschlichen Werte vernachlässigt werden”, “Die Liebe” werde auf eine “gefühlsselige Gemütsbewegung” und auf die “Befriedigung instinktiver Triebe” reduziert.

→Ratzinger warnte bei seinem Besuch in Großbritannien außerdem vor dem Atheismus mit dem Vorwurf, dass “der Atheismus der Nazis zu deren extremistischen und hasserfüllten Ansichten geführt“ habe.

Joseph Ratzinger wird also in Thüringen von überwiegend konsumgeilen, erlebnishungrigen, asozialen, wert- und lieblosen Sexjunkies und Nazis willkommen geheißen.

→Wo die sich treffen, verkündet die Thüringer Allgemeine

    Am Freitag wird zu einer Demonstration um 18 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz unter Motto “Heidenspass statt Höllenangst” aufgerufen. Zudem haben Papstgegner zu einer “religionsfreien Zone” am Sonnabend von 7.30 Uhr bis 12 Uhr auf dem Anger eingeladen.

Man sieht sich!

Zeitungsgruppe Thüringen verzichtet auf “weitere Schritte”

Von Sven

    Il est dangereux d’avoir raison dans des choses où des hommes accrédités ont tort. Voltaire (1694-1778)

Es gibt kluge Köpfe bei der Zeitungsgruppe Thüringen … und weniger kluge. Die weniger klugen hatten die THÜRINGER BLOGZENTRALE vor zwei Wochen per Rechtsanwalt aufgefordert, einen Beitrag aus dem Internet zu nehmen. Dem haben wir uns natürlich verweigert. Die klugen Köpfe haben die absurde Farce nun – bedingungslos – beendet.
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Fazit: Es ist durchaus ein Selbstzeugnis sowohl persönlicher als auch internetbezogener Sensibilität, wenn jemand – frei nach Schopenhauer – die “Kindertrompete” seines Kritikers mit Hilfe eines Advokaten zur “Posaune der Fama” erklären lassen will.