Ramelows Angriff auf Journalisten “inszeniert”?

Der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen, Bodo Ramelow, gab dem Blog boocompany anläßlich der Kampagne der Thüringer Jungen Union ein Interview:

BC: Auf der Website ist auch ein Videoclipausschnitt zu sehen, in dem Sie einem Reporter das Mikrofon aus der Hand schlagen. [...] Wie kam es zu dieser Situation [...]?

Ramelow: [...] Zwar kann ich die Echtheit des auf der Website zu sehenden Filmchen bestätigen, allerdings wurde die abgebildete Situation provoziert und wird auch falsch widergegeben.

Es handelt sich um eine Donnerstagsdemonstration in Erfurt, bei der Oskar Lafontaine seinen ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Rücktritt hatte, dem entsprechend war die Medienpräsenz ungeheuer groß und so gab es von Anfang an verabredete Interviewtermine mit dem MDR und der BBC. Der in dem Beitrag zu sehenden Interviewer war weder angemeldet noch war er bereit sich an die fairen Regeln einen Interviews zu halten. Während die BBC Oskar Lafontaine interviewte, störte er ständig dieses Interview. Dann haben wir versucht in Ruhe mit ihm darüber zu reden, zuerst sollten die bereits angefragten Interviews absolviert werden und anschließend hätte Oskar Lafontaine für weitere Interviews zur Verfügung gestanden, eben auch für ihn. Darum scheint es ihm aber nie gegangen zu sein, denn im anschließenden Interview, des MDR, gingen seine Störmanöver weiter. Als wir daraufhin in unsere Geschäftsstelle umziehen wollten, vollzog sich ein seltsamer Prozess, denn es wurde deutlich, dass dieser Interviewer mit zwei Kameraleuten arbeitete. Dies war für mich eine völlig neue Erfahrung, denn bis dahin hatte ich solches Auftreten noch nie erlebt.

Während man also auf den Bildern sieht, dass ich das Mikrofon runter drücke, kann man leider nicht sehen was ich gesehen habe, nämlich, dass der eine Kameramann, der diese Bilder aufgenommen hat, sich mit seiner Kamera so rücksichtslos in Position gebracht hat, dass er dabei einen Menschen, der mit einer Gehilfe einem Rollator, auf Oskar Lafontaine zukam, welcher sich ein Autogramm geben lassen wollte, einfach umgeschmissen hat. In diesem Moment eskalierte die Situation, als ich im wahrsten Sinne des Wortes einen Schulterschluss mit Oskar Lafontaine einging und der Interviewer im gleichen Moment sein Mikrofon sehr schnell und extrem kraftvoll zwischen uns nach oben riss, befürchtete ich, dass es zu einer schmerzhaften Attacke kommen würde. In diesem Moment habe ich reflexartig den Arm des Interviewers angefasst. ich bestehe darauf, dass ich zu keinem Zeitpunkt den Herrn geschlagen, geprügelt, oder gar zurückgestoßen habe, sonder ich habe das Mikrofon in de Hand genommen und mich im Weitergehen nach hinten umgedreht und ihm im gleichen Augenblick das Mikrofon wieder in die Hand gegeben.

Dass es sich bei der ganzen Aktion um eine Inszenierung handelte, merke ich allerdings erst eine Stunde später, denn da meldete sich die BILD-Zeitung Thüringen und hatte bereits die Fotos vorliegen. Ein Redakteur der Thüringer Allgemeine teilte mir schließlich mit, dass es im Vorfeld einen Aufruf an die Medien gab zu diesem Termin zu erscheinen, in dem sich eine Person angekündigt hatte, “sich von dem Rassisten Oskar Lafontaine, oder von einem seiner Bodyguards zusammenschlagen zu lassen”. Da ich diese Information erst im Anschluss bekam, begriff ich in der Situation selbst leider erst zu spät, dass es sich um eine mediale Wohlinszenierung handelte.

Der gleiche Interviewer tauchte wenige Tage später im gleichen Boulevardmagazin in einem völlig anderen Beitrag auf und auch dort arbeite er wieder mit zwei Kameras, diesmal wurde ein türkischer Hotelier solange provoziert, bis dieser handgreiflich wurde und den Interviewer verprügelte. Auch hier rechtfertige ich nicht die Gewalt, sondern war verwundert, dass in dem gleichen Boulevardmagazin eine ähnliches Format angewendet wurde, dessen Ablauf mir sehr bekannt vor kam. Der Unterschied war nur, dass in Erfurt dieser Herr weder angegriffen noch geschlagen wurde und dass die einzige Geste, die man zur Kenntnis nehmen kann, ist, wie ich ihm das Mikrofon aus der Hand nehme, mich umdrehe und beim Weitergehen das Mikrofon nach hinten gebe und stets neben Oskar Lafontaine verbleibe. Dies als Gewalt auszulegen, ist schon abenteuerlich und eine Anzeige wegen körperlicher Gewalt hat es auch nie gegeben, ich wäre auf diesen Prozess sehr neugierig gewesen, denn dann hätte ich Gelegenheit gehabt, mich in einem ordentlichen Verfahren gegen diese Inszenierung auch entsprechend zur Wehr zu setzen. So blieb dieser Videoclip im Netz und wird jetzt von der Jungen Union wieder recycelt. Die Vorgänge, um die es hier geht, spielten sich im Sommer 2005 in Erfurt auf dem Anger ab. Die Junge Union stand allerdings an diesem Tag auch auf dem Erfurter Anger und hielten Plakate mit den Konterfeis von Oskar Lafontaine und Erich Honecker nach oben und fuhren eine entsprechende Anti-Lafontaine-Kampagne an diesem Tag. Heute trete ich an diese Stelle. [...]

Das vollständige Interview gibt es bei boocompany

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2 Responses to “Ramelows Angriff auf Journalisten “inszeniert”?”

  1. sapere aude Says:

    Diese Story klingt einfach nur zurechtgelegt:

    1. Wieso ist das Zusammenarbeiten mit zwei Kameraleuten ein “seltsamer Prozess”?

    2. Wenn “der eine Kameramann, der diese Bilder aufgenommen hat, sich mit seiner Kamera so rücksichtslos in Position gebracht hat, dass er dabei einen Menschen, der mit einer Gehilfe einem Rollator, auf Oskar Lafontaine zukam, welcher sich ein Autogramm geben lassen wollte, einfach umgeschmissen hat”, wieso hat Ramelow diesem Rollator-Mann dann nicht geholfen, sondern den Reporter attackiert?

    3. Mit der Begründung einer “Inszenierung” durch die BILD oder andere wird die Erklärung komplett unglaubwürdig. Die BILD hat die Attacke Ramelows sicher nicht geplant. Aber selbst wenn(!) welches Licht würde das auf Ramleow werfen. Ist er so leicht reizbar?

    4. Welcher “Redakteur der Thüringer Allgemeinen” hat einen Aufruf an die Medien weiterverbreitet, zu einem Termin zu erscheinen, zu dem jemand angekündigt hatte, sich “von dem Rassisten Oskar Lafontaine, oder von einem seiner Bodyguards zusammenschlagen zu lassen”?

    Das hört sich nach einer Verschwörungstheorie an. Und zwar nach einer ziemlich schlechten.

  2. Der thüringer Skihase und seine Bunnys Says:

    [...] Die Thüringer Blogzentrale hat besagten Abschnitt aus dem Interview mit oben gezeigten Video nochmal herausgearbeitet. [...]

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