Archive for the 'Weimar' Category

Premiere in Weimar: Die ganz neuen Leiden des jungen Werther

Von Franzzi

Stefan Konarske (Werther) und Aaron Hildebrand (Wilhelm) verzogen sich nach der Filmvorführung erstmal unter die Laterne gleich neben dem Goethe-und-Schiller-Denkmal. Die meisten Otto-Normalverbraucher-Premierengäste strömten zeitnah in die laue Sommernacht. Premierenfeier? Nein danke. Die Crew, die Prominenz, die Journalisten und ein paar Weimarer zogen ins Foyer des Deutschen Nationaltheaters um – und auf den wundervollen Theaterbalkon.

Jazzmusik, Häppchen, Sekt und zu lautes Lachen. Vermischt mit Zigarettenrauch. Yvonne Catterfeld hat ihre zwei Freundinnen dabei und plauscht mit Hannah Herzsprung, die im vorgestellten Film die Lotte spielt. Schneewittchengleich – die Haut weiß wie Schnee, die Lippen rot wie Blut und das Haar schwarz wie Ebenholz. Doch heute sieht sie wieder ganz normal aus, schlägt die Beine übereinander, die Haare sind wieder braun und zusammengebunden.

So ist das also, wenn Regisseur Uwe Janson und Produzent Oliver Czeslik ihren Film im glanzvollen Rahmen vorstellen wollen. Einen Film, den jeder drei Tage vorher schon auf arte sehen konnte. Mit besserem Ton und dem gleichen mulmigen Gefühl. Dieser Werther, der hat nichts mehr von Goethes Protagonisten. Er ist in die heutige Welt geschossen und versteht seinen Leidensgenossen von vor 200 Jahren nicht mehr.

Denn im Gegensatz zum Romanvorbild bekommt er seine Lotte, er bekommt sie, weil er all die schönen Dinge, die an Willhelm geschrieben worden sind, diesmal direkt an seine Liebste richtet. “Er fängt mich ein mit seinen Worten”, verrät sie ihrer Freundin. Und sie bleibt bei ihm, schickt ihren Fast-Verlobten Albert (im Übrigen ein sehr unsympathisch-harter Typ) weg. Aber Werther leidet unter ganz anderen Dingen. Er leidet an der kalten Welt, die Glamour und Wärme vorspielt und nur Einsamkeit zu geben hat. “Wie können Menschen einander so wenig sein”, murmelt er, nachdem er Lotte gerade in den Armen hielt. “Ich habe gemacht, nicht gelebt – und Du hast es geglaubt!” Und dann erschießt er sich, vor ihren Augen, trotz ihres Protests. Weil man gehen soll, wenn es am Schönsten ist. Weil die Ernüchterung furchtbar ist, wenn man das bekommt, was man wollte und der Weltschmerz trotzdem nicht weniger wird.

Werther ist nicht mehr ein verzweifelt Liebender, sondern ein verzweifelt Hassender. Geboren aus dem Albtraum des Älterwerdens und der romantischen Verklärung des Jungseins. Das ist nicht Werther – und das ist nicht schön anzusehen. Die Kulisse schon. Jagdhaus Gabelbach, in dem ich selbst mehrfach meinen Winterurlaub verbrachte. Im verschneiten Thüriner Wald, der so frei atmen lässt. Aber auch das Licht des Films ist kalt, immer wieder die hektische Kameraführung, die Bilder verschwimmen, verlieren ihre Schärfe. Dazu tolle Musik von Miss Kenichi, stumme Bilder und immer wieder die Monologe Werthers. Das ist der Kompromiss, wenn ein Briefroman irgendwie halbwegs authentisch adaptiert werden soll. Es ist, mal wieder, nicht geglückt.

Die Schauspieler überzeugen. Auch Firtz Roth, der die erfundene Figur des Onkel Bernd verkörpert, der ständig “Fick Dich!” sagt und im Spiel tot umfällt, bis er einmal wirklich nicht mehr aufsteht. Er ist nicht nur unnötig, mal abgesehen von den paar flachen Witzen, er zieht die Handlung in die anstrengend in die Länge. Überhaupt lenkt soviel von der Liebesgeschichte ab, die Goethe einst erzählen wollte. Und die schön war, so wie sie war. Und die auch in der Neuzeit erzählt schön hätte werden können.

Dass zu zwei Dritteln besetzte Nationaltheater jubelte und johlte indes. Vor allem die Schüler, die gezwungenermaßen hier waren – und doch Spaß hatten. Vielleicht mag ich einfach die Vorlage zu sehr, um mich auf diese Adaption einzulassen. Obwohl Plenzdorfs neuere Leiden auch gefielen. Wer lieber guckt, als liest, der schaue sich den Thüringer Augenzeugen zur gestrigen Premierenfeier an, die genau genommen keine Premiere war.

Wagner in Weimar: Heil, Siegfried! Heil, Gutrune!

Von Louisa Reichstetter


Im Deutschen Nationaltheater Weimar schließt sich Richard Wagners „Ring” mit Emanzen und Hitlergrüßen

ring2.gifIrgendwann im Frühjahr muss sich jemand auf der Bühne im Kreis gedreht haben. Dabei schleuderte er wild Erdfarben umher. Sie klatschten gegen die Wände aus tarngrünem Grundton und fertig war die Kulisse für die `Götterdämmerung´. Schlicht und genial.
Inhalt und Inszenierung der Oper am Deutschen Nationaltheater Weimar sind jedoch weder schlicht noch genial: Es dominieren komplizierte Intrigen, Begierden im Libretto und regelmäßige Geschlechtsakte auf der Bühne. Wäre entweder Wagner oder der Regisseur Franzose, hätte dies vielleicht spannend und erotisch sein können. Doch beide sind sehr deutsch und so langweilen fast sechs Stunden phantasielose Rammeleien und perfide Betrügereien untermalt von kitschiger Spätromantik. Man konnte befürchten, was passiert, wenn der Männerchor als geschichtlicher Querschnitt der Soldaten auftritt: Vom Römerhelm über den Flieger des Ersten Weltkrieges, den Wehrmachtssoldaten bis zum amerikanischen GI ist alles vertreten. Als Bauernmädchen auf die Bühne huschen, hat der Chor nichts anderes zu tun, als die Wuschelmähnen zu wuchtigem Viervierteltakt zu vergewaltigen. Jede andere Taktart hätte sie sicher überfordert. Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek gehören zur Avantgarde der deutschen Musiktheaterszene. Doch wer sich so etwas ausdenkt, der könnte auch Fernsehdreiteiler drehen. Der geschilderte Überfluss an Geschlechtsdrang überschattet durchaus feinsinnige Ideen, wie sie beispielsweise in der Verkörperung des loyalen Pferdes Grane stecken: Dies spielt Erika Krämer in einer stummen Rolle mit wallendem weißen Haar.ring1.gif

Den gesamten Plot des letzten „Ringes” muss man sich als eine Mischung aus echter Nibelungensage und einem Remake von „Grüne Tomaten” mit Brigitte Nielsen in der Hauptrolle vorstellen: Brünnhilde liebt Siegfried, der aber muss fortziehen. Als Liebespfand hinterlässt er ihr einen güldenen Ring – just den Ring der Nibelungen, der die magische Kraft besitzt, das Leiden der Welt zu lindern.
Siegfried gelangt zielstrebig in das Reich der Gibichunger, das von dem einfältigen Gunther regiert wird. Gunther merkt nicht, dass dort eigentlich der grundböse Hagen das Sagen hat. Hagen will den Ring, was es auch koste. Mit einem fiesen Trick beziehungsweise Trank macht er den Heldentenor Siegfried gefügig: Er verliebt sich unsterblich in die Frau, die er als erste nach dem Gesöff sieht und grüßt: „Heil, Gutrune!” Die werte Gutrune ist Gunthers noch ledige Schwester. Und Gunther, der bisher nur Gefallen an der eigenen Schwester fand? Der soll im Tausch Brünnhilde erhalten. Die aber ist wehrhaft und treu, sodass es wiederum Siegfried mit der Tarnkappe richten muss. Darin sieht er aus wie Hanibal Lector als deutscher Fußballfan. Siegfried vergeht sich ausgiebig an seiner einst großen Liebe, streift ihr den Ring ab und verheiratet sie mit dem tapsigen König.
Um es kurz zu machen: Brigitte Nielsen alias Brünnhilde deckt die Intrige auf und rächt sich am ehemaligen Geliebten, indem sie zulässt, dass ihn Hagens Speer durchbohrt. Mit Hilfe von Gutrune, die Hagen unschädlich macht, gibt sie den Ring tapfer ihren rechtmäßigen Besitzerinnen, den Rheintöchtern, zurück.
Sodann taumeln wieder die Bauernmädchen in die wunderschöne Szenerie, geschaffen von Dirk Becker. Aus dem Bühnenhimmel beginnt es zu regnen: Als Sinnbild ihrer Befreiung und als Spiegel eines dümmlichen Emanzipationsbegriffs des Regisseurs fangen sie an, sich zu den letzten, überraschend leisen und vielschichtigen Wagnerakkorden nackt auszuziehen.

ring3.gifMusikalisch ist die Aufführung überzeugend. Renatus Mészárs Bass klingt als Hagen auch nach fünf Stunden noch kraftvoll, die Britin Catherine Foster als Brünnhilde meistert alle Höhen laut und klar.
Auch Norbert Schmittberg als Siegfried schlägt sich tapfer – meist nämlich muss er in unmöglichen Lagen singen, da er sich gerade wieder irgendwo auf der Bühne wälzt. Das Orchester glänzt mit perfektem Spiel unter seinem alten Dirigenten Carl St. Clair, der leider an die Komische Oper in Berlin gewechselt ist. Vielleicht hat ihn gerade der Konstrast gereizt: Wagner ist völlig humorfrei. Die Inszenierung folgte diesem Attribut des Führers´ Lieblingskomponisten weitgehend. So sind die Raben, jene Bühnenlümmel und Helfertiere des Hagen, beispielsweise als jugendliche Punks verkleidetet. Das ist nicht provokativ, sondern fragwürdig. Gleichsam erscheint es weniger als Provokation, sondern vielmehr als abgegriffene Peinlichkeit, wenn der Soldatenchor unter Hagens Ägide kurz den Hitlergruß imitiert.
Für Sexszenen und Nazisymbolik muss man eigentlich nicht ins Theater.

Unglücksglück: Martin Walser präsentiert “Ein liebender Mann”

Von Lebenslinien

Der Schriftsteller Martin Walser, einer der bekanntesten Intellektuellen Deutschlands, präsentierte am Mittwochabend im Festsaal des Stadtschlosses Weimar seinen jüngsten Roman über die Leidenschaft des 74 Jahre alten Goethe zu der erst 19-jährigen Ulrike von Levetzow.

walser.gifEine Urlesung. Nicht am Handlungsort Marienbad, sondern in Weimar, der Wahlheimat des Protagonisten aus Martin Walsers neuem Roman “Ein liebender Mann”, dem Dicherfürsten Goethe höchstselbst. Die Vorredner geben sich die Klinke in die Hand. Einer von ihnen, Ijoma Mangold, wird den Abend moderieren. Er ist Feuilletonredakteur bei der Süddeutschen Zeitung und erörtert, was Goethe zu einem Walserschen Helden macht. Schließlich sei Goethe ein Optimist gewesen, der das Leben von allen seinen Seiten gesehen hat. Doch Walser zeigt ihn leidend. So, wie er seine Protagonisten für gewöhnlich zu zeigen pflege.

Vierundsiebzigjährig verliebt er sich in die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow. Und er leidet. Schwankt zwischen der Möglichkeit und der Unmöglichkeit hin und her, will sie sogar heiraten. Als der Plan misslingt, schreibt er seinen Schmerz noch auf dem Weg nach Weimar nieder – in der Marienbader Elegie – die Walser in sein Buch einzubetten weiß. Mangold nennt diesen “geglückten Versuch” eine “Gedichtverfilmung”, wie immer das bei einem Buch auch gehen mag. Aber die rund zweihundert, größtenteils geladenen, Zuschauer dürfen sich selbst davon überzeugen. Walser liest.

Er präsentiert uns einen munteren und humorvollen Goethe. Einen, der sich seines Alters stets bewusst ist, der im Kopf immer wieder das gleiche Rechenspiel vornimmt: 74 – 19 = 55. 55 Jahre liegen zwischen ihm und Ulrike, fast ein ganzes Leben. Und doch ist er verliebt wie ein junger Hund und redet bisweilen mit sich selbst (wobei er jeden klugen Gedanken mit einem “schreib es auf” quittiert). Walser erzählt amüsant und kurzweilig, erspinnt Dialoge zwischen den beiden und begleitet sie auf die Verlobungsfeier von Goethes Arzt. Dieser wird immerhin eine 30 Jahre jüngere Frau ehelichen, wie Goethe erfreut feststellt. Seinetwegen solle es eine “Verlobungsepedemie” geben, damit die 55 Jahre nicht mehr gar so mächtig erscheinen mögen. Natürlich ist es ein Roman, Walser legt allen Beteiligten eine Menge Sätze in den Mund, spricht Goethe Gefühle, Humor und eine mächtige Portion Eitelkeit zu und doch kann man sich diese Eigenschaften gut am alternden Goethe vorstellen. Sie passen ins bisherige Bild.

Walser spricht allerdings immer von “seinem Goethe”, der mit dem “echten Goethe” nicht zwingend viel zu tun haben müsse. Er erfüllt einen Teil von Goethes Leben mit selbigem, von dem wir sehr wenig wissen. Schreibt die Liebesbriefe neu, die Ulrike von Levetzow kurz vor ihrem Tod verbrennen und bei sich begraben ließ. Und mogelt sich gleichzeitig um das Problem der biographischen Wahrheitstreue herum, so, wie es der Roman wohl immer tut. Das Thema, die Liebe bei großem Altersunterschied, ist in Walsers Werk nicht neu. Auch “Brandung” erzählt davon – oder auch der “Lebenslauf der Liebe”. Nur diesmal eben “nach einer wahren Geschichte” wie es so gern heißt. Und zwar von niemand geringerem als dem deutschen Literaturklassiker. Immer wieder spricht Walser an diesem Abend von der Befreiung, die das Schreiben ist – er legt es auch seinem Protagonisten in den Mund. Der Schmerz, den wir alle kennen und den Goethe in Walsers Roman durchlebt, könne man nicht überwinden. Auch nicht durch das Schreiben, wie es der “wahre Goethe” einmal zu sagen pflegte. Das Schreiben vermöge nur, aus dem Schmerz etwas Schönes zu machen. Wenn man es schafft, ihn in Worte zu fassen, in Verse zu pressen, dann tut er für kurze Zeit weniger weh. Und danach müsse man eben wieder schreiben. Der Schmerz sei nichts Negatives, er gehöre zum Leben: “Wer glaubt, dass das Leben nur das Eine ist – Glück oder Unglück – der hat noch nicht richtig hingeschaut, nicht richtig hingefühlt. Es gibt nur beides, nämlich Unglücksglück”, sagt der 80-jährige Literat und lächelt.

Abstimmungsverhalten Thüringer Bundestagsabgeordneter

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist “das Recht des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen.

    „Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. […] Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist. Hieraus folgt: Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. Dieser Schutz ist daher von dem Grundrecht des Art 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art 1 Abs. 1 GG umfaßt. Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. “

Aus dem Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts

Dieses “Grundrecht” auf informationelle Selbstbestimmung unterliegt einem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. So darf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt werden, wenn der Verdacht besteht, dass die Grundrechte oder die Sicherheit anderer oder des Staates gefährdet sind.

Wie z.B im Fall eines Wissenschaftlers, der wegen der Verwendung bestimmter Begrifflichkeiten in seinen wissenschaftlichen Publikationen im Internet ins Fadenkreuz des BKA geriet:

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Der Bundestag hat am vergangenen Freitag mit den Stimmen Thüringer Bundestagsabgeordneter ein Gesetz auf den Weg gebracht, das vorsieht Festnetz-, Mobil- und Internettelefonie, Beteiligte Telefonnummern, Dauer, Datum und Uhrzeit der Gespräche, Standorte der Anrufer bei Gesprächsbeginn sowie SMS-Verbindungsdaten, die IP-Adresse, den Anschluss, über den die Internet-Verbindung hergestellt wurde, E-Mail-Adressen und die Ein- und Ausgangsdaten der Kommunikationspartner mindestens 6 Monate zu speichern.

Darüberhinaus soll mit der monatelangen Speicherung personenbezogener Daten in Zukunft offenbar auch Dritten, also nichtstaatlichen Einrichtungen, ermöglicht werden, Auskunft darüber zu erlangen, mit wem der Bürger kommuniziert, welche Internetseiten er betrachtet und welche Onlinedienste er wie nutzt.

Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wurde von folgenden Thüringer Bundestagsabgeordneten auf den Weg gebracht:

Volkmar Uwe Vogel (CDU) Greiz – Altenburger Land
Dr. Gerhard Botz (SPD) Sonneberg – Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Orla-Kreis
Antje Tillmann (CDU) Erfurt – Weimar – Weimarer Land II
Carsten Schneider (SPD) Erfurt – Weimar – Weimarer Land II
Iris Gleicke (SPD) Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen
Ernst Kranz (SPD) Eisenach – Wartburgkreis – Unstrut-Hainich-Kreis II
Peter Albach (CDU) Kyffhäuserkreis – Sömmerda – Weimarer Land I
Manfred Grund (CDU) Eichsfeld – Nordhausen – Unstrut-Hainich-Kreis I
Bernward Müller (CDU) Gera – Jena – Saale-Holzland-Kreis
Volker Blumentritt (SPD) Gera – Jena – Saale-Holzland-Kreis (hat sich nicht an der Abstimmung beteiligt)

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Gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung haben folgende Thüringer Abgeordnete gestimmt:

Katrin Göring-Eckardt (GRÜNE) Erfurt – Weimar – Weimarer Land II
Frank Spieth (Die Linke.)Erfurt – Weimar – Weimarer Land II
Petra Heß (SPD) Gotha – Ilm-Kreis
Kersten Naumann (Die Linke.) Kyffhäuserkreis – Sömmerda – Weimarer Land I
Uwe Barth (FDP) Gera – Jena – Saale-Holzland-Kreis
Bodo Ramelow (Die Linke.) Gera – Jena – Saale-Holzland-Kreis
Lukrezia Jochimsen (Die Linke)
Cornelia Hirsch (Die Linke)

Die einzige Thüringer Abgeordnete der Koalition, die sich gegen die Verletzung der informationellen Selbstbestimmung ausgesprochen hat, begründet ihre Entscheidung so:

    “Ich habe heute dem Gesetz zur „Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung“ (Vorratsdatenspeicherung) nicht zugestimmt. Ich habe erhebliche Bedenken, ob die Richtlinie mit dem Europarecht vereinbar ist und ob überhaupt eine verfassungsgemäße Umsetzung gelingen wird. Auch die „Sicherheit der Daten“ bzw. deren Weiterverbreitung ist nur schwer zu kontrollieren. Durch das Cyber-Crime-Abkommen erlangen fremde Staaten Zugriff auf die Daten. Die weitere Verarbeitung in diesen Staaten ist nicht mehr kontrollierbar. Falsche oder falsch interpretierte Daten in den Händen fremder Staaten können zu repressiven Maßnahmen gegenüber deutschen Bürgern führen, ohne dass diesen etwas vorzuwerfen ist. Auch Wirtschaftsspionage wird in noch größerem Umfang möglich, als es bis jetzt der Fall ist. Die Verluste der Wirtschaft sind schwer vorherzusagen. Ich finde es richtig und notwendig, dass bei Verdachtsmomenten durch richterlichen Beschluss abgehört, erfasst und weiterverfogt werden kann. Bei diesem Gesetz wird aber die Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt. Datenermittlung geschieht ohne Grund. Die Bürger haben keine Chance mehr, den Umgang mit ihren Daten zu kontrollieren. Bei einem Projekt dieses Umfangs überwiegen meiner Meinung die Risiken und potentiellen Schäden bei weitem einem Nutzen für die Gesellschaft.”

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“Zug der Erinnerung” auch in Thüringen

zde.jpgGestern startete in Frankfurt a.M ein Zug der Erinnerungzur Fahrt durch die Bundesrepublik. Der Zug, der von einer Dampflok gezogen wird und aus mehreren Ausstellungswagen besteht, verkehrt auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn. Dort steuert er die Heimatstädte der über 12.000 Kinder an, die zwischen 1940 und 1944 in deutsche Vernichtungslager verschleppt wurden. Bisherige Haltestationen nach Frankfurt a.M. sind Bahnhöfe in Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen. Insgesamt wird der „Zug der Erinnerung“ über 3000 Kilometer zurücklegen.

An den früheren Deportationsorten bemühen sich Bürgervereine teilweise seit Monaten um Spurensuche nach den deportierten Kindern und Jugendlichen. Die Opfer stammen aus jüdischen Familien, aus Familien der Sinti und Roma oder sind Kinder von Nazi-Gegnern. Ihre Lebenszeugnisse, Fotos, Archivbelege und mündlichen Berichte wird der Zug am Ende der mehrmonatigen Reise zur Gedenkstätte Auschwitz (Oswiecim) bringen. Der Leidensweg der jugendlichen Opfer ist in der deutschen Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet geblieben.

Massendeportationen von Kindern und Jugendlichen fanden auch in den vormals okkupierten europäischen Staaten statt. Darin erinnert die fahrende Ausstellung mit Biografien aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Griechenland und Osteuropa. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, die nie mehr zurückkehrten.

Der Zug der Erinnerung wird auch die Bahnhöfe Gotha, Erfurt und Weimar anfahren.

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Stolpersteine

Mancher, der an den goldschimmernden Pflastersteinen vorbeigeht und ihre tiefe Gravur erkennt, denkt wahrscheinlich: “Wieder so ein Gedenkmist, der Geld kostet, stört und keinem was bringt”

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Geld – 95 Euro – kosten die “Stolpersteine” allerdings. Doch nur die Steinpaten, die für Herstellung und Verlegung vollständig aufkommen. Das hat offenbar auch den Jenaer Oberbürgermeister, Dr. Albrecht Schröter, überzeugt, der von der Jenaer Studentenzeitung “Akrützel”, im Rahmen eines Artikels zum “unmotivierten Umgang der jüdischen Vergangenheit in Jena”, mit folgenden Worten zitiert wird (S.19) :

    “Gedenktafeln werfen nämlich eine Kostenfrage auf, die mit den ausschließlich aus Spenden finanzierten Stolpersteinen umgangen würde.”

Die Kostenfrage ist also geklärt, bliebe die Störung. Stören sollen die Messingsteine wahrscheinlich schon. Nämlich die arglose Ruhe derjenigen, die meinen, die industrielle Vernichtung von Menschen wäre an ihrem Heimatort spurlos vorübergegangen und man solle doch endlich mal Schluß machen mit der ewigen Gedenkerei.

Über 9000 goldene Pflastersteine wurden bereits verlegt und fast täglich kommt ein weiterer dazu. Überall in Deutschland und natürlich auch in Thüringen: Arnstadt, Bleicherode, Gotha, Rengshausen, Suhl, Nordhausen, Jena und Weimar sind bisher Ziel des Engagements des Kölner Künstlers Gunter Demnig geworden.

grietgasse.gifSie sind auch im Netz gut dokumentiert: blogotronic hat eine Sammlung von Stolpersteinen aus ganz Deutschland angelegt, inklusive Erklärungen und Biographien, Peter schreibt über die Verlegung der Weimarer Stolpersteine und JenaTV hat einen Fernsehbericht von der Jenaer Verlegung in der Grietgasse, in der die oben abgebildeten Steine liegen. Sie sind Hermann und Klara Friedmann gewidmet.

    “Hermann Friedmann hatte in der Grietgasse eine Fellhandlung und auch eine Wohnung. Während der Pogromnacht 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. An den Folgen dieser Haft starb er zwei Jahre später. Seine Frau Klara kommt 1942 in das Sammellager in der Löbstedter Straße 56 und dann nach Theresienstadt, wo sie 1944 stirbt.”

schreibt die OTZ. Und vergißt nicht zu erwähnen, dass

    “OB Dr. Albrecht Schröter, der auch langjähriger Vorsitzender des Arbeitskreises Judentum ist, extra seine Teilnahme am Deutschen Städtetag verschoben [hat], um die Steinsetzung am Mittwoch selbst zu eröffnen.”

(Hervorhebung von uns)

Weitere Stolpersteine sind vor der Friedrich-Engels-Straße 52 und dem Forstweg 23 zu finden. Sie sind Max und Bertha Meyerstein, ihrer Tochter Franziska, dem Sohn Werner, Gerda Abraham und Agnes Holzmann gewidmet.

Wer nun noch fragt, wem diese Stolpersteine was bringen, der sollte sich nur mal für ein paar Minuten irgendwo in Sichtweite dieser Minidenkmäler hinstellen und die Leute beobachten, die offenbar nicht an dem glänzenden Blickfang vorbeigehen können, ohne sie zu bemerken. Und so denkt dann sicher mancher:

“Wow, das ist ‘ne geile Idee. Endlich mal eine öffentliche Denkmalsform, die die Allgemeinheit nix kostet, neugierig macht und damit echt was bringt.”

Dass man – auch innerlich – stehenbleibt und sich vergegenwärtigt, dass da Menschen gelebt haben, die von anderen Menschen aufgrund bloßer, oft willkürlicher Zuordnung – nicht einer Schuld oder eines Verbrechens wegen – aufgrund der Identifikation als Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, politisch oder religiös Abweichende verhaftet, deportiert, versklavt und grausam ermordet wurden.

Eigentlich unvorstellbar, oder?
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Das “Spiegelzelt” in Weimar

Von Peter [Post aus Weimar]

weimar.gifDas “Köstritzer Spiegelzelt” öffnete am 3. Mai seine Tore für die diesjährige Spielzeit mit Klaus Hoffmanns Jaques-Brel-Programm. In insgesamt 35 Vorstellungen und 4 Benefiz- und Zusatzveranstaltungen wird das Zelt in Weimar bis 17. Juni mit seiner einzigartigen Atmosphäre zum Schauplatz von Musik, Theater und Kabarett.

Das “Spiegelzelt” war ein sogenannter “dans palais” aus Holland und um die Jahrhundertwende mit seiner Ausstattung aus Holz und Samt mit zahlreichen Spiegeln die Attraktion auf Jahrmärkten und Festen in Holland und Belgien. Mittlerweile wurde es durch seinen Sponsor, die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, zum 4. Mal für ein Kleinkunst-Festival auf dem Beethoven-Platz am Rand des Weimarer Goetheparks aufgebaut.

Voriges Jahr hatten wir Karten zum Konzert der Gruppe “The World Quintett”, einer Schweizer Band, die Klezmer, Jazz und Blues unter einen (mitreißenden) Hut brachte, und dieses Jahr zu Pfingsten am 27. Mai für das Programm “Les Siciliens” mit Etta Scollo, die bereits zweimal das Weimarer Publikum verzauberte.

Wie immer hatte unser Johann Wolfgang auch zu Sizilien etwas zu sagen: “Sizilien ist das Tor zu Europa (…) hier ist der Schlüssel zu allem.”

Hinweis: Am 2, 3. und 4. Juni wird Dieter Hildebrandt erwartet, am 8. Juni Hagen Rether:
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“My god rides a skateboard” Theater? Für wen eigentlich?

skateoard1.jpgWenn man sich die Thüringer Theaterlandschaft anschaut fragt sich der eher fernsehgeneigte Kleinbürger, aber auch manch kreativer Jugendliche wofür die Millionen Kulturförderung in Thüringer Landeshaushalt eigentlich ausgegeben werden und warum hier eigentlich so erbittert gestritten wird. Dafür, dass wohlhabende und (ein)gebildete Damen und Herren sich gegenseitig ihres außerordentlichen Kunstinteresses versichern dürfen? Werden Theater jährlich mit Millionen subventioniert, dass dort, vor halbleeren Sälen, die Schönen und Reichen unter sich sein dürfen – sitzen doch die meisten, die über den Kulturhaushalt des Landes befinden und die, die von der Investition in die “Hochkultur” profitieren auch häufig an einem Abendbrotstisch … Dass dem wohl nicht so ist, zeigt eine kleine Gruppe von Schauspielern & Dramaturgen des Deutschen Nationaltheaters, die im September 2006 begannen herauszufinden, wie das Theater eigentlich von außen wahrgenommen wird. Was passiert dort draußen auf der wahrscheinlich größten Bühne Weimars, dem Theaterplatz? Das Leben vom Theaterplatz ins Theater zu bekommen war einer der Leitgedanken von Lutz Keßler, welcher das Projekt bis heute als Dramaturg begleitet.

Seit 19. März sitzt nun eine Gruppe von Theaterprofis und vorwiegend theaterfremden Interessierten in einem umfangreichen Probenprozess. Geleitet von dem aus New York durch seine Inszenierungen in Gefängnissen, Schulen der Armenbezirke und Psychatrien bekannten Schauspieler und Regisseur Sven Miller sucht man nun nach seiner persönlichen Form von Theater:
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Weihnachtsmarkt in Thüringen: Weimar und Jena

Adam, ein Amerikaner in Weimar, hat auf seinem Blog “Queer Expatriate” ein paar Bilder von den beiden Weihnachtsmärkten in Weimar und Jena:
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Und für alle anglophilen auch ein paar verbale Eindrücke:

“My biggest problem with the Weihnachtsmärkte is that there is little difference between a Weihnachtsmarkt and any other festival that a community might have during the year. Really the only substantial difference is that it is cold out and that they serve Glühwein and sell bratwurst for 1,60€ instead of 1,50€.”

Mein größtes Problem mit den Weihnachtsmärkten ist, daß es fast keine Unterschiede zwischen einem Weihnachtsmarkt und jedem beliebigen anderen Fest, das ein Ort im Laufe des Jahres machen könnte, gibt. Der einzige wesentliche Unterschied ist, daß es kalt draußen ist und daß sie Glühwein und Bratwurst für 1,60€ statt für 1,50€ anbieten.

Christoph Schwind versucht’s jetzt in Weimar

Von Sven

schwind.gifChristoph Schwind wollte Oberbürgermeister für alle Jenaer sein. Doch die wollten ihn nicht. Inwieweit hier parteipolitische Konstellationen den entscheidenden Ausschlag gegeben haben, sei dahingestellt. Da ihn, Schwind, offenbar auch sein Kreisverband nach der verlorenen Wahl nicht mehr so recht leiden mochte, geht der ehemalige Dezernent für Stadtentwicklung der Stadt Jena nun vermutlich in die Klassikerstadt ins Exil. Dort kandidiert er für den Posten des Bürgermeisters und Beigeordneten für Wirtschaft/Stadtentwicklung und Bauen, sowie Finanzen und Ordnung der Stadt Weimar. Ein umfangreiches Aufgabengebiet mit entsprechender Verantwortung. Man möchte dem designierten Stadtentwicklungsbeigeordneten nur wünschen, die Besonderheiten Weimars bei städteplanerischen Entscheidungen besonders zu berücksichtigen und ähnliche Bausünden wie in Jena zu vermeiden.

LINKS:

Interview mit dem ehemaligen Oberbürgermeisterkandidaten der Stadt Jena bei Jena TV

OTZ-Beitrag

[Bildquelle]

VG Weimar: Studenten mit Hauptwohnsitz bei Eltern müssen keine Zweitwohnsitzsteuer bezahlen

Die Ankündigung der Stadt Jena, im Falle der Nichtkooperation der Studierenden eine Zweitwohnsitzsteuer zu erheben, könnten sich zukünftig als leere Drohungen erweisen. Das Verwaltungsgericht Weimar hat entschieden, daß Studenten mit eigener Wohnung und einem Zimmer bei den Eltern keine Zweitwohnsitzssteuer bezahlen müssen. Ein Hauptwohnsitz bei den Eltern ist im Sinne der Steuersatzung keine eigene Wohnung, da die Studenten im Regelfall über die von den Eltern überlassenen Zimmer nicht “verfügen” können. Ein Student hatte gegen die Zweitwohsitzsteuer geklagt und ihm wurde Recht gegeben, allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig und die Satdt Weimar erwägt einen Gang zum Oberverwaltungsgericht. Bereits das Bundesverfassungsgericht hatte die Zweitwohnsitzsteuer in einem anderen Fall kassiert:

Das Gericht hatte entschieden, dass die Steuer für verheiratete Berufstätige gegen den verfassungsrechtlichen Schutz der Familie verstößt.

MDR

VG Weimar, Urteil vom 27.09.2006, Az. 6 K 5509/04

Siehe auch TLZ