Archive for the 'Feuilleton' Category

Alain de Botton will Atheistenkirche bauen: Ich bin dabei

Von Neidhart von Schwarzburg

Ich bin Atheist. Mindestens in der 3. Generation … und ich wollte Pfarrer werden, solange ich denken kann. Es ist ein wirklich doofes Gefühl. Ich liebe Kirchen und Klöster. Michelangelo und Raffael. Bach und das Miserere von Gregorio Allegri. Ich finde die Bergpredigt im Neuen Testament richtig und unbedingt lehrenswert. Zu den Menschen, die ich am meisten verehre, gehören Pfarrer und Kirchenmitglieder. Ich brauche Vertrauen und das Wissen um Bedeutenderes als mich und die Menschen um mich herum. Ich gehe gern in Gottesdienste und liebe das Orgelspiel und den gemeinsamen Gesang und das Gebet. Das Teilen von Ängsten und die gemeinsame Versicherung eines Grundvertrauens in die Richtigkeit der Ordnung der Welt geben mir Geborgenheit und ein Gefühl von Wärme und Sicherheit.

Aber es gibt nun mal keine Götter. Und der Glaube an Götter ist die Wurzel der größten Verbrechen der Menschheit.

Will ich mit meinen weltanschaulichen Ansichten und Bedürfnissen nicht allein sein, bleiben deshalb nur zwei Optionen. Entweder, ich lebe mit einer Maske unter den Gläubigen (einem Großteil wird es wie mir gehen) und versuche mich anzupassen und einen großen Teil des inhaltlichen Unfugs einfach zu überhören, der in Kirchen verbreitet wird.

Oder aber ich versuche, mich einer der atheistischen Organisationen in Deutschland anzuschließen. Leider bestehen die deutschen Atheistverbände überwiegend aus Religionshassern oder lehnen zumindest jeden Anflug von Religiosität in ihren Organisationen und ihrem Leben ab. Stattdessen wird ein recht simplizistischer Szientismus verbreitet und kultisch betrieben, bei dem es überwiegend um eine kritiklose Befürwortung wissenschaftlicher Forschung im Allgemeinen und eine peinliche Darwinverehrung im Besonderen geht.

Nun will ich aber weder das eine, noch das andere.

Ich will in die Kirche gehen und eine Predigt hören. Ich will gemeinsam singen und für Arme, Kranke und Schwache sorgen. Und ich will mich mit Menschen, die meine Werte teilen, über die richtige Kinderbetreuung unterhalten.

Aber ich will nichts von Göttern oder Geistern hören. Nichts von Engeln oder Heiligen. Nichts von bedingungsloser Unterwerfung und blindem Gehorsam.

In London lebt ein Bankierssohn, Alain de Botton, der wahrscheinlich ziemlich viel Geld hat. Und reiche Freunde. Und diesem Mann geht es scheinbar so wir mir:

Und Alain de Botton will einen Tempel für Atheisten mitten in London bauen. Das hat er letzte Woche bekanntgegeben. Eine halbe Million hat er hierfür schon gesammelt. Dieses Ansinnen rief erhebliche Kritik unter Atheisten und insbesondere bei Chefatheist Richard Dawkins hervor. Er schalt den Plan eine törichte Idee und forderte stattdessen, das Geld in sinnvollere Projekte – wie z.B. Schulen – zu stecken.

Ich denke, dass Alain de Botton auf dem richtigen Weg ist. Nur sollte man das Geld, meiner Ansicht nach, nicht in einen neuen Atheistentempel stecken, sondern in die vielen schönen alten Kirchengebäude – die noch heute das Zentrum von Städten und Dörfern bilden und zunehmend verwaisen.

Dann gilt es, atheistische Seelsorger auszubilden, die die Rolle der Pfarrer übernehmen. Sie sollten Psychologie und Philosophie studiert haben und eine Ausbildung in Kunstdidaktik und sozialer Arbeit machen. Hier in Ostdeutschland stehen viele Kirchen seit Jahren leer. Die Menschen hier – überwiegend Atheisten – brauchen aber auch Betreuung und Begleitung in Krankheit und Gesundheit, bei Leben und Tod.

Und dann mache ich mit bei diesem Projekt.

Nur eines vielleicht noch: Ich denke, dass es nicht DEN Atheismus geben wird und geben kann. Es sollte viele verschiedene Atheistengemeinschaften geben. Mit unterschiedlichen Werten und Traditionen. Und sie sollten miteinander im Wettstreit stehen.

Alain de Botton hat ein Buch geschrieben. “Religion for Atheists” nennt sich das. Und ich habe es noch nicht gelesen, aber ich denke, ich werde das sicher bald tun.

Vor einigen Jahren habe ich mir einen Schwur gegeben. Ich werde die Mutter meiner Kinder heiraten. In einem Dom. Als Atheist darf ich das nicht. Meine Frau (Atheistin) und ich müßten uns taufen lassen. Wir müßten also lügen. Ich will aber nicht lügen. Ich will im Dom heiraten. Und ich will eine Predigt haben, in der kein Gott vorkommt und ich will einen Chor haben:

Angela Merkel will gelenkte marktkonforme Demokratie

Warum verplappern sich Politiker eigentlich immer im Deutschlandfunk? Bundespräsident Horst Köhler mußte zurücktreten, weil er im Deutschlandfunk davon sprach, dass “militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, z.B. freie Handelswege”. Irgendwie wurde das Interview versendet. Vom Deutschlandfunk keine Reaktion. Auch sonst nicht viel. Erst im Internet kam dann langsam – etwas später – die Bombe hoch.

Schon im September wurden im Deutschlandfunk Ausschnitte einer Presskonferenz versendet. Dort antwortete Angela Merkel auf folgende Frage (auf den Seiten des Bundeskanzleramtes nachzulesen):

Frage: Frau Bundeskanzlerin, fürchten sie um die Schlagkraft des EFSF, wenn der Bundestag und alle anderen nationalen Parlamente in Europa demnächst bei allen wichtigen Entscheidungen vorab mitbestimmen wollen?

mit den Worten:

“Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben. Ich höre zum Beispiel von unseren Haushaltspolitikern, dass man sich dieser Verantwortung bewusst ist. Aber wir müssen in Europa einen Weg finden, obwohl wir mehrere Länder sind, trotzdem das Richtige zu tun. Dabei müssen die Regierungen und die europäischen Institutionen in Sachen Kommunikation zum Teil hinzulernen, und dabei müssen die Parlamente lernen. Aber ich sehe keinen Grund, warum die Parlamente schlechter als andere sein sollten.

Und erst langsam kommt so ein bißchen Unverständnis hoch. Die ersten waren wohl die nachdenkseiten. Dann kam der Freitag. Und jetzt der unbedingt lesenswerte Essay von Ingo Schulze in der Süddeutschen.

Vielleicht tritt ja bald eine Bundeskanzlerin zurück. Wegen eines Beitrages im Deutschlandfunk.

And no religion too!

Von Neidhart von Schwarzburg

Silvester-Skandal auf dem Times Square: Der Musiker Cee Lo Green sang eine veränderte Version von Lennons „Imagine“. Er ist nicht der erste. Amnesty International hatte die Textzeile einst einfach unterschlagen. Aber Green entstellte den Sinn des Liedes völlig. Statt “… and no religion too” sang er “… and all religion’s true”.

Bei der Silvester-Gala auf dem New Yorker Times-Square trat Cee Lo Green neben Lady Gaga und Justin Bieber auf. Kurz vor dem Jahresende konnten mehr als 2,3 Millionen TV-Zuschauer von “NBC’s New Year’s Eve with Carson Daly” live hören wie Green die letzte Zeile der Strophe des berühmten Liedes

Imagine there’s no countries ~ It isn’t hard to do ~ Nothing to kill or die for ~ And no religion too

kurzerhand in ein “… and all religion’s true” umwandelte.

Diese Änderung rief erheblichen Protest bei Fans und Atheisten hervor. Greens Twitter-Account wurde von einem ordentlichen Shitstorm überrollt. In Internet-Foren finden sich inzwischen diverse Reaktionen.

Andere bemerkten, dass Cee Lo die Zeile “Imagine no possessions” gekleidet in einen teuren Pelz mit goldener Uhr und Designerbrille sang.

Der Blogger Daniel Fincke argwöhnte, dass Cee-Loo seine Fans bald mit Passagen aus den Büchern von Christopher Hitchens’s “God Is Great: How Religion Fixes Everything” oder Richard Dawkins’s “The God Solution überraschen wird.

Cee Lo Green beschimpfte zunächst seine Fans für die Kritik, löschte die Beschimpfungen aber wieder und erklärte in einem – inzwischen ebenfalls gelöschten – Tweet dann folgendes:

‘Yo I meant no disrespect by changing the lyric guys! I was trying to say a world were u could believe what u wanted that’s all,’

Bereits vor vier Jahren startete Amnesty International eine Kampagne zur Rettung der Menschen von Darfur. Im Rahmen dieser Kampagne sangen viele bekannte Stars für ein Benefiz-Album Lieder von John Lennon. Unter anderem auch die Hymne der Atheisten: “Imagine”. Aus dem Lied, in dem es um Frieden und Freiheit und eine Welt ohne Kriege um Besitz und Religionen geht machte Amnesty International mit der Hilfe von Willie Nelson folgende Version:

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Geschichten erzählen von Freude und Fleiß

Endstation Angst

Die neue Ausgabe der Jenaer Studentenzeitschrift Akrützel erscheint am kommendem Donnerstag unter dem Titel “Den Feind im Nacken: Die Strukturen der Neonazi-Szene in Jena”. In einer exklusiven Vorab-Veröffentlichung präsentieren wir hier das Editorial, verbunden mit einem herzlichen Dank an den Autor, Theodor Thornthrop:

Der Schriftsteller Norbert ist ins bayrische München gekommen. Für Menschen mit studentischem Hintergrund gibt es in München keinen Hauptbahnhof, sondern nur eine Endstation: Angst. Aus dem rechtsradikalen Milieu dieser Stadt stammen unter anderem die Kriegsverbrecher Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Hermann Göring. Hier waren sie in diversen Braukellern aktiv, ehe sie nach mißlungenen Putschversuchen die Macht ergriffen. Norbert wohnt im Osten und kommt nur selten in den Westen. “Ich sehe nicht sehr bayrisch aus und ich würde gerne den Westen bereisen aber ich hab einfach zuviel Angst um mich hier frei zu bewegen.” meint Norbert. Norbert hat einen erschreckend aktuellen Roman geschrieben: Evas Präludium. Er handelt von Zeitreisen, einer Fernsehredaktion, die sich ein einträgliches Zubrot mit Buchpromotionen verdient und einer Rose namens Adi. Auch nach zwei Maß Bier traut sich Norbert nicht tiefer in Münchens Keller. Zu der U-Bahnstation möchte er nicht, wo vor zwei Jahren ein Mann zu Tode geprügelt wurde. Zugegeben: Nazis und gewaltbereite Jugendliche treffen wir nicht in der “Hauptstadt der Bewegung”, die sich in den letzten Jahren doch zu einer toleranten und weltoffenen Metropole gewandelt hat. Auf der Rückreise frage ich Norbert: “Vielleicht sollten wir doch zu den Orten der Angst fahren. Dort wo heute die Rechten prügeln und morden und dabei von der Bevölkerung toleriert werden.” Norbert lacht. “Sind wir etwa Journalisten?”

Die Hintergründe dieses Beitrags sind hier nachzulesen.

Ramelow-Affäre: Presserat “rügt” Thüringer Allgemeine

Von Sven

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserates hat Bodo Ramelow, dem Vorsitzenden der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, recht gegeben. Ramelow sah sich wegen eines →.Leserbriefes mit beleidigendem Inhalt in der „Thüringer Allgemeinen“ in seinen Rechten verletzt. Die Thüringer Allgemeine hat mit der Veröffentlichung des Leserbriefes in zweifacher Hinsicht gegen den Pressekodex verstoßen:

Quelle: →.Pressemeldung der Linken auf Jenapolis

Doch damit nicht genug. Die Thüringer Allgemeine hatte noch →.weitere Beiträge über Bodo Ramelow. Ein →.Interview mit dem SPIEGEL-Autor und Kommunistenfresser Jan Fleichschhauer. Einen →.Kommentar von Chefredakteur Paul-Josef Raue und einen →.Kommentar vom vielgelobten Redakteur Henryk Goldberg.

Ein Sperrfeuer ohne Gleichen. Und in dieser Attacke der Zeitungsgruppe Thüringen gegen die LINKE im Allgemeinen und Bodo Ramelow im Besonderen zeigt sich die absurde Situation der Thüringer Presselandschaft in vollem Ausmaß. Die einzige Möglichkeit Ramelows, die Attacken dieses Medienmonopolisten – →.der 100 Millionen Euro Umsatz und rund 15 Millionen Euro Gewinn macht und in der →.Liste der Thüringer Arbeitgeber mit den meisten Beschäftigten auf Platz 9 rangiert – publizistisch zu reagieren, war ein →.Beitrag in dem kostenlosen Anzeigenblättchen Deutschland Today.

So wird in Thüringen Politik gemacht. Und das ist – abgesehen von der →.bisher unbeantworteten Frage, ob die LINKE eine Stasipartei ist – eine Farce.

Papst in Thüringen: Einfacher Seelsorger auf Staatsbesuch

Von Neidhart von Schwarzburg

Wie man der weltanschaulichen und der politischen Kritik am Besuch Joseph Ratzingers in Thüringen auf geniale Weise die Luft aus den Segeln nehmen kann, zeigt uns der Erfurter Bischof Joachim Wanke in der Samstagsausgabe der TLZ:

Um der Kritik an den Kosten des Besuches zu widersprechen, führt Wanke ins Feld, dass es sich schließlich um einen “Staatsbesuch” handle, der eben, wie jeder andere Staatsbesuch auch, Geld koste. Den weltanschaulichen Protesten gegen Ratzinger begegnet Bischof Wanke dann allerdings mit dem Argument, dass Ratzinger ja als “Seelsorger” und “nicht als Politiker” komme. Deshalb solle man “Toleranz und Nachdenklichkeit” walten lassen und “keinen falschen Parolen aufsitzen“.

Kosten von 11 Millionen Euro für den Besuch eines einfachen Seelsorgers und Toleranz und Nachdenklichkeit gegenüber dem Staatsbesuch eines Herrschers, der zwar kein Politiker sein soll aber trotzdem einem totalitären Gottesstaat vorsteht, in dem Frauen, Homosexuelle, Anders- und Nichtgläubige nicht oder nur in untergeordneter Position erwünscht sind. Eines Staates, der Empfängnisverhütung und Schutz vor AIDS bis vor kurzem kategorisch ablehnte und verbot. Eines Staates, der Kindesmißbrauch deckte und die Europäische Menschenrechtskonvention bis heute nicht anerkannt hat.

Joseph Ratzinger ist außerdem ein Lügner und Demagoge. So hat er bei seinem Besuch in Großbritannien im letzen Jahr vor “agressivem Atheismus” gewarnt und gesagt, “dass der Atheismus der Nazis zu deren extremistischen und hasserfüllten Ansichten geführt“ habe.

In Thüringen leben heute etwa 70% bis 80% Atheisten.

Adolf Hitler war dagegen Katholik und bemühte oft in seinen Reden den “Herrgott” der ihn und das “Deutsche Volk” zu großem bestimmt hätte.

Und in seiner ersten Rundfunkansprache am 1. Februar 1933 sagte Hitler:

    Indem der ehrwürdige Herr Reichspräsident uns in diesem großherzigen Sinne die Hände zum gemeinsamen Bunde schloß, wollen wir als nationale Führer Gott, unserem Gewissen und unserem Volke geloben, die uns damit übertragene Mission als nationale Regierung entschlossen und beharrlich zu erfüllen. [...] So wird es die nationale Regierung als ihre oberste und erste Aufgabe ansehen, die geistige und willensmäßige Einheit unseres Volkes wieder herzustellen.

    Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

    Sie wird die Fundamente wahren und verteidigen, auf denen die Kraft unserer Nation beruht. Sie wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen. [...] Möge der allmächtige Gott unsere Arbeit in seine Gnade nehmen, unseren Willen recht gestalten, unsere Einsicht segnen und uns mit dem Vertrauen unseres Volkes beglücken. Denn wir wollen nicht kämpfen für uns, sondern für Deutschland!

Herzlich Willkommen, Joseph Ratzinger!

Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht

Kommentar von Anonymous

Welch absurde Züge der Kult um seine eigene Person und der Verlust der Bodenhaftung annehmen kann, zeigt der Fall des Chefredakteurs der Thüringischen Landeszeitung, Hans Hoffmeister. Noch am letzten Wochenende war auf einer ganzen Seite der TLZ ein Bericht über die Ernennung Hans Hoffmeisters zum “Honorarkonsul” zu lesen, inklusive Zitaten aus einer Laudatio seines Chefs, Bodo Hombach, der ihm “Rückgrat, Prinzipien und Fingerspitzengefühl” attestierte. Wie das Fingerspitzengefühl Hoffmeisters aussieht, kann man nun auch an diesem Wochenende bewundern. Die TLZ widmet der Ernennung Hoffmeisters gar die Titelseite:

Welche Bedeutung der Titel eines Honorarkonsuls tatsächlich hat, kann man sich an dem Fall des Titelhändlers Hans-Hermann Weyer alias Consul Weyer Graf von Yorck vergegenwärtigen. Weyer ist selbst Honorarkonsul mehrerer Länder und sorgte dafür, dass möglichst viele – vor allem wohlhabende Menschen – mit den Titel eines Konsuls versorgt werden konnten.

Ein Honorar- oder Wahlkonsul ist also nichts anderes als ein ehrenamtlicher Konsul (lat. honor ‚Ehre‘). Er wird nicht bezahlt und macht auch nicht viel. Seine Aufgabe besteht vor allem in der Repräsentation und der Vertretung der Interessen des Landes, das ihm den Titel verleiht. Wie das nun vereinbar mit dem journalistischen Unabhängigkeitsgrundsatz ist, bleibt offen.

Der Titel dient vor allem dem Prestige seines Trägers. In Thomas Manns “Buddenbrooks” war der Titel des Konsuls mit erheblichem sozialen Wert verbunden. Die Position als Konsul war erblich und wurde auch von der Frau des Konsuls getragen. Damit könnte sich Lioba Knipping, Redakteurin der Jenaer Lokalausgabe der TLZ und Ehefrau Hoffmeisters, ab sofort “Honorarkonsulin” nennen. Damit gehen ihr die Elogen auf ihren Gatten in ihrer eigenen Zeitung sicher noch flüssiger von der Hand.

Übrigens wird dem Ereignis der Ernennung Hoffmeisters zum Honorarkonsul auch noch die zweite Seite der TLZ gewidmet:

Aufgezählt werden dort die “prominenten” Gäste, die zur feierlichen Eröffnung des “Konsulats” eingeladen wurden. Unter ihnen auch der polnische Konsul für das Nachbarland Sachsen, der Geschäftsführer der Mitteldeutschen Flughafen AG, Markus Kopp. Ein katholischer Pfarrer wird außerdem einen Segen sprechen.

Wenn sich die Zeitungsgruppe Thüringen fragt, warum sie innerhalb von 2 Jahren 20.000 Abonnenten verliert, sollte sie sich vielleicht einfach die Arbeit ihrer Chefredakteure genauer anschauen.

Welche Bedeutung die Ernennung Hoffmeister zum “Honorarkonsul” wirklich hat, veranschaulicht die Google-News-Suche übrigens ganz gut:

Personenkult um Hoffmeister treibt neue (Stil-)Blüten

Wie immer in der Wochenendausgabe der Thüringischen Landeszeitung wird den Ereignissen im Leben ihres Chefredakteurs Hans Hoffmeister eine halbe Seite mit Großaufnahme gewidmet. Diesmal gratuliert ihm sein Chef Bodo Hombach zum Titel des “Honararkonsuls” mit den warmen Worten:

Welcher Journalist würde sich nicht schämen, für eine solche Zeitung zu arbeiten?