Archive for the 'Feuilleton' Category

Schüler sollen von Kirche Werte und Demokratie lernen

Das Thüringer Kultusministerium hat gestern ein Kooperationsabkommen mit der “Evangelischen Akademie Thüringen” verlängert, das vorsieht, dass allen Thüringer Schülern durch die kirchliche Einrichtung „Demokratieerziehung und Wertevermittlung” zuteil werden soll.

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In fünftägigen “Projekttagen” sollen “Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 9 ermutigt und befähigt werden, über ethische, politische, kulturelle und allgemeine Themen zu philosophieren.” Bei sogenannten „Denkwegen zu Luther“ sollen “Reformation und Humanismus vor ethischem, religionskundlichem, historischem und politischem Hintergrund betrachtet werden.”

Den Schülern werden dann wohl auch Videos zum Thema “Gerechtigkeit” gezeigt, in denen es heißt:

Gerechtigkeit ist auch für Christen ganz wichtig. Sie können ihr nahekommen und dabei auf die “Gnade Gottes” vertrauen … versuchen, niemanden zu bevorzugen oder zu benachteiligen und dabei auf die “Gnade Gottes” vertrauen”


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Dazu erklärt der Vorsitzende des Humanistischen Landesverbandes Thüringen in einer ersten Stellungnahme:

„Mir bleiben einfach die Worte weg. Zum einen dekretiert eine kirchliche Einrichtung, die nur eine Minderheit der Thüringer vertritt, dem Gemeinweisen und den öffentlichen Schulen die Deutungshoheit über politische Bildung, Geschichte, Philosophie, Ethik und Wertevermittlung. Zum anderen entsetzt mich die ministerliche Gleichstellung von „Gesamtgesellschaft“ und kirchlich. Ich kann nur hoffen, dass der Minister recht bald auch die Zusammenarbeit mit anderen, vor allem säkularen Bildungsträgern sucht. Der HVD Thüringen ist gerne bereit, schulische Projekte der Demokratie- und Wertevermittlung zu unterstützen, ausgehend von einer weltanschaulich neutralen Position. Allerdings wird der HVD gegenüber demokratischen Institutionen des Freistaates keinerlei Richtlinienkompetenz beanspruchen.“

Google: Andere Länder, andere Sitten

Suchergebnisse für die Anfrage: tiananmen square protest in China

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Suchergebnisse für die Anfrage: tiananmen square protest in den USA

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Ostdeutscher Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, durch Westdeutschen ersetzt

lochti.jpgEs ist eigentlich eine Bombe, die da gestern in Thüringen einschlug. Und sie war doch nur ein Vorbeben zu dem, was momentan in der Presselandschaft um sich greift: Allzu mächtige und deshalb unliebsame Chefs werden von politischen Gegnern einfach abgesetzt. Gestern der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Sergej Lochthofen, heute der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Sowohl Lochthofen als auch Brender waren zu mächtig und zu selbstständig geworden. Lochthofen, der in den Wendewirren von der damaligen Belegschaft der Thüringer Allgemeinen ins Amt gewählt(!) wurde, muss einem “Erneuerungsprozess” des Thüringer Zeitungsmonopolisten weichen. Die drei Titel Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung sollen stärker zentralisiert und vereinheitlicht werden. “Regionalen Newsdesk” nennt sich die Sparmaßnahme, mit der Redaktionen zusammengelegt und damit Kosten gespart werden sollen. Gegenüber “FAZ.net” verglich Lochthofen das Vorgehen des Verlages mit den Methoden des Stalin-Regimes.

An die Stelle des Ostdeutschen Chefredakteuers, eines der wenigen profilierten und einflussreichen ehemaligen DDR-Bürger, die auch im Westen ernstgenommen wurden, soll nun der Chefredakteuer der Braunschweiger Zeitung treten.


Hintergrundinfos gibts bei DNews und bei Meedia

Wir hatten Herrn Lochthofen im September 2007 im Blogzentrale-Interview

Live per Webcam: Ex-Häftling kehrt in Stasi-Knast zurück

Stundenlange Verhöre, absolute Isolation, totale Überwachung – das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen gilt heute als Synonym für die menschenverachtenden Haftbedingungen in der ehemaligen DDR. Hier wurden Sekunden zu Stunden – und Stunden zu Tagen.

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Der ehemalige Häftling dieser Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, Carl-Wolfgang Holzapfel kehrt jetzt für sieben Tage unter möglichst realistischen Bedingungen in eine Zelle des Stasi-Gefängnisses zurück. Die Aktion wird rund um die Uhr via Webcam ins Internet übertragen und kann somit am Computer aus der Täterperspektive live miterlebt werden. Durch seine laut gesprochenen Gedanken und Berichte über Haftsituationen werden dem Betrachter zusätzlich persönlich Emotionen über die Webcam vermittelt. Die Fotografin Franziska Vu begleitet die Haftaktion und fertigt dazu eine fotografische Arbeit an.

Werden Sie Augenzeuge!

Haben Sie Fragen an Carl-Wolfgang Holzapfel, dann schreiben Sie ihm! Er beantwortet täglich Ihre Fragen in der Zelle.

Video mit Hintergrundinformationen zur Performance bei faz.de

UPDATE: Holzapfel war offenbar Mitglied bei der rechtsextremen Partei Die Republikaner

Werner Schulz zum Beginn der Wende am 9. Oktober 1989

9. Oktober 2009 – Werner Schulz from DieGrünen Leipzig on Vimeo.

Tolles Thüringen frisch geZAPPt

Wahl-Plakat: Dieter Althaus, “unser geliebter Führer”

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+++ Achtung: Die neuen CDU-Wahlplakate mit Dieter Althaus gibt es →hier +++

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Im thüringischen Wahlkampf hat der Linke-Abgeordnete Matthias Bärwolff mit seiner Interpretation eines CDU-Wahlplakats einen Eklat ausgelöst. CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus werde auf dem CDU-Plakat als «unser geliebter Führer» dargestellt, der «nach nordkoreanischer Tradition» in die Ferne schaue und dabei von Menschen umjubelt werde, sagte Bärwolff am Freitag im Landtag.

Thüringer Evangelikale missionieren mit Erich Honecker

Von sapere aude

Was ist das eigentlich für ein Blog-Titel? Evangelikale? Was soll das sein? Und was haben die mit Erich Honecker zu tun?

Evangelikale Christen sind Menschen, die es mit der Bibel sehr sehr genau nehmen. So genau, dass sie glauben, dass das Universum von einem “Gott” “erschaffen” wurde – und zwar vor etwa 6000 Jahren in genau 6 Tagen. Dass Menschen die Mythen der Bibel ernst nehmen, sollte eigentlich noch kein Problem sein. Aber die Evangelikalen Christen nennt man wegen ihrer wörtlichen Auslegung der Bibel auch christliche Fundamentalisten. Die deutschen Fundamentalisten haben in Thüringen ihr Hauptquartier. Im schönen Städtchen Bad Blankenburg ist die Deutsche Evangelische Allianz angesiedelt. Und eben diese Evangelische Allianz erregte in den letzten Montaten eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, als sie gegen eine Schülerzeitung vorging, die kritisch über die Evangelikalen in Deutschland berichtet hatte:

Diese Evangelikalen veranstalten jährlich Anfang August ein Massentreffen deutscher Evangelikaler in Bad Blankenburg, so auch in diesem Jahr. Da trifft es sich gut, dass zufällig gerade jetzt ein neues Buch auf den Markt kam, das nun aufwendig in der Ostthüringer Zeitung beworben wird.

Der Vater des Allianzhauschefs, Uwe Holmer, gewährte in den 90gern dem Ehepaar Honecker für kurze Zeit Asyl und wurde damit schlagartig berühmt. Eine aufregende Geschichte, die Uwe Holmer da zu erzählen hat – die OTZ verbindet die Buchvorstellung mit einer beiläufigen Erwähnung der 114. Allianzkonferenz in Bad Blankenburg und vergisst nicht zu erwähnen, dass es Holmer “mit der Bibel sehr genau” nimmt und “Alles, was er erlebt, mit seinem Glauben” verbindet. Im Kontext der Barmherzigkeit den Honeckers gegenüber, hört sich diese Einstellung natürlich mehr als löblich an. Holmer durfte seine Kinder trotz guter Noten nicht auf die Erweiterte Oberschule schicken. Trotzdem nahm er die Honeckers in seinem Pfarrhaus im brandenburgischen Lobetal auf. Eine scheinbar selbstlose Geste. Doch die weniger selbstlose Aufgabe der Evangelikalen ist die Mission.

Was die fundamentalistische Einstellung evangelikaler Missionare für weniger prominente Zeitgenossen bedeuten kann, sieht man hier:
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Die Grünen machen einen extraterrestrischen Aprilscherz

gruenemaennchen.gifAm ersten April diesen Jahres stellte die Bundestagsfraktion der Grünen – unter ihnen Hans-Christian Ströbele, Bärbel Höhn, Renate Künast und Fritz Kuhn – eine kleine Anfrage an die Bundesregierung:

Extraterrestrische Lebensformen im rechtsfreien Raum?

Unter anderem wurde da festgestellt:


“Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass Lebensgemeinschaften auf andere Planeten charakteristische und somit eindeutig erkennbare Radiowellen [ähnlich unseren Radio(wellen)ausstrahlungen] emittieren, und daß diese als Botschaften intelligenter extraterrestrischer Lebewesen identifiziert werden können.”

Und es wurde gefragt:


“Ist die Bundesrepublik Deutschland über eines ihrer Forschungsinstitute direkt oder indirekt an einem Programm / Projekt zur Auffindung intelligenter extraterrestrischer Lebensformen beteiligt? …

und

“Woran können extraterrestrische intelligente Lebewesen in diesen Tagen erkennen, ob die Bundesregierung in Berlin arbeitet?”

oder

Welche staatlich-administrative Behörde ist von Bürgerinnen und Bürgern zu verständigen, wenn extraterrestrische Lebewesen z.B. in ihrem (eigenen) Garten gelandet sein sollten?

und schließlich

Wird diese Frage auch auf europäischer Ebene (EU-Kommission oder EUMinisterrat) thematisch behandelt, und ist die Bundesregierung der Auffassung, dass auf die BesucherInnen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) Anwendung finden wird?

Die Bundesregierung war natürlich verpflichtet auf diese kleine Anfrage zu antworten und tat das dann auch mit aller gebotenen ->Ernsthaftigkeit:

“Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, die eine zuverlässige Einschätzung der Wahrscheinlichkeit extraterrestrischen Lebens erlauben würden. Eine Landung Außerirdischer auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland hält die Bundesregierung nach heutigem wissenschaftlichen Kenntnisstand für ausgeschlossen.”

Nach Meinung der Bundesregierung erübrigt sich damit auch die Beantwortung der anderen Fragen.

Bei dieser kleinen Anfrage handelt es sich natürlich um einen – sehr verspäteten – Aprilscherz.

Nur für den Fall, dass noch jemand darauf reingefallen sein sollte oder es nicht für erwähnenswert hält

Deutsche Einheit?

Von Franzzi

tor.gifEs ist ein Thema, das uns verfolgt in diesem Dauer-Jubiläums-Jahr. Unter anderem gedenken wir 20 Jahre Mauerfall, obwohl das ein Ereignis ist, das nicht in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft.

Denn die Mauern in den Köpfen sind noch nicht gefallen.

Ich verstehe das Problem durchaus. Wem 40 Jahre konsequent und allumgebend erzählt worden ist, der jeweils andere Deutsche sei der größte Feind und lebe im falschen System, der kann nicht plötzlich und auch nicht nach 20 Jahren “Einheit” sagen, er sei nicht anders. Er kann wahrscheinlich genauso wenig sagen, er möge den anderen.

Es freut mich, die versöhnlicheren Töne zu hören. Wie vorgestern Nacht als bei Deutschlandradio Kultur die Nachtgespräche am Telefon zum Thema “Einheitsbericht 2009. Wie einig sind sich die Deutschen?” liefen. Die meisten Anrufer wollten ein Ende der ewigen Unterscheidungstiraden, ein Ende der Vorurteile und Unterstellungen. Auch wenn mein positiver Eindruck vom Zustand dieser Bevölkerung durch einen Anrufer gegen Ende der Sendung stark getrübt wurde, der meinte, die Mentalitätsunterschiede zwischen Ost und West gingen bis auf den 30-jährigen Krieg zurück, seien immer schon da gewesen und auch für die Zukunft unüberbrückbar. Das Argument ist so doof, da muss man sich nicht mal die Mühe machen, es zu entkräften. Es entkräftet sich selbst.

Vielmehr stimme ich denen zu, die den Schwarzen Peter bei Medien und politischen Eliten sehen. Ich hasse diese grundsätzliche Kritik an den Medien, aber wenn es um Bedeutungsmacht und dergleichen geht, ist sie häufig berechtigt. Auch ich kann die Schlagzeilen nicht mehr hören: “Der Osten verkraftet die Krise besser”, “Soziale Ungleichheit zwischen Ost und West wächst weiter” und so weiter und so fort. Ein Hörer aus Weimar merkte an, man könne genauso sinnvoll Strukturdaten aus Nord und Süd vergleichen oder einzelne Bundesländer als Grundlage von Vergleichen nehmen. Aber das Aufrechterhalten der Ost-West-Vergleiche erhalte auch das Bild der Unterschiedlichkeit in den Köpfen der Menschen.

Das stimmt wohl. Diese Republik steht dabei gerade vor so einer großen Chance. Am Eingang ins Erwachsenenleben, in den Universitäten und den Ausbildungszentren, in Redaktionen und in den Nachwuchsorganisationen der Parteien sammelt sich eine Generation für die das geteilte Deutschland nur eine Erinnerung ist, keine selbst erlebte Identität. Das Ost- oder West-Sein wird ihnen aufgedrückt von den Erzählungen der Eltern und Großeltern und von den herum geisternden Begriffen des Ossis und des Wessis. Von den ewigen Vergleichen und dem ewigen Unterstreichen der Unterschiedlichkeit.

bisky.gifWir, die wir Anfang 20 sind, könnten diese Kategorien getrost vergessen. Wir fühlen uns nicht als Ost- oder Westdeutsche. Nicht mal, wenn wir dem jeweils “anderen” gegenüber sitzen, und das kommt in meinem Studiengang andauernd vor. Weil wir nicht mehr darüber nachdenken, aus welchem Teil Deutschlands unser Gesprächspartner kommt. Es spielt einfach keine Rolle. Außer in den Diskussionen über das deutsch-deutsche Verhältnis. Über die Probleme der DDR-Aufarbeitung und die Deutungshoheit. Es scheinen aber nicht unsere Probleme mit Selbst- und Fremdzuschreibung zu sein, die wir da diskutieren. Zwar erzählen “westdeutsche” Kommilitonen, dass sie “drüben” Freunde haben, die noch nie “im Osten” waren und diesen Landesteil so rückständig wie Australien im 16. Jahrhundert halten. Aber das seien Ausnahmen von Daheimgebliebenen, die sich dem fremden “Anderen” noch nie gegenüber gesehen haben. Die nicht feststellen konnten, dass der andere genau die gleiche Musik hört, die gleichen Probleme hat und auch weiß, wie sich Liebeskummer anfühlt. Für den die DDR ein genauso ferner Staat ist wie für ihn selbst. Weil er sie auch nur aus dem Geschichtsbuch und den Erzählungen und Fernsehdokumentationen kennt.

Die Begegnungen der Post-Mauer-Generationen sind entspannter und können Vorurteile leichter abbauen. Weil die Feindbilder uns nur anerzogen wurden, wir haben sie nicht selbst aktiv aufgebaut.

Es ist, als sei die Mauer in unseren Köpfen gefallen oder als sei sie nie dagewesen. Das sollte Deutschland in diesem Jahr als Chance begreifen. Und in jedem anderen Jahr auch. Und es sind die Medien und die politischen Eliten, die diesen Mauerfall bei der Jugend zur Kenntnis nehmen und ihn nicht gefährden sollten. Durch ihre ewigen Diskussionen um Ossi und Wessi.
Alle, die sich noch als Ossis oder Wessis fühlen, sollten ihre Ideologien und Feindbilder in den Koffer packen, quer durch die Republik reisen und sich endlich mal einander begegnen.

Aktuelle Kamera

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