Archive for the 'Kommentar' Category

Konsul Hoffmeister wird die TLZ verlassen

Der polnische Honorarkonsul Hans Hoffmeister wird in Rente geschickt:

    “Hans Hoffmeister, Chefredakteur der “Thüringischen Landeszeitung” (TLZ), geht Ende August nach 22 Jahren an der Spitze der Redaktion in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der langjährige Chefredakteur der “Leipziger Volkszeitung”, Bernd Hilder.”

läßt die Funke-Mediengruppe, zu der die Zeitungsgruppe Thüringen mit TLZ, OTZ und TA gehört, verkünden.

Ob der stockkonservative Westdeutsche Hilder, der bei der Wahl zum MDR-Intendanten durchfiel, die richtige Lösung ist, darf bezweifelt werden. Zur neuen politischen Firmenlinie der Zeitungsgruppe Thüringen passt er allemal. Und die Landesregierung wird es freuen.

Wie wir finden, dass Hoffmeister seinen Posten verläßt, müssen wir wahrscheinlich nicht weiter erläutern.

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Grass hat recht … sagen nur unbelehrbare Antisemiten?

Von Neidhart von Schwarzburg

Nehmen wir mal an, anstelle des Wortes “Israel” hätte in Grass’ Gedicht “USA” gestanden. Es wäre nicht weniger wahr gewesen.

Aber hätte ein solches Gedicht dann dasselbe Echo erhalten? Hätte es ähnlich verbitterte und haßerfüllte Kommentare gegeben? Die gleichen Vorwürfe? Beleidigungen?
Man muss lediglich ein paar Worte austauschen:
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Gealtert und mit letzter Tinte: Das Gedicht von Günter Grass

Von Neidhart von Schwarzburg

Innerhalb von Stunden hat die Empörung über ein Gedicht von Günter Grass einen Höhepunkt erreicht. Grass schreibt darüber, dass er nun – da Deutschland atomwaffenfähige U-Boote nach Israel liefert – sein Schweigen zur israelischen Atom-Politik beenden möchte. Grass schreibt außerdem, er habe bisher geschwiegen, weil jede Kritik an der Politik Israels schnell zum globalen Antisemitismusverdacht wird. Die hysterischen Reaktionen zeigen: Er hatte recht.

Prüfen wir zunächst kurz die Fakten:

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Liebe Generation meiner Eltern,

Ihr seid entsetzt.

Ihr seid total baff, dass eine Partei wie die Piraten 7,5 Prozent der Wählerstimmen bekommt. Ihr fragt mich, Euren Sohn oder Neffen, wie das kommen kann. Wie solche Chaoten, wie Computerspinner, die kein Programm haben, außer das Urheberrecht abzuschaffen, es in ein Parlament schaffen. Ihr fragt Euch, was das für Leute sind, die solche Sonderlinge wählen. Ich erkläre Euch das jetzt mal:

Wir – die jungen Wähler zwischen 20 und 40 – haben keine Lust mehr auf eine “repräsentative Demokratie”, in der der das Wort “repräsentativ” nicht für “stellvertretend”, sondern für “schöner Schein” steht. Wir haben Lust auf echte Demokratie. Eine Demokratie an der alle beteiligt sind. Mit einer Partei in der Proporz, Nepotismus und “Ochsentour” noch Fremdworte sind.
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Joachim Gauck meint, der Holocaust würde überbewertet

Von Neidhart von Schwarzburg

Welche Art von Bundespräsident Joachim Gauck wohl werden wird, sieht man jetzt vor allem an denen, die ihn loben und die sich auf seine Präsidentschaft freuen. Nicht an den grauen Vertretern des politischen Establishments, sondern den populistischen Meinungsführern des rechten politischen Randes.

So freut sich zum Beispiel die rechtskonservative Zeitung Junge Freiheit auf einen Präsidenten Gauck mit folgenden Worten:

    Der überfällige Rücktritt Wulffs und die Nominierung von Gauck als neuer Bundespräsident: Zwei gute politische Entscheidungen.

Und auch das bekannteste deutsche Muslimhasserblog PI-News ist begeistert:

    “Ob Sarrazin-Lob, Kritik an der Anti-Atomhysterie, das Bloßstellen von populistischem Banken-Bashing oder seine Befürwortung von Stuttgart 21 – Joachim Gauck könnte durchaus auch für PI antreten.”

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Alain de Botton will Atheistenkirche bauen: Ich bin dabei

Von Neidhart von Schwarzburg

Ich bin Atheist. Mindestens in der 3. Generation … und ich wollte Pfarrer werden, solange ich denken kann. Es ist ein wirklich doofes Gefühl. Ich liebe Kirchen und Klöster. Michelangelo und Raffael. Bach und das Miserere von Gregorio Allegri. Ich finde die Bergpredigt im Neuen Testament richtig und unbedingt lehrenswert. Zu den Menschen, die ich am meisten verehre, gehören Pfarrer und Kirchenmitglieder. Ich brauche Vertrauen und das Wissen um Bedeutenderes als mich und die Menschen um mich herum. Ich gehe gern in Gottesdienste und liebe das Orgelspiel und den gemeinsamen Gesang und das Gebet. Das Teilen von Ängsten und die gemeinsame Versicherung eines Grundvertrauens in die Richtigkeit der Ordnung der Welt geben mir Geborgenheit und ein Gefühl von Wärme und Sicherheit.

Aber es gibt nun mal keine Götter. Und der Glaube an Götter ist die Wurzel der größten Verbrechen der Menschheit.

Will ich mit meinen weltanschaulichen Ansichten und Bedürfnissen nicht allein sein, bleiben deshalb nur zwei Optionen. Entweder, ich lebe mit einer Maske unter den Gläubigen (einem Großteil wird es wie mir gehen) und versuche mich anzupassen und einen großen Teil des inhaltlichen Unfugs einfach zu überhören, der in Kirchen verbreitet wird.

Oder aber ich versuche, mich einer der atheistischen Organisationen in Deutschland anzuschließen. Leider bestehen die deutschen Atheistverbände überwiegend aus Religionshassern oder lehnen zumindest jeden Anflug von Religiosität in ihren Organisationen und ihrem Leben ab. Stattdessen wird ein recht simplizistischer Szientismus verbreitet und kultisch betrieben, bei dem es überwiegend um eine kritiklose Befürwortung wissenschaftlicher Forschung im Allgemeinen und eine peinliche Darwinverehrung im Besonderen geht.

Nun will ich aber weder das eine, noch das andere.
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Angela Merkel will gelenkte marktkonforme Demokratie

Warum verplappern sich Politiker eigentlich immer im Deutschlandfunk? Bundespräsident Horst Köhler mußte zurücktreten, weil er im Deutschlandfunk davon sprach, dass “militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, z.B. freie Handelswege”. Irgendwie wurde das Interview versendet. Vom Deutschlandfunk keine Reaktion. Auch sonst nicht viel. Erst im Internet kam dann langsam – etwas später – die Bombe hoch.

Schon im September wurden im Deutschlandfunk Ausschnitte einer Presskonferenz versendet. Dort antwortete Angela Merkel auf folgende Frage (auf den Seiten des Bundeskanzleramtes nachzulesen):

Frage: Frau Bundeskanzlerin, fürchten sie um die Schlagkraft des EFSF, wenn der Bundestag und alle anderen nationalen Parlamente in Europa demnächst bei allen wichtigen Entscheidungen vorab mitbestimmen wollen?

mit den Worten:

“Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben. Ich höre zum Beispiel von unseren Haushaltspolitikern, dass man sich dieser Verantwortung bewusst ist. Aber wir müssen in Europa einen Weg finden, obwohl wir mehrere Länder sind, trotzdem das Richtige zu tun. Dabei müssen die Regierungen und die europäischen Institutionen in Sachen Kommunikation zum Teil hinzulernen, und dabei müssen die Parlamente lernen. Aber ich sehe keinen Grund, warum die Parlamente schlechter als andere sein sollten.

Und erst langsam kommt so ein bißchen Unverständnis hoch. Die ersten waren wohl die nachdenkseiten. Dann kam der Freitag. Und jetzt der unbedingt lesenswerte Essay von Ingo Schulze in der Süddeutschen.

Vielleicht tritt ja bald eine Bundeskanzlerin zurück. Wegen eines Beitrages im Deutschlandfunk.

Ein paar letzte Worte über eine Liebe

Von Sven

Ich werde jetzt Schluss machen.

Ich denke, dass man sich trennen sollte, wenn man sich so auseinandergelebt hat wie wir. Das mit uns hat ziemlich ja ziemlich leidenschaftlich begonnen. Und wie das so bei Leidenschaften ist, sie gehen irgendwann vorbei. Und dann ist man enttäuscht. Die Liebe erkaltet. Und man kann nicht verstehen, was man in dem anderen eigentlich gesehen hat.

In Dir sah ich eigentlich immer nur Deine Vergangenheit. Die war so rebellisch. Du warst so authentisch. So liebenswert. So chaotisch und unberechenbar. Aber immer warmherzig und vielleicht ein bißchen kauzig.

Ja, ich habe Dich geliebt.

Oder … naja … dieses Bild, das Du und andere von Dir verbreiteten. Klar war ich auch ein bißchen gebauchpinselt, dass Du auf meine Liebe gleich mit ebenso heftiger Gegenliebe geantwortet hast. Aber Du hast mich auch ausgesaugt. Mir meine letzten Kräfte geraubt. Du hast viel genommen und wenig gegeben.

Und je länger ich mit Dir zusammen war, desto besser habe ich in Deine Facetten schauen können. Und da, wo früher Natürlichkeit und Spontaneität waren, steht heute ein festgezurrtes Grinsen hinter einer dicken Schicht von Schminke. Klar, Du kannst nichts für Dein Alter. Du kannst nichts für die physischen Veränderungen, denen Du zwangsläufig unterworfen bist. Aber Du hast mit Deinem Alter und Deinem Äußeren auch Deinen Charakter verändert.

Die Freunde, mit denen Du Dich jetzt umgibst, sind nicht mehr meine Freunde. Sie sind wohlhabend und einflussreich. Und deshalb willst Du auch wohlhabend und einflussreich sein. Aber das hat einen Preis. Diese neuen Freunde hast Du, weil Du früher frisch und spontan warst und viele Menschen Dich mochten und den matten Abglanz Deiner Vergangenheit – den Du fleißig beschwörst – noch immer mögen. Früher trugst Du Jesuslatschen, Cordhosen und einen viel zu großen Strickpullover, der ganz wunderbar zu Deinen langen rotblonden Haaren passte. Heute trägst Du Gucci und Armani. Fährst Audi oder Lexus. Spielst mit iPad und iPhone. Und das, was Dir früher wichtig war, wischst Du heute mit der Begründung der “Alternativlosgkeit” und “Machbarkeit” vom Tisch.

Du hast früher jedem zugehört. Dem Clochard an der Ecke wie der Oma im Seniorenstift. Du hast Sitzdemos und Laufdemos gemacht. Du hast immer ganz vorn gestanden. Und wenn “sie” Dich vereinnahmen wollten, hast Du sie ausgelacht.

Diese Zeiten sind vorbei.

Du gehörst jetzt dazu. Du hast damals schon dazugehört, als wir zusammenkamen. Aber das hatte ich damals noch nicht verstanden. Klar, Du hast schon damals als wir uns kennelernten komische Ansichten gehabt. Aber Du hast ein überzeugendes rhetorisches Talent. Ich habe Dir vieles abgenommen, Dich verteidigt und Dir blind geglaubt, weil ich Dich liebte. Ich habe mich damit zum Deppen gemacht und meine eigenen Standards unterschritten. Und dann, als es fast vorbei war und ich immer weniger Lust hatte, Dich anzurufen, weil Du eh nie zurückgerufen hast, sondern immer ganz beschäftigt mit Deinen teuren Freunden tatest, hab ich noch einen letzten Versuch gemacht. Ich wollte Dich testen, Dich provozieren. Ich gebe es zu. Ich wollte sehen, wieviel von Deinem alten Ich noch in Dir steckte. Und zuerst hast Du reagiert. Warst neugierig und interessiert. Wir haben doch mal wieder was zusammen gemacht. Doch mal wieder lange gesessen und gequatscht und ich fühlte mich Dir ziemlich nah.

Aber dann war da dieser Tag.

Ich dachte unsere Liebe wäre groß genug gewesen auch Streit auszuhalten. Auch den Streit vor anderen. Aber das war einmal. Jetzt – wo Du aussiehst wie eine Hamburger Verlegerwitwe – ist Dir Deine Außenwirkung einfach viel zu wichtig. Früher, als Du so frei warst wie die Freiheit auf dem Delacroix-Gemälde, waren Dir die anderen egal. Wichtig war, dass Du echt warst und dass der andere echt sein durfte. Und dann konnte diskutiert werden bis der Morgen graute. Heute hast Du einfach keine Zeit mehr dazu. Und die Macht, jede Diskussion einfach im Keim zu ersticken.

Du hast dabei eines vergessen: Das ewig fließende Gespräch ist die Quelle der Liebe.

Du hast diese Quelle versiegen lassen. Und damit vertrocknete meine Liebe wie ein ungegossenes Immergrün in einem grauen Stadtratsbüro in den Sommerferien. Ich habe sie noch ein bißchen stehen lassen. Vielleicht aus Faulheit. Vielleicht aus Nostalgie. Aber ich werde sie jetzt wegräumen und Platz für eine neue machen. Du wirst sicher nicht sehr traurig sein.

Aber ich wünsche Dir alles Gute. Du hast mir viel bedeutet. Ich werde Dich nie vergessen. Und auch nicht die Zeit mit Dir. Leb wohl.
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Der Autor des Beitrags war von 2005 bis zum 31.12.2011 Mitglied von Bündnis90/Die Grünen und Delegierter verschiedener Bundes- und Landesparteitage sowie Sprecher und Geschäftsführer eines kleinen ostdeutschen Kreisverbandes.

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