Archive for the 'Blogpolitik' Category

Die Antwort

“C’est une expérience éternelle que tout homme qui a du pouvoir est porté à en abuser;
il va jusqu’à ce qu’il trouve des limites.”

Charles de Montesquieu

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Lieber Herr Ramelow,

zunächst vielen Dank, dass Sie persönlich zu den Berichten in der Thüringer Blogzentrale Stellung nehmen. Das zeugt – erwartungsgemäß – von hoher Kompetenz im Bereich der Internet-Kommunikation. Erwartungsgemäß, da Sie – ganz zu Recht – als Vorreiter für diesen Bereich in Ihrer Partei gelten und Ihre Offenheit für die partizipative Mediendemokratie und hohe Transparenz politischer Arbeit in der Vergangenheit in vielfältiger Weise unter Beweis gestellt haben.

Sie waren der erste, der dem amtierenden Ministerpräsidenten im „Thüringer Augenzeugen“ Paroli bot, mit einem Video, das sie authentisch und ungeschminkt und nicht nur von ihrer Schokoladenseite zeigt. Sie führen ein eigenes „Tagebuch“, auf Ihrer eigenen Webseite und auf den Seiten der Thüringer Allgemeinen (wo Ihre politischen Konkurrenten bereits nach 2 bzw. 7 Einträgen aufgaben) und sind auch ausgiebig auf Youtube zu beobachten. Außerdem haben Sie sich schnell und unzweideutig von den inakzeptablen Maßnahmen Ihres Parteigenossen Heilmann distanziert [MP3-Datei]

Diese außerordentliche Kompetenz lässt auf hervorragende Beratung und das Interesse schließen, die Chancen, die Ihnen die Neuen Medien bieten, auch vollumfänglich zu nutzen. Doch Sie und Ihre fähigen Berater arbeiten nicht allein. Sie haben auch Parteigenossinnen und -genossen, die oft ganz eigene, weniger professionelle Wege gehen wollen.

Da, wo Politiker früher in symbiotischer Abhängigkeit mit großen Verlagen, Fernseh- und Radiosendern ruhten, ergeben sich nun im Internet bisher ungeahnte Möglichkeiten weitreichender Publizität, die keines Zeitungsredakteurs, keines Fernsehintendanten oder keines Radiomoderators mehr bedürfen.

Divide et impera. Säe Zwietracht unter deinen Feinden und herrsche.

Die Politik erreicht nun auch ohne die ehemals so mächtigen, objektiv-kritischen „Gatekeeper“ ihr ganz eigenes Publikum.

Dieses ungeheure Potential hat die Politik inzwischen weitgehend erkannt. Barack Obama hat die Präsidentschaftswahlen buchstäblich im Internet gewonnen, die SPD bezeichnet ihre Wahlkampfseite im WWW als „Herzstück“ ihres Bundestagswahlkampfes und offensichtlich wollen auch Sie an dem Bild, das es von Ihnen im Internet gibt, fleißig mitzeichnen.

So weit so verständlich. Zu dieser öffentlichen Darstellung Ihrer Person gehört allerdings auch, dass Sie Perspektiven auf Ihre Person, die Sie nicht ausschließlich vorteilhaft darstellen, nachvollziehbarerweise lieber vermeiden. Deshalb haben Sie wohl auch das schöne Video des Filmemachers Klaus Neumann nicht auf Ihrer Homepage verlinkt, auch wenn es – wie alle anderen Videos in Ihrer Homepage-Kategorie „Video-Blog“ – im „Thüringer Augenzeugen“ zu finden ist.

Sie finden offenbar auch nicht, dass der Fernsehausschnitt aus der Sendung „Studio Friedmann“, in dem Sie Gregor Gysi vehement gegen polemische Kritik des politischen Gegners verteidigen, ein geeigneter „O-Ton“ für Ihre Webseite ist. Auch das ist verständlich. Und Sie finden es offenbar unausgewogen, nur Ihre Überreaktion auf die Frage eines Reporters zu zeigen, ohne Ihre subjektiven Erlebnisse der Situation mit zu berücksichtigen.*

Aus diesen Tatsachen, dass ein Beitrag der TBZ aus dem Verzeichnis der Suchmaschine Google verschwunden war, der Tatsache Ihrer so hohen wie selektiven Medienkompetenz, dem Umstand bereits vorhandener Erfahrungen mit der Verhinderung unliebsamer Berichterstattung seitens Angehöriger der Linkspartei, und aus dem Wissen, dass Sie außerdem über die Motivation verfügen, als erster eine Landesregierung unter der Führung der Partei “ Die Linke“, mit Ihnen selbst als Ministerpräsidenten an der Spitze zu bilden, haben wir geschlossen, dass der Kreis der möglichen Verantwortlichen für eine Löschaufforderung klein – wenn auch nicht unzweifelhaft festgelegt ist.

Die Blogeinträge in der TBZ erwägten in diesem Fall Hypothesen, ohne konkrete Schuldzuweisungen vorzunehmen.

Und ich möchte dem eine weitere Spekulation hinzufügen: Nehmen wir an, wir hätten – wie von Ihnen vorgeschlagen – über mögliche Zusammenhänge zwischen der Löschung aus dem Index bei Google und früheren Interneteintrag-Optimierungsvorgängen der Linkspartei nicht öffentlich kommuniziert und nur eine Mail an Ihre Wahlkreis-Emailadresse geschickt. Wie wahrscheinlich wäre eine schnelle und persönliche Reaktion Ihrerseits gewesen?

Das einzige Korrektiv der zunehmend blühender und makelloser werdenden Parteien- und Politikerpersönlichkeitsdarstellungen im Internet, sind die unabhängigen, subjektiven und oft auch ebenso einseitigen Beiträge von Bloggern und Foren-Mitgliedern.

Anstelle der ehemals so mächtigen Medienkonzerne tritt nun eine riesige basisdemokratische Gemeinschaft vielseitig interessierter Individuen, die der Nachricht mehr Macht einräumt als der einzelnen Person. Anstelle einflussreicher Redakteure und Verleger, die von Politik und Wirtschaft entsprechend hofiert und mit denen diverse “gentlemen’s agreements” verabredet wurden, treten nun neugierige und flexible, respekt- und vorurteilsfreie Individualisten ohne die manchmal allzu gefährliche Nähe zur Macht.

Diese echte Unabhängigkeit der breiten Blogger-Community, der sogenannten Blogosphäre, die wegen ihrer Unüberschaubarkeit nur schwer mit den üblichen Mitteln journalismuspolitischer Verabredungen zwischen Berichtendem und Berichteten kontrollierbar ist, erlaubt eine höhere Authentizität und einen breiteren Facettenreichtum in der Darstellung politischer Ereignisse, als dies durch einige wenige Redakteure mit beschränktem Zeit-, Raum- und Meinungsbudget möglich ist.

Mediendemokratie bedeutet nicht Medienanarchie

Selbstverständlich unterliegt auch die „user generated democracy“ gewissen Regeln. Formeller wie informeller. Urheber- und Persönlichkeitsrechte sind auch im Internet nicht ungeschützt. Fehlinformation und Propaganda sind schnell entlarvt. Und an der Wahrheit wird mit tausend Nadeln gestrickt.

Sie können sich also sicher sein, dass über Sie nichts im Internet stehen wird, das nicht der Wahrheit entspricht. Lügner können Sie jederzeit verklagen, die Fakten müssen Sie akzeptieren. So wie Ihr politischer Gegner. Und das tun Sie ja offenbar auch. Aber dass Sie und auch ihre Konkurrenten die Fakten akzeptieren müssen, das haben Sie uns zu verdanken, den freien Bürgerjournalisten, die manchmal natürlich auch unzutreffende Vermutungen anstellen. Aber das gehört zu den unveräußerlichen grundgesetzlichen Rechten der freien Meinungsäußerung. Und wir tun das wann wir wollen, wie wir wollen und wo wir wollen und nicht unbedingt auf Wegen, die dem jeweiligen Politiker angenehm sind, also über kontrollierbare Webseiten oder über einen Kommentar auf Ihrer eigenen Homepage.

Also nutzen Sie bitte Ihre Medienkompetenz und lesen Sie die unabhängigen Thüringer Blogs in den kommenden Monaten sehr genau – oder besser: lassen Sie sie lesen. Ihre Wähler haben sicher ein paar gute Fragen, die Sie ganz bestimmt gern beantworten würden.

Wir helfen Ihnen dabei. Darauf können Sie sich verlassen.

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* Wir sind gespannt, ob Sie in Ihrem Internet-”Tagebuch” einen Trackback zu diesem Beitrag zulassen.

Der 95-Thesen-Preis für den besten Blogeintrag 2008

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    „Laut der Überlieferung soll der Mönch Martin Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen zu Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Disputation herbeizuführen. Damit leitete er die Reformation ein.“ Quelle: Wikipedia

Martin Luther gilt als der erste Blogger. Er hat ein, zu seiner Zeit supermodernes Publi- kationsmedium veritabel zu nutzen gewußt, um seine revolutionären Ideen und reformatorischen Ansätze für ein großes Publikum zu publizieren und hat damit einen der größten kulturellen und politischen Umbrüche in der Weltgeschichte eingeleitet. Als anekdotischer Beginn dieser langen Umbruchsphase gilt der Thesenanschlag an der Wittenberger Schloßkirche.

Die Diskussion um die Qualität, Verlässlichkeit und Nützlichkeit von neuzeitlichen Diskussionsbeiträgen und Thesen in Blogs ist schier unaufhörlich und unüberblickbar. Vor allem etablierte Medien und Blogger, aber auch Blogger unter sich, zeihen einander fehlender Seriösität, Irrelevanz, Gossenjournalismus, Klickhurerei und Schleichwerbung.

Blogs speisen ihre Bedeutung aus dem permanenten Strom von Diskussionen um des “Kaisers Bart”, und manchmal, aber nur manchmal, kommen dabei echte Perlen der Diskussionskultur zustande, werden kontroverse Thesen aufgestellt und wieder verworfen, wird mit ätzenden Polemiken aufeinander eingedroschen, werden kluge und leise, explosiv einleuchtende Anmerkungen gemacht – und manchmal wird vielleicht sogar eine Synthese gefunden.

Die Award-Kultur in der deutschen Blogosphäre ist mit grundsätzlichen Mängeln behaftet:

1. Die bedeutensten Preise werden von etablierten Medienunternehmen ausgelobt
2. Es gibt meist eine Jury, die mit erfahrenen Journalisten besetzt ist
3. Die Preise werden meist an Journalisten vergeben
4. Die Preise sind nicht blogspezifisch
5. Preisträger ist immer ein bestimmtes Blog, nie die Diskutanten oder Trackbacker
6. Publikumspreise haben immer den Mangel des Klickbetrugs

Blogs sind ein vielseitiges Medium, meist ein Hobby, manchmal ein Kleinstunternehmen, aber meist kreativer, schneller und facettenreicher als etablierte Medienunternehmen. Sie folgen anderen Gesetzmäßigkeiten und Idolen – wenn überhaupt. Blogeinträge sind in den meisten Fällen stark meinungshaltig und manchmal sogar hoch polemisch. Deshalb wird Blogs in toto Kampagnenjournalismus unterstellt und es werden Maßstäbe des etablierten Journalismus angelegt, wenn immer ein Blogeintrag unliebsam erscheint.

Blogs beziehen ihren Reiz vor allem durch den hohen Anteil an unmittelbarer Partizipation. Nicht zuletzt deshalb erscheint das, was in Blogs steht, oft unübersichtlich und manchmal gar als schlicht undurchsichtiges Meinungsdickicht. Dem werden oft strukturbildende Maßnahmen entgegengesetzt, wie etwa Blogcharts oder Blog-Awards, die allerdings nicht in der Lage sind die Dynamik von Blogs und der Dinge, die in ihnen stehen, zureichend abzubilden.

Um all diese Umstände annähernd zu berücksichtigen und um die Frage zu beantworten, was nun ein wirklich guter Blogeintrag ist, wird hiermit der „95-Thesen-Preis“ ausgelobt.

Vorschläge per Kommentar oder Trackback sind HIER [Link] vorzunehmen. Dort finden sich auch die Vorschlagskonditionen

Die Diskussion um den 95-Thesen-Preis soll hier unten geführt werden damit das Vorschlagsposting [Link] für die Vorschläge frei bleibt.

Der „95-Thesen-Preis“ soll dazu dienen, der Öffentlichkeit die besten deutschen Blogeinträge verfügbar zu machen, den primus inter pares zu küren, der THÜRINGER BLOGZENTRALE überregionale Aufmerksamkeit zu verschaffen und endlich die verdammte Frage zu beantworten, was eigentlich ein wirklich guter Blogeintrag ist.

Potentiell preiswürdig sind alle Einträge in deutschen Weblogs, die im Laufe des vergangenen Jahres, vom 25. Juni 2007 bis 25. Juni 2008, erschienen sind. Dazu zählen ausdrücklich vor allem auch Kommentare und Trackbacks, die

    - eine herausragende Argumentation zu einer Sachfrage,

    - kreative Verarbeitung (also auch Zeichnungen, Bilder, Collagen, Vidcasts
    oder Podcasts) eines aufgeworfenen Themas und/oder

    - Anregung einer bedeutenden Diskussion darstellen

Abgestimmt wird nach folgendem Modus:

Jede/r Blogger/in mit einem gültigen Impressum darf per Kommentar oder Trackback in der THÜRINGER BLOGZENTRALE je einen Vorschlag machen.

Dieser Vorschlag darf nur aus einem Link und maximal 500 Zeichen Erklärungstext bestehen. Trackbacks, die zu einem Blogeintrag führen, der den Vorschlagstext und den Link enthält sind ebenfalls möglich. Das Blog des Vorschlagenden muß in jedem Fall angegeben sein.

Vorschläge von Blogger(inne)n ohne ein Blog mit gültigem Impressum (im Impressum muß mindestens eine gültige Emailadresse stehen) oder sonstige Kommentare und Trackbacks, oder mehrfache Vorschläge von mehreren Blogs ein und de(r)sselben Bloggers/Bloggerin werden kommentarlos gelöscht. Offensichtlich werbliche Einträge werden mit EUR 100 in Rechnung gestellt.

Man darf auch sich selbst vorschlagen!

Jede/r Nominierte (auch Selbstnominierte) darf sich selbstverständlich einen Nominierungsbutton ins Blog setzen.

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Der Blogeintrag, Kommentar, Trackback, der die meisten Vorschläge bekommt, hat den „95-Thesen-Preis 2008“ gewonnen. Geht nur ein Vorschlag ein, gewinnt diese/r eine Vorgeschlagene. Gibt es einen Gleichstand in der Zahl von Vorschlägen findet eine Stichwahl zwischen den zwei Bestplazierten statt. Gilt der Gleichstand für mehrere oder gar alle Vorgeschlagenen findet eine Stichwahl zwischen den ersten zwei (zeitlich), für die dieser Gleichstand gilt, statt.

Die Vorschlagsfrist für den „95-Thesen-Preis“ der THÜRINGER BLOGZENTRALE beginnt ab morgen, 26. 06. 2008, 00.01 Uhr und endet am 26. Juli um 23.59 Uhr.

Bei Sabotage, Aufrufen zu Betrug, Spam und Privatfehden, werden die betreffenden Kommentare und Trackbacks gelöscht. Kommentare, die Beleidigungen und Hetze enthalten, werden ebenfalls ohne Diskussion gelöscht, die Autoren werden von weiteren Beitragsmöglichkeiten ausgeschlossen. Sollte durch erhöhten Administrationsaufwand durch Sabotageakte die Freude an dem Wettbewerb verloren gehen, kann er jederzeit abgebrochen werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Der „95-Thesen-Preis“ wird danach bis spätestens im Oktober 2008, zu einem noch festzulegenden Termin vergeben.

Der „95-Thesen-Preis“ ist zunächst nicht mit 10 EURO dotiert. Bei Interesse von Spendern, Sponsoren und sonstigen Partnern kann es allerdings ein Preisgeld geben und die Form der Würdigung noch optimieren (z.B. Veröffentlichung in einer überregionalen Zeitung :)


*Die THÜRINGER BLOGZENTRALE ist ein bürgerjournalistisches Medium Thüringer Blogger. Es ist werbefrei, partizipationsorientiert und herausgebergeleitet. Alle Thüringer Blogger haben das Recht Beiträge zur Zweitveröffentlichung einzureichen. Es besteht keine Veröffentlichungspflicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Der 95-Thesen-Preis 2008: Die Nominierten

test-4.gifUnter diesem Eintrag wurden die Nominierungen für den 95-Thesen-Preis 2008 gesammelt.

Die Diskussion fand in einem anderen Blogeintrag, nämlich hier (bitte klicken!) statt.

Der Blogeintrag meisten Stimmen – also der beste deutschsprachige Blogeintrag des vergangenen Jahres – ist:

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Noch zwei Wochen

Nicht bloggen, um Burma zu befreien? Was für ein Quatsch!

Kommentar von Sven

free.gifDer Blogger Stefan Waidele hat kürzlich ein Wiki eingerichtet, das angeblich einen guten Zweck haben soll:

“Blogger/Webmaster/Forenuser aus aller Welt bereiten einen Aktionstag zur Unterstützung der friedlichen Revolution in Burma vor. Wir wollen ein Zeichen für den Frieden setzen und den Menschen, die ihr grausames Regime ohne Waffen bekämpfen, unsere Sympathie bekunden. Diese Netcitizens haben vor, am 4. Oktober 2007 ihre normalen Aktivitäten einzustellen, um nur einen einzigen Artikel zu veröffentlichen: Ein rotes Banner mit dem Text „Free Burma!“

Und dann soll man folgendes machen:

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Sergej Lochthofen im TBZ-Interview

Zwei Dinge muss ich vorausschicken. Erstens: Ich war nicht wirklich vorbreitet, und Zweitens: Ich habe noch nicht soviel Übung in der Interviewführung (abgesehen von ein paar missglückten Versuchen mit Henryk M. Broder, der mich gleich bei der Einstiegsfrage, die zugegeben recht diffizil war, mit gewohnt deutlichen Worten abschließend und zusammenfassend abbügelte … und Lothar Späth, der seine entscheidende Antwort so geschickt aussprach, dass sie nur schwer zu interpretieren war).

Wie konnte ich auch damit rechnen, dass mir der „Chef“ der größten Thüringer Tageszeitung eine halbe Stunde seiner Zeit schenkt, während um uns herum die Besucher des „Tages der offenen Tür“ wuseln, die ihn alle ehrfurchtsvoll bestaunen und ein paar Häppchen seiner Aufmerksamkeit erhaschen wollen.

Und trotzdem bittet mich Sergej Lochthofen also auch noch auf den so genannten „Kanzlersessel“ in seinem Büro, welches sich eigentlich durch nichts vom Rest des wenig ansehnlichen Gebäudes unterscheidet in dem es sich befindet. Was der sogenannte „Kanzlersessel“ ist, hat Lochthofen eben vorher einem anderen Besucher erklärt, dem er auch in ein paar kurzen Sätzen, quasi en passant, die Notwendigkeit der Energiebesteuerung auseinandersetzte. Im “Kanzlersessel” sollen nämlich schon alle jeweils amtierenden deutschen Bundeskanzler gesessen haben – Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel … und sogar Helmut Schmidt, der ja irgendwie immer noch amtiert.

So durfte ich also Platz nehmen und die einzige Frage formulieren, die ich mir überlegt hatte, weil ich ja höchstens mit einer Minute zwischen Tür und Angel gerechnet hatte. Und ich verhaspelte mich natürlich und musste neu beginnen, dann aber klappte es – halbwegs:

lochthofen.gif
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Ebay-Bloggercontest

Glosse von sapere aude

Gegen diese Aktion waren die Opel-Kampagne und der “Casio Exilim EX-V7″-Reinfall wirklich harmlose Werbeideen. Aber vielleicht hab ich’s nur nicht so richtig kapiert …

Also, Ebay hat sich sechs Blogger eingekauft, die jetzt, in einem eigens dafür aufgesetzten Ebay-Blog, ihre Popularität dafür nutzen, das Internet-Auktionshaus Ebay beliebter zu machen.

Das ist nichts Ungewöhnliches. Boris Becker macht es, der “Kaiser” macht es, Harald Schmidt macht es, Rudi Völler macht es, Ottfried Fischer und Günther Jauch auch … und was soll man sagen, sie wirken alle dadurch, dass sie Werbung machen, seriöser, einfach … irgendwie … glaubwürdiger.

Nun ja, es ist ja auch wichtig wofür man diese Werbung macht. Ein guter Werber muß sich doch mit dem Produkt, für das er wirbt, identifizieren können. Rudi Völler, Ottfried Fischer und Günter Jauch zum Beispiel mit Bier, das ja auch noch was Gutes für den Regenwald, das Kinderhilfswerk und – ja auch für die DKMS tut.

Ganz ähnlich gelagert ist nun offenbar auch diese Ebay-Geschichte. Denn ohne Regenwald, Kinder und/oder Knochenmarkserkrankungen geht heute in der Werbung eigentlich gar nix mehr.

Und dieser Idee können offenbar auch die sechs Ebay-Freunde einiges abgewinnen. Bei der es – wenn ich das jetzt wirklich richtig verstanden habe – darum geht, dass der jeweilige Blogger irgendwelchen Krimskrams bei Ebay ersteigert, diesen irgendwie bearbeitet/modifiziert/ergänzt und dann wieder zur Versteigerung bei Ebay einstellt. Ersteigert werden soll der Kram dann von den treuen Lesern.

Ja, das ist mal eine Aktion mit Köpfchen. Und da haben irgendwie alle was davon – sogar die Deutsche Knochemarkspenderdatei.

Aber wie ist jetzt das hier zu verstehen:

    “Sollte es tatsächlich Leute geben, die das Zeug ersteigern und auch eine positive Bilanz dabei herausspringen, wird der Gewinn zum Ende der Aktion an die DKMS gespendet.”

Wird dann bei Ebay, im übertragenen Sinne, Knochenmark versteigert? Ist das so zu verstehen, dass nur eine Spende an die DKMS geht, wenn genügend Leute mitbieten und dann von dem Geld auch was übrigbleibt – also Gewinn eingefahren wird? Wird hoch genug geboten, kriegt auch die DKMS was ab – wenn nicht, dann nicht?

Hab ich da was falsch verstanden? Sicher!

In dem “Bloggercontest”-Blog steht jedenfalls:

    “Das erwirtschaftete Geld wird am Ende der Aktion der DKMS [...] gespendet.”

Aber was ist jetzt das “erwirtschaftete” Geld? Alles, was in der Auktion eingenommen wurde? Wow, dann solltet Ihr alle soviel bieten, wie möglich und ganz vielen Leuten Bescheid sagen, dass es ein paar wirklich wertvolle Dinge zu ersteigern gibt:

  • ein Batman-Kostüm (getragen),
  • ein Werbe-T-Shirt,
  • eine Autogrammkarte (signiert, von MC Winkel!!!),
  • eine Cartoon-Figur (“Scratchy”),
  • ein Polaroid-Foto,
  • ein paar Handzeichnungen (selbst ausgeschnitten!!!)

Also, liebe Leser, erzählt die Geschichte weiter! Jeder, der von der Möglichkeit Knochenmark zu spenden erfährt, ist ein Gewinn!

[Was andere Blogger zum Thema schreiben.]

Zeitungsgruppe Thüringen 2.0

hansi.gifDie WAZ-Mediengruppe, zu der auch die Zeitungsgruppe Thüringen und damit die drei Zeitungen OTZ, TLZ und TA gehören, gibt sich redliche Mühe, die neuen Techniken der multimedialen Internetpublikation zu nutzen und in ihr redaktionelles Angebot einzubauen.

In Thüringen implementiert man “Onlinetagebücher” in den Internetauftritt der drei Zeitungen, holt die Leserreaktion auf die Kolumnen des Chefredakteurs ins Netz, kündigt ein Videotagebuch mit Ministerpräsident Althaus an und korrigiert das Angebot – anerkennenswerterweise – nach kritischen Beobachterreaktionen.

Für das Videoblog hat man sich jedenfalls einen begabten Videokünstler ins Haus geholt, der auf der Basis dieser kurzen Videos seine Diplomarbeit schreiben will. “Ich habe völlige redaktionelle Freiheit”, sagt Johannes Romeyke, der zusammen mit einem Absolventen der Bauhaus Universtität Weimar die Firma “exrakross” gegründet hat, die Kino-, TV-Spots, Documercials oder Imagefilme anbietet und bereits auf eine Reihe von Filmproduktionen für Werbung, Dokumentar- und Kurzfilm zurückblicken kann. Auf dem sechsten Weimarer neudeli-Tag, organisiert von der Gründerwerkstatt der Bauhaus-Uni, stellte dann

    die Film- und Ton-produktionsfirma extrakross (…) ihr Videotagebuch, das auf der Website der Thüringer Allgemeine den Amtsalltag von Ministerpräsident Dieter Althaus festhält.

zum ersten Mal vor, schrieb die Thüringer Allgemeine am 5. Juli diesen Jahres. Von der Zeitungsgruppe Thüringen erhielte er allerdings keinen Cent, betont Johannes Romeyke, der auch in einem Radiobeitrag von MDR-Info zu seinen Erfahrungen mit Althaus befragt wurde.

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Grimme Online Award: Wer sind Lilli und Judith?

Von sapere aude

Ein bißchen komisch ist das schon. Da schreiben zwei, offenbar weibliche Personen einen Kommentar bei Stefan Niggemeier (22.37 Uhr):

Lieber Stefan Niggemeier,
herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Ja, es ist schon bekannt. Dem Grimme Institut ist der peinliche Fehler unterlaufen, dass es heute, 18.6.07, bereits die Preisträger online gestellt hat: http://www.grimme-institut.de/…..hp?id=582. Na ja, und wer hat (als einziges Angebot) in der Kategorie Bildung und Wissen gewonnen! Genau. Der elektronische Reporter…
— Judith — 18. Juni 2007, 22:37

und in der Blogbar (22.56 Uhr):

Kommentar von Lilli, 18.6.2007, 22:56

Tja, und jetzt ist dem Grimme Institut auch noch der peinliche Fehler unterlaufen, dass sie heute, 18.6.07, bereits die Preisträger online gestellt haben: http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=582 Und ratet mal, wer in der Kategorie Bildung und Wissen gewonnen hat! Genau. Der elektronische Reporter. Da fällt dir echt nix mehr ein…

Zur gleichen Zeit bricht die Lawine los. Angefangen bei Felix Schwenzel (um 22.52 Uhr), der möglicherweise die Kommentare zu dem Posting von Stefan abonniert hatte.

Bleibt die Frage: Wer schreibt zwei anonyme Kommentare sehr ähnlichen Wortlauts, kurz nachdem die Testseite online war – laut Grimme-Management ca. 22.40 Uhr? Und woher wissen die, dass die Seite online war? Und wieso wird solange von niemandem bemerkt, dass sie auch frei zugänglich ist? Und wer sind Lilli und Judith?

Tag: Grimme Online Award

Ich bitte das Doppelposting zu entschuldigen, aber bei mir drüben geht grade gar nix mehr.

Grimme Online Award noch zu retten?

grimme.jpgDer wahrscheinlich angesehenste deutsche Medienpreis, der auch in der Sparte “Online” vergeben wird, hat nun nicht mehr nur Kratzer im Lack, sondern tiefe Scharten. Nachdem für den diesjährigen Grimme Online Award nicht nur ein Onlineangebot nominiert wurde, das zu zu Beginn der Nominierungsphase gerade mal gestartet war (einen Tag vorher) und dann sogar einer der Juroren aus der Jury austrat, um sich nachnominieren zu lassen, ist heute offenbar eine Bombe geplatzt:

Die Sieger wurden vermutlich nun, zwei Tage zu früh auf der Webseite des Grimme Online Awards veröffentlicht. Unter den Preisträgern sollen sich das nachnominierte Jurymitglied Mario Sixtus (Elektrischer Reporter) und – noch bedenklicher – auch das Webangebot befinden, das einen Tag vor Abschluß der Vorschlagsphase gestartet war. Im Bereich Publikumspreis. Hier war die Abstimmung – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Preisträger – aber offiziell noch gar nicht beendet.

Nicht auszuschließen ist, dass es sich bei der veröffentlichten Seite (nicht mehr online) um eine Testseite handelte, die von einer aufmerksamen “Leserin” (bereits um 22.37 Uhr) entdeckt wurde. Vermutlich handelt es sich um ein und dieselbe Person, die sich einmal als “Lilli” und einmal als “Judith” identifiziert. Alle nachfolgenden Berichte bauen auf diesen Kommentaren auf.

Bedenklich wäre eine bewußte Lancierung dieses Vorfalls von Seiten des Grimme Online Awards um die Aufmerksamkeit für dieses Ereignis zu erhöhen, um danach mitzuteilen, dass es sich bei diesem vermeintlichen Fauxpas nur um einen Test gehandelt habe.

Bereits im November letzten Jahres hatte es ebenfalls Diskussionen um Schlampereien und “Klickbetrug” beim Uservoting des “Best of Blogs”-Awards der Deutschen Welle gegeben.

Nachtrag (11.37 Uhr): Das Management des Grimme Online Awards teilt auf telefonische Nachfrage der THÜRINGER BLOGZENTRALE mit, dass es sich bei der versehentlich, um ca. 22.40 Uhr online gestellen Seite natürlich nicht um eine bewußte PR-Strategie handelte. Das Uservoting wurde bereits um 17 Uhr beendet, um die Vorbereitung der Preisträgerseite zu ermöglichen.

Schon wieder einer …

Kommentar von sapere aude

Warum ist es nicht möglich, dass Blogger werbliche Einträge* in ihren Blogs unterlassen? Und wenn sie sich dessen schon nicht enthalten können, das nicht mal kenntlich machen? Es ist zum im Halbkreis kotzen. Man ist tatsächlich versucht zu sagen, dass all die Kritiker, die Bloggern billige Käuflichkeit unterstellen, Recht haben, auf ganzer Linie richtig liegen. Auch heute war in einem Blogeintrag auf einem Thüringer Blog wieder die ungekennzeichnete Präsentation eines Sponsors zu finden.

Und das ist Scheiße!

Man könnte einwenden, dass ich mich hier künstlich ereifere. Dass es mich schließlich nichts angeht wenn jemand bloggt was er will. Das mag richtig sein. Und glücklicherweise gibt es noch keine Aufsicht der Landesmedienanstalten über Blogs – aber es ärgert mich. Und das vor allem deswegen, weil ich diese Blogger und ihre Beiträge eigentlich mag. Es gibt ein paar Thüringer Blogs, die nur der Suchmaschinenoptimierung und der Werbung dienen. Dieses Zeug ist unlesbar und deshalb in der TBZ auch nicht verlinkt. Man kann diesen Mist ignorieren, aber man kommt ja an Blogs, die eigentlich solide inhaltliche Arbeit abliefern nicht vorbei.

Es fällt natürlich schwer, nein zu sagen, wenn ein Sponsor um ein Erwähnung bittet. Es fällt natürlich leicht, festzustellen, dass man sich gegenseitig helfen, unter die Arme greifen kann, dass ja jeder was davon hat, wenn man ein bißchen Werbung macht. Und eine Erwähnung ist ja noch lange keine Werbung. Auch wenn es sich um eine einstündige Erwähnung handelt.

Blogeinträge, die sich mit dem Wirken eines Werbepartners oder Arbeitgebers beschäftigen sind mindestens grenzwertig, wenn nicht klipp und klar als Product-placement oder Schleichwerbung zu bezeichnen, auch wenn der Eindruck eines redaktionellen Interesses transportiert wird, das ohne Zweifel sicher auch bestehen kann.

Man kann das Problem aber vielleicht so verdeutlichen: Wenn Parteien die täglichen Nachrichten zusammenbasteln würden, würde man dann noch Nachrichten gucken? Liest irgendwer von Euch die regionalen Tageszeitungen? Und warum nicht? Weil sie zu 80% aus Hofberichterstattung, Werbung, PR und Pressemeldungen bestehen.

Blogeinträge, die sich mit einem Sponsor oder einer Institution beschäftigen, von der man ideell oder finanziell abhängig ist, sind wertlos weil sie keine Information transportieren, und selbst wenn, immer den Verdacht der Gekauftheit tragen. Der Blogger verliert damit einfach an Glaubwürdigkeit, vor allem dann, wenn er sonst tatsächlich wertvolle Informationen publiziert.

Hinweis: Bei diesem Eintrag handelt es sich um einen Kommentar. Er ist in einer speziellen Schärfe abgefaßt um eine – gern auch heftige – Diskussion anzuregen. Persönliche Beleidigungen wurden jedoch natürlich bewußt vermieden. Kommentare zu diesem Eintrag, die beleidigende Äußerungen oder die Diskussion von Persönlichkeitseigenschaften enthalten, werden unkommentiert gelöscht.

NACHTRAG 2: *Gemeint sind Blogeinträge oder Banner, die nicht als Werbung gekennzeichnet sind. Oder die nicht auf das Sponsoring des Blogs hinweisen, wenn sich der Eintrag auf den Sponsor bezieht.

NACHTRAG: Es gibt allerdings auch Werbung in Blogs, die man bringen darf. Wenn sie wirklich witzig ist!

Wie zum Beispiel die Improvisationen beim Dreh der Frostaspots:
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