Komisch: Ossis doch nicht blöd, meint die Süddeutsche

Das Magazin der Süddeutschen hat sich den Osten vorgenommen. Dunkeldeutschland. Die Zone. Wißt Ihr Bescheid.

Und sie machen Werbung für Reisen in den Osten. Mühlhausen z.B..

Und die Süddeutsche-Autorin Susanne Frömel ist überrascht. Der einzige Ossi den sie kennt hat schon mit Quentin Tarantino gearbeitet und ist offensichtlich kein Jammerlappen, so wie die anderen Ossis. Verheiratet ist er übrigens mit einer Ossifrau. Komisch eigentlich, meint die Autorin. Ja, komisch.

Und noch etwas stellen sie fest:

Nur fünf Prozent der deutschen Elite kommen aus dem Osten. Kein Bundesminister, kein wichtiger Chefredakteur, kein DAX-Vorstand. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung hat Deutschland ein Diskriminierungsproblem.

Komisch.

Facebook-Daten stoßen auf Interesse in der Industrie

Kürzlich wurden Millionen öffentlich zugänglicher Facebook-Profile auf einer Download-Plattform zum Herunterladen angeboten. Dort hat man die IPs der Downloader mitgeschnitten und inzwischen ebenfalls veröffentlicht. Unter den Firmen, die sich für die Facbook-Proflie interessierten, sind unter anderem Apple, Bertelsmann, Deutsche Telekom, Disney Halliburton, Pepsi Cola, Scientology, Siemens AG, SONY CORPORATION, Vereinte Nationen und Vodafone.

Was mit den Daten, die man bei Facebook eingibt, geschieht, kann man sich hier ansehen:

FAZ & CDU feiern Althaus für Abwanderung und Schulden

Wer die Tweets der Thüringer CDU-Landtagsfraktion in der letzten Zeit verfolgt hat, bemerkt einen interessanten Trend: Dieter Althaus ist wieder en vogue. Und das hat unter anderem auch mit einer außergewöhnlichen publizistischen Leistung der FAZ zu tun. Denn die Tageszeitung hat sich in den letzten Wochen in zwei Artikeln mit der Thüringer Landespolitik beschäftigt. Und in diesen Analysen kommt man zu dem Schluss, dass 1. unter Althaus alles besser war und 2. die jetztige rot-schwarze Koalition das Geld zum Fenster herausschmeißt, das die Westdeutschen im Schweiße ihres Angesichts zur Tür hereinkarren.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung jedenfalls lobt den ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten für seine Arbeit, die ihn im Vergleich zu den anderen – ebenfalls zurückgetretenen – Ministerpräsidenten scheinbar hervorragend dastehen läßt. Was die FASZ da gerechnet hat, bleibt im Dunkeln. Aber gut sieht er jedenfalls aus, der erste Platz für Althaus.

Offenbar scheinen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote in dieser Rangrechung die wichtigste Rolle zu spielen. Dass Dieter Althaus im Vergleich zu den westdeutschen Ministerpräsidenten im Falle des Anstieges(!) des Wirtschaftswachstums besser abschneidet, verwundert nicht. Ist es doch deutlich leichter von einem niedrigen Niveau – mit reichlich finanzieller Hilfestellung – aufzusteigen, als ein relativ hohes Niveau noch zu verbessern.

Udn auch die zweite Rechnung zeigt nur auf den ersten Blick einen Erfolg. Immer und immer wieder wird die nachlassende Zahl der Arbeitslosen in Thüringen als Beweis für die exzellente Aufbauarbeit der Thüringer CDU-Landesregierung gewertet. Dass die Zahl der Arbeitslosen aber vor allem deswegen sinkt, weil die Arbeitslosen in Nachbarländer abwandern, wird bei dieser Rechnung regelmäßig unterschlagen. Das Thüringer Landesamt für Statistik hat heute eine Prognose der Bevölkerungsentwicklung Thüringens herausgegeben. Bis 2030 wird Thüringen rund 30% seiner Bevölkerung verloren haben und liegt dann unter der 2-Millionen-Marke.

Das hindert die CDU-Landtagsfraktion jedoch nicht daran, zu twittern:

Nun ja, ob man die massive Abwanderungsbewegung der Thüringer als “Erfolg” verbuchen kann, ist sicher eine Interpretationsfrage. Die abschreckende Wirkung der CDU-Landesregierung scheint jedenfalls erheblich zu sein. Die kann man natürlich noch erhöhen, indem man auf “dringende” Haushaltskonsolidierung setzt, nachdem man in den letzten 20 Jahren 15,7 Milliarden EURO Schulden angehäuft hat. Diese Haushaltskonsolidierung soll nun natürlich auf Kosten der Herzensangelegenheiten des kleineren Koalitionspartners SPD gehen, der mehr in Soziales investieren will, während die CDU auf Wirtschaftsförderung setzt:

Wie erfolgreich die Strategie der letzten zwanzig Jahre CDU-Landesregierung war, sieht man ja auch an der Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Und da gibt es eine Entwicklung, die besonders erschreckend ist. Die Zahl der Arbeitsverhältnisse für die Menschen, die Thüringen überwiegend besiedeln und bevölkern sollten, die der 30- bis 40-jährigen, die hat sich allein in den letzten 10 Jahren CDU-Regierung fast halbiert:

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten hat sich in den letzten 10 Jahren übrigens ebenfalls reduziert. Um fast ein Drittel:

Also aller Grund zu jubeln.

Erstes Interview nach Rausschmiss: Sergej Lochthofen

Sergej Lochthofen im Gespräch mit dem Erfurter Radio F.R.E.I.

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Von 1990 bis 2009 war Sergej Lochthofen der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen. Unter ihm entwickelte sich das einstige Presseorgan der SED in Thüringen “Das Volk” zur ersten unabhängigen Zeitung Ostdeutschlands. Sergej Lochthofen wurde von der Redaktion als erster Chefredakteur des Blattes gewählt und hatte als Journalist deutschlandweit Beachtung gefunden. Doch nach fast 20 Jahren wurde er im vergangenen Jahr überraschend von der WAZ-Gruppe entlassen.

Radio F.R.E.I. sprach mit ihm über seine Vergangenheit, derzeitige Situation und seine Sicht auf die Zukunft der Presselandschaft.

Die Russen kommen: Manfred Grund hat Energiesorgen

Die Thüringer Blogzentrale hat wieder Post bekommen. Ulrich P. Kecke hat sich nach seinem letzten Leserbrief an die TLZ diesmal den Bundestagsabgeordneten Manfred Grund zur Brust genommen. Dessen energiepolitische Ansichten wurden nämlich in der Thüringischen Landeszeitung und der Ostthüringer Zeitung von einer Pressemitteilung zur Nachricht gemacht.

Der Eichsfelder CDU-MdB Manfred Grund ist – so wird es im Artikel dargestellt – im Prinzip der Ansicht, dass die einzige Rettung für Deutschlands Energie-Problem die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist. Die ist nun leider – stellt er scheinheilig fest – von der deutschen Bevölkerung nicht gewünscht. Deshalb müsse man wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und sich bedingungslos von den Gaslieferungen der Russen abhängig machen. Die alternativen Energien – Sonne, Wind uns Wasser – liefern ja schließlich noch nicht mal 15% der Energie in Deutschland. Wieso die dann so massiv subventioniert wird, versteht Manfred Grund jedenfalls nicht. Dass erst der massive Ausbau alternativer Energien zu einem größeren Anteil alternativer Energien am Energiemix führen könnte, kommt Grund offensichtlich nicht in den Sinn.

Ulrich P. Kecke hat uns jedenfalls noch ein paar weitere Punkte geschickt, die er dem Bundestagsabgeordneten Manfred Grund per offenem Brief mitteilen will. Deutschland exportiert zwar jährlich nicht nur ein Gigawatt, sondern rund 28 Terawattstunden Strom und die zunehmende Erderwärmung ist keine Legende, sondern ein Fakt, aber unabhängig davon stellt Herr Kecke die berechtigte Frage, wessen Interessen Herr Grund und die TLZ mit ihrem Gebrauch der Meinungs- und Pressefreiheit eigentlich vertreten:
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4. Thüringer Bloglesung oder so

Der Marcus hat es versprochen und hat sich jetzt auch drangesetzt. Die 4. Thüringer Bloglesung soll im September oder im Oktober stattfinden. Und sie soll einen neuen Namen bekommen. Und eigentlich soll sowieso alles anders werden. Marcus hat deshalb zur Organisation schonmal ein eigenes Blog aufgesetzt. Dort kann man mitdiskutieren, wie die Bloglesung … äh pardon … der “Blogjam” dann laufen soll. Eine Twitterwall gibt es natürlich auch schon. Und für alle, die gern Ihr Email-Adressbuch an jemanden verschenken wollen, der es dann eventuell weiterverkauft, gibt es jetzt sogar eine Facebook-Gruppe. Die hat schon 20 Mitglieder. Es geht also voran.

Wider die Legendenbildung: Kirche und Revolution 1989

Von sapere aude

Das Jahr 1989 war für uns alle, die wir in der DDR geboren wurden und aufgewachsen sind, ein außergewöhnliches Jahr. Ein Gefühl des Mutes zum Aufbruch zu ganz Neuem beseelte alle, die dabei waren. Und dabei waren viele. Ein großer Teil der DDR-Bevölkerung ging 1989 auf die Straße und ermöglichte so die friedliche, gewaltlose und humane Revolution. Das Erstaunliche an dieser Leistung ist, dass sie überwiegend von Atheisten vollbracht wurde. Von Menschen also, die von keiner Religion, keiner Ideologie, sondern von einem klaren Bedürfnis nach der Beseitigung von Unfreiheit und offensichtlicher Ungerechtigkeit getrieben waren. Der auch von DDR-Institutionen gelehrte nichtreligiöse Humanismus war nicht vereinbar mit dem realsozialistischen Unrechtsstaat, der seine Bürger aushorchte, einsperrte und folterte. Der Fall der Mauer war ein Ereignis, das so nur möglich war, weil auf beiden Seiten Menschen standen, die sich über die Dimensionen ihrer Entscheidungen zwar nicht immer im Klaren waren – aber meist vor allem eines bedachten: Menschen dürfen nicht zu Schaden kommen.

Die katholische und die evangelische Kirche reklamieren die Wende heute für sich. Mit ihren Kerzen und Gebeten soll niemand gerechnet haben. Aber die allzu schöne Geschichte von dem Politbüromitglied, das dieses Einknicken vor Kerzen und Gebeten zugegeben haben soll, →ist eine Legende. Eine Legende, die sich rasend schnell verbreitet. Dabei ist gerade den damals wichtigsten Vertretern und heutigen Kronzeugen der friedlichen Revolution bereits früh klar gewesen, dass eine Oppositionsbewegung, die aus einer Kirche kommt, im christlichem Duktus argumentiert und überwiegend von Pfarrern getragen wird, in einem Land, das zu 70% aus Atheisten besteht, nicht erfolgreich sein kann.

Bärbel Bohley, die Grande Dame der Wende, sagte in einem MDR-Radio-Essay denn auch folgerichtig:


“Die Kirche ist nicht der Platz, um eine Opposition – eine, die wirklich in die Gesellschaft wirkt – aufzubauen. Das geht nicht in einer Gesellschaft, die mehr oder weniger atheistisch war”

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Aktuelle Kurznachrichten aus Thüringen und dem Rest

Die Kurznachrichten gibt es jetzt nach dem Klick auf das Bild:

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Neues Blog in der Blogroll: Blog Arnscht

Warum verweigert Bodo Ramelow die Antwort?

Kurz nach der Landtagswahl im letzten Jahr stellten wir dem damaligen Spitzenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen, Bodo Ramelow, eine einfache Frage:

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Bodo Ramelow zog es vor, uns diese Frage nicht zu beantworten. Stattdessen überzog er uns mit einer beispiellosen Suada an Beschimpfungen und Unterstellungen.

Kurz darauf bat uns der Sender N24 um Fragen für eine Sendung mit Bodo Ramelow. Wir schickten unsere Frage. Und sie wurde gestellt. Und hier kann man Ramelows Antwort darauf verfolgen: Den gesamten Eintrag lesen »

Die 14. Bundesversammlung aus Thüringer Sicht

Von Suicider

Am 30. Juni wird der neue Bundespräsident gewählt, nachdem Horst Köhler aus unverständlichen Gründen zurückgetreten ist. Den neuen Präsidenten wählt die Bundesversammlung, die größte parlamentarische Versammlung der Bundesrepublik Deutschland. Sie besteht zur einen Hälfte aus Mitgliedern des Bundestages (MdB) und zur Anderen aus auserkorenen Mitgliedern der Länder. Insgesamt werden 1244 Wahlleute entsendet. Über die Kandidaten (Wulff, Gauck, Jochimsen) ist in nahezu jedem anderen Blog alles gesagt worden. Der Blick auf die auserkorenen Mitglieder Thüringens ist aber gerade jetzt interessant, nachdem Dagmar Schipanski (bekannte Professorin für Hammerwurf in Sofia) sich in den Medien äußerte, sie sei als Wahlfrau in Thüringen entfernt worden.

Das Land Thüringen darf 18 Wahlleute ernennen, aufgeteilt auf sechs Personen durch die CDU, sechs durch Die Linke, vier durch die SPD und jeweils einen durch die Grünen und die FDP.

Wen entsenden die Parteien genau? Der Wikipedia-Artikel zur Bundesversammlung sagt:

Zur Bundesversammlung ist wählbar, wer zum Bundestag wählbar ist. Die zur Bundesversammlung entsandten Vertreter müssen keine Mitglieder der Volksvertretungen sein; regelmäßig werden neben den Spitzenpolitikern der einzelnen Länder auch ehemalige Politiker, Prominente, Sportler und Künstler gewählt. Die Mitglieder der Bundesversammlung sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden.

Und wen haben sich die Thüringer so ausgesucht?

CDU:

  • Christine Lieberknecht, MdL
  • Mike Mohring, MdL
  • Birgit Diezel, MdL
  • Dieter Althaus
  • Prof. Dr. Bernhard Vogel
  • Ralf Luther

Na die kennen wir doch alle. Ein konservatives Dream-Team, aalglatte Politprofis mit Fraktionsdisziplin. Die ersten fünf braucht man nicht erklären. Ralf Luther, die wenigstens werden ihn kennen, ist der umstrittene Landrat im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Er soll angeblich Frau Schipanski ersetzen, damit die CDU-Politprofis „geschlossen für den Koalitionskandidaten Christian Wulff als Bundespräsidenten stimmen“.

Die Linke:

  • Elfriede Begrich
  • Bodo Ramelow, MdL
  • Dr. Birgit Klaubert, MdL
  • Prof. Dr. Klaus Dörre
  • Andrea Wagner
  • Knut Korschewsky, MdL

Drei prominente Landtagsabgeordnete, drei nicht bekannte Menschen mit gesellschaftspolitischer Funktion. Frau Begrich ist eine evangelische Pröbstin aus Erfurt. Andrea Wagner ist die Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte der Stadt Weimar. Und Prof. Dr. Dörre ist ein Wirtschaftssoziologe der Uni Jena. In wie weit die drei Letzten auch Mitglied der Linken sind, ist nicht bekannt. Zumindest hat die Linke eine gute Mischung aus Berufspolitikern und frei engagierten Menschen gefunden.

SPD:

  • Christoph Matschie, MdL
  • Frank Ullrich
  • Birgit Pelke, MdL
  • Dorothea Marx, MdL

Auch bei den Sozialdemokraten will man offenbar auf Nummer Sicher gehen und ernennt lieber mal drei Politprofis mit Erfahrung in Fraktionsdisziplin. Frank Ullrich ist der Quotenprominente und einziger Sportler bei allen Thüringer Wahlleuten.

Die Grünen:

  • Gisela Hartmann

Frau Hartmann ist in der Grünen-Fraktion im Landkreis Nordhausen vertreten und ist, passend zur Kandidatur von Gauck, eine engagierte Bürgerrechtlerin aus der DDR.

FDP:

  • Uwe Barth, MdL

Die Liberalen entsenden ihren Chef und Fraktionsvorsitzenden, der sich noch nicht festlegen will.

Obwohl es Vielen um die Entscheidung Wullf oder Gauck / Schwarz-Gelb oder Neuwahl geht, ist die Auswahl der Thüringer Wahlleute unabhängig von ihren Äußerungen zur Wahl mal wieder sehr offensichtlich. Während uns die CDU mit den immer gleichen Gesichtern repräsentiert, suggerieren Grüne und SPD immerhin eine Art Bürgernähe. Die Linke ernennt zur Hälfte Menschen, die diese Ehre wirklich verdient haben und nicht wegen ihrer Kandidatenpräferenzen ausgesucht wurden.

Denn eines darf jede Wahlfrau und jeder Wahlmann nicht vergessen: Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten darf jedes Mitglied der Bundesversammlung vorschlagen. Unabhängig von den Kandidaten der Parteien. Ob dieses Jahr jemand den Mut dazu aufbringt?