Phishing, SEO und PR-Marketing in Blogs

Blogger erhalten Mails von PR-Agenturen, die ihnen Geld für die Veröffentlichung von Jubeleinträgen über bestimmte Produkte anbieten. Mit den Preisen steigt die Eitelkeit und damit die Verführbarkeit.

Heute flatterte der THÜRINGER BLOGZENTRALE eine Mail mit einem “geschäftlichen” Angebot ins Haus: 50 Euro für einen Beitrag mit 200 Wörtern, einem “Keyword” und einem Link. Damit sollte wohl der Rang irgendeiner Webseite bei Google verbessert werden.

Das Anliegen des Verfassers ist scheinbar offensichtlich. Eine klassische PR-Anfrage. Hier sollen Fakten geschaffen und Hintergründe verschleiert werden. Allerdings könnte es sich aber bei dieser Mail auch schlicht und einfach um einen Phishing-Versuch nach Kontodaten handeln. Fünfzig Euro für einen Link ist schon ein astronomischer Preis. Eine kurze Suche nach dem Absender und Mailinhalten deutet auf einige Blogs, die heute morgen ebenfalls angeschrieben wurden und die Sache bloggten. Doch Phishing ist nicht die einzig mögliche Erklärung für diese Mail.

PR im Journalismus und auf Blogs

Das Ausmaß der Verflechtung von PR und klassischem Journalismus ist unüberschaubar. Aber während man sich einerseits vor allem in Blogs über die Praktiken der Zeitungsbranche beschwert, dass hier PR-Texte 1:1 übernommen werden – etwa bei der Regionalzeitungsbeilage Prisma oder sogar bei der Springer-Tageszeitung WELT – hat sich selbstverständlich gerade in Blogs über die letzten Jahre eine vergleichbare Schattenwirtschaft etabliert.

Simulation angeblicher “öffentlicher Meinung

Mit Suchmaschinen und sozialen Netzwerken läßt sich Relevanz und öffentliche Meinung simulieren und die spontane Entwicklung von Trends manipulieren, die viele Nutzer dieser sozialen Netwerke sogartig in ihren Bann ziehen. Mal ehrlich, wer hat sich noch nicht dabei ertappt, ein Apple-Produkt ausführlich begutachtet zu haben – trotz des Wissens, dass Apple-Produkte eigentlich überteuert, überflüssig und mit der App-Wirtschaft auch noch üble Abzocke sind.

Bezahlte Blogeinträge

Internet-Marketing- und PR-Firmen gehen gezielt auf die Suche nach entsprechenden Webseiten und Blogs, die bisher als SEO-Spammer nicht vorbelastet sind und mit relevanten Keywords über ein vergleichbar günstiges Google-Ranking verfügen. Das führt dann am Ende dazu, dass auch die THÜRINGER BLOGZENTRALE Mails mit folgendem Wortlaut erhält:

Für viele Blogger, die in aller Regel nicht über größere Einkommen oder Vermögen verfügen, ist ein solches Angebot einer PR-Firma sicherlich sehr verlockend. Und mancher Blogger, der sich zur tatsächlichen Veröffentlichung eines solchen PR-Textes hinreißen ließ, bemäntelt seine Käuflichkeit mit Scheinbegründungen, wie “Es tut ja niemandem weh, wenn da so ein Eintrag im Blog steht.” oder “Die Stammleser können ja weglesen“.

Wir fragten bei dem Anbieter nach, wie man sich einen solchen PR-Artikel denn vorstelle und wie eine Bezahlung konkret gehandhabt werden könnte. Man antwortete uns folgendermaßen:

Jeden Monat! Pro Beitrag 20 bis 30 Euro. Mit 50 solcher PR-Beträge könnte man also den Unterhalt eines täglich aktualisierten Blogs bestreiten – und sogar einen Praktikanten anstellen.

So ein unschlagbares Angebot muss stutzig machen. In Zeiten, in denen das Zeilenhonorar für Journalisten unter die Armutsgrenze gesunken ist, soll so ein einfacher Blogeintrag 30 Euro wert sein …

Wir werden es nie erfahren. Denn wir haben verzichtet. Und vielleicht hat uns unser generelles Mißtrauen gegenüber PR vor bösen Überraschungen und größeren finanziellen Einbußen bewahrt.

NACHTRAG (26. Januar 2011): Angeblich war die obengenannten Mail Bestandteil eines millionenschweren Schleichwerbeskandals siehe dazu Beiträge von Meedia und Carta!

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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10 Responses to “Phishing, SEO und PR-Marketing in Blogs”

  1. Blogzentrale Says:

    Fünfzig Euro für einen Link: Die Thüringer Blogzentrale soll bezahlte PR machen http://is.gd/GFCryf

  2. Martin Zeise Says:

    RT @Blogzentrale: Fünfzig Euro für einen Link: Die Thüringer Blogzentrale soll bezahlte PR machen http://is.gd/GFCryf

  3. Andreas / RadlerAndi Says:

    RT @Blogzentrale: Fünfzig Euro für einen Link: Die Thüringer Blogzentrale soll bezahlte PR machen http://is.gd/GFCryf

  4. Florian Freistetter Says:

    Ja, diese Mail hab ich vor 2 Tagen auch bekommen… (und natürlich hab ich auch nicht geantwortet). Wär interessant zu erfahren was da wirklich dahinter steckt.

  5. sven Says:

    Hab leider auch nicht viel mehr dazu gefunden. Vielleicht kommen ja in den nächsten Tagen mehr unangenehme Details zutage. :o)

  6. Robby Says:

    Nun ja, ich habe über die Jahre auch diverse Angebote dieser Art erhalten. Nicht viele, aber unter Berücksichtigung, dass jemand bei meinem Nischenblog das Portemonnaie zückt…

    Aufgrund mangelnder Transparenz allesamt abgelehnt. War insgesamt ein Bar-/Warenwert von ~200€ oder so. Da sind mir Werber, die mir ungefragt etwas schicken, worüber ich dann (ehrlich) berichten kann (oder auch nicht), lieber. Zumal das aufgrund des Reziprozitätsprinzips sehr wahrscheinlich ist *zwinker*

    Aber mich kaufen lassen… bisher hat niemand überzeugt. Weder mit dem Preis noch mit entsprechender Transparenz auf Nachfrage.

  7. sven Says:

    Man möchte dann gar nicht mehr wissen, was A-Blogger so für Angebote kriegen :o)

  8. Robi-san Says:

    wahrscheinlich ein https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Astroturfing Kartell :D

    … was kostet die Seele eines Bloggers, Mephisto?

  9. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Sascha Pallenberg und der Schleichwerbeskandal in Blogs Says:

    […] Woche erhielten wir eine Email. Darin wurde uns die Bezahlung von 50 Euro angeboten, wenn wir einen Beitrag von rund 200 Wörtern […]

  10. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Schleichwerbung? basicthinking? intergenia? onlinekosten? häh? Says:

    […] waren aber echt. Das Angebot auch. 50 Euro für einen Link. Das sind die Preise. Das ist nicht neu. Es ist legal. Und es ist scheinbar ganz […]