Thüringer Allgemeine mit offener Tür
„Eine Zeitung für Erwachsene“ nennt sie ihr Chefredakteur Sergej Lochthofen. Was er mit Erwachsenen meint, konnte man am vergangenen Samstag beim „Tag der offenen Tür“ bei der THÜRINGER ALLGEMEINEN im Erfurter Vordorf Bindersleben sehr gut beobachten. Besucher unter 50 sind meist in der Begleitung ihrer Großeltern da.
Das auflagenstärkste Blatt der WAZ-Mediengruppe in Thüringen, zu der neben der „Thüringer Allgemeinen“ auch die „Thüringische Landeszeitung“ und die „Ostthüringer Zeitung“ gehören, lud zu Einblicken in Redaktionsräume, Archiv und die Druckerei, und das war, sagen wir mal, durchaus nicht unspannend.
Das Zeitungshaus vor den Toren Erfurts ist wahrlich keine Schönheit. Sachliche Schlichtheit paart sich abgewohnter Zweckbaulichkeit. Bei – branchenüblich – zunehmenden Auflagenverlusten von 260.000 auf 220.000 Exemplare in den letzten Jahren ist natürlich kein Verlagshaus mit Stuck, Holzvertäfelung und Mahagonimöbeln zu erwarten, und so gleicht das Innere des Thüringer Verlagszentrums mehr einer Behörde, denn einem Flagschiff eines der auflagenstärksten Zeitungskonzerne Deutschlands.
Im Innern dieses architektonischen Kleinods konnte man dann neben den unvermeidlichen historischen Exponaten auch die ehrfurchtgebietende Druckerei betrachten – dagegen sind unsere Blogs bei potentiell viel höhrerer Auflage natürlich Pipifax – und sich mit diversen Kinkerlitzchen, wie Fotomontagen, Wahrsagen, Schnellzeichnen uswusf. die Zeit vertreiben lassen.

So unspektakulär dann die Redaktionsräume in den höhreren Etagen an sich waren, so spannend waren die Gespräche mit den Mitarbeitern und Redakteuren der TA. In der sympathischen, freundlichen und offenen Atmosphäre gedieh so manches
einsichtverschaffende Gespräch, über das man auch die schlimme Blaskappelle, die obligatorischen Hüpfburgen und den alles überlagernden Bratwurstgeruch einfach vergessen konnte.
Und eines lassen die Kollegen von den Holzmedien im Gespräch unmißverständlich deutlich werden: Die TA ist eine Zeitung. Und bei allen nicht wirklich ernstzunehmenden Spielereien im Internet, man macht hier Print, seriösen Print! (mit höchtens 60% PR-Meldungen täglich*). Und darauf ist man stolz.

Nicht ganz so stolz ist man über einen Eismann, der vor seinem Eiswagen auf dem Hof ein Schild aufgestellt hat, auf dem „Eisneger“ angeboten werden, für 1.20. Das ging dann wohl doch zu weit. Nach Beschwerden überklebt ein indignierter TA-Mitarbeiter das Wort mit der nicht weniger eindeutigen Bezeichnung „Eismohr“.
Das ist hier schließlich eine Veranstaltung einer „Zeitung für Erwachsene“. Die wissen zur Not auch noch was ein Mohr ist.
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*Diese Angabe entstammt der Dissertationsschrift einer ehemaligen freien Mitarbeiterin der Thüringer Allgemeinen: C. Riesmeyer (2006) „Das Verhältnis von Journalismus und Public Relations. Ressort und Status der Informationsquelle als Einflussfaktoren. Eine Fallstudie am Beispiel der Thüringer Allgemeine.”
Tatsächlich gab es 60% PR in der Thüringer Allgemeinen nur an einem Tag des Untersuchungszeitraums von zwei Wochen im Herbst 2004. Im Durchschnitt betrug das Verhältnis PR zu „echter“ selbstrecherchierter Information etwa 20 (PR) zu 80 (Recherche).
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September 5th, 2007 at 11:06 am
Was ist denn bitte ein Eisneger/-mohr?! Oo
Wäre an dem Tag nicht Schuleinführung gewesen, hätte ich bestimmt auch vorbeigeschaut.
September 6th, 2007 at 12:25 pm
ein eisneger ist ein in flüssige schokolade (die dadurch verhärtet) getauchtes eis.
September 6th, 2007 at 3:50 pm
So ganz politisch korrekt ist diese Bezeichnung aber nicht mehr. :)