Die Zeitungsgruppe Thüringen und die SPD
Heute entscheidet sich das Schicksal Thüringens für die nächsten 5 Jahre. Denn die SPD-Delegierten diskutieren auf einem Parteitag abschließend über den Koalitionsvertrag mit der CDU. In der SPD gibt es eine engagierte Auseinandersetzung über die Frage, wieviel SPD eigentlich in dem Koalitionsvertrag steht. Dies wäre eine hervorragende Gelegenheit für die Thüringer Landespresse, die Positionen der SPD aus Wahlprogramm und Sondierungsverhandlungen den Ergebnissen des Koalitionsvertrags gegenüber zu stellen und zu fragen, ob mit der CDU mehr SPD-Politik möglich war als mit Linken und Grünen.
Der Wochenendausgabe der Thüringischen Landeszeitung war der heutige Parteitag der SPD eine ganze Seite wert:
Eine Seite auf der der umstrittene Parteichef Christoph Matschie noch einmal ganz ausführlich seine – in der Partei heftigst diskutierten – Positionen darstellen durfte. Keine kritische Stimme. Keine Analyse. Nichts.
Die Thüringer Landesezeitung gehört zur WAZ-Mediengruppe, die von Bodo Hombach geleitet wird. Bodo Hombach war in der Zeit von 1979 bis 1991 Landesgeschäftsführer der SPD Nordrhein-Westfalen und von 1991 bis 1998 Abgeordneter des nordrhein-westfälischen Landtags. In dieser Funktion wirkte er als Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD und war Vorsitzender des Untersuchungsausschusses I.
Vom 17. Juni 1998 bis zum 27. Oktober 1998 war Hombach SPD-Landesminister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr in Nordrhein-Westfalen.
In den 1980er und 1990er Jahren leitete Hombach eine Reihe von Wahlkämpfen der NRW- und der Bundes-SPD, die schließlich 1998 zur Übernahme der Bundesregierung führten. Er galt als geschickter Wahlkampfstratege und Schöpfer des bekannten Slogans „Wir in Nordrhein-Westfalen“.

Bundeskanzler Gerhard Schröder berief Hombach nach dem Wahlsieg im Oktober 1998 als Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben in sein Kabinett. Hombach war ein enger Vertrauter des Kanzlers und vertrat offensiv dessen Konzept der „Neuen Mitte“.
Hombach war ein konsequenter Gegner des Lafontainschen Kurses.
Seit Februar 2002 ist Hombach Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe zu der auch die Zeitungsgruppe Thüringen mit der Thüringer Allgemeinen, der Ostthüringer Zeitung und der Thüringischen Landeszeitung gehören. Die Zeitungsruppe Thüringen verfügt damit in ihrem Thüringer Verbreitungsgebiet über ein Monopol.
October 25th, 2009 at 1:22 pm
Ja, die ZGT erreicht mit ihrer Zeitung in Thüringen vorwiegend die 40+ Generation. Dank Internet informieren sich alle anderen besser und ausgewogener…
Der Artikel in der TA ist wieder ein gutes Beispiel für die Meinungsmache der Medien. Statt informieren immer wieder manipulieren. Das kennen wir doch schon seit der Kohlschen Zeit, auch bei ARD und ZDF wird das so gehandhabt.
ps. Sind auch andere ThSPD-Positionen veröffentlich worden?
October 25th, 2009 at 1:31 pm
Nein. Nur das Interview mit Matschie. Kein einziges kritisches Wort. Nicht mal von der Opposition.
Ich verstehe nicht, dass so etwas – 20 Jahre nach der Wende – möglich ist.
October 25th, 2009 at 4:21 pm
Ach, immer diese Verschwörungstheorien. Anhand eines Matschie-Interviews in der TLZ (Auflage 40.000) gleich eine generelle SPD-Lastigkeit der WAZ und der ZGT zu belegen, ist doch reichlich vermessen. Die TLZ hat auch schon ganzseitge Interviews mit Ramelow und Lieberknecht (teils noch weniger kritisch) geführt. Und in der OTZ und der TA wurde nach der Wahl kräftig Matschie kritisiert, für seine undurchsichtige Verhandlungsführung. Siehe acuh deren Berichte über die Protestveranstaltungen der SPD-Basis vor einer Woche.
Im Übrigen, wie stellt ihr euch das vor mit Hombach: Ruft der da jeden Tag an und gibt die Linie vor. Wen ruft er dann an, die Chefredakteure? Die Redakteure? Wird nur angestellt, wer ein SPD-Parteibuch hat und vorher bei Hombach zum Gesinnungstest war? Und glaubt ihr, dass das Journalisten einfach so mit sich machen lassen würden? Würdet ihr?
October 25th, 2009 at 4:36 pm
Ach Quatsch, eddy, jeder weiß doch, dass es so einfach nicht funktioniert. Es wäre grotesk, wenn es so laufen würde, wie von Dir beschrieben.
Aber nehmen wir mal an, in einem Fernsehsender ist jemand an der Spitze ein großer Freund einer bestimmten Partei. Diese Partei will in zwei Tagen eine Wahl gewinnen. Würde der Spitzenmann der Spitzenkandidatin der Partei besondere Sendungszeit einräumen?
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,645341,00.html
Eddy, Fakt ist, es gibt medienpolitische Maßnahmen, die NICHTS mit Verschwörungen zu tun haben. Das wird so gemacht, weil das immer so gemacht wurde … und die Journalisten lassen solche Spielchen mit sich spielen, weil sie Angst um ihren Job haben.
Selbstverständlich muss auch in der ZGT über kritische Situationen in Beiträgen mit Nachrichtenwert berichtet werden – sonst würde sich die ZGT komplett unglaubwürdig machen. Aber wenn es darauf ankommt – wie z.B. kurz vor einem wichtigen Parteitag – greift man nochmal richtig tief in die Kiste.
Ich frag mich was daran “Verschwörung” sein soll? Offensichtlicher gehts doch gar nicht, oder siehst Du das anders? Ich mein, ein einziges Interview. Eine ganze Seite lang. Allein mit Matschie. Kein sonstiger kritischer Beitrag. Kein Gegner. Keine Opposition.
Nichts.
Hallo?
October 25th, 2009 at 4:51 pm
Nochmal: das ist die Tlz. Das ist Hoffmeister (der Chefredakteur seit 20 Jahren, CDU-nah). So macht der das immer.
October 25th, 2009 at 4:54 pm
Siehste. Und das ist gemeint.
October 25th, 2009 at 5:21 pm
Ja, wir reden hier von der Tlz (im Übrigen ehemalige CDU-Parteizeitung) – aber wo ist der Beleg für die einseitige, kritikfreie Parteinahme in der TA und der OTZ?
Die These ist ja: Das Interview belegt die einseitigkeit der ZGT-Gruppe. Und dafür ist mir ein einzelnes Interview in der TLZ nicht ausreichend.
October 25th, 2009 at 9:46 pm
TLZ ist nicht ex-CDU sondern ex-LDPD-Zeitung. Diese Gesinnung strömt auch die Zeitung und insbesondere ihr Chefredakteur noch aus, was nicht heisst, dass die FDP (immer) gut weg kommt. Aber bei zwei Themen leuchten denen die Augen: Wirtschaft (Unternehmer) und Weimar (Kulturbürger). Drei bis fünf “Schlüssellöcher” dürften reichen, um zu kapieren wo der Hase langläuft. Deshalb wurde auch lange Althaus kritisch gestützt. Als erkennbar war, dass er nur noch eine Belastung für die zwei W war, war Matschie der Star. Aber alles was links der ominösen Mitte war (erst Recht Dewes und Ramelow) wurden schon immer bekämpft. Die TLZ hat ganz lar für Schwarz-Rot geworben.
October 26th, 2009 at 12:28 am
sramten: Recht haste. Man nehme sich nur die Kommentare von Hans Hoffmeister daher als es um die Ablösung von Vogel und den Wechsel zu Althaus ging. Da klangen die Hoffmeisterschen Kommentare nach einem Bewerbungsschreiben als Regierungssprecher. Da war Hoffmeistger ein glühender Althaus-Fan. Aber seit der “Familienoffensive” und erst recht seit dem Mediendebakel rund um den Skiunfall war Althaus alles andere als ein TLZ-Liebling.
Die nächste TLZ-Fav-Figur wird Lieberknecht, wetten?
October 30th, 2009 at 5:44 pm
Als Leser der TLZ leide ich seit vielen Jahren unter den Eskapaten ihres Chefredakteurs. Als klar wurde, dass Althaus durch seinen verschuldeten Skiunfall letztlich nicht mehr zu halten ist, hat dieser Herr eine unbeschreibliche persönliche Diffamierungskampagne gegen A. begonnen, fernab jeder noch so harten politischen Kritik. Seine Schlüssellochkritiken aus dieser Zeit sind unter allem Niveau. Wochen-, ja monatelang ging es nicht um die politischen Versäumnisse von Herrn A., sondern um seinen Gesundheitszustand, wobei er A. unverblümt in die Nähe eines geistig Verwirrten rückte, und das im Stile eines religiösen Eiferers . Das Verhalten des Herrn Chefredakteurs ist insofern nicht nachzuvollziehen, da er, eigenen Angaben zufolge, in der Vergangenheit selbst schwere Läsionen erlitt – also selbst im Glashaus sitzt…
October 31st, 2009 at 5:55 pm
@eddy Hoffmeister und CDU-nah??
Der ist vielleicht dem Irrenhaus nah. Oder der Entlassung. Man denke an die Kampagne “Wählt nicht Peter Krause” einen Tag vor der Landtagswahl. Ich bin absolut kei Krause-Fan. Aber die Zeitungsleser aufzuhetzen ist auch ein seltsamer Stil.
@ anna :
nicht länger leiden, abbestellen. :)