Wer die Tweets der Thüringer CDU-Landtagsfraktion in der letzten Zeit verfolgt hat, bemerkt einen interessanten Trend: Dieter Althaus ist wieder en vogue. Und das hat unter anderem auch mit einer außergewöhnlichen publizistischen Leistung der FAZ zu tun. Denn die Tageszeitung hat sich in den letzten Wochen in zwei Artikeln mit der Thüringer Landespolitik beschäftigt. Und in diesen Analysen kommt man zu dem Schluss, dass 1. unter Althaus alles besser war und 2. die jetztige rot-schwarze Koalition das Geld zum Fenster herausschmeißt, das die Westdeutschen im Schweiße ihres Angesichts zur Tür hereinkarren.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung jedenfalls lobt den ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten für seine Arbeit, die ihn im Vergleich zu den anderen – ebenfalls zurückgetretenen – Ministerpräsidenten scheinbar hervorragend dastehen läßt. Was die FASZ da gerechnet hat, bleibt im Dunkeln. Aber gut sieht er jedenfalls aus, der erste Platz für Althaus.

Offenbar scheinen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote in dieser Rangrechung die wichtigste Rolle zu spielen. Dass Dieter Althaus im Vergleich zu den westdeutschen Ministerpräsidenten im Falle des Anstieges(!) des Wirtschaftswachstums besser abschneidet, verwundert nicht. Ist es doch deutlich leichter von einem niedrigen Niveau – mit reichlich finanzieller Hilfestellung – aufzusteigen, als ein relativ hohes Niveau noch zu verbessern.
Udn auch die zweite Rechnung zeigt nur auf den ersten Blick einen Erfolg. Immer und immer wieder wird die nachlassende Zahl der Arbeitslosen in Thüringen als Beweis für die exzellente Aufbauarbeit der Thüringer CDU-Landesregierung gewertet. Dass die Zahl der Arbeitslosen aber vor allem deswegen sinkt, weil die Arbeitslosen in Nachbarländer abwandern, wird bei dieser Rechnung regelmäßig unterschlagen. Das Thüringer Landesamt für Statistik hat heute eine Prognose der Bevölkerungsentwicklung Thüringens herausgegeben. Bis 2030 wird Thüringen rund 30% seiner Bevölkerung verloren haben und liegt dann unter der 2-Millionen-Marke.
Das hindert die CDU-Landtagsfraktion jedoch nicht daran, zu twittern:

Nun ja, ob man die massive Abwanderungsbewegung der Thüringer als “Erfolg” verbuchen kann, ist sicher eine Interpretationsfrage. Die abschreckende Wirkung der CDU-Landesregierung scheint jedenfalls erheblich zu sein. Die kann man natürlich noch erhöhen, indem man auf “dringende” Haushaltskonsolidierung setzt, nachdem man in den letzten 20 Jahren 15,7 Milliarden EURO Schulden angehäuft hat. Diese Haushaltskonsolidierung soll nun natürlich auf Kosten der Herzensangelegenheiten des kleineren Koalitionspartners SPD gehen, der mehr in Soziales investieren will, während die CDU auf Wirtschaftsförderung setzt:

Wie erfolgreich die Strategie der letzten zwanzig Jahre CDU-Landesregierung war, sieht man ja auch an der Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Und da gibt es eine Entwicklung, die besonders erschreckend ist. Die Zahl der Arbeitsverhältnisse für die Menschen, die Thüringen überwiegend besiedeln und bevölkern sollten, die der 30- bis 40-jährigen, die hat sich allein in den letzten 10 Jahren CDU-Regierung fast halbiert:

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten hat sich in den letzten 10 Jahren übrigens ebenfalls reduziert. Um fast ein Drittel:

Also aller Grund zu jubeln.