Die Fortsetzung des CB-Funks mit anderen Mitteln

Von sapere aude

Ich habe meinen Bruder immer beneidet. Um sein CB-Funkgerät. Und wenn ich gross sei, wollte ich auch genau so ein Funkdings haben, eine Basisstation und Mobil, im Auto. Wenn man Glück hatte, konnte man ja mit einem aufgemotzten Spielzeugfunkgerät die Gespräche der Funker und Fernfahrer aus Nah und Fern belauschen und an dem anarchischen Gefühl von Freiheit und Abenteuer partizipieren und “Piratensender” spielen, auch wenn einen niemand hörte.
In den achtziger Jahren schrieb Jonny Hill die unangefochtene Über-Hymne der Funker “Ruf Teddybär eins vier”. Und keiner, nicht mal der abgebrühteste Fernfahrer mit Kotzekrusten auf der Rockerwampe* konnte sich der Gänsehaut erwehren, die dieses Lied bei jedem neuen Hören erzwang. Eine Gänsehautmaschine. Wer also mal dringend eine braucht:

Daily Ivy hat dieses Lied nun für den Bloggebrauch umgeschrieben:

“Ich war seit fast acht Stunden schon im Internet – ganz kurz vor dem nächsten Posting – und hielt mich mächtig ran. Die Sonne ging fast schon auf – als ich online stellen wollte. Die externe Platte dröhnte neben meiner Hand – mein Laptop hatte Netz – als auf den Schirm der Kommentar eines kleinen Jungen kam. Er schrieb nur: „Hier Teddybär14 – ist da irgendwer? Wenn, dann poste doch zurück – und antworte auf den Kommentar vom Teddybär!“

Bis zum Backup war’s nicht mehr weit – doch ich kam ganz gut voran, also öffnete ich ein Kommentarfenster und tippte ganz spontan: „Hey, ich schreib’ an Teddybär – wo ist der junge Mann? Ich bin noch online – liest Du meinen Kommentar?“

Wieder und wieder drückte ich F5 – ich wollt schon offline geh’n, da kommentierte der Junge: „Hey, Blogger, bist du auch noch online?“ Ich schrieb „ja“ – da fing er zu tickern an: „Jeden Tag von früh bis spät schalte ich den Computer ein. Sitz’ im Rollstuhl, kann nicht geh’n – und bin hier ganz allein und meine Mutter arbeitet. Sie sagt: ‚das muss so sein.’ Denn Daddy war beim CCC, starb vor ’nem Jahr auf der Datenautobahn. Er war ein Blogger, so wie du – bis er endgültig offline ging. Mama sagt mir oft, wir schaffen es – und tut als wenn nichts wär’, doch jede Nacht hör ich sie weinen. Ich weiß sie hat’s sehr schwer.“

Und es schreit nach Vertonung. Am besten durch Toni.

Danke, Stefan und Ivy, für diese Reminszenz.

Heute bin ich Blogger. Und ich funke jetzt auch. Mein “Funkgerät” reicht jedoch weiter als bis zur nächsten Autobahn. Aber “Piratensender” spiele ich immer noch.

*Zitat: Max Goldt

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
Loading ... Loading ...

18 Responses to “Die Fortsetzung des CB-Funks mit anderen Mitteln”

  1. Gonzo Says:

    Ich weiss nicht ob man das unbedingt vertonen sollte. Ich gebe nur mal die Zweideutigkeit dieses Textes im Zusammenhang mit dem Internet und Pädophilie zu bedenken…

  2. michael Says:

    Oh Gott, Gonzo!

    Ich bin dafür dass wir einen Thread zum Thema Political Correctness aufmachen.

    …aber vielleicht besser nach der Bloglesung. :-)

  3. bastian Says:

    *gg*….

  4. Gonzo Says:

    @michael
    wieso? Also ich find es ist eine berechtigte Frage. Es hat ja nur was mit dem text und der mediendarstellung des internet zu tun. Ich denke die meisten unbedarften pfarrerstöchter, so wie ich *g*, oder explosiv zuschauer, würden im text eine zweideutigkeit vermuten ;)

  5. kathleen Says:

    @gonzo
    Du sprichst es ja schon selber aus:unbedarfte Pfarrerstöchter so wie ich [...] würden eine Zweideutigkeit vermuten

    Wie mir solche wie du auf die Nerven gehen – von Satire nie etwas gehört haben, zu allem einen Senf abgeben müssen und dann an langen Haaren Dinge herbeiziehen!
    An deiner Stelle würde ich mich jetzt ganz stark bedeckt halten. Rufschädigung und üble Nachrede sind in der BRD justiziabel.

  6. Sven K. Says:

    @ Allgemeinheit: Sorry, ich muss deutlich werden. Davor sei allerdings gesagt: danke, dass ihr hier mit „Die Fortsetzung des CB-Funks mit anderen Mitteln“ titelt, das ist im Wortlaut der Hintergedanke, den ich bei meiner Adaption hatte, hihi. Bevor Toni sich da ranmacht, müsste ich aber noch das Reimschema noch etwas bügeln, damit er es dann wiederum genauso schön verholpert, wie Johnny Hill im Original  ;-)
     
    @ Gonzo.
    Ich bin es so satt. Kaum rede ich von Hartz-Vier-Empfängern, wird mir vorgeworfen, ich verleumde die im Namen eines vorbestraften Puffgängers schuldlos geschlagene Klasse der sozial Benachteiligten. Kaum ändere ich in einer satirischen Anwandlung einen Truckersong aus den Siebzigern in die Story eines fiktiven Bloggers, der einem behinderten Jungen eine Freude macht, hängt der Vorwurf der Pädophilie im Raum.
    Die Stimmung wird hierzulande in den letzten Jahren so unentspannt, so bigott, dass ich mir mittlerweile vorstellen kann, dass in Deutschland bald amerikanische Verhältnisse herrschen: „Vorsicht, der Kaffee könnte heiß sein“ steht schon heute auch auf unseren Pappbechern. Die ARD lässt Kommissarin Charlotte Lindholm schwanger werden und blendet oben im Bild während des gesamten Tatorts ihr „Kinder sind Zukunft“-Logo ein. Ich sag mal kurz an diesem Beispiel, was mir so auf den Sack geht: Natürlich ist es okay, sich um Kinder zu kümmern, aber gleichzeitig hat mir das öffentlich-rechtliche Gutmenschentum bis heute nicht erklärt, wohin die Abermillionen Spenden aus der Flut an Tsunami-Galas letztlich tatsächlich geflossen sind. Da, Gonzo, sehe ich nämlich den Kern dessen, was mich an der beschriebenen Attitüde so ankotzt: das penetrant Bigotte. Bigotterie umschreibt hier – nur mal eben für die unbedarften Pfarrerstöchter – den Fall, dass untätige, halbinformierte Spießer, indem sie Hülsen von Barmherzigkeit, Anteilnahme und Engagement absondern, versuchen, ihre eigene Taten- und Engagementlosigkeit zu kaschieren. Und dass lieber mal ’ne gefällige Plattitüde abgesondert, statt zu Ende gedacht wird: Natürlich ist Peter Hartz ein vorbestrafter Puffgänger. Deswegen ist nicht automatisch jeder Asi ein Engel und jeder Sozialhilfeempfänger ein Asi und nicht jeder Depp von einem Tagger ein Graffittikünstler und nicht jeder, der einem Kind einen Lutscher schenkt, ein Pädophiler. Und wer Satire nicht als Satire erkennt, der lässt Voltaire (dem sowieso schon schwindelig ist) weiter im Grab rotieren und ist kurz davor, Flaggen zu verbrennen. Und hat es nicht verdient, aber das ist meine ganz persönliche Meinung, sich nach einer meiner Lieblings-Muppets-Figuren zu benennen. Ende der Durchsage, Kommentare übrigens sinnlos, auf so einem beschissenen Level diskutiere ich nicht weiter.

  7. michael Says:

    NACH der Bloglesung!

    Kinder, Kinder…

  8. Sven K. Says:

    Bin ja schon ruhig. Jehova, jehova! … ;-)

  9. Gonzo Says:

    Ihr nehmt das alles viel zu ernst. Ich wollte die diskussion tatsächlich auf die allgemeinen medien und ihre rezeption der blogger lenken. Mir lag es fern hier jemanden persönlich anzugreifen, falls sich jemand persönlich angegriffen fühlt so tut es mir leid. Ausserdem habe ich nicht geschrieben dieser oder jener wäre pädophil, das liegt mir fern! Ich habe darauf hinweisen wollen das dies jedoch in diesem zusammenhang, eben von etablierten medien so genutzt werden kann!

    Den persönlichen angriff auf mich nehme ich mal so hin. Aber eins kann ich mir als gegenrede tatsächlich nicht verkneifen. Gutmenschen, das ist vokabular welchen vornehmlich in rechten gesinnungskreisen benutzt wird. Ich vermute das hier niemand in dieser ecke der gesellschaft sitzt! Kommt doch mal runter, ich will meine anwesenheit bei der bloglesung nicht wegen solchen mist absagen müssen. Aber ich lasse mich hier auch nicht mundtot machen. Bisher dachte, trotz aller schwierigkeiten das die tbz demokratisch ist und die freie meinungs äusserung zu lässt! Ich hoffe ich habe mich nicht getäuscht.

  10. strudel Says:

    @Gonzo: Also ich denke mal: Wer das Lied kennt, der wird mit keiner Gehinwindung auf irgendwie abwegige Gedanken kommen. Ich glaube da springt sofort die Gänsehautmaschine an, wie Sven so schön schrieb.

    Und für die, die das Lied nicht kennen wurde ja das youtube-Video eingefügt. ;-)

  11. Gonzo Says:

    Nachtrag:
    Ich bitte die Administratoren darum den mich explizit Angreifenden und beleidigenden Artikel von Sven K. zu löschen bzw. zu editieren, wie es in anderen Postings getan wurde.
    Falls jetzt das Argument kommt, genau deswegen wurden die anderen Postings gelöscht, Bitte! Aber dieser Angriff ist tatsächlich mit gefährlichem Viertelwissen gefüllt! Dann kann auch der Untere Absatz in meinem Post entfernt werden, da der obere schon das eigentliche Thema umschreibt. Auch dieser dürfte dann Angepasst werden.

  12. Gonzo Says:

    @Strudel
    Ich mag das Lied auch, find es im original sogar klasse (könnte mir es auch mit dem Text so vorstellen), nur wie gesagt geht es mir darum die Diskussion zur Wahrnehmung der Medien zu entfachen.
    Sorry, wenn ich damit falsch lag und darüber hier nicht diskutiert werden will.

  13. michael Says:

    Ich entscheide persönlich, ob ich mit Wasser bade oder ohne.

    Ja, ja.

    Im übrigen sagte ich nur…

    Herr Müller-Lüdenscheidt…

    Bitte lassen Sie mich ausreden. Ich sagte, daß ich, wenn es
    die Situation erfordert, durchaus in der Lage wäre, auch mal
    ein Wannenbad ohne Wasser zu nehmen.

    Ja, ja.

    Und die Entscheidung darüber, ob ich mein Wannenbad mit oder
    ohne Wasser zu nehmen habe, lasse ich mir von niemandem aufdrängen.

    Nein, nein.

    Auch nicht von Ihnen, Herr Doktor Klöbner.

    Herr Müller-Lüdenscheidt, es wäre ja immerhin denkbar, dass es
    gewisse Argumente gäbe, die dafür sprächen, jetzt Wasser einlaufen zu lassen.

    Wie wollen Sie das beurteilen?

    Mein Gott, ich bade ja nicht zum ersten Mal.

    So?

    Und nach meiner Erfahrung ist eben ein warmes Wannenbad mit
    Wasser zweckmäßiger als ohne.

    Das ist Ihre ganz persönliche Meinung, Herr Doktor Klöbner.
    Aber man darf ja wohl noch anderer Ansicht sein.

    Ach, was.

    Sie können Sich in meiner Wanne eine eigene Meinung überhaupt
    nicht leisten.

    Herr Müller-Lüdenscheidt!

    Herr Doktor Klöbner! Ich lasse jetzt das Wasser ein, wenn Sie
    mich höflich darum bitten.

    Bitte.

    Auszug aus Loriots “Zwei Herren im Bad”

  14. Sven K. Says:

    Ich sitze seit vierzig Jahren auf diesem Platz!

    Auszug aus Loriots “Im Theater”

  15. Gonzo Says:

    NachNachtrag:
    Sven K. und ich habens geklärt. War ein Missverständnis. Also, gute Nacht und schön weiter machen… ;)

  16. sven Says:

    danke michael :o) aber was mit von dir vorgeschlagenen special threads geschieht wissen wir ja nun :o))

    schön, dass ihr euch geeinigt habt! und dank dafür, dass die regel, dass persönliche auseinandersetzungen hinter den kulissen ausgefochten werden so reiche früchte trägt! :o)

  17. sven Says:

    vielleicht sollten wir diesen “sapere aude” nicht mehr hier schreiben lassen. der entfacht nur streit …

  18. kathleen Says:

    Na also, geht doch. :)
    Man möge mir verzeihen, daß mir die Hutschnur so mit Knall gerissen ist. Ich reiche hiermit jedem, der sie möchte, die Friedenspfeife. Und freue mich, daß man mit euch streiten und am Ende auf einen Konsenz kommen kann.

Schreibe einen Kommentar: