TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping

Von Anonymous

Die THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG schreibt gern und viel über sich selbst, heißt, über die Taten ihres Chefredakteurs Hans Hoffmeister. Verfasst werden solche Beiträge unter anderem von einer engen Vertrauten Hoffmeisters – seiner Ehefrau.

„Schwarz-Grün – das war mal tatsächlich eine Perspektive unter Dieter Althaus und Katrin Göring-Eckardt“, schwelgt die Redakteurin, die über eine Podiumsdiskussion der Thüringischen Landeszeitung in Jena schreibt (TLZ vom 16. Juni 2011, Seite 3).

Am Ende, so geht es weiter, hätten der grünen Spitzenfrau nur ein paar Tausend Stimmen gefehlt – und Dieter Althaus wäre sicher heute noch Ministerpräsident und sie seine Stellvertreterin. „Thüringen hätte es den Hamburgern gezeigt, wie es geht…“ Und es lag an keinem geringeren als an TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister, Moderator der Podiumsrunde, genau daran zu erinnern.

Der so zitierte agile Moderator dominiert auch im weiteren Fortgang den Bericht, so dass dem geneigten Leser schnell klar wird, wer eigentlich die wichtige Person auf diesem Podium war – nicht Mario Voigt von der CDU, nicht Anja Siegesmund von den Grünen, nicht also die eingeladenen Gäste, sondern Veranstalter Hoffmeister.

Und das klingt in dem Bericht dann so: Die Tatsache, dass unter den Zuhörern sehr viele TLZ-Leser waren, „mithin Elite“, habe Hoffmeister geradezu „beflügelt“. „Er insistierte, provozierte und karikierte seine beiden politischen Gesprächspartner“ hieß es zweideutig, auch wenn das die Frage aufwirft, was einem so alles passieren kann auf einem TLZ-Podium – welcher Gast will schon gern zur Karikatur werden? Sei’s drum, der Selbstdarstellung wird bei der TLZ so einiges untergeordnet – im Zweifelsfall auch die Objektivität. So wird Hoffmeister als Analytiker voller Weitblick hingestellt, auch wenn die Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist: Der Einschätzung von Mario Voigt, heißt es an anderer Stelle, dass Thüringen schön sei (oha!), habe Hoffmeister flugs widersprochen: „Der Thüringer ist im Deutschlandvergleich viel zu fett, weil er viel zu gut isst.“ Zweifellos: Das sind Analysen von Gewicht. Zwischen solchen habe die „aufgekratzte Debatte“ gependelt, berichtete die Redakteurin euphorisch, um zu dem Fazit zu gelangen: „Eine Analyse jagte die nächste.

Dass Hans Hoffmeister ein toller Hecht ist, weiß der regelmäßige TLZ-Leser schon längst, denn die Person, über die in der TLZ regelmäßig berichtet wird, ist ihr eigener Chefredakteur – Hans Hoffmeister, der Podiumsveranstalter, Buchherausgeber, politische Analytiker.

Während es sich andere Zeitungen zur Aufgabe machen, über Relevantes zu berichten, das ihnen aus anderen Quellen zu Gehör kommt, ist die TLZ gern ihre eigene Quelle und berichtet über sich selbst. Und dabei natürlich an erster Stelle über Hans Hoffmeister. Aber wie ist es dabei wohl mit dem Gebot der Unabhängigkeit bestellt? Wenn ein Redakteur über eigene, hausgemachte Vorgänge, oft federführend initiiert vom eigenen Chefredakteur, berichtet, kann er das wirklich frei und unabhängig?

Der Verdacht ist ein anderer: Hier schafft sich eine Zeitung in schöner Regelmäßigkeit selbst die Anlässe, um hinterher jubelnd und groß aufgemacht über sich selbst berichten zu können.

Längst hat man sich dazu auch ein passendes personelles Instrumentarium geschaffen.

Im vorliegenden Fall heißt die Redakteurin, die über Hoffmeisters tolle Aktion schreibt, Lioba Knipping. Das ist nicht nur die Jenaer Lokalchefin der Zeitung, sondern auch – Hans Hoffmeisters Ehefrau.

Und so wird ein Aufmacher von einer halben Zeitungsseite quasi zur innerfamiliären Angelegenheit: Er macht, sie schreibt. Dumm nur, dass der Leser, der das nicht weiß, durch die Namensungleichheit nicht erkennen kann, wie eng die beiden verbandelt sind. Vielleicht sprechen sie die Aktionen ja am Frühstückstisch oder abends bei einem hübschen Glas Rotwein ab. Und was in dem Bericht stehen soll, gleich mit.

Der Leser fragt sich, wie sich das Ganze mit den gängigen Standards einer unabhängigen Berichterstattung verträgt. Unabhängig – das heißt, wer schreibt, sollte dem Gegenstand seiner Berichterstattung mit (kritischer) Distanz gegenübertreten. Nur diese Distanz macht Urteile glaubwürdig, die auch lobend, gewogen, manchmal sogar euphorisch ausfallen können. Doch wenn die Ehefrau über ihren Göttergatten schreibt, ist man geneigt, auf andere Gründe für die rosarote Brille zu kommen. Vielleicht ist ja Vetternwirtschaft nicht mal das richtige Wort. Vielleicht wäre „Familienbande“ treffender. Womit wir es in jedem Fall zu tun haben, das ist Hoffmeisterscher Filz.

Die Zeitungsgruppe WAZ, zu der auch die Thüringische Landeszeitung gehört, hat sich im Jahr 2007 einen Ehrenkodex gegeben, den alle Chefredakteure unterschrieben haben. Dort heißt es unter anderem: „Schleichwerbung in jeglicher Form ist verboten. Bewusste Zuwiderhandlungen haben arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Zwar ist damit wohl hauptsächlich die verdeckte Werbung für kommerzielle Produkte Dritter gemeint. Aber ist die eigene Zeitung nicht auch ein kommerzielles Produkt? Eines, das man bei der TLZ regelmäßig mit einer Berichterstattung begleitet, die alles ist, nur eines nicht: glaubwürdig. Man könnte diese Praxis als eine besonders subversive Art der Falschberichterstattung bezeichnen, weil der normale Leser die Hintergründe schlecht erkennen kann. Motto: Anlass, Art und Ausrichtung der Berichterstattung – alles in einer Hand. Es ist ein Armutszeugnis, dass ein derartiger Sittenverfall unter den Standards, für die sich die WAZ sonst so lobt, in der Thüringer Provinz zum Normalfall werden kann.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Frau Knipping über die Aktivitäten ihres Ehemanns schrieb. Schön, wie sich ein Ehepaar hier die Bälle zuwirft. Nur leider: ein Bärendienst für den unabhängigen Journalismus. Ein Leser postete auf der TLZ-Homepage, dass er sich wundert, wie Knipping zu ihren Informationen kommt, schließlich sei sie nach einer halben Stunde schon wieder gegangen, die Veranstaltung habe aber zwei Stunden gedauert. Nun ja, die Dame sitzt halt ganz nah an der Quelle. Wer wird sich da mit lästiger Anwesenheit quälen.

So ein Quatsch!Klasse! (+12 von 16 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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19 Responses to “TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping

  1. Blogzentrale Says:

    [NEW BLOGPOST] TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping. Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  2. cat à lysée Says:

    die journalistische vielfalt in thüringen? RT @Blogzentrale: TLZ-Familienbande – Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  3. jenny Says:

    die journalistische vielfalt in thüringen? RT @Blogzentrale: TLZ-Familienbande – Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  4. wachtmeister Says:

    [NEW BLOGPOST] TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping. Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  5. Bernd Müller Says:

    Wer ist den Anonymous? Diesen Frontalangriff auf die Beiden hätte ich nicht anonym veröffentlicht. Das fördert nicht gerade die Reputation der Blogzentrale.

  6. Thomas Gottweiss Says:

    [NEW BLOGPOST] TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping. Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  7. Rainer Sokoll Says:

    [NEW BLOGPOST] TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping. Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  8. Rainer Sokoll Says:

    RT @Blogzentrale: TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping. Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  9. elcho Says:

    [NEW BLOGPOST] TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping. Wie die TLZ sich selbst bejubelt http://is.gd/1UOhTw

  10. sven Says:

    Sind Sie sich sicher, dass Sie “Bernd Müller” heißen? Und falls nicht: Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Verwendung eines Pseudonyms und mögliche dahinterliegenden Motive gemacht? Und falls nicht: Ist Ihnen klar, was der Begriff “Reputation” im Internet für eine Bedeutung hat. Und falls nicht: Viel Glück!

  11. Robi_san Says:

    Nun ja, lest mal den TLZ-Artikel genau durch… das wird viel Wasser um eine “Öko-Scheinwelt” gemacht und ein maroder schwarzer Lattenzaun grün angesprenkelt. Leere Worte und Versprechungen.

    Das Buch “Menschenzeit” von Christian Schwägerl (ex-FAZ-Journalist), die Grundlage der Diskussion, wird kaum bis gar nicht erwähnt.
    http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/menschenzeit101.html

    Alles in allem ein lausiger Artikel mit Null-Informationswert und überbordender Hofberichterstattung der übelsten Sorte.

  12. Thomas Gruhle Says:

    Ich muss die TLZ dem Himmel sei Dank seit einigen Jahren nicht mehr lesen. Ich erinnere mich aber gut daran, wie Herr Hoffmeister seine Frau desöfteren promotet hat.

    Zum einen war das Schlüsselloch für mich immer die “Bullshitparade zum Wochenende” war (tut mir leid!). Im Hinterkopf schwebt mir auch noch, dass Frau Knippings Kandidatur (bei der Linken?) für irgendeine Wahl in verschiedenen Kommentaren untersützt wurde.

    Belegen kann ich es nicht – kann auch gut sein, dass es nicht stimmt – ist ja schon ein paar Jahre her.

  13. Sramten Says:

    Meint Thomas mit der Kandidatin bei den Linken/PDS vielleicht Katja Kipping? Klingt immerhin ähnlich.

  14. Sramten Says:

    Das “Schlüsselloch” war mal der Grund für mich, die TLZ zu lesen, weil man zumindest das Gefühl hate, ein bisschen hinter die Kulissen schauen zu können. Inzwischen darf man sich nur noch an der Genialität des “Chefs” laben. Auch ansonsten ist die Zeitung voll von widerlicher Selbstbeweihräucherung: wie toll Weimar und seine Bildungsbürger im Allgemeinen und man selbst im Besonderen doch sei. Da ist es auch relativ gleichgültig, ob das seine Ehefrau, sein Stellverterter und Gerlinde “Mutti” Sommer tut.
    Außerdem versucht H. ständig Politik zu machen. Als es gegen Dewes (who the f*** is Dewes) ging, wurde Matschie in den Himmel gelobt. Seit dem auch er an der Kultur kürzen muss/will, ist er der Hölle schon ganz nah. Aber als Matschie dem offensichtlichen Duzklüngel-Intimus Seemann ans Schlafittchen wollte, brannten bei H. endgültig alle Sicherungen durch.

  15. Daniel Siegesmund Says:

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  16. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Personenkult um Hoffmeister treibt neue (Stil-)Blüten Says:

    […] können mit Stolz dieser Ehrung entgegentreten, weil sie widerspiegelt, dass sie als Mensch mit Rückgrat, Prinzipien und Fingerspitzengefühl gleichermaßen anerkannt […]

  17. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht Says:

    […] der TLZ und Ehefrau Hoffmeisters, ab sofort “Honorarkonsulin” nennen. Damit gehen ihr die Elogen auf ihren Gatten in ihrer eigenen Zeitung sicher noch flüssiger von der […]

  18. Frank Cebulla Says:

    RT @Blogzentrale: <small>TLZ-Familienbande: Hans Hoffmeister und Lioba Knipping</small> http://t.co/66IrgUbF

  19. Pulchra ut Luna › Weimar: „Bloß weg von Rom!“ und „Ultramontanismus“ Says:

    […] wir heute, hierarchisch korrekt , mit dem Chefredakteur. Dessen Hervorbringungen findet, schon seit langem, ganz Thüringen mehr als seltsam. Das sagt zwar keiner laut, aus […]