FDP, Fandealer, Patrick Kurth und Mario Roensch

Dass der – immer sympathisch lächelnde – Thüringer FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth über eine erstaunliche Followerzahl bei Twitter verfügt, hatten wir bereits an vielen verschiedenen Stellen bemerkt. Eine für Thüringen extrem außergewöhnliche Zahl, die keinen Vergleich findet. Selbst die deutschlandweit bekanntesten Blogger Thüringens Florian Freistetter und Johannes K. verfügen nicht über eine derart beeindruckende Followerpower.

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Kurths Masche zur Gewinnung von Followern erschien zunächst harmlos. Er folgte scheinbar wahllos allen verfügbaren Twitterern in Reichweite und entfolgte sie wenig später wieder um sie erneut zu followen, wenn sie ihn nicht inzwischen auf die Followerliste gesetzt hatten.

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Patrick Kurths Followerentwicklung ist – auch vor dem Hintergrund einer solch aufwendigen Praxis – erstaunlich. Der Wildfire Social Media Monitor zeigt: Seit Mai 2010 hatte er einen Anstieg von rund 12.000 Followern. Das bedeutet einen durchschnittlichen täglichen Zugewinn von 12 neuen Verfolgern. Kurth ist mit diesem außergewöhnlichen Wachstum deutlich prominenteren Parteikollegen sogar weit voraus. Sabine Leutheuser-Schnarrenberger und Christian Lindner lagen lange Zeit weit abgeschlagen hinter Patrick Kurth zurück. Und noch heute überflügelt Kurth die Bundesministerin in der Followerzahl:

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Nach einem zwischenzeitlichen Plateau ging es auch in den letzten Tagen weiterhin steil bergauf. Allein am 19. Februar hatte Kurth einen Followerzugewinn von 37 Twitternutzern, einen Tag später immerhin von 12 und am darauffolgenden Tag 15 neue Follower. Das ist – gelinde gesagt – ungewöhnlich … für einen Hinterbänkler.

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Die FDP ist nun kürzlich ins Gerede gekommen, weil sie angeblich Twitter-Follower gekauft haben soll. Plötzlich verfügte die Partei nämlich – quasi über Nacht – über nicht nur 6500 sondern sage und schreibe knapp 37.000 Follower.

Die FDP selbst behauptet nun, sie kaufe keine Fans. Eine vom SPIEGEL ins Gerede gebrachte Firma “Fandealer” – mit Sitz in Erfurt – distanziert sich auf den Seiten der FDP explizit von einer Beteiligung an den märchenhaften Fanzuwächsen. Fandealer ist ein Unternehmen, dass sich ganz offen auf den Verkauf von Twitter- und Facebook-Fans spezialisiert hat.

Geleitet wird die Firma “Fandealer” offenbar von Mario Rönsch. Auf der Webseite netzpolitik. de wurde nun vermeldet, dass ein Mensch mit diesem Namen im Jahr 2010 in die Thüringer FDP eingetreten sei. So findet es sich zumindest in der FDP-Mitgliederzeitung aus diesem Jahr:

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Fraglich bleibt, in welchem Verhältnis Kurth, Rönsch und die märchenhaften Followerzahlen sowohl Kurths als auch der Bundes-FDP stehen.

Die Anfrage an Patrick Kurth und Mario Rönsch ist raus.
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Dank an Herrn Strudel für den Hinweis in den Kommentaren
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UPDATE: Patrick Kurth hat geantwortet:

Aber er hat die wesentlichen Fragen unbeantwortet gelassen:

Für die Antwort interessiert sich jetzt auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck (siehe Retweets)

Fandealer hat übrigens auch geantwortet und bittet um Verständnis dafür, dass man keine Auskünfte erteilt und bittet darüber hinaus darum, von weiteren Nachfragen abzusehen.

So ein Quatsch!Klasse! (+1 von 3 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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7 Responses to “FDP, Fandealer, Patrick Kurth und Mario Roensch”

  1. Vollmar Says:

    Wenn man lediglich Fragen hat, aber keine Antworten, wenn man sich mit diesen Fragen auf eine Medienwelle setzt, wie die eines angeblichen Stimmenkaufs, dann macht man nichts weiter, als zielgerichtet Verdächtigungen zu streuen. Einigermaßen erträglichen journalistischen Ansprüchen genügt das nicht. Bleibt anzunehmen, dass Information nicht das Ziel dieses Blogeintrages ist. Stimmungsmache wohl eher. Wo sind denn Statistiken grüner oder roter Politiker?

  2. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Der “Twitterkönig von Thüringen” oder “Fandealergate” Says:

    […] der Thüringer FDP, Patrick Kurth, über eine außergewöhnliche Zahl an Twitter-Follwern verfügt, stellten wir an Kurth und Rönsch die Frage, ob sie miteinander bekannt seien, ob Rönsch tatsächlich FDP-Mitglied sei und ob die Firma […]

  3. sven Says:

    Vollmar, in unserem Beitrag werden Fragen aufgeworfen und es wird um Antwort der Verantwortlichen und Zuständigen gebeten. Diese Antworten kamen und sie fielen sehr unterschiedlich aus.

    Aber auch die Form der Antworten ist interessant. Ihr Stil und ihre Zielrichtung sind auch eine Antwort, die viel Einblick zuläßt. Patrick Kurth weicht Nachfragen aus und beschuldigt uns der “Schnüffelei”.

    Mario Rönsch droht uns mit dem Anwalt und von dem Twitteraccount von Fandealer werden wir als “minderbemittelte Propaganda-Blogger” bezeichnet.

    Die Stimmung dieser Auseinandersetzung machen die Befragten also selbst … oder wie sehen Sie das?

  4. Jens Kubieziel Says:

    So ungewöhnlich finde ich den Followerzuwachs nicht. Ich habe soeben mal errechnet, dass ich seit 2010 alle drei Tage einen Follower hinzugewonnen habe (im Schnitt). Patrick Kurth hat zwanzig Mal soviel. Das heißt, wenn man stupide durchrechnet, bekäme er also alle drei Tage 20 Follower oder 7 am Tag. Da Kurth nun durchaus bekannter ist und vermutlich auch mehr Anziehungskraft auf Follower ausübt, halte ich die obigen 12 pro Tag für durchaus realistisch und eben nicht gekauft.

  5. sven Says:

    Jens, ich weiß auch nicht wo Patrick Kurth seine Follower her hat, aber wenn jemand … wer auch immer … also nicht unbedingt Patrick Kurth … der in der öffentlichen Wahrnehmung steht seine Followerzahlen vergrößern möchte … und zwar unauffällig, dann wird er tägliche Zuwachsraten von 10 bis 50 Follovern möglichst nicht überschreiten. Das heißt, die Kurve die sich zeigen sollte, sollte möglichst eine langsam ansteigende sein.

    Nun ist es aber so, dass bei Spitzenbloggern Hochzeiten auftreten. Das heißt, wenn man wieder was Tolles gewesen ist, haben Leute wie Sascha Lobo schnell mal 100 Follower mehr.

    Aber diese Follower kommunizieren meist untereinander und das bedeutet, dass sie sich gegenseitig mit @-Botschaften ansprechen oder RTs vergeben.

    Bei Patrick Kurth gibt es nun das merkwürdige Phänomen, dass seine Follower auffällig wenig mit anderen Twitternutzern kommunizieren – weder per @, noch per RT:

    Bei der Blogzentrale zum Vergleich sieht es so aus:

    Bei Deinen Followern sieht es übrigens ähnlich aus wie bei uns. Es wird mehr kommuniziert.

  6. leo78 Says:

    Tobias Huch, Vorsitzender der Jungen Liberalen Rheinhessen-Vorderpfalz und stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz scheint sich auch felißig Fans für seine Facebookseite (www.facebook.com/TobiasHuchSeite) zu kaufen. Ein Blick auf folgenden Screenshot genügt:

    http://www10.pic-upload.de/22.04.13/td48gct3s6pw.png

    Beliebteste Stadt: “Bucharest, Bucuresti! :-D

  7. leo78 Says:

    Der Zuwachs der Facebook Likes auf Huchs Seite https://www.facebook.com/TobiasHuchSeite/likes erfolgte laut Statistik schon zwischen 10.04.2013 und 13.04.2013 – einfach mal mit der Maus über den Grapf fahren, dann wird da das Datum angezeigt.

    Der Bushido Artikel im Stern ist vom 17.04.2013
    http://www.stern.de/kultur/musik/stern-exklusiv-bushido-gibt-mafia-clan-generalvollmacht-1998192.html

    Mit Bushido und dessen Fans hat sich Huch erst ab 18.04.2013 angelegt, Siehe Twitter Chronik https://twitter.com/TobiasHuch/status/324913480031420417

    Die Ausrede es wären fanatische Bushido Anhänger gewesen, kann somit gar nicht stimmen! :-)