Blogger-Begeisterung für Gauck von SPD bezahlt?

Von Neidhart von Schwarzburg

Derzeit scheint die Blogosphäre komplett auszuticken. Scheinbar finden alle den Kandidaten der SPD für die Bundespräsidentenwahl, Joachim Gauck, extrem schick. Da werden Weiheposts verfasst und ganze Webseiten eingerichtet, die die Untersützung der Netzgemeinde für Joachim Gauck symbolisieren sollen. Spiegel Online titelt sogar: “Netzgemeinde schwärmt für “mein_praesident”. Schaut man jedoch genauer hin, sind die Initiativen der “Blogger” scheinbar gar nicht so spontan und privat, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Die Webseiten und Twitteraccounts, die derzeit die offenbar größte Aufmerksamkeit (zumindest von Spiegel Online) erhalten, werden nämlich von Leuten betrieben, die einschlägige Wahlkampagnenerfahrung für die SPD besitzen:

Z.B. Mathias Richel. Der Betreiber der Seite www.mein-praesident.de und des zur Zeit extrem schnell wachsenden Twitteraccounts @mein_praesident (mit diesem lustigen Tool) war bereits mindestens einmal damit beschäftigt, die SPD für das europäische Parlament zu bewerben:

Und das streitet er auch nicht ab. Auf Nachfrage erklärt er:

Ja, das bin ich. Aber nein, in diesem Fall keine Mitarbeit der SPD. Ein kleines privates Projekt.

Ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt ist Stefanie Schmidt von der Werbeagentur “soundsites”. Auf ihren Namen läuft die Seite www.go-for-gauck.de. Offenbar hatte sie auch die Kampagne für Thorsten Schäfer-Gümbel, den Kandidaten der hessischen SPD für den Posten des Ministerpräsidenten zu verantworten. Und betätigt sich auch für andere SPD-Genossen.

Ein wenig aus dem Rahmen fällt nur Christoph Giesa. Er ist Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz und hat die Facebook-Seite “Joachim Gauck als Bundespräsident” gegründet. Wenn man sich jedoch Gaucks wirtschaftspolitische Verbindungen freiheitsphilosophische Einlassungen anschaut, erscheint eine Unterstützung durch die FDP-Basis gar nicht mehr so unplausibel.

Spiegel Online erweckt den Eindruck, bei den Bloggerkampagnen handele es sich um private Initiativen. Die Kampagnen werden so dargestellt, als speisten sie sich aus der Begeisterung der Blogosphäre für Joachim Gauck.

Tatsache ist: Blogger und Twitterer werden instrumentalisiert, für eine undemokratische Festlegung des Staatsoberhaupts der Bundesrepublik Deutschland.

So ein Quatsch!Klasse! (-9 von 19 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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25 Responses to “Blogger-Begeisterung für Gauck von SPD bezahlt?”

  1. Blogzentrale Says:

    Blogger-Begeisterung für Gauck von SPD bezahlt? http://is.gd/cHdag

  2. K_H_G Says:

    RT @Blogzentrale: Blogger-Begeisterung für Gauck von SPD bezahlt? http://is.gd/cHdag

  3. geppe Says:

    Auch der erste Kommentator zu diesem Beitrag lässt tief blicken. Die sind eben überall und wollen uns besch…! LOL

  4. Mathias Richel Says:

    Ich möchte noch ergänzen, dass ich neben dem Europawahlkampf noch am Bundestagswahlkampf, an den Landtagswahlkämpfen in Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen mitgearbeitet habe.

    Darüber hinaus bin ich noch SPD-Mitglied und sitze außerdem im Gesprächskreis Netzpolitik des Parteivorstandes der SPD.

    Das hätte man alles noch über mich rausfinden können, mit ein wenig intensiverer Recherche.

    Und trotzdem finanziert die SPD nicht eine einzige html-Zeile der Seite http://mein-praesident.de.

    Auf Wiedersehen.

  5. Jens Says:

    Oh Verschwörungstheorien… Und am Ende hat die SPD alle Leute die bei den Aktionen mitmachen beahlt oder wie?

    Kann man nicht einfach akzeptieren, dass die Leute Wulff und das “Auswahl”-Verfahren ablehnen und Gauck besser finden?

    Am Ende ist die Sozialdemokratie noch daran Schuld, dass wir den Klimawandel haben…

  6. mspro Says:

    Du hast vergessen, dass auch Nico Lumma, der wir-fuer-gauck.de gemacht hat, ebenfalls ein Genosse ist. Aber: das alles ist jedem bekannt, der sich länger als 12 Tage mit diesem Blogdings auseinandersetzt. Natürlich sind die Leute nicht unbefangen, natürlich sind die parteiisch. Aber wenn sie sagen, das sei eine private Aktion, dann muss man denen das schon glauben. Aber vielleicht hast du recht, dass man diese Info besser herausstellen sollte.

    PS: ich bin komplett unbeteilig an den Aktionen und mache da auch nicht mit – auch weil ich dieses “Instrumentalisierungsgefühl” teile.

  7. mspro Says:

    Ach so, aber was daran undemokratisch sein soll, für seinen präferierten Kandidaten Wahlkampf zu machen, das musst du mir nochmal erklären.

  8. Daniel Bär Says:

    Anscheinend versteht man in Thüringen nicht, dass es noch engagierte Leute gibt, die sich für eine gute Politik und Personen einsetzen.

  9. Rainer Says:

    Jeder der in die Facebook-Gruppe “Joachim Gauck als Bundespräsident” (http://www.facebook.com/group.php?gid=123621417671515) eintritt, bekommt von der SPD 5 EUR! Wer 5 Mitglieder wirbt, bekommt von den Grünen 50,- EUR!

    Schwarz/Gelbe Wahlmänner und -frauen können 1000,- EUR bekommen, wenn sie versprechen, ihre Stimme Joachim Gauck zu geben.

    Klingt komisch? Ist aber so.

    (Vielleicht sollte sich “Neidhart von Schwarzburg” mal mit Politik beschäftigen, bevor er drüber schreibt…)

  10. Blogzentrale Says:

    @annnalist http://www.thueringerblogzentrale.de/2010/06/08/blogger-begeisterung-fur-gauck-von-spd-bezahlt/

  11. Jens Says:

    Skandal ich hab meine 5 € noch net bekommen ;o)

  12. Neidhart von Schwarzburg Says:

    Ich will Euch mal was sagen, liebe Freunde von der SPD: Wenn Ihr im Internet Eure Kampagnen startet. Wenn Ihr aus allen Rohren schießt, Webseiten aufsetzt, Twitteraccounts einrichtet, Blogparaden startet, dann könnt ihr das alles machen. Alles Eure Sache. Und das ist mir scheißegal.

    Was mir nicht scheißegal ist, ist, dass ICH in der Öffentlichkeit nicht für EUREN Untertanengeist herhalten will.

    Wenn Ihr – als PR-Fuzzis – an die versammelte Presse irgendwelche Pressemeldungen schickt, in denen Ihr die einhellige Unterstützung der “Netzgemeinde” bejubelt, dann sage ich:

    Nicht mit mir, Freunde.

    Eure “Privatinitiativen” sind Etikettenschwindel.

    Das habe ich klargemacht.

    Wenn Ihr weiter für Gauck werben wollt, dann macht das. Aber macht bitte auch klar, warum Ihr das tut. Entweder, weil Eure Parteivortände Gauckjubel befohlen haben – oder weil Ihr zeigen wollt, dass Ihr ‘ne tolle Web-2.0-PR hinkriegt. Aber nicht, weil der Gauck so ein toller Mensch und die Parteien, die ihn nominiert haben so demokratisch sind.

    Ach, und noch was: Daniel Bär, anscheinend versteht man in Köln-Mülheim nicht, wofür man sich da eigentlich “einsetzt”.

  13. Mathias Richel Says:

    Zeig mir die von dir beschriebenen Pressemitteilungen!
    Vor allem die, die ich versendet haben soll.

  14. macmoldis Says:

    Da werden hier die Blogger gelobt, weil sie den Bundespräsidenten “zum Rücktritt zwingen”
    http://www.thueringerblogzentrale.de/2010/05/31/blogzentrale-zwingt-bundesprasidenten-zum-rucktritt/

    Und wenn dann mal Blogger anderer Meinung als die eigene sind, werden diese natürlich bezahlt dafür … was für’n Quatsch bzw. sowas von egal.
    Klappern gehört Handwerk, und wenn jemand meint, Werbung für Gauck, Wullf oder Jochimsen machen zu wollen, dann soll er.

    Am Ende ist der Bürger bei der Wahl des Bundespräsidenten eh nicht wahlberechtigt.

  15. Kand.in.Sky Says:

    Die Blogosphäre ist auch nichts weiter als ein Haufen leicht zu beeinflussender Idioten die schon zuvor Diekmanns Arsch küssten weil er bei der taz seinen Kaffee trank und in seinem Blog neue PR evolierte.

    Viel lustiger ist der momentane “Widerstand” gegen die Sparpläne. Lustig, weil doch wenige Monate (Bundestagswahl), bzw. Wochen (NRW-Wahl) zuvor 90% der Wähler eben diese Art von Politik gewählt haben.

    Monty Mython Flying Circus: Die hätten auch noch so ne Pointe gebracht wie, ‘es wird sich was ändern sobald die ersten Arbeitslosen und Rentner” verhungert sind.

    #k.

  16. Tom Says:

    Mmmh. Ich versteh das Problem auch nicht so richtig: SPD und Grünen stellen einen Kandidaten auf und ab da soll dann niemand mehr etwas dafür tun, dass der auch gewählt wird?

    Egal ob da der einen oder andere auch etwas verdient – die tausenden von Leuten, die Petitionen unterzeichnen, Facebook-Gruppen beitreten, Twittern, Fahnen, Profilbilder und Aufkleber designen, Demos organisieren, Briefe und Mails schreiben… Das kann man gar nicht steuern oder bezahlt auslösen. Aber man kann es als Partei unterstützen – als Parteivorstand mit bezahlten Leuten und auch als Mitglied. Die SPD hat immerhin 500.000 Mitglieder – sollen die jetzt alle nichts mehr machen? Wenn ich mich nicht mehr politisch beteiligen darf, weil ich in der SPD bin, dann tret ich aus ;-)

  17. Tom Says:

    Der Skandal weitet sich aus – Auch CDU-Mitglieder setzen sich für Politik ein (http://www.deutschland-fuer-gauck.de/2101.html): “Der Autor dieser Website ist ein 44jähriger wertkonservativer Katholik, aktives Mitglied der CDU seit 27 Jahren und im Rheinland verwurzelt. Und dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – unterstütze ich von Herzen die Kandidatur des 70jährigen parteilosen ostdeutschen Protestanten Joachim Gauck.”

    Wo kommen wir denn da hin!?

  18. modifiziert Says:

    @ macmoldis meint,
    ich kopiere mal:

    *Klappern gehört Handwerk, und wenn jemand meint, Werbung für Gauck, Wullf oder Jochimsen machen zu wollen, dann soll er.

    Am Ende ist der Bürger bei der Wahl des Bundespräsidenten eh nicht wahlberechtigt.*

    Ich stimme dem zu.
    Ich bedanke mich bei “macmoldis” für diese leicht verständliche Aussage.

  19. modifiziert Says:

    @ Kand.in.Sky meint,
    ich kopiere mal:

    *Die Blogosphäre ist auch nichts weiter als ein Haufen leicht zu beeinflussender Idioten die schon zuvor Diekmanns Arsch küssten weil er bei der taz seinen Kaffee trank und in seinem Blog neue PR evolierte.*

    Darauf würden Sie doch sicherlich nicht Ihren Arsch verwetten, oder?
    Wenn ich Sie wäre, würde ich diese Anmerkung zurücknehmen.

  20. Der Spiegelfechter» Blog Archive » Gauck-Hype? Welcher Gauck-Hype? Says:

    […] ist Frau Schmidt unter anderem mit der Realisierung des Internetauftritts einiger SPD-Politiker beschäftigt und im SPD-Netzwerk myspd.net ist sie Mitgründerin der Gruppe “SPD für Gauck”. […]

  21. erik Says:

    Die SPD Funktionäre raffen es einfach nicht, wir Bürger lassen uns nicht Vera…..,
    Es ist schon grotesk ,wenn man als Parteispitze in ganz anderen Hemisphären schwebt ,
    und die Realität nicht wahrnehmen will.

    Und bei Personen die noch Wahlkampf für die SPD machen ,kann ich mich nur angeekelt abwenden,
    es wäre nicht mit meinem Gewissen zu vereinbaren ,meine Nachbarn ,Bekannten und Freund wegen der
    SPD anzulügen, damit ihre Elitefunktionäre wieder an lukrative Posten in Politik und anschließend Wirtschaft kommen .

  22. Vaterland » Ausgemerkelt II Says:

    […] Eine weitere interessante Information: Die Webseiten und Twitteraccounts, die derzeit die größte Aufmerksamkeit [u.a. von SpOn, Welt, Bild]  erhalten, werden  – entgegen dem Anstrich einer privaten Kampagne – tatsächlich von Leuten betrieben, die einschlägige Wahlkampagnenerfahrung für die SPD besitzen. Näheres dazu hier […]

  23. Blogzentrale Says:

    Joachim Gauck glaubt selbst fest an die Legende (http://is.gd/d94So) von der Euphorie der "Netzmenschen" um seine Person: http://is.gd/d94QL

  24. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » “Facebook & Co”: EURE Doppelmoral kotzt MICH an! Says:

    […] der SPD und der Grünen initiiert und anschließend groß und breit in der Presse bejubelt. Ein kritischer Kommentar in der Blogzentrale hatte entsprechend giftige Kommentare zu […]

  25. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Wir bloggen die Bundestagswahl 2013 in Thüringen Says:

    […] Unterstützung für einen schlechten Kandidaten nicht simulieren. Schon gar nicht, da verschiedene Manipulationsversuche durch “Astroturfing” – vor allem durch Blogs – aufgedeckt […]