Von sapere aude
Ooooaaaaiiiiaahhohoooiiiiihihihihi … Das denkbar schrecklichste Geräusch, das sich der Mensch denken kann durchschneidet nun immer öfter die sonst so beschauliche, ja geradezu stille Jenaer Kneipenmeile. Marodierende Horden besinnungslos betrunkener und völlig enthemmter Frauen und Männer schleicht sich in verbrecherischer Absicht an die ruhig vor einer der vielen Kneipen äsenden Nachwuchsalkoholiker heran, um ihnen ganz plötzlich, völlig überraschend und markerschütternd schrill ihren Kampfschrei ins zusammenzuckende Genick zu brüllen. Fußnägel rollen sich hoch, Haupthaar stellt sich auf und der bis dahin entspannte Besucher einer gastonomischen Einrichtung mit Außenbewirtung weiß dann: Er wird belästigt werden. Und zwar von einer entfesselten Junggesellenabschiedsrotte, die ihre Opfer – und das sind nicht etwa der zukünftige Bräutigam oder die Braut – mit nicht enden wollenden “peinlichen Aufgaben” und dem untrennbar dazugehörigen Anfeuerungsgetöse martert.
Und irgendwann mußte es so kommen wie heute abend. Eine Frauen- junggesellenabschiedsrotte stößt auf eine Männerjunggesellenabschiesdrotte – direkt vor meinem Tisch. Und man krietschte und schrie gemeinsam um die Wette vor lauter Spaß, den man mit immer spitzeren und immer lauteren Schreien beschwor.
Doch nicht nur zwei, nein drei oder vier Junggesellenabschiesdrotten (JAR) übertrafen sich heute abend in Jena in der gezielten Mißachtung sozialer Basistugenden. Man brüllte und tanzte, man umarmte und grölte, man soff und schrie.
Es war einfach entsetzlich.
Wenn diese JARs weiter so zunehmen, werden Wirte vor ihren Biergärten Verbotschilder anbringen müssen, sonst müssen sie in Zukunft auf meine paar Kröten verzichten.