Thüringer Blogger zum Amoklauf in Emsdetten

Verbieten, Ausgrenzen, Kriminalisieren, ist alles was einigen Politikern einfällt. Der Hamburger Innensenator Udo Nagel schägt die Einrichtung einer Datenbank für gewalttätige Heranwachsende vor. Als Vorbild könne die “Gewalttäterdatei Sport”, die bisher beim im Zaum Halten von Hooligans “ja ganz gut funktioniert”. Nehmen wir mal kurz an, diese Datei gäbe es schon paar Jahre. Weder Bastian B. noch Robert S. wären wohl darin aufgetaucht, sie waren ruhig und unauffällig. Viel wichtiger wäre es, über Ursachen und wirkliche Prävention nachzudenken.
Wenn ich so den Abschiedbrief des Amokläufers von Emsdetten lese, kommt es mir so vor, als ob dieser Typ gerade in seiner pubertären “Keiner-hat-mich-lieb-Phase” war. Aber hey, die hatte doch jeder mal. Solche Gedanken sind doch jedem schonmal durch den Kopf gegangen. Gut, mit etwas Schulwissen kann man sich eine Bombe basteln. Wenn man das noch mit dem Internetwissen kombiniert, kann man da vielleicht was gefährliches basteln. Aber zum Glück kommt eben nicht jeder, der sich gerade in einer solchen Phase befindet, an Schußwaffen. Mit Doom 3 ballern sich viele ihre seelischen Probleme aus dem Kopf. Das Problem war nicht, daß er Doom 3 gezockt hat, sondern, daß er an eine echte Waffe kommen konnte. Das war das Problem.
Der Amoklauf in Emsdetten beschäftigt die Medien und Gemüter. Wie nach jeder Gewalttat beginnt unter den Politikern der pure Aktionismus. Jeder hat etwas zu sagen und kann seinen ‚ultimativen‘ Vorschlag schneller umsetzen. Besonders beliebt sind Vorschläge, die vermeintlich wirksam sind, kaum Geld kosten und die eigene Wählerschaft nicht verärgern. Deshalb ist auch der alleskommentierende Herr Stoiber (CSU) sofort zur Stelle und fordert ein komplettes Verbot der Killerspiele. Dass die meisten Experten und sogar viele Politiker der Opposition diese Lösung für wenig hilfreich erachten, interessiert dabei nicht. [...] Aus der Geschichte lernt man nicht, in dem man sie löscht. Im Web geht jedoch nichts wirklich verloren (hier, hier und hier) und so sammelt diese Seite alle Hintergrundinformationen zum Amoklauf.”
“Da will doch Niedersachsens Ministerpräsident Wulff gewalttätige Computerspiele verbieten. Der Mann hat schliesslich Ahnung und muss es wissen. Auf seiner Liste der Verbote stehen noch: Äxte, Hämmer, Messer, Gewaltfilme, Autos, Brücken, Gewaltbücher, Kettensägen, Sprengstoff, Krimis und vieles mehr. Aja, die Amerikaner müssen auch demnächst deswegen auf ihre blutigen Kriege verzichten… Naja, es ist ja leicht zu sehen, dass ein Verbot sinnlos ist und den Reiz erst recht erhöht. In Zeiten von Breitband hat man auch schnell mal das Spiel illegal gezogen und auf den Schulhof ist das Dealen mit CDs wohl das kleinste Übel.”
und in einem späteren Beitrag:
“Da ich Killerspiele gespielt und Blutfilme gesehen habe und heute vor Thanksgiving nix los ist, die Action ist morgen, überlege ich, ob ich nicht mal mit Axt und Messer durch den Buchladen ziehe. Schön bestialisch paar Angestellte niedermachen. Danach würde ich durch die Gänge schleichen und mit der Pistole, die ich einem Polizisten überraschend aus seiner abgeschlagenen Hand entwendet habe, Doom spielen. Die nächsten Tage wird es also bei Barnes & Noble in Burlington, MA billig Bücher geben. Wenn das Blut eingetrocknet ist, stört es auch beim Umblättern nicht mehr.”
“Nach dem furchtbaren Amoklauf von Emsdetten kommen allenthalben wieder die Forderungen der Politik nach dem Verbot sogenannter Killerspiele – siehe zum Beispiel SPON. Wie naiv (oder abgebrüht?) muß man eigentlich sein, um solch dumme Forderungen zu stellen? Mein großer Sohn ist 18, hat bis vor kurzem ebenfalls solche Spiele gespielt (vielleicht auch immer noch, ich weiß es nicht), sich ganz sicher über einen gelungenen Headdie gefreut – und sang und singt als Baß im Knabenchor. Das ist überhaupt kein Widerspruch! Wer die wirklichen Hintergründe sucht, der möge den Abschiedsbrief des Amokläufers lesen und verstehen, daß die Welt deutlich komplexer ist als es sich so mancher Politiker vorzustellen vermag – und auch das ist eine Ursache für diesen Amoklauf.”
[Bildquelle: tageausglas.de]
November 24th, 2006 at 9:31 am
[...] Es scheint mir nach dem Lesen von Sebastian B.s “Abschiedsgedanken“, dass er in seiner verhassten Schule noch nicht bis Kant gekommen ist und somit die Botschaft des Kategorischen Imperativs ihm verschlossen blieb. Denn eine zwanglose und zwangsweise gesetzlose Welt hätte zur Folge, dass jeder, auch ihn, ohne Rechtfertigung töten könne. Was zwar im Hinblick auf seinen Selbstmord marginal wirkt, aber trotzdem im Raum stehen bleibt. Der Rest findet sich bei der TBZ. [...]
November 24th, 2006 at 8:31 pm
Ich finde, dass es weit genug ist in unserem Land und endlich mal offen darüber diskutiert wird.
Mit S.A.A.R.T. hat er ja nicht unrecht und von Zensur um alles verschwinden zu lassen halt ich auch nicht viel.
Ich habe jetzt einiges über ihn gelesen an Posts von ihm und auch Videos von ihm gesehen. Der Junge macht einen vernünftigen Eindruck. Die Spiele waren nicht Schuld daran, dass er durchgedreht ist. Das liegt tiefer bei ihm.
November 26th, 2006 at 1:59 am
[...] Thüringer Blogzentrale [...]
December 14th, 2006 at 6:56 pm
Es geht nicht um gesellschaftsrelevante Veränderung.
Es geht den beteiligten Politikern nur um die Zufriedenstellung der eigenen Lobby. In der konservativen Ecke findet man unter dem Deckmantel des Christentum leider außschließlich finanzielle Interessen.
Wo wird diese “Datei” denn gespeichert? Wer verwaltet die?
Und zu guter Letzt: wer kassiert für die nötigen Investitionen?
Genau – immer schön an das “Dank Informatik”-Plakat denken.
Traurig wieviele Parteisoldaten unisono in das Horn
Werteerhalt blasen, aber selbst alles nötige Tun was Ihnen die /Scheinchristen mit den Schwarzkonten/ einflüstern um diese Gesellschaft zu zersetzen.
Es ist erstaunlich wer für sich christliches Gebaren in Anspruch nimmt, aber eine _ernsthafte_ Selbstreflektion nicht bestehen würde.
Zurück zum Thema:
Alkohol macht aggressiv, Fernsehkonsum macht aggressiv, aber als erstes nimmt man den Katalysator “Killerspiele” – beschissenes Wort, mittlerweile in den Medien etabliert.
Ich glaube selbst, dass Ego-Shooter das Gewaltpotential bei gefährdeten Personen steigert. Mich stört aber die Einseitigkeit mit der Einelfälle aufgebauscht werden die noch nicht einmal die Diskussionen nach dem Zwischenfall in Erfurt beenden konnte – schade scheinen alle nichts gelernt zu haben.
Beeindruckend ist auch mit welchem Rückhalt Politiker wie Schäuble & Co zum Angriff auf die Verfassung und die garantierten Freiheiten blasen dürfen, ohne unmittelbar ihre Posten verlassen zu müssen.
Da werden Internetnutzer in die Nähe von terroristischen Trainingslagern gebracht und mehrere 100 Millionen Euro für die /Überwachung/ verprasst und wir wundern uns warum die Sozialleistungen dauern gekürzt werden müssen, damit der Staat sich nicht verschulden muss.
Der Verfassungsschutz ist ein Witz. Die größten Antidemokraten sitzen im Bundestag.
Mfg, Herr Mux
December 14th, 2006 at 8:05 pm
warst du schonmal im bundestag ? Wieso bist du der meinung, daß dort die größten antidemokraten sitzen? wer soll denn deiner meinung nach politik machen, wenn nicht politiker ? diktatoren? könige, kaiser, grafen, feudalherren? Anarchie? Assikotze in deinem Ehebett? Nee mein Lieber, deine berechtigte kritik an politischem aktionismus in allen ehren, wenn du keine alternative zu stammtischparolen lieferst, bist du nicht besser als der Anteil an allen politikern, der unsere steuergelder tatsächlich nicht verdient hat.