Archive for July, 2012

Ramelow vs. Ponader

Am 4.7.2012 erklärt der politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader, er wolle sich künftig von der Arbeitsagentur nicht mehr gängeln lassen und wolle auf Sozialleistungen verzichten. Bis dahin bezog der arbeitlose Autor, Regisseur, Schauspieler und Theaterpädagoge Arbeitslosengeld II, das sogenannte Hartz IV. Das war in der Talk-Sendung “Günter Jauch” öffentlich geworden und hatte erhebliche Kritik ausgelöst. Tenor: Die Piratenpartei läßt sich das Personal durch den Steuerzahler finanzieren.

Einer der prononciertesten Kritiker Ponaders war der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow. Der griff den Bundesgeschäftsführer der Piratenpartei zunächst per Twitter an.

Das rief ein kleines “Shitstürmchen” hervor, dem Bodo Ramelow mit einiger Gelassenheit begegnete. Die Auseinandersetzung gipfelt nun in einem Streitgespräch, das heute ab 11 Uhr live ins Internet übertragen wird. Ein Novum, das man nicht verpassen sollte. Hier kann man Parteien, die vom Mainstream ignoriert werden, bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit beobachten und den Erfolg unmittelbar messen. Ponader und Ramelow sind beide unterhaltsame Rhetoren. Es könnte also durchaus spannend werden.

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NACHTRAG (12.00 Uhr):

Aber es war leider alles andere als spannend. Ein höflich-langweiliger Austausch bekannter Positionen zweier Politiker, die sich im Vorfeld abstimmten, ob sie sich vor der Kamera nun duzen oder siezen sollten.

Die für 10 Uhr angekündigte Livesendung verschob sich wegen technischer Schwierigkeiten auf 10.35 Uhr.

Der frühe Zeitpunkt (10 Uhr) war neben der so uninformierten wie drögen Moderation, die Ramelow und Ponader ermöglichte, sich uneingeschränkt und nahezu unhinterfragt auszubreiten und den technischen Schwierigkeiten, wohl der wichtigste Grund, warum die Zuschauerzahl nicht einmal die 1000er-Marke knackte. Lediglich rund 300 Neugierige verirrten sich auf den Livestream.

Für Bodo Ramelow war dieses “Gipfel”-Treffen im Erfurter Studio des Lokalsenders Salve-TV aber trotz alledem gleichbedeutend mit nichts weniger als der Gründung der SPD.

Nun ja, es war immerhin ein Anfang. Besser kann man es immer noch machen. Was man für so etwas aber in jedem Fall braucht, ist ein professioneller und informierter Moderator.

Deutschland Today vs. Zeitungsgruppe Thüringen

Die Zeitungsgruppe Thüringen ist der Ansicht, dass das Werbeblättchen Deutschland Today mit zu hohen Nutzerzahlen prahlt. Deutschland Today hat deshalb von der Zeitungsgruppe Thüringen eine Abmahnung erhalten. Man schreibt (Deutschland Today hat den Brief der Anwälte der ZGT im Netz veröffentlicht):

“Schließlich ist die Werbung “2 Mio. Online -Klicks” in dieser Form wettbewerbswidrig, da sie zum einen nicht angibt, in welchem Zeitraum die behaupteten Klicks erfolgen. Der Zeitraum ist zur Bewertung der Werbeaussage durchaus erheblich. Zum anderen haben wir aufzufordern, entsprechende Mediadaten offen zu legen, die derartiges nachweisen. Auf den Plakaten ist selbiges nicht ersichtlich.

Ein solcher Vorgang ist besonders bemerkenswert, wenn man weiß, dass die ZGT in der Vergangenheit selbst bereits erhebliche Kreativität in der Darstellung ihrer Nutzer- und Leserzahlen bewiesen hat.

Werbekunden sind die relevante Währung im Zeitungsgeschäft. Mit Anzeigen von Autohäusern und Bordellen wird heute im Journalismus das Geld umgesetzt. Deshalb ist es wichtig, diese Kunden zu werben. Meist mit geschönten Leserzahlen.

Zwei Millionen “Klicks” sind jedenfalls nicht ganz ohne. Deutschland Today kann das mit seinem kläglichen Webauftritt wahrscheinlich höchstens im Jahr generieren. Das lockt aber sicher keinen Zuhälter hinterm Ofen hervor.

Eins findet die Zeitungsgruppe Thüringen übrigens auch noch wichtig: Deutschland Today dürfe sich nicht als “Zeitung” bezeichnen.

Ein Anzeigenblatt, dessen redaktioneller Teil vernachlässigbar erscheint im Vergleich zu der im Blatt bzw. beiliegenden Werbung kann unseres Erachtens nicht für sich in Anspruch nehmen, als “Zeitung” bezeichnet zu werden.

Lustig, oder?