Archive for the 'Kommentar' Category

“Herr Westerwelle: Auf Wiedersehen!”

Der Kabarettist Christian Springer, alias “Fonsi”, unterbricht vor laufender Kamera sein Programm, um einen eindringlichen Appell an Guido Westerwelle zu richten:

Der Sam-Hawkins-Effekt: Morddrohung gegen Matschie?

Kommentar von Sven

duell.gifEs ist absurd. Da wird nach der Entscheidung der Thüringer SPD für Koalitionsverhandlungen mit der CDU ein Drohbrief mit einer scharfen Patrone an die Landtagsfraktion geschickt und alle vermuten einen “verdrossenen SPD-Genossen” oder einen anderen Vertreter des linken Lagers hinter dieser grotesken Morddrohung.

Wie blöd müßte man sein, eine Morddrohung an einen Politiker zu schicken und zu hoffen, dass der den Forderungen der Drohung nachkommt. Selbst dem größten politischen Fanatiker müßte klar sein, dass ein Drohbrief, der an die Landtagsfraktion gerichtet ist, an die Öffentlichkeit kommt.

Und wenn eine solche Botschaft veröffentlicht wird, löst sie statt Angst und Gehorsam vor allem eines aus: Empörung.

Und genau das können wir jetzt beobachten. An allen Ecken wird sich nun künstlich über die “schlechte politische Kultur” echauffiert und vonseiten der Thüringer CDU schreibt man sogar, dass das JUSO-Transparent vom vergangenen Mittwoch (“Schwarz-Rot ist unser Tod”) nun “in ganz anderem Licht” erscheine.

NTV titelt suggestiv: Verärgerter Genosse? Matschie erhält Drohbrief

Fakt ist, nach diesem Drohbrief und der nachfolgenden Empörung ist jede Basisinitiative der Thüringer SPD zum Scheitern verurteilt. Jeder Genosse, der sich jetzt noch hinstellt und den Abbruch der Gespräche mit der CDU fordert gilt automatisch als Verteidiger eines potentiellen Mörders. Die Basiskonferenz, die die SPD-Linke für das kommende Wochenende geplant hat, wird damit scheitern. Kein SPD-Genosse wird nun noch öffentlich gegen Matschie opponieren.

Der Absender des Briefes wird wahrscheinlich nicht aufzufinden sein und die Ermittlungen werden vermutlich nach dem erfolgreichen Koalitionsvertrag mit der CDU eingestellt.

Aber Vermutungen über die Provenienz der Kugel kann man anstellen und diese Vermutungen weisen mitnichten in die Mitte der SPD.

Wer erinnert sich noch an den Winnetou-Film in dem Sam Hawkins seinen alten Schieß-Trick mit einem Jungen als Assistenten vorstellen will, der dabei zu Tode kommt? Hawkins versucht mit einem Handspiegel bewaffnet rückwärts auf ein Ei zu schießen, das der Junge zerdrücken soll, wenn der Schuss gefallen ist. Hawkins “Schießeisen” war nur mit Platzpatronen gefüllt – der Assistent starb trotzdem. Der Junge wurde jedoch nicht in die Brust getroffen. Die tödliche Kugel kam nämlich nicht aus Hawkins Richtung, sondern von hinten und traf das Kind in den Rücken.

Hawkins Ruf aber war zerstört.

Die einzige Möglichkeit, das Engagement der Thüringer SPD-Basis jetzt noch zu retten, ist der klare Hinweis darauf, dass die politische Flugrichtung der Patrone nicht von Links nach Rechts, sondern offenbar von Rechts nach Links zeigt.

Thüringer SPD beschließt Selbstauflösung

Kommentar von Sven

ohnetitel-2.gifDie Entscheidung ist nur konsequent. Gestern Nacht trat Christoph Matschie vor die versammelte Presse und sagte, dass sich der Landesparteirat der SPD für Koalitionsverhandlungen mit der CDU entschieden habe, um – eine viel zu oft bemühte Phrase benutzend – eine “handlungsfähige Regierung” bilden zu können.

Eine solche Entscheidung war aus zwei Gründen konsequent und eigentlich unvermeidlich. Zum einen gehört Christoph Matschie als sogenannter “Netzwerker” in der Bundespartei zum konservativen Flügel der SPD, zum anderen waren die Sondierungsverhandlungen mit den Grünen und der Linken in einer sehr gespannten und wenig vertrauensvollen Atmosphäre verlaufen.

Noch gestern machten die Grünen klar, dass die Hürden für erfolgreiche Koalitionsverhandlungen sehr hoch liegen und auch ein Scheitern nicht ausgeschlossen sei. In einem internen Papier schrieb man:

Wir verständigen uns darauf, nicht mit Organisationen, die das DDR Unrecht relativieren wollen, zusammenzuarbeiten. Ebenso sollen Menschen, die leugnen, das die DDR kein Rechtsstaat war, keine Verantwortung in der gemeinsamen politischen Arbeit für Thüringen wahrnehmen.

Damit waren ernste Querelen vorprogrammiert.

Mit der mitternächtlichen Entscheidung der Thüringer SPD-Führung ist die Partei in eine neue Phase ihres Abstiegs eingetreten. Die Partei steht vor ihrer Spaltung und droht nun, als Juniorpartner zwischen der CDU und der linken Opposition zerrieben zu werden.

Parteibasis und Bevölkerung werden ihre Konsequenzen ziehen.

Noch Fragen zur Bundestagswahl?

Aus aktuellem Anlass

Nein, ich werde nicht schweigen

Kommentar von sapere aude

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Meine religionskritischen Einwürfe in der THÜRINGER BLOGZENTRALE riefen in den letzten Wochen erheblichen Protest hervor. Wiederholt wurde ich von Christen, aber auch von Nichtchristen zum Schweigen aufgefordert.

Ich höre Vorhaltungen, dass man die Christen in Ruhe lassen soll, weil “jeder nach seiner Façon selig werden” darf. Ich höre den Vorwurf, dass mich doch gar nichts anginge, was jemand in seinen vier Wänden glaubt. Ich werde außerdem zurechtgewiesen, dass doch niemand sagen könne, ob es nun einen „Gott“ gibt oder nicht.

Und die meisten Leute, die sich für besonders gut und besonders schlau halten, behaupten dann einfach, sie wären “Agnostiker”. Diese Leute gönnen jedem seinen Glauben an seinen ganz persönlichen „Gott“ – weisen aber jeden scharf zurecht, der diesen Götterglauben kritisiert. Man hört:

“Jeder darf doch glauben, was er will!”
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Der Kampf um das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten

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Heute abend, um 22 Uhr werden sich die zwei Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten und der Amtsinhaber live im MDR-Fernsehen treffen und darüber diskutieren, wer die besseren Konzepte für Thüringen hat. Da im MDR-Studio nur Schüler und Erstwähler erlaubt sind (wahrscheinlich um den Ministerpräsidenten nicht zu überanstrengen), werden wir das Event mit einem Liveblog begleiten. Wer Lust hat, kann die Performance unserer drei Spitzenpolitiker während ihres 60-minütigen Schlagabtausches gern ebenfalls hier kommentieren:
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Wahl-Plakat: Dieter Althaus, “unser geliebter Führer”

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+++ Achtung: Die neuen CDU-Wahlplakate mit Dieter Althaus gibt es →hier +++

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Im thüringischen Wahlkampf hat der Linke-Abgeordnete Matthias Bärwolff mit seiner Interpretation eines CDU-Wahlplakats einen Eklat ausgelöst. CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus werde auf dem CDU-Plakat als «unser geliebter Führer» dargestellt, der «nach nordkoreanischer Tradition» in die Ferne schaue und dabei von Menschen umjubelt werde, sagte Bärwolff am Freitag im Landtag.

Thüringer Evangelikale missionieren mit Erich Honecker

Von sapere aude

Was ist das eigentlich für ein Blog-Titel? Evangelikale? Was soll das sein? Und was haben die mit Erich Honecker zu tun?

Evangelikale Christen sind Menschen, die es mit der Bibel sehr sehr genau nehmen. So genau, dass sie glauben, dass das Universum von einem “Gott” “erschaffen” wurde – und zwar vor etwa 6000 Jahren in genau 6 Tagen. Dass Menschen die Mythen der Bibel ernst nehmen, sollte eigentlich noch kein Problem sein. Aber die Evangelikalen Christen nennt man wegen ihrer wörtlichen Auslegung der Bibel auch christliche Fundamentalisten. Die deutschen Fundamentalisten haben in Thüringen ihr Hauptquartier. Im schönen Städtchen Bad Blankenburg ist die Deutsche Evangelische Allianz angesiedelt. Und eben diese Evangelische Allianz erregte in den letzten Montaten eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, als sie gegen eine Schülerzeitung vorging, die kritisch über die Evangelikalen in Deutschland berichtet hatte:

Diese Evangelikalen veranstalten jährlich Anfang August ein Massentreffen deutscher Evangelikaler in Bad Blankenburg, so auch in diesem Jahr. Da trifft es sich gut, dass zufällig gerade jetzt ein neues Buch auf den Markt kam, das nun aufwendig in der Ostthüringer Zeitung beworben wird.

Der Vater des Allianzhauschefs, Uwe Holmer, gewährte in den 90gern dem Ehepaar Honecker für kurze Zeit Asyl und wurde damit schlagartig berühmt. Eine aufregende Geschichte, die Uwe Holmer da zu erzählen hat – die OTZ verbindet die Buchvorstellung mit einer beiläufigen Erwähnung der 114. Allianzkonferenz in Bad Blankenburg und vergisst nicht zu erwähnen, dass es Holmer “mit der Bibel sehr genau” nimmt und “Alles, was er erlebt, mit seinem Glauben” verbindet. Im Kontext der Barmherzigkeit den Honeckers gegenüber, hört sich diese Einstellung natürlich mehr als löblich an. Holmer durfte seine Kinder trotz guter Noten nicht auf die Erweiterte Oberschule schicken. Trotzdem nahm er die Honeckers in seinem Pfarrhaus im brandenburgischen Lobetal auf. Eine scheinbar selbstlose Geste. Doch die weniger selbstlose Aufgabe der Evangelikalen ist die Mission.

Was die fundamentalistische Einstellung evangelikaler Missionare für weniger prominente Zeitgenossen bedeuten kann, sieht man hier:
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AUFRUF: GEHT NICHT WÄHLEN!

Hiermit werden alle Thüringerinnen und Thüringer dazu aufgefordert, nicht wählen zu gehen!

Wahlen sind sinnlos und überflüssig. Wenn Wahlen irgend etwas ändern würden, wären sie längst komplett verboten. Wahlen haben nur einen Zweck: Die da oben noch reicher zu machen und uns noch ärmer. Politiker sitzen im Parlament lediglich ihren Arsch platt und verdienen sich dicke Pensionen für ihre dicken Autos und ihre Villa – und damit sie ihre Kinder auf eine teure Privatschule schicken können, während unsere Kinder in eine versiffte Hauptschule gehen müssen. Also: GEHT NICHT WÄHLEN. Es ist sinnlos. Wenn ihr wählen geht, gebt ihr eure Stimme den Bonzen, die am liebsten das Hartz IV abschaffen würden. Politiker wollen alle nur Macht und Geld. Unser Geld. Also: GEHT NICHT WÄHLEN! Zeigt, dass ihr dieses Spiel nicht mitspielt. Zeigt, dass ihr einen eigenen Kopf habt! Wir brauchen keine Politiker. Wir können unsere Politik selbst machen. Erst, wenn WIR bestimmen, was läuft, dann herrscht wirklich Demokratie. Aber solange irgendwelche Politiker auf ihrer Arbeit in der Quatschbude Zeitung lesen, Kaviarbrötchen essen und Sekt trinken, geht es mit Deutschland nicht voran. Also: GEHT NICHT WÄHLEN.

Politiker sind ALLE korrupt und faul. Während wir uns einen Huckel auf den Kopf arbeiten, um unsere Familien zu ernähren, fahren Politiker in der Gegend herum und spielen den Grüßaugust, lassen sich fotografieren, grinsen uns dann aus der Zeitung entgegen und bekommen auch noch Knete dafür. Für’s Händeschütteln. Also: GEHT NICHT WÄHLEN. Es ist Zeitverschwendung. Die da oben machen doch sowieso was sie wollen. Wer wählen geht, gibt seine Stimme ab. Im wahrsten Sinne des Wortes. Also lasst das Wählen sein! GEHT NICHT WÄHLEN!. Finanzkrise und Krieg in Afghanistan? Wen interessierts? Kinderbetreuung und Arbeitsplätze? Hallo? Atomkraftwerke und Umweltverschmutzung sind doch völlig egal. Polizeiwillkür und Überwachungsgesetze? Das ist doch was für Idioten. Und wen interessiert schon, ob alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben, egal ob ihre Eltern reich oder arm sind. Also uns nicht. Und es ist auch egal, woher das Geld für die Sozialversicherung und die Rente kommt. Irgendwoher wird es schon kommen. Und was im Fernsehen läuft und was nicht, bestimmen immer noch wir. Wie hoch unsere Krankenkassengebühren sind und wer sie festlegt? Keine Ahnung! Muss man sowas wissen? Wer oder was festlegt, dass wir nicht so ohne weiteres entlassen werden dürfen? Irgendwer wirds schon festlegen. Krankenhäuser? Kindergärten? Schulen? Egal! Egal! Egal! Jedenfalls: GEHT NICHT WÄHLEN! Es ist völlig egal, was ihr ankreuzt. Es kommt immer dasselbe dabei raus. Ob ihr die Grünen wählt oder die Roten, die Schwarzen oder die Gelben. Alle korrupt und faul und der Staat ist überflüssig. GEHT verdammt nochmal NICHT WÄHLEN.

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