Archive for the 'Stadtnachrichten' Category

Bildungsstreik in Thüringen: Mach mit und sei dabei?

Von Robby

bildungsstreik.gifOh mein Gott! Erst eben habe ich festgestellt, wie schockierend und peinlich die Sache mit dem Bildungs- streik eigentlich ist. Im Seminar Beratungspsycho- logie ging es heute um psychologische Beratung im Bereich Werbung. Im Zuge dessen war es im praktischen Teil unsere Aufgabe ein Plakat für den Bildungsstreik zu entwerfen. Gleichzeitig wurden zu Beginn der Veranstaltung der aktuelle Flyer ausgeteilt, bei dem ich mich frage, wer sich von so etwas angesprochen und motiviert fühlt? Man werfe bitte einen Blick hierauf.

Nicht nur, dass ich nicht verstehe, was das Krümelmonster mit dem Bildungsstreik zu tun hat, nein, der Slogan beziehungsweise die Aufforderung “Mach mit und sei dabei” ist wirklich der Hammer. Erinnert mich ehrlich gesagt an “1, 2 oder 3 – letzte Chance, vorbei.”. Kindergarten- oder maximal Grundschulniveau. Warum sollte ich mitmachen, außer, damit ich wie alle anderen mitmache und dabei bin? Sorry, aber sinnlose Menschenaufläufe sind nicht mein Fall.

Weiterhin habe ich persönlich mit der Begriffswahl Streikdemo ein Problem. Das klingt nach Hauptsache gegen, aber nicht im Ansatz nach Wofür. Wie schon in dem Videokommentar angesprochen sehe ich auch hier wieder das Problem: Fordern ohne etwas dafür anzubieten. Und eine .de.vu-Domain macht das ganze nicht besser. Die (einmaligen) 12€ (oder weniger) für eine ordentliche Adresse sollte man schon haben, zumindest würde das in meinen Augen einen gewissen Grad Seriösitität liefern.

Nuja. Auch wenn unser Seminar aufgrund des Bildungsstreiks morgen ausfällt, geh ich wohl nicht mit Steine schmeißen. Erstens habe ich etwas gegen Massenaufläufe und zweitens kann ich mich deswegen und darüber hinaus nicht damit identifizieren. Ich gehe Seifenblasen vom Balkon steigen lassen. Denn erstens macht das Spaß und zweitens kann dann jeder sagen “Guckt mal, die Seifenblasen zerplatzen wie unsere Träume und Wünsche nach Bildung. Wie metaphorisch.”. Uns geht es zwar um die Seifenblasen, aber so bekommt jeder, was er will.

bildungsstreik2.gifWas unser Plakat angeht: In knappen 15 Minuten entwickelten wir den Slogan

“Bildung für alle!?
Alle für Bildung!”

Aufgehübscht mit verschiedenen, prototypischen Studentenvertretern respektive deren Strichmännchenkopfpendants. Das Plakat hängt auch irgendwo im Campusgebäude aus. Der Hintergrund der Botschaft? Bildung nicht nur als Recht, sondern auch als Pflicht. Dazu beachte man die latente Musketierverbindung. Nichts, aber auch nichts anderes als die soziale Verantwortung würde mich dazu bewegen, an der Streikdemo zu partizipieren. Und selbst mit der habe ich immer noch eine starke Tendenz zum Schulterzucken.

Mit Nazis reden?

unique.gif“Heil Hitler, Herr Friedman”, so begrüßte der verurteilte Holocaustleugner und ehemalige RAF-Terrorist Horst Mahler einst seinen Interviewpartner. Die Boulevardzeitschrift “Vanity Fair” wollte für ihre deutsche Erstausgabe einen richtigen “Knaller” im Heft haben. Der wegen Drogenbesitzes verurteilte TV-Moderator und ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, wollte es in einem rhetorischen Schaukampf mit einem für seine Eloquenz berüchtigtem Nazi aufnehmen. Wer dieses bizarre Duell inhaltlich gewann, darüber besteht bis heute Uneinigkeit an Stammtischen und in den Feuilleton-Büros.

Der publizistische Gewinner war jedoch eindeutig Horst Mahler.

In Jena wollte man dieses groteske Experiment offenbar wiederholen. Die Studentenzeitschrift “unique”, die sich vor allem integrationspolitischen Themen widmet, wählte sich einen stadtbekannten Jungnazi zum Gesprächspartner und ließ sich von dem geschulten Kader vorführen. Man stellt Fragen wie diese:

Unsere Einstiegsfrage, die wir auch bei unserer Straßenumfrage gestellt haben, lautet, wogegen oder wofür kämpfst du?

Und erhielt natürlich Antworten wie diese:


Wie alle politischen Idealisten jeglicher Couleur für eine bessere und gerechtere Welt, was in meinem und unseren Falle bedeutet: gegen den ausufernden Kapitalismus. Gegen die Globalisierung kämpfen wir und gleichzeitig für mehr soziale Gerechtigkeit und den Erhalt der Kulturen und der Völker.

Die Konsequenzen waren verheerend. Die Thüringer Allgemeine berichtete über den Vorfall. Die Linksfraktion im Thüringer Landtag forderte den Rücktritt des Chefredakteurs und die Nazis jubelten.

Morgen wird es zu dieser Sache eine Podiumsdiskussion geben:

Mittwoch, den 28. Januar, um 20 Uhr im Hörsaal 8 am Campus der Uni Jena

Es diskutieren (Fabian Köhler und Lutz Thorman), Louisa Reichstätter (Akrützel), Theresa Junge und Frank Piehler (Campusradio), Christoph Ellinghaus (Aktionsnetzwerk gegen Rechts), Prof. Seufert (Kommunikationswissenschaft) und Prof. Frindte (Pädagogische Psychologie).

Wiglaf Droste antwortete übrigens einmal auf die Frage, ob man mit Nazis reden müsse: “Muß man an jeder Mülltonne schnuppern?

Premiere in Weimar: Die ganz neuen Leiden des jungen Werther

Von Franzzi

Stefan Konarske (Werther) und Aaron Hildebrand (Wilhelm) verzogen sich nach der Filmvorführung erstmal unter die Laterne gleich neben dem Goethe-und-Schiller-Denkmal. Die meisten Otto-Normalverbraucher-Premierengäste strömten zeitnah in die laue Sommernacht. Premierenfeier? Nein danke. Die Crew, die Prominenz, die Journalisten und ein paar Weimarer zogen ins Foyer des Deutschen Nationaltheaters um – und auf den wundervollen Theaterbalkon.

Jazzmusik, Häppchen, Sekt und zu lautes Lachen. Vermischt mit Zigarettenrauch. Yvonne Catterfeld hat ihre zwei Freundinnen dabei und plauscht mit Hannah Herzsprung, die im vorgestellten Film die Lotte spielt. Schneewittchengleich – die Haut weiß wie Schnee, die Lippen rot wie Blut und das Haar schwarz wie Ebenholz. Doch heute sieht sie wieder ganz normal aus, schlägt die Beine übereinander, die Haare sind wieder braun und zusammengebunden.

So ist das also, wenn Regisseur Uwe Janson und Produzent Oliver Czeslik ihren Film im glanzvollen Rahmen vorstellen wollen. Einen Film, den jeder drei Tage vorher schon auf arte sehen konnte. Mit besserem Ton und dem gleichen mulmigen Gefühl. Dieser Werther, der hat nichts mehr von Goethes Protagonisten. Er ist in die heutige Welt geschossen und versteht seinen Leidensgenossen von vor 200 Jahren nicht mehr.

Denn im Gegensatz zum Romanvorbild bekommt er seine Lotte, er bekommt sie, weil er all die schönen Dinge, die an Willhelm geschrieben worden sind, diesmal direkt an seine Liebste richtet. “Er fängt mich ein mit seinen Worten”, verrät sie ihrer Freundin. Und sie bleibt bei ihm, schickt ihren Fast-Verlobten Albert (im Übrigen ein sehr unsympathisch-harter Typ) weg. Aber Werther leidet unter ganz anderen Dingen. Er leidet an der kalten Welt, die Glamour und Wärme vorspielt und nur Einsamkeit zu geben hat. “Wie können Menschen einander so wenig sein”, murmelt er, nachdem er Lotte gerade in den Armen hielt. “Ich habe gemacht, nicht gelebt – und Du hast es geglaubt!” Und dann erschießt er sich, vor ihren Augen, trotz ihres Protests. Weil man gehen soll, wenn es am Schönsten ist. Weil die Ernüchterung furchtbar ist, wenn man das bekommt, was man wollte und der Weltschmerz trotzdem nicht weniger wird.

Werther ist nicht mehr ein verzweifelt Liebender, sondern ein verzweifelt Hassender. Geboren aus dem Albtraum des Älterwerdens und der romantischen Verklärung des Jungseins. Das ist nicht Werther – und das ist nicht schön anzusehen. Die Kulisse schon. Jagdhaus Gabelbach, in dem ich selbst mehrfach meinen Winterurlaub verbrachte. Im verschneiten Thüriner Wald, der so frei atmen lässt. Aber auch das Licht des Films ist kalt, immer wieder die hektische Kameraführung, die Bilder verschwimmen, verlieren ihre Schärfe. Dazu tolle Musik von Miss Kenichi, stumme Bilder und immer wieder die Monologe Werthers. Das ist der Kompromiss, wenn ein Briefroman irgendwie halbwegs authentisch adaptiert werden soll. Es ist, mal wieder, nicht geglückt.

Die Schauspieler überzeugen. Auch Firtz Roth, der die erfundene Figur des Onkel Bernd verkörpert, der ständig “Fick Dich!” sagt und im Spiel tot umfällt, bis er einmal wirklich nicht mehr aufsteht. Er ist nicht nur unnötig, mal abgesehen von den paar flachen Witzen, er zieht die Handlung in die anstrengend in die Länge. Überhaupt lenkt soviel von der Liebesgeschichte ab, die Goethe einst erzählen wollte. Und die schön war, so wie sie war. Und die auch in der Neuzeit erzählt schön hätte werden können.

Dass zu zwei Dritteln besetzte Nationaltheater jubelte und johlte indes. Vor allem die Schüler, die gezwungenermaßen hier waren – und doch Spaß hatten. Vielleicht mag ich einfach die Vorlage zu sehr, um mich auf diese Adaption einzulassen. Obwohl Plenzdorfs neuere Leiden auch gefielen. Wer lieber guckt, als liest, der schaue sich den Thüringer Augenzeugen zur gestrigen Premierenfeier an, die genau genommen keine Premiere war.

Wagner in Weimar: Heil, Siegfried! Heil, Gutrune!

Von Louisa Reichstetter


Im Deutschen Nationaltheater Weimar schließt sich Richard Wagners „Ring” mit Emanzen und Hitlergrüßen

ring2.gifIrgendwann im Frühjahr muss sich jemand auf der Bühne im Kreis gedreht haben. Dabei schleuderte er wild Erdfarben umher. Sie klatschten gegen die Wände aus tarngrünem Grundton und fertig war die Kulisse für die `Götterdämmerung´. Schlicht und genial.
Inhalt und Inszenierung der Oper am Deutschen Nationaltheater Weimar sind jedoch weder schlicht noch genial: Es dominieren komplizierte Intrigen, Begierden im Libretto und regelmäßige Geschlechtsakte auf der Bühne. Wäre entweder Wagner oder der Regisseur Franzose, hätte dies vielleicht spannend und erotisch sein können. Doch beide sind sehr deutsch und so langweilen fast sechs Stunden phantasielose Rammeleien und perfide Betrügereien untermalt von kitschiger Spätromantik. Man konnte befürchten, was passiert, wenn der Männerchor als geschichtlicher Querschnitt der Soldaten auftritt: Vom Römerhelm über den Flieger des Ersten Weltkrieges, den Wehrmachtssoldaten bis zum amerikanischen GI ist alles vertreten. Als Bauernmädchen auf die Bühne huschen, hat der Chor nichts anderes zu tun, als die Wuschelmähnen zu wuchtigem Viervierteltakt zu vergewaltigen. Jede andere Taktart hätte sie sicher überfordert. Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek gehören zur Avantgarde der deutschen Musiktheaterszene. Doch wer sich so etwas ausdenkt, der könnte auch Fernsehdreiteiler drehen. Der geschilderte Überfluss an Geschlechtsdrang überschattet durchaus feinsinnige Ideen, wie sie beispielsweise in der Verkörperung des loyalen Pferdes Grane stecken: Dies spielt Erika Krämer in einer stummen Rolle mit wallendem weißen Haar.ring1.gif

Den gesamten Plot des letzten „Ringes” muss man sich als eine Mischung aus echter Nibelungensage und einem Remake von „Grüne Tomaten” mit Brigitte Nielsen in der Hauptrolle vorstellen: Brünnhilde liebt Siegfried, der aber muss fortziehen. Als Liebespfand hinterlässt er ihr einen güldenen Ring – just den Ring der Nibelungen, der die magische Kraft besitzt, das Leiden der Welt zu lindern.
Siegfried gelangt zielstrebig in das Reich der Gibichunger, das von dem einfältigen Gunther regiert wird. Gunther merkt nicht, dass dort eigentlich der grundböse Hagen das Sagen hat. Hagen will den Ring, was es auch koste. Mit einem fiesen Trick beziehungsweise Trank macht er den Heldentenor Siegfried gefügig: Er verliebt sich unsterblich in die Frau, die er als erste nach dem Gesöff sieht und grüßt: „Heil, Gutrune!” Die werte Gutrune ist Gunthers noch ledige Schwester. Und Gunther, der bisher nur Gefallen an der eigenen Schwester fand? Der soll im Tausch Brünnhilde erhalten. Die aber ist wehrhaft und treu, sodass es wiederum Siegfried mit der Tarnkappe richten muss. Darin sieht er aus wie Hanibal Lector als deutscher Fußballfan. Siegfried vergeht sich ausgiebig an seiner einst großen Liebe, streift ihr den Ring ab und verheiratet sie mit dem tapsigen König.
Um es kurz zu machen: Brigitte Nielsen alias Brünnhilde deckt die Intrige auf und rächt sich am ehemaligen Geliebten, indem sie zulässt, dass ihn Hagens Speer durchbohrt. Mit Hilfe von Gutrune, die Hagen unschädlich macht, gibt sie den Ring tapfer ihren rechtmäßigen Besitzerinnen, den Rheintöchtern, zurück.
Sodann taumeln wieder die Bauernmädchen in die wunderschöne Szenerie, geschaffen von Dirk Becker. Aus dem Bühnenhimmel beginnt es zu regnen: Als Sinnbild ihrer Befreiung und als Spiegel eines dümmlichen Emanzipationsbegriffs des Regisseurs fangen sie an, sich zu den letzten, überraschend leisen und vielschichtigen Wagnerakkorden nackt auszuziehen.

ring3.gifMusikalisch ist die Aufführung überzeugend. Renatus Mészárs Bass klingt als Hagen auch nach fünf Stunden noch kraftvoll, die Britin Catherine Foster als Brünnhilde meistert alle Höhen laut und klar.
Auch Norbert Schmittberg als Siegfried schlägt sich tapfer – meist nämlich muss er in unmöglichen Lagen singen, da er sich gerade wieder irgendwo auf der Bühne wälzt. Das Orchester glänzt mit perfektem Spiel unter seinem alten Dirigenten Carl St. Clair, der leider an die Komische Oper in Berlin gewechselt ist. Vielleicht hat ihn gerade der Konstrast gereizt: Wagner ist völlig humorfrei. Die Inszenierung folgte diesem Attribut des Führers´ Lieblingskomponisten weitgehend. So sind die Raben, jene Bühnenlümmel und Helfertiere des Hagen, beispielsweise als jugendliche Punks verkleidetet. Das ist nicht provokativ, sondern fragwürdig. Gleichsam erscheint es weniger als Provokation, sondern vielmehr als abgegriffene Peinlichkeit, wenn der Soldatenchor unter Hagens Ägide kurz den Hitlergruß imitiert.
Für Sexszenen und Nazisymbolik muss man eigentlich nicht ins Theater.

Videos vom Halbfinale der EM gegen die Türkei in Jena

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Fußball-EM: Public-Viewing auch in Jena, Weimar und Erfurt

Szenen wie diese wird es wohl auch dieses Jahr wieder geben. Am Johannistor in Jena ist ein Public-Viewing-Projekt geplant. Der Eintritt wird frei sein. Es wird jedoch auch wieder eine Schleuse geben, um den Gastronomen vor Ort ihre Umsätze zu erhalten.

Noch in der vorigen Woche wurde über den Ausfall der Fußball-EM-Feier in Jena spekuliert. Gastronomen, die die Fußball-WM am Faulloch betreuten, wollten darauf in diesem Jahr verzichten, da die Kosten die Gewinne nicht aufwogen. Nun hat die Firma CC Eventmanagement aus Utzberg bei Erfurt eine Genehmigung beantragt. Die Spiele werden auf einer 15 Quadratmeter großen Leinwand zu sehen sein. Das gilt auch für Erfurt und Weimar. In Erfurt kann man die EM auf dem Bahnhofsvorplatz und dem Universitäts-Campus verfolgen, in Weimar ist die deutsche Elf auf einer Großbildleinwand auf dem Goetheplatz zu sehen. Im Kirchgarten von Oberndorf bei Apolda und im Pfarrgarten von Magdala gibt es ebenfalls Public-Viewing-Möglichkeiten.

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Für Leser der Thüringer Allgemeinen, für die der Begriff “public-viewing” zu undeutsch ist, gibt es natürlich auch überall “Gartenfernsehen, Terrassenfernsehen, Hoffernsehen” und “Fernsehen im Freien”.

NACHTRAG: Bilder vom Spiel Deutschland gegen Portugal gibt es hier (Klick!)

Stadtbalkon

Von Baytor

“Stadtbalkon”? Mein Duden von 1983 kennt dieses Wort nicht, ich neuerdings aber, da mein Jenaer Stadtteil, das kleine, dröge Winzerla, jetzt einen Stadtbalkon hat!
Meine aus persönlichen Eindrücken gehäkelte Definition eines Stadtbalkons lautet: Begriff aus der urbanen Landschaftsgestaltung, zur Bezeichnung weitgehend unnützer Fläche mit schöner Aussicht, für die gern mal über eine Million Euro verheizt wird; effektiver Nutzwert: Assi-Treffpunkt.

Einst gab es am ehemaligen Winzerlaer Marktplatz einen kleinen grünen Hügel mit einem kleinen Wasserbecken inklusive kleiner Wasserspiele und der Plastik eines Flößers (daher der Name “Flößerbrunnen”). Dank einer, von der OTZ (Artikel zum Stadtbalkon) auf “rund 1,2 Millionen Euro” bezifferten Geldspritze ist der grüne Hügel einer Betonplattform gewichen, das Becken ist größer, der Flößer ist derselbe.

Die Baukosten wurden durch Fördergelder getragen, die ausschließlich zur Gestaltung Winzerlas genehmigt waren. Schon zu Baubeginn gab die Stadtteilzeitung zu bedenken, dass man doch auch mal ein wenig Instandsetzung betreiben könne. Nicht mit diesem Geld!

Am Donnerstag dann die Einweihung. Alle sind begeistert. Feierliche Eröffnung, feierliches Aufdrehen des Wasserflusses, feierliches Erstplanschen im neuen Becken, feierliches Erstsitzen auf den neuen Bänken.

Bald auch: feierliches Erstbesaufen und feierliche Erstbesprühung mit Graffiti – da bin ich mir sicher. Jeder, der hier auch nur eine Woche in Winzerla verbringt, weiß über den Platz am “Stadtbalkon” Bescheid. Schließlich befindet sich in unmittelbarer Nähe ein Supermarkt. Am Becken saßen sie schon immer: jene Leute, die ihre Zeit mit Sitzen verbringen und Kronkorken und Zigarettenstummel wie Konfetti verstreut zurücklassen.

Das einzig Gute am Stadtbalkon ist die fehlende Überdachung der Sitzgelegenheiten, sonst säßen sie auch bei Regen dort.

Lichtgedanken? 450 Jahre Universität Jena

Am morgigen Donnerstag, dem 15. Mai 2008 wird im Rahmen der Festwoche des Jenaer Universitätsjubiläums ein festlicher akademischer Umzug des Senats sowie von Rektoren und Gästen der COIMBRA-Gruppe und anderer befreundeter Universitäten stattfinden. Der Zug wird um 14.30 Uhr am Universitätshauptgebäude beginnen und über den Marktplatz, das Collegium Jenense und den Campus bis zum Volkshaus führen.

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Der Festakt zum 450-jährigen Jubiläum der Universität im Volkshaus wird ab 15.30 Uhr live im Internet übertragen.

Zum Jubiläum der Friedrich-Schiller-Universität Jena schreibt der Rektor den Kunstpreis 2008 für bildende und angewandte Kunst zum Thema “450 Jahre Friedrich-Schiller-Universität Jena – Rückblicke, Einblicke, Ausblicke” aus.

Teilnahmeberechtigt sind Studierende und Mitarbeiter der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    “[...] jede Bearbeitung soll von uns wohl aufgenommen sein, welche die höchsten und mannigfaltigsten Motive [...] in gebildetem Kunstsinne vorzulegen weiß.”

    Johann Wolfgang von Goethe

Die Arbeiten können bis zum 30. Mai 2008 eingereicht werden. Weitere Informationen hier.

Nachtrag: Bilder von der Tortenwurf-Attacke auf den Rektor

Aufruf zur 2. Thüringer Bloglesung

Genau ein Jahr ist es her, da traf sich die Thüringer Blogosphäre zur allerallerersten Thüringer Bloglesung im Jenaer Café Quirinus. Ausführliche Erlebnisberichte von JaBB, Markus, Pulsiv, Baytor, René, Michael, Lesof, Franzzi, Gonzo und Basti zeugen von einem unvergesslichen Ereignis.

So unvergesslich immerhin, dass Basti und Robby spontan Lust bekamen, dieses Ereignis zu wiederholen und vielleicht sogar zu toppen?! Wie siehts aus, liebe Thüringer Blogosphäre, gibt’s uns noch? Wollen wir?

Nachtrag (7.5.2008): Termin und Location sind gefunden. Weitere Informationen gibt es hier

Jenaer Denkmalstreit entschieden

Der Jenaer Stadtrat hat in seiner gestrigen Sitzung abschließend über den Bau eines Denkmals “zum Gedenken an die politisch Verfolgten in der SBZ und in der DDR zwischen 1945 und 1989” entschieden. Nach einer langen und sehr emotional geführten Debatte, mit zahlreichen Zitaten aus Biographien politisch Verfolgter und der mehrfachen Bestärkung der bereits seit Jahren bekannten Argumente für und wider den Bau des Denkmals, mit oder ohne Sponsoring durch den Deutsch-Amerikaner Karl-Heinz Johannsmeier, ist der Streit nun mit einem Änderungsantrag dreier Stadtratsfraktionen folgendermaßen entschieden worden.

    “Die Stadt Jena schreibt zur Gestaltung des Denkmals einen beschränkten Wettbewerb auf Grundlage einer Aufgabenstellung aus, die von der Stadt unter Einbeziehung von Opferverbänden und Historikern erarbeitet wird. Ausschreibungstext und Widmungstext sind dem Stadtrat zur Bestätigung vorzulegen. Die Finanzierung des Denkmals erfolgt aus Spenden und aus dem städtischen Haushalt. Das Denkmal wird am Standort Gerbergasse errichtet”

Die Fraktionen der Bürger für Jena, der CDU und der FDP sprachen sich für den Bau des Denkmals nach den Entwürfen und mit dem Sponsoring durch Karl-Heinz Johannsmeier aus. Begründet wurde dies mit der unbedingten Notwendigkeit des Baus eines solchen Denkmals, verbunden mit Anklagen in Richtung der Linksfraktion und der anderen Fraktionen, denen die Behinderung des Denkmalsbaus und Verunglimpfung Johannsmeiers vorgeworfen wurde. Textpassagen aus Dissidentenbiographien und persönliche Schicksale wurden als Argumente für die Forcierung des Baus nach dem Johannsmeier-Entwurf ins Feld geführt.

Linke, SPD und Grüne sprachen sich dagegen klar für den Bau eines Denkmals für die Verfolgten in der SBZ und in der DDR zwischen 1945 und 1989 aus, wollten jedoch die Bebauung des öffentlichen Raums und das Gedenken an die Opfer der “kommunistischen Diktatur” nicht so eng mit dem Sponsor Johannsmeier verbunden wissen, sondern die Last der Finanzierung und die Entscheidung über die Form des Denkmals den Jenaer Bürgern überlassen. Es sollte schließlich kein Johannsmeier-Denkmal gebaut werden, zu dem der Entwurf im Volksmund bereits geworden war.

Schwere Vorwürfe wurden gegen die Presse laut. Dass Leserbriefe veröffentlicht wurden, die den potentiellen Stifter diskreditierten und in seiner Ehre verletzten, sei unverantwortlich, meinte ein Stadtrat.

Karl-Heinz Johannsmeier hatte vorgestern gegenüber der OTZ seinen Rückzug aus dem Denkmal-Projekt angkündigt, sollte sich der Stadtrat erneut gegen seinen Entwurf entscheiden und eine öffentliche Ausschreibung fordern.

Will Jena Schulen an die Deutsche Bank verkaufen?

Was klingt wie ein Aprilscherz, ist ausgesprochen ernst: Die Deutsche Bank hat der Stadt Jena ein unmoralisches Angebot gemacht und nun ist man im Stadtrat im Zweifel. Sollen die Jenaer Schulgebäude, im Wert von 100 Millionen Euro, für 15 Jahre an eine Fondsgesellschaft verkauft werden, um damit einen Zinsertrag (durch Umgehung der Erbschaftssteuer) von 1,5 Millionen Euro einzustreichen?

Die Skepsis ist fraktionsübergreifend groß. Der Oberbürgermeister sagte der TLZ: “Ich werde keine entsprechende Beschlussvorlage in den Stadtrat einbringen”.

Grünen-Sprecherin, Anja Kaschta wies auf das Problem der Steuergerechtigkeit hin. Steuern, wie z.B. Erbschaftssteuern, kommen dem Staat zugute. Es sei “geradezu absurd, wenn staatliche Ebenen sich gegenseitig austricksen”.

Mehr Information im Bewegtbild von jenatv:
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