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Lokalpolitiker im Internet: Thüringer Kommunalwahlkampf 2012

Von Sebastian Großert

Eigentlich sollte hier ein schöner Rant stehen, eine Tirade über Thüringer Politiker, die ihren Kommunalwahlkampf 2012 lieber nicht in diesem Internet führen. Doch der Rant muss ausfallen, lediglich ein paar Spitzen sind noch drin, denn bis in hinterste Winkel des grünen Herzens haben sich die politischen Möglichkeiten des WWW herumgesprochen.

Am 22. April 2012 werden viele Thüringer wieder wählen können, wenn sie es denn wollen: 16 Landräte, die Oberbürgermeister der sechs kreisfreien Städte und rund 120 Oberbürgermeister und Bürgermeister weiterer Kommunen werden neu bestimmt. Und sah es im Herbst 2011 so aus, als mache selbst das politische “Spitzenpersonal” bei dieser Wahl – die finanziell recht ordentlich bestallten Oberbürgermeister und Landräte (hier: die Einstufung der Wahlbeamten in die Besoldungsgruppen, hier: die Grundgehälter in diesen Besoldungsgruppen) sowie deren Herausforderer – um dieses Internet als Kommunikationsmedium mit dem Wähler lieber einen Bogen, sieht es inzwischen anders aus.

Als Indiz für diesen Befund darf die vorgezogene Kommunalwahl am 15. Januar 2012 gelten: Die Wähler im Saale-Orla-Kreis bestimmen reichlich drei Monate vor den übrigen Thüringern einen neuen Landrat. Fünf Kandidaten stehen zur Wahl: Amtsinhaber Frank Roßner von der SPD will seinen Stuhl verteidigen, ihn dort herunterschubsen wollen Thomas Fügmann von der CDU, Thomas Hofmann von der Linken, Volker Ortwig von der FDP und Andreas Scheffczyk von der Freien Wählergemeinschaft “Unabhängige Bürgervertretung”.

Und bis auf den FDP-Vertreter, dessen Partei derzeit wahrscheinlich andere Sorgen hat als die Internetpräsenz eines Kommunalpolitikers mit überschaubaren Chancen, tragen alle Kandidaten ihren Kampf um Wählerstimmen auch im Netz aus. Roßner, Fügmann und Hofmann hat jemand gesteckt haben herausgefunden, dass Facebook einen Seitentyp “PolitikerIn” vorhält, Scheffczyk nutzt sein persönliches Facebook-Profil. Außerdem haben alle Kandidaten mehr oder weniger opulente und informative Seiten ins Netz gestellt (zu: Roßners, Fügmanns, Hofmanns und Scheffczyks Wahlkampfseite).

Auch anderswo sind Kandidaten sind mittlerweile aus dem digitalen Tiefschlaf erwacht und sind im Netz präsent. Beispiel Eisenach: Hier versucht SPD-OB Matthias Doht, seinen Posten zu verteidigen – seine Website gibt es schon länger, und seine Aktivitäten werden durchaus kontrovers betrachtet. Nun aber hat sein aussichtsreichster Rivale, der auf CDU-Ticket segelnde Ex-Polizeichef Raymond Walk, eine eigene Seite im Netz und eine Facebook-Fanseite. Wenn’s denn klappen soll mit der Eroberung der Amtskette, dürfen die Aktivitäten und Informationen dort ruhig noch ein wenig zunehmen.

Im Kreis Gotha will CDU-Landrat Konrad Gießmann wiedergewählt werden. Seine Facebook-Fanseite zählt zwar bisher nur schmale 127 Fans (Stand 13.1.2012, 17:00), ist aber dennoch bemerkenswert: Nicht nur, dass der letzte Beitrag von Gießmann oder seinem Stab ganze 28 Stunden alt ist – die Fanseite weist zudem eine “Willkommens-”, eine “Über mich-”- und eine “Meine Ziele”-Landing page auf, die nicht mit Facebook erstellt, sondern extern programmiert werden muss. Solch Zückerli hat Gießmanns SPD-Konkurrent Uwe Walther bei Facebook zwar nicht zu bieten – dafür postet er noch fleißiger, hat eine offene Facebook-Gruppe gegründet und lässt Videos produzieren.

Doch genug des Lobes, das sich mit vielen Beispielen fortsetzen ließe: Die Zahl der Internetmuffel unter den Kandidaten und verteidigungsbereiten Amtsinhaber ist auch nicht klein. In Suhl regiert der junge und kletteraffine Parteilose Jens Triebel, doch dem scheint das Netz so eine Art digitale Eigernordwand zu sein – dort ist über ihn nämlich bislang nichts zu entdecken. Im Kreis Saalfeld-Rudolstadt will sich Landrätin Marion Philipp am 27. Januar von ihrer SPD wieder nominieren lassen – doch im Netz und bei Facebook herrscht erstmal Funkstille (bis auf diese leicht angejahrte Begrüßung auf der Seite des Kreises), obwohl Philipp vom parteilosen Transportunternehmer Hartmut Holzhey herausgefordert wird, der im Netz und bei Facebook ordentlich Dampf auf den Kessel gibt und obendrein die CDU hinter sich weiß.

Im Saale-Holzland-Kreis weiß der CDU-Politiker Andreas Heller seit September 2011, dass er wieder in den Wahlkampf zieht – schon damals wurde er bereits von seiner Partei nominiert. Aber im Netz ruht still der See -Heller zankt sich lieber offline mit seiner 24-jährigen Herausforderin Judith Kroker, die eine eigene Seite unter unser-kummerkasten.de ins Netz gestellt hat. Wie es geht, könnte sich Heller nebenan im Kreis Greiz bei seiner CDU-Kollegin Martina Schweinsburg ansehen, die eine Facebook-Seite bespielt und sich schonmal martina-schweinsburg.de gesichert hat

Und dann wäre noch der Parteilose Hans-Helmut Münchberg, der den Landratsitz im Weimarer Land 1990 abonniert und seitdem nicht wieder abbestellt hat. Abgesehen davon, dass der Hochbauingenieur zuweilen den rechten Volkstribun gibt, ist Münchberg stolz darauf, ein Computermuffel zu sein: 21 Jahre lang kam er ohne Dienstrechner aus, seit Anfang 2011 hat er einen, der aber in der Ecke steht und meistens duster bleibt, wie er die Thüringer Allgemeine im Sommer 2011 wissen ließ. Aber Münchberg, der 63 ist, will weitermachen und wird das nach Lage der Dinge auch können, denn SPD und CDU haben sich mangels geeigneter Kandidaten entschlossen, Münchberg zu unterstützen. Ein Heimspiel, könnte man sagen. Die Chancen stehen schlecht, dass der Landrat in Apolda demnächst bei Facebook mit seinen Wählern kommuniziert.

Angela Merkel will gelenkte marktkonforme Demokratie

Warum verplappern sich Politiker eigentlich immer im Deutschlandfunk? Bundespräsident Horst Köhler mußte zurücktreten, weil er im Deutschlandfunk davon sprach, dass “militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, z.B. freie Handelswege”. Irgendwie wurde das Interview versendet. Vom Deutschlandfunk keine Reaktion. Auch sonst nicht viel. Erst im Internet kam dann langsam – etwas später – die Bombe hoch.

Schon im September wurden im Deutschlandfunk Ausschnitte einer Presskonferenz versendet. Dort antwortete Angela Merkel auf folgende Frage (auf den Seiten des Bundeskanzleramtes nachzulesen):

Frage: Frau Bundeskanzlerin, fürchten sie um die Schlagkraft des EFSF, wenn der Bundestag und alle anderen nationalen Parlamente in Europa demnächst bei allen wichtigen Entscheidungen vorab mitbestimmen wollen?

mit den Worten:

“Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben. Ich höre zum Beispiel von unseren Haushaltspolitikern, dass man sich dieser Verantwortung bewusst ist. Aber wir müssen in Europa einen Weg finden, obwohl wir mehrere Länder sind, trotzdem das Richtige zu tun. Dabei müssen die Regierungen und die europäischen Institutionen in Sachen Kommunikation zum Teil hinzulernen, und dabei müssen die Parlamente lernen. Aber ich sehe keinen Grund, warum die Parlamente schlechter als andere sein sollten.

Und erst langsam kommt so ein bißchen Unverständnis hoch. Die ersten waren wohl die nachdenkseiten. Dann kam der Freitag. Und jetzt der unbedingt lesenswerte Essay von Ingo Schulze in der Süddeutschen.

Vielleicht tritt ja bald eine Bundeskanzlerin zurück. Wegen eines Beitrages im Deutschlandfunk.

And no religion too!

Von Neidhart von Schwarzburg

Silvester-Skandal auf dem Times Square: Der Musiker Cee Lo Green sang eine veränderte Version von Lennons „Imagine“. Er ist nicht der erste. Amnesty International hatte die Textzeile einst einfach unterschlagen. Aber Green entstellte den Sinn des Liedes völlig. Statt “… and no religion too” sang er “… and all religion’s true”.

Bei der Silvester-Gala auf dem New Yorker Times-Square trat Cee Lo Green neben Lady Gaga und Justin Bieber auf. Kurz vor dem Jahresende konnten mehr als 2,3 Millionen TV-Zuschauer von “NBC’s New Year’s Eve with Carson Daly” live hören wie Green die letzte Zeile der Strophe des berühmten Liedes

Imagine there’s no countries ~ It isn’t hard to do ~ Nothing to kill or die for ~ And no religion too

kurzerhand in ein “… and all religion’s true” umwandelte.

Diese Änderung rief erheblichen Protest bei Fans und Atheisten hervor. Greens Twitter-Account wurde von einem ordentlichen Shitstorm überrollt. In Internet-Foren finden sich inzwischen diverse Reaktionen.

Andere bemerkten, dass Cee Lo die Zeile “Imagine no possessions” gekleidet in einen teuren Pelz mit goldener Uhr und Designerbrille sang.

Der Blogger Daniel Fincke argwöhnte, dass Cee-Loo seine Fans bald mit Passagen aus den Büchern von Christopher Hitchens’s “God Is Great: How Religion Fixes Everything” oder Richard Dawkins’s “The God Solution überraschen wird.

Cee Lo Green beschimpfte zunächst seine Fans für die Kritik, löschte die Beschimpfungen aber wieder und erklärte in einem – inzwischen ebenfalls gelöschten – Tweet dann folgendes:

‘Yo I meant no disrespect by changing the lyric guys! I was trying to say a world were u could believe what u wanted that’s all,’

Bereits vor vier Jahren startete Amnesty International eine Kampagne zur Rettung der Menschen von Darfur. Im Rahmen dieser Kampagne sangen viele bekannte Stars für ein Benefiz-Album Lieder von John Lennon. Unter anderem auch die Hymne der Atheisten: “Imagine”. Aus dem Lied, in dem es um Frieden und Freiheit und eine Welt ohne Kriege um Besitz und Religionen geht machte Amnesty International mit der Hilfe von Willie Nelson folgende Version:

ZAPP über Jenas Aspekte

Endstation Angst

Die neue Ausgabe der Jenaer Studentenzeitschrift Akrützel erscheint am kommendem Donnerstag unter dem Titel “Den Feind im Nacken: Die Strukturen der Neonazi-Szene in Jena”. In einer exklusiven Vorab-Veröffentlichung präsentieren wir hier das Editorial, verbunden mit einem herzlichen Dank an den Autor, Theodor Thornthrop:

Der Schriftsteller Norbert ist ins bayrische München gekommen. Für Menschen mit studentischem Hintergrund gibt es in München keinen Hauptbahnhof, sondern nur eine Endstation: Angst. Aus dem rechtsradikalen Milieu dieser Stadt stammen unter anderem die Kriegsverbrecher Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Hermann Göring. Hier waren sie in diversen Braukellern aktiv, ehe sie nach mißlungenen Putschversuchen die Macht ergriffen. Norbert wohnt im Osten und kommt nur selten in den Westen. “Ich sehe nicht sehr bayrisch aus und ich würde gerne den Westen bereisen aber ich hab einfach zuviel Angst um mich hier frei zu bewegen.” meint Norbert. Norbert hat einen erschreckend aktuellen Roman geschrieben: Evas Präludium. Er handelt von Zeitreisen, einer Fernsehredaktion, die sich ein einträgliches Zubrot mit Buchpromotionen verdient und einer Rose namens Adi. Auch nach zwei Maß Bier traut sich Norbert nicht tiefer in Münchens Keller. Zu der U-Bahnstation möchte er nicht, wo vor zwei Jahren ein Mann zu Tode geprügelt wurde. Zugegeben: Nazis und gewaltbereite Jugendliche treffen wir nicht in der “Hauptstadt der Bewegung”, die sich in den letzten Jahren doch zu einer toleranten und weltoffenen Metropole gewandelt hat. Auf der Rückreise frage ich Norbert: “Vielleicht sollten wir doch zu den Orten der Angst fahren. Dort wo heute die Rechten prügeln und morden und dabei von der Bevölkerung toleriert werden.” Norbert lacht. “Sind wir etwa Journalisten?”

Die Hintergründe dieses Beitrags sind hier nachzulesen.

Aspekte entschuldigt sich bei Jenaern … mit Werbung

Die Aspekte-Redaktion hat nach dem erheblichen Protest gegen einen ossiphoben Beitrag und einem vergeigten Rechtfertigungsversuch endlich die Reißleine gezogen und läßt den Redaktionsleiter Christhard Läpple per Videobotschaft – ein bißchen überheblich – nach Canossa ziehen. Läpple lobt Jena in dieser Botschaft als eine eine:

    “liberale, weltoffene Universitätsstadt, in der Toleranz groß geschrieben wird”

Und er bietet eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Vertretern der Stadt und des ZDF an. Was diesen Entschuldigungsversuch jedoch mehr als schäbig macht, ist die unverhohlene Werbung am Schluss der Videobotschaft für das Buch von Steven Uhly.

Unterdessen zieht der Protest der Jenaer Blogger immer weitere Kreise. Inzwischen ist man auch in anderen Teilen Ostdeutschlands erbost, erschüttert und entsetzt über die einseitig-stereotypsierende Berichterstattung. Es solidarisieren sich der Flurfunk Dresden, das Berliner Magazin spickmich und die Leipziger Internetzeitung:

In Thüringen und darüber hinaus äußern sich zum Thema noch jenanews, toastbrot, mediarina, ring 2, bildblog, theaterhaus jena und christophergaube.

Antenne Thüringen hat Jenaer zu dem ASPEKTE-Beitrag befragt:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Und auch der MDR hat einen Audiobeitrag.

Lieber Herr Ramelow,

vielen Dank für Ihr Fax. Offenbar sind Sie nun dazu übergegangen, mir Faxe statt Emails oder Twitterbotschaften zu schicken. Nun ja, nachdem auf diesem Wege zwischenzeitlich →Irritationen über Ihre Identität entstanden waren, ist die Sendung eines Fax’ wohl nur konsequent (Grafiken zum Vergrößern bitte anklicken!).

Wie man sieht, geht es in Ihrem Schreiben um zwei Themen. Einerseits um Ihren →Streit mit der Thüringer Allgemeinen, in der Sie als “Flachzange” bezeichnet wurden. Zum anderen geht es um eine →Frage, die Ihnen die THÜRINGER BLOGZENTRALE am 13. September 2009 per Twitter gestellt hat.

Sie haben damals in Ihrer Reaktion →viele Dinge geschrieben. Dinge, die Sie auch in Ihrem Fax wiederholen und die kaum als eine Antwort gelten können. Zum Beispiel, wer bei Ihnen im Büro arbeitet und wer nicht. Auch, dass zwei Landtagsabgeordnete ihre Biographie offengelegt haben. Sie wiederholen auch die tragische Geschichte von Frau Leukefeld, die – offenbar in Unkenntnis der rechtlichen Grundlagen – ihre Stasiakte veröffentlicht hat. Sie bekräftigen außerdem erneut, dass Sie Auskunft zu allen Personen erteilt haben, die sich in Ihrem “arbeitsrechtlichen Zuständigkeitsbereich” befinden. Was Sie darüber hinaus wiederholt ergänzen, ist, dass jeder Wahlbewerber in Ihrer Partei seine “politische Biographie” offenlegen muss und dass diese Informationen der Presse zur Verfügung stehen.

All das ist bereits bekannt. Sie haben das auch im →Fernsehen nochmal gesagt. Es sind keine Neuigkeiten … und schon gar keine Antworten auf unsere Frage.

Sehr geehrter Herr Ramelow, Sie sind der höchste gewählte Vertreter der Linken im Thüringer Parlament. Sie waren der Kandidat der Linken für das Amt des Ministerpräsidenten. Als ein solcher müßten Ihnen die von uns gewünschten Informationen zur Verfügung stehen oder durch Sie in kürzester Frist in Erfahrung zu bringen sein. Es geht hier nicht darum, die Zahl durch die Presse oder durch uns offenzulegen. Es geht darum, dass die Thüringer Linke und insbesondere Sie, als einer der höchsten Repräsentanten dieser Partei, zu dieser Sache stehen und ganz klar benennen …

“wieviele ehemalige hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit für die Thüringer Linkspartei in Ämtern und als Angestellte arbeiten, wie sie heißen und mit welcher Funktion innerhalb der Partei Die Linke sie betraut sind.”

Dies war unsere Ausgangsfrage. Diese Frage ist und bleibt unbeantwortet durch Sie. Und inzwischen würde uns auch eine einfache Zahl genügen.

Sie mutmaßen zum Abschluss, dass ich wohl einen Privatkrieg gegen Sie führe. Das ist nicht der Fall. Ich will Ihnen noch einmal sagen, warum mir diese Frage so wichtig war und ist: Ich hatte die LINKE für eine wählbare Alternative gehalten. Denn es gibt ein paar ganz wesentliche politische Positionen Ihrer Partei, die meinen Überzeugungen sehr nahestehen. Dazu gehörten auch wesentliche Teile Ihres Wahlprogramms für Thüringen, das koalitionsfreundlich zum damaligen Wahlprogramm der Grünen gepasst hätte, deren Mitglied ich (noch) bin, wie Sie ja auch nicht müde werden zu erwähnen.

Und noch etwas will ich nicht unterschlagen. Ich mag Sie persönlich gern. Ich mag Ihre Authentizität, Ihr Engagement und natürlich Ihre Affinität Neuen Medien gegenüber. Ich mag, dass Sie zu Ihren Schwächen stehen und natürlich, dass Sie als eine Art Underdog den Kampf gegen den Thüringer Medienkraken aufgenommen haben.

Ich führe also keinen “Privatkrieg” gegen Sie. Ich schätze Sie stattdessen als einen fairen Partner in der politischen Auseinandersetzung. Sie haben aber offenbar Angst vor mir. Doch das müssen Sie nicht. Ich möchte lediglich wissen, wem man da draußen noch vertrauen kann. Dazu gehört auch die Beantwortung unbequemer Fragen. Ich möchte deshalb meine Bitte an Sie wiederholen, uns für ein Videointerview zur Verfügung zu stehen.

Hoffend auf eine Beantwortung meiner Fragen und Bitten verbleibe ich ausgesprochen dankbar, dass Sie die Thüringer Blogzentrale Ihrer wertvollen Aufmerksamkeit weiterhin für würdig erachten, ergebenst, Ihr

Dr. Sven Oelsner

Ramelow-Affäre: Presserat “rügt” Thüringer Allgemeine

Von Sven

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserates hat Bodo Ramelow, dem Vorsitzenden der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, recht gegeben. Ramelow sah sich wegen eines →.Leserbriefes mit beleidigendem Inhalt in der „Thüringer Allgemeinen“ in seinen Rechten verletzt. Die Thüringer Allgemeine hat mit der Veröffentlichung des Leserbriefes in zweifacher Hinsicht gegen den Pressekodex verstoßen:

Quelle: →.Pressemeldung der Linken auf Jenapolis

Doch damit nicht genug. Die Thüringer Allgemeine hatte noch →.weitere Beiträge über Bodo Ramelow. Ein →.Interview mit dem SPIEGEL-Autor und Kommunistenfresser Jan Fleichschhauer. Einen →.Kommentar von Chefredakteur Paul-Josef Raue und einen →.Kommentar vom vielgelobten Redakteur Henryk Goldberg.

Ein Sperrfeuer ohne Gleichen. Und in dieser Attacke der Zeitungsgruppe Thüringen gegen die LINKE im Allgemeinen und Bodo Ramelow im Besonderen zeigt sich die absurde Situation der Thüringer Presselandschaft in vollem Ausmaß. Die einzige Möglichkeit Ramelows, die Attacken dieses Medienmonopolisten – →.der 100 Millionen Euro Umsatz und rund 15 Millionen Euro Gewinn macht und in der →.Liste der Thüringer Arbeitgeber mit den meisten Beschäftigten auf Platz 9 rangiert – publizistisch zu reagieren, war ein →.Beitrag in dem kostenlosen Anzeigenblättchen Deutschland Today.

So wird in Thüringen Politik gemacht. Und das ist – abgesehen von der →.bisher unbeantworteten Frage, ob die LINKE eine Stasipartei ist – eine Farce.

Zeitungsgruppe Thüringen verzichtet auf “weitere Schritte”

Von Sven

    Il est dangereux d’avoir raison dans des choses où des hommes accrédités ont tort. Voltaire (1694-1778)

Es gibt kluge Köpfe bei der Zeitungsgruppe Thüringen … und weniger kluge. Die weniger klugen hatten die THÜRINGER BLOGZENTRALE vor zwei Wochen per Rechtsanwalt aufgefordert, einen Beitrag aus dem Internet zu nehmen. Dem haben wir uns natürlich verweigert. Die klugen Köpfe haben die absurde Farce nun – bedingungslos – beendet.
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Fazit: Es ist durchaus ein Selbstzeugnis sowohl persönlicher als auch internetbezogener Sensibilität, wenn jemand – frei nach Schopenhauer – die “Kindertrompete” seines Kritikers mit Hilfe eines Advokaten zur “Posaune der Fama” erklären lassen will.

Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt

Von Sven

Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat am Freitag Post erhalten, von der Anwaltskanzlei Dr. Eick & Partner GbR. Diese Kanzlei vertritt die Zeitungsgruppe Thüringen. In dem Schreiben der Anwaltskanzlei werden wir darum gebeten aufgefordert, einen Beitrag aus der THÜRINGER BLOGZENTRALE zu entfernen. Die Kanzlei hat sich 14 Stunden für eine Rückäußerung “vorgemerkt“.

Was ist passiert?

Wir hatten darüber geschrieben, wie es kommt, dass die Zeitungsgruppe Thüringen kürzlich einen Zuwachs von 20.000 Lesern bejubeln konnte – wo doch jedes Kind weiß, dass die Zeitungsgruppe Thüringen immer weniger Zeitungen verkauft und dass vor allem die Stammleser der Zeitungen abwandern.

Das geheimnisvolle Leserwachstum ist nun tatsächlich möglich, weil die Leserzahlen eben nicht (nur) anhand der Zahl der verkauften Auflage ermittelt werden können, sondern auch durch – Achtung – Umfragen(!). Die Thüringer werden also befragt, ob sie Produkte der Zeitungsgruppe Thüringen lesen – wozu vermutlich auch das kostenlose Werbeblättchen “Allgemeiner Anzeiger” gehören dürfte. Die so ermittelte Wahrscheinlichkeit(!), dass jemand ein ZGT-Blatt liest, wird Reichweite genannt und von der „Media Analyse“ ermittelt. Wie genau das geschieht und was der Begriff “Leser” in diesem Fall bedeutet, ist jedenfalls gar nicht so einfach zu verstehen.

Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier schreibt zum Thema “Media Analyse”:

    Die Daten der „Media Analyse“, die von Medien und Werbewirtschaft als Währung behandelt werden, sind häufiger seltsam. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Onanier-Zeitschrift „Coupé“: Der sind zwischen 2004 und 2008 drei Viertel der Käufer verloren gegangen. Laut „Media Analyse“ schrumpfte die Leserzahl in diesem Zeitraum aber nur um rund ein Viertel. 2008 müsste nach diesen Werten jede Ausgabe von „Coupé“ durch zehn bis 13 Paar Hände gegangen sein, was man sich wirklich nicht vorstellen möchte.

In dem inkriminierten Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE ging es also darum zu zeigen, dass die ZGT hier nicht über den Zuwachs von zahlenden Lesern jubelt, denen die Produkte der ZGT etwas wert sind, sondern über eine zweifelhafte, per Umfrage ermittelte Zahl. Es wurde in unserem Beitrag die “verkaufte Auflage” (gemäß IVW) der “Reichweite” (gemäßt “Media-Analyse”) gegenübergestellt und damit klargemacht, dass zwischen Auflage und Reichweite ein Unterschied besteht, der offenbar eben nicht jedem klar ist.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen meint nun aber pikanterweise, dass der Beitrag in der THÜRINGER BLOGZENTRALE die IVW-Statistik, das heißt die verkaufbare “Auflage” mit der “Reichweite” verwechsle und damit suggeriere, dass die ZGT mit unzutreffenden Zahlen operiere. Die Zeitungsgruppe Thüringen möchte deshalb, dass wir den Beitrag aus dem Netz nehmen.

Wir haben den Beitrag im Netz gelassen, damit sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden kann. Und damit weiterhin jeder interessierte Leser sehen kann, dass es einen Unterschied zwischen verkaufbarer “Auflage” und einer statistischen Lesewahrscheinlichkeit (“Reichweite”) gibt.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen hat uns übrigens freundlicherweise zuerst eine Mail geschrieben – so wie im Impressum erbeten – bevor, das vergißt er nicht zu erwähnen, “weitere Schritte” in Erwägung gezogen werden. Welche weiteren Schritte das sein sollen, hat er zunächst offengelassen. Was er wohl meint?

Wir hatten in letzer Zeit jedenfalls viel zu meckern über die Zeitungsgruppe Thüringen. Verständlich, dass man darauf reagiert. Dass die Zeitungsgruppe Thüringen auf die Kritik nun mit einer anwaltlichen Löschungsaufforderung antwortet, macht klar: Es fehlt zwar an Nerven, Stil und Argumenten – aber offenbar nicht an Geld.

Und die Zeitungsgruppe Thüringen will vermutlich vor allem eines: Eine öffentliche Diskussion über die wirkliche Zahl ihrer Leser verhindern.