Thüringer Allgemeine zensiert Erklärung der Mitarbeiter

Wortlaut des Abdrucks in der Thüringer Allgemeinen:
“Die Redaktion der Thüringer Allgemeine fordert die Rücknahme der Abberufung von Chefredakteur Sergej Lochthofen und seiner Stellvertreterin Antje-Maria Lochthofen…
Wir sehen in der Abberufung keinen Schritt im Interesse des Verlages Thüringer Allgemeine und seiner Gesellschafter, sondern eine Maßnahme zu deren Schaden… Die Abberufung des Chefredakteurs bricht mit dem Grundkonsens, auf dessen Basis 1990 die erfolgreichste Regional-Mediengruppe Deutschlands, die WAZ-Gruppe, und die erste unabhängige Tageszeitung in der Noch-DDR, die Thüringer Allgemeine, eine Zusammenarbeit auf Dauer vereinbart und nahezu zwei Jahrzehnte lang erfolgreich und vertrauensvoll praktiziert haben…
Schneller als andere Titel hat die TA auf neue Herausforderungen bei Gestaltung, Inhalt und Leserbindung reagiert. Über die redaktionelle Arbeit hinaus wurden… strukturelle Antworten entwickelt, erfolgreich umgesetzt und der Geschäftsführung vorgeschlagen. Dazu ist die Redaktion auch weiterhin ausdrücklich bereit.
Dazu fordert die Redaktion:
1. Beibehaltung der Eigenständigkeit der Vollredaktion der Thüringer Allgemeine
2. Die Belegschaft beansprucht die publizistische Unabhängigkeit der Zeitung und das Mitspracherecht bei der strukturellen und inhaltlichen Gestaltung von Redaktion und Zeitung…
3. Die Mitarbeiter fordern eine Vergütung nach Flächentarifvertrag.
4. Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben.”
Der Originalwortlaut der Erklärung wurde übrigens zuerst in der THÜRINGER BLOGZENTRALE veröffentlicht
November 30th, 2009 at 5:15 pm
In Auszügen ist zwar teilweise richtig, aber es wurde natürlich trotzdem noch der Sinn entstellt. Irgendwie ist die Situation absurd. Da schreibt die Redaktion über einen schweren Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit und genau dieser Wortlaut wird entfernt. Eine schallendere Ohrfeige für der Pressefreiheit hätte es nicht geben können.
Mal ein kurzer optischer Vergleich:
DJV-Wortlaut:
Die Abberufung ist in ihrer Form, in ihrer inhaltlichen
Zielrichtung und in ihrer erkennbaren persönlichen Motivation durch Geschäftsführer Klaus Schrotthofer ein schwerer Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit der Redaktion. Diese Unabhängigkeit ist im Redaktionsstatut vom April 1990 formuliert.
TA-Wortlaut:
Die Abberufung des Chefredakteurs bricht mit dem
Grundkonsens, auf dessen Basis 1990 die erfolgreichste
Regional-Mediengruppe DeutschRedaklands, die WAZ-Gruppe, und die erste unabhängige Tageszeitung in der Noch-DDR,
die Thüringer Allgemeine, eine Zusammenarbeit auf Dauer
vereinbart und nahezu zwei Jahrzehnte lang erfolgreich und vertrauensvoll praktiziert haben.
Auch die Forderungen wurden umgeschrieben:
DJV: 2. Die Belegschaft beansprucht die Beibehaltung der
Entscheidungshoheit der Redaktion über die strukturelle
und inhaltliche Gestaltung von Redaktion und Zeitung. Die
Redaktion wählt einen Redaktionsrat als
Verhandlungspartner der Geschäftsleitung.
TA: 2. Die Belegschaft beansprucht die publizistische
Unabhängigkeit der Zeitung und das Mitspracherecht bei der
strukturellen und inhaltlichen Gestaltung von Redaktion
und Zeitung.
Das ist ech UN-VER-SCHÄMT.
November 30th, 2009 at 5:45 pm
“Der Mann wird kein anderer, weil er nicht mehr mein Vorgesetzter ist, aber aus eben diesem Grunde kann ich das jetzt sagen: Er war objektiv der Beste.” Der Freitag über den Rauswurf von Sergej Lochthofen: http://www.freitag.de/kultur/0948-medien-waz-chefredakteur-lochthofen-absetzung-thueringer-allgemeine
November 30th, 2009 at 9:39 pm
Wo sind wir eigentlich gelandet?
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Gerade haben alle noch schön Abend für Abend die Bilder von vor zwanzig Jahren bestaunt und heute wird Thüringens größte Zeitung zensiert und mißliebige Leserbriefe werden gegen den Willen der Redaktion unterdrückt. Offenbar gibt es anhaltend Leserbriefe. Das spricht ja durchaus dafür, dass es da offenbar unter den Lesern ein Thema gibt, das diskutiert werden will.
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Wär das nicht was für ne Zeitung?
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Ich wünsche der TA Durchhaltevermögen und Kraft.
December 1st, 2009 at 6:56 am
http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=fl&dig=2009/12/01/a0033&cHash=7052de75e1
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“Das ist wie zu DDR-Zeiten”
THÜRINGER ALLGEMEINE Redakteure beklagen Zensur durch WAZ-Verlag
December 1st, 2009 at 9:36 am
Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die schönste Demokratie in diesem Land nur so lange funktioniert ( und dazu zähle ich auch die viel gepriesene Pressefreiheit ), wie alles nach Plan der “Demokraten” läuft. Wehe wenn mal jemand vom Pfad der Tugend abweicht. Dann ist alles vergessen. Dann interessieren die auch Vergleiche mit der DDR nicht mehr.
December 1st, 2009 at 10:24 am
> Es gab, vor allem bei älteren Kollegen, eine Art von romantischer Bindung an ihre Zeitung, die aus der Geschichte der Mitarbeiter mit ihrer Zeitung wuchs – der ersten unten den SED-Bezirkszeitungen, die sich im Januar 1990 unabhängig erklärte.
December 1st, 2009 at 10:28 am
Ja, Herr Goldberg. Und noch ein bisschen gerettetes DDR-Gefühl. Man war noch – weitgehend – unter sich. Jetzt ohne Parteibücher. 20 Jahre Jahre lang. Da war über andere längst der Kapitalismus hereingebrochen.
December 1st, 2009 at 10:44 am
Die Thüringer Allgemeine bringt heute eine ganze Seite Leserbriefe. Was sind das für Unternehmer, die so mit ihren Kunden umgehen?
Man steht fassungslos vor dem Unvermögen dieser Menschen. Ich finde es toll, dass die Redaktion und die Leser sich nicht ins Bockshorn jagen lassen und aufstehen gegen diesen unsäglichen Umgang mit der Pressefreiheit.
Ich habe die TA vorerst abbestellt – das ist die einzige Sprache, die dort offenbar verstanden wird. Wenn es Veränderungen zum positiven gibt, abonniere ich wieder.
December 1st, 2009 at 12:26 pm
[...] 30.11.2009: Thüringer Blogzentrale: TA zensiert Erklärung der Mitarbeiter – Die Erklärung der TA-Mitarbeiter wird nur in zensierter und veränderter Form abgedruckt. So werden beispielsweise die Forderungen der TA-Redaktion umformuliert und die Passagen in Bezug auf Klaus Schrotthofer gänzlich weggelassen… vor mehr als 20 Jahren war das wohl in diesem Teil Deutschlands noch üblich, aber heutzutage?! [...]
December 1st, 2009 at 11:10 pm
[...] Thüringer Allgemeine II: Zensur der Mitarbeitererklärung …thüringerblogzentrale [...]
December 2nd, 2009 at 12:18 am
Sofortiger Wechsel an der TA-Spitze
ERFURT (TA). Der von der Geschäftsführung der Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT) zum Jahresende angekündigte Wechsel in der Chefredaktion dieser Zeitung wird bereits heute vollzogen. Der neue Chefredakteur der “Thüringer Allgemeine”, Paul-Josef Raue, der bisher an der Spitze der “Braunschweiger Zeitung” stand, soll sich heute auf einer Mitarbeiterversammlung der TA-Redaktion vorstellen. Sergej Lochthofen hatte seit seiner Wahl zum Chefredakteur 1990 die Redaktion geführt. Die “Thüringer Allgemeine” gehört wie die “Braunschweiger Zeitung” zur Essener WAZ-Mediengruppe.
December 2nd, 2009 at 12:23 am
Sofortiger Wechsel an der TA-Spitze
ERFURT (TA). Der von der Geschäftsführung der Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT) zum Jahresende angekündigte Wechsel in der Chefredaktion dieser Zeitung wird bereits heute vollzogen. Der neue Chefredakteur der “Thüringer Allgemeine”, Paul-Josef Raue, der bisher an der Spitze der “Braunschweiger Zeitung” stand, soll sich heute auf einer Mitarbeiterversammlung der TA-Redaktion vorstellen. Sergej Lochthofen hatte seit seiner Wahl zum Chefredakteur 1990 die Redaktion geführt. Die “Thüringer Allgemeine” gehört wie die “Braunschweiger Zeitung” zur Essener WAZ-Mediengruppe.
http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.TA-Chefredaktion.startseite.php
December 2nd, 2009 at 11:49 am
Skandalös! Dass woanders auf der Welt Journalisten umgebracht werden wegen ihres Tuns, kann nicht wirklich trösten, denn wir sind in Deutschland! Ich werde mein Abo kündigen!
December 2nd, 2009 at 3:03 pm
…manchmal hat man den Eindruck, hier wollen Einige jene Schlachten schlagen, die sie sonst niemals geschlagen haben. Seit 20 Jahren ist Thüringen Teil einer kapitalistsichen Gesellschaft. Dazu gehören auch Zeitungsverlage. Ein Chefredakteur, der sich vielleicht schon als eine Art “Prwda”-Chefredaktuer vorkam, wird auch nur letztlich nach Gewinnaspekten bewertet. Und so sehen es ja in ihrem Leben die meisten TA-Leser. Besonders unsinnig sind immer die “Ossi”-”Wessi”-Betrachtungen in diesem Zusammenhang. Es geht letztlich um eine Regionalpostille und deren Chef, der nach ZWANZIG Jahren etwas Neues machen soll. Das mussten Millionen schon vor ihm bzw. durften gar nix mehr machen-und das ohne Absicherung.
December 2nd, 2009 at 6:02 pm
Dann ist ja alles in Ordnung in dieser Gesellschaft oder vielleicht doch nicht?
December 2nd, 2009 at 6:14 pm
Gewinnsapekte? Das ist lächerlich, die TA ist im Verhältnis zu den meisten anderen Regionalzeitungen wesentlich besser aufgestellt. Fakt ist, Gewinnaspekte werden zukünftig nur noch dem Konzern dienen. Nicht dem Blatt! Aber an Qualität ist offenbar niemand interessiert, sonst würde man die Schrotthofers dieser Welt mit ihrem unprofessionellen und zerstörischen Management gewähren lassen.
Lochthofens Rausschmiss ist der Anfang vom Ende und die meisten wissen, dass auch. Die Protestwelle spricht für sich.
Das Abo ist gekündigt!
December 3rd, 2009 at 7:50 pm
Abbestellen! Sofort abbestellen. Was anderes verstehen Hombach und seine Penner in Essen nicht. Schande über Euch, Ihr verdammten Wichser!
December 6th, 2009 at 10:09 pm
Sofort abbestellen, fallweise bei positiven Veränderungen wieder bestellen.
Andere Sprache verstehen die bei WAZ nicht.
Peinlich, peinlicher, Paul-Josef Raue. Das ist der eilfertige Nachfolger von Lochthofen. Raue hat sich eigentlich als Journalisten-Ausbilder einen guten Namen gemacht (einst ein Schüler von Wolf Schneider, die beiden haben später “Das neue Handbuch des Journalismus” geschrieben).
Es ist nur zum Brechen, wie so ein Vorzeige-Journalist jetzt als diensteifriger Nachfolger die gesamte Branche runterzieht. Man schämt sich für diese Kommerz-Devotheit.
Meine persönliche Meinung: der Tageszeitungs-Journalismus gräbt sich seit einigen Jahren mit heldenhaftem Fleiß sein eigenes Grab.
Eine Zeitung nach der anderen mutiert langsam zum Anzeigen-Wochenblatt. In den Redaktionen bald nur noch Desk-Journalisten, die den ganzen Tag vorm Computer hocken und sich die Texte aus 2.Hand zusammen stoppeln. Zeitungen mit verschiedenen Titeln, die alle dieselben Berichte drin haben. Immer weniger wirklich gute Reportagen. Diejenigen, die noch auf eigenem Denken bestehen, fliegen aus den Redaktionen. Letzte Ausfahrt Internet-Blogs, reichlich marginalisiert.
Der Zeitungs-Journalismus schafft sich gerade selbst ab, und die Verlagshäuser beschleunigen dies, so gut sie können. Bei der Berliner Zeitung hat man gesehen, wie der ganze Laden auf diese Art und Weise an die Wand gefahren wird, und daß die Rendite-Presse trotzdem nichts bringt. Adios Lochthofen.
December 8th, 2009 at 7:33 pm
Ja, abbestellen!!!! Schaut euch dass hier an, wie Frau Lochthofen hier weg kommt: http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.homepage3_173644.php
Es ist wirklich traurig. Raue rudert – in die falsche Richtung!
April 22nd, 2010 at 5:47 pm
[...] zu diskutieren. In den Kommentaren der THÜRINGER BLOGZENTRALE stand als erstes die Erklärung der Mitarbeiter der Thüringer Allgemeinen zur Entlassung des Chefredakteurs Sergej Locht… – ungekürzt. Die Thüringer Allgemeine druckte auf Veranlassung der Verlagsspitze später [...]