Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt

Von Sven

Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat am Freitag Post erhalten, von der Anwaltskanzlei Dr. Eick & Partner GbR. Diese Kanzlei vertritt die Zeitungsgruppe Thüringen. In dem Schreiben der Anwaltskanzlei werden wir darum gebeten aufgefordert, einen Beitrag aus der THÜRINGER BLOGZENTRALE zu entfernen. Die Kanzlei hat sich 14 Stunden für eine Rückäußerung “vorgemerkt“.

Was ist passiert?

Wir hatten darüber geschrieben, wie es kommt, dass die Zeitungsgruppe Thüringen kürzlich einen Zuwachs von 20.000 Lesern bejubeln konnte – wo doch jedes Kind weiß, dass die Zeitungsgruppe Thüringen immer weniger Zeitungen verkauft und dass vor allem die Stammleser der Zeitungen abwandern.

Das geheimnisvolle Leserwachstum ist nun tatsächlich möglich, weil die Leserzahlen eben nicht (nur) anhand der Zahl der verkauften Auflage ermittelt werden können, sondern auch durch – Achtung – Umfragen(!). Die Thüringer werden also befragt, ob sie Produkte der Zeitungsgruppe Thüringen lesen – wozu vermutlich auch das kostenlose Werbeblättchen “Allgemeiner Anzeiger” gehören dürfte. Die so ermittelte Wahrscheinlichkeit(!), dass jemand ein ZGT-Blatt liest, wird Reichweite genannt und von der „Media Analyse“ ermittelt. Wie genau das geschieht und was der Begriff “Leser” in diesem Fall bedeutet, ist jedenfalls gar nicht so einfach zu verstehen.

Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier schreibt zum Thema “Media Analyse”:

    Die Daten der „Media Analyse“, die von Medien und Werbewirtschaft als Währung behandelt werden, sind häufiger seltsam. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Onanier-Zeitschrift „Coupé“: Der sind zwischen 2004 und 2008 drei Viertel der Käufer verloren gegangen. Laut „Media Analyse“ schrumpfte die Leserzahl in diesem Zeitraum aber nur um rund ein Viertel. 2008 müsste nach diesen Werten jede Ausgabe von „Coupé“ durch zehn bis 13 Paar Hände gegangen sein, was man sich wirklich nicht vorstellen möchte.

In dem inkriminierten Beitrag der THÜRINGER BLOGZENTRALE ging es also darum zu zeigen, dass die ZGT hier nicht über den Zuwachs von zahlenden Lesern jubelt, denen die Produkte der ZGT etwas wert sind, sondern über eine zweifelhafte, per Umfrage ermittelte Zahl. Es wurde in unserem Beitrag die “verkaufte Auflage” (gemäß IVW) der “Reichweite” (gemäßt “Media-Analyse”) gegenübergestellt und damit klargemacht, dass zwischen Auflage und Reichweite ein Unterschied besteht, der offenbar eben nicht jedem klar ist.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen meint nun aber pikanterweise, dass der Beitrag in der THÜRINGER BLOGZENTRALE die IVW-Statistik, das heißt die verkaufbare “Auflage” mit der “Reichweite” verwechsle und damit suggeriere, dass die ZGT mit unzutreffenden Zahlen operiere. Die Zeitungsgruppe Thüringen möchte deshalb, dass wir den Beitrag aus dem Netz nehmen.

Wir haben den Beitrag im Netz gelassen, damit sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden kann. Und damit weiterhin jeder interessierte Leser sehen kann, dass es einen Unterschied zwischen verkaufbarer “Auflage” und einer statistischen Lesewahrscheinlichkeit (“Reichweite”) gibt.

Der Anwalt der Zeitungsgruppe Thüringen hat uns übrigens freundlicherweise zuerst eine Mail geschrieben – so wie im Impressum erbeten – bevor, das vergißt er nicht zu erwähnen, “weitere Schritte” in Erwägung gezogen werden. Welche weiteren Schritte das sein sollen, hat er zunächst offengelassen. Was er wohl meint?

Wir hatten in letzer Zeit jedenfalls viel zu meckern über die Zeitungsgruppe Thüringen. Verständlich, dass man darauf reagiert. Dass die Zeitungsgruppe Thüringen auf die Kritik nun mit einer anwaltlichen Löschungsaufforderung antwortet, macht klar: Es fehlt zwar an Nerven, Stil und Argumenten – aber offenbar nicht an Geld.

Und die Zeitungsgruppe Thüringen will vermutlich vor allem eines: Eine öffentliche Diskussion über die wirkliche Zahl ihrer Leser verhindern.

So ein Quatsch!Klasse! (+10 von 10 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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19 Responses to “Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt”

  1. Blogzentrale Says:

    Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt der THÜRINGER BLOGZENTRALE einen Anwalt: http://t.co/8PBkbi9

  2. Sebastian Großert Says:

    Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt der THÜRINGER BLOGZENTRALE einen Anwalt: http://t.co/8PBkbi9

  3. elcho Says:

    Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt der THÜRINGER BLOGZENTRALE einen Anwalt: http://t.co/8PBkbi9

  4. Thüringer Blogs Says:

    Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt: Von Sven
    Die THÜRINGER BLOGZENTRALE hat am Freitag Post e… http://t.co/075Dfxs

  5. Jörg Halitschke Says:

    RT @Blogzentrale Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt der THÜRINGER BLOGZENTRALE einen Anwalt: http://t.co/4xa8epp

  6. Stephan Jauch Says:

    Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt der THÜRINGER BLOGZENTRALE einen Anwalt: http://t.co/8PBkbi9

  7. steffen schlebeck Says:

    mögen die spiele beginnen RT @Blogzentrale: Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt http://t.co/3YXgX8k #fb

  8. MaikD Says:

    Web: Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt: Von Sven Die THÜRINGER… http://t.co/NJ1HcaJ

  9. Wir begrüßen 20.000 neue Leser! Says:

    Wenn ich als Anwalt mit meiner geballten juristischen Fachkompetenz Angst beim Gegner erzeugen möchte, dann sollte ich nicht so seltendumm sein und schon zu Beginn aufzeigen, dass ich noch nicht einmal des Lesens mächtig bin.
    Jeder Richter kann das nämlich.

    “Diese beliebig herbeiinterpretierte Zahl [der “Reichweite”], steht dem harten Faktum des in Euro meßbaren Auflagenverlustes _entgegen_.”
    … schreibt die Blogzentrale. Da bleibt kein Interpretationsspielraum.

    Es kann natürlich auch durchaus möglich sein, “Dr. Eick & Partner” haben das alles schon richtig verstanden. Das bedeutet aber im Gegenschluss, dass man auf deren Seite einfach keinen anderen Angriffspunkt gefunden hat. Und das sagt uns, die juristische Kreativität der Herren hat sich schon an diesem Punkt erschöpft. Sehr schwach. Also nur Mut, liebe TBZ!

    (Aber immerhin: Schön, dass jetzt um so mehr Leute bzgl. Auflagenzahl und “Reichweite” aufgeklärt werden. “Wir begrüßen 20.000 neue Leser!”, hehe)

  10. Blogzentrale Says:

    Anruf von DEUTSCHLAND TODAY. Sie wollen den Beitrag zur anwaltlichen Löschungsaufforderung der ZGT drucken: http://t.co/8PBkbi9

  11. Mediarina Says:

    IVW vs. Media Analyse: Der Streit darüber kann schon mal zu einer Abmahnung führen http://t.co/cdWp5cV (via @blogzentrale)

  12. Next Bundeskabinett Says:

    http://www.thueringerblogzentrale.de/2011/08/21/die-zeitungsgruppe-thuringen-schickt-uns-einen-anwalt/

  13. Ars Somniandi Says:

    http://www.thueringerblogzentrale.de/2011/08/21/die-zeitungsgruppe-thuringen-schickt-uns-einen-anwalt/

  14. Blogzentrale Says:

    Wer nicht weiß worum es grad geht … die Zeitungsgruppe Thüringen hat der Thüringer Blogzentrale einen Anwalt geschickt http://t.co/EXfODfz

  15. peter meier Says:

    Ganz ehrlich: Ich muss dem Anwalt für sein erstes Schreiben danken.

    Denn der Original-Beitrag ist so verschwurbelt geschrieben, dass mir auch nicht 100%ig klar wurde, was er aussagen will.

    Die Aussage wurde erst mit diesem Artikel hier klar.

  16. sven Says:

    da hat das ganze ja auch seine guten seiten. :o)

  17. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Konsul Hoffmeister: Wie man sich richtig lächerlich macht Says:

    […] sich die Zeitungsgruppe Thüringen fragt, warum sie innerhalb von 2 Jahren 20.000 Abonnenten verliert, sollte sie sich vielleicht einfach die Arbeit ihrer Chefredakteure genauer […]

  18. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Zeitungsgruppe Thüringen verzichtet auf “weitere Schritte” Says:

    […] … und weniger kluge. Die weniger klugen hatten die THÜRINGER BLOGZENTRALE vor zwei Wochen per Rechtsanwalt aufgefordert, einen Beitrag aus dem Internet zu nehmen. Dem haben wir uns natürlich verweigert. Die klugen […]

  19. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Deutschland Today vs. Zeitungsgruppe Thüringen Says:

    […] Das ist besonders bemerkenswert, wenn man weiß, dass die ZGT die in der Vergangenheit selbst bereits erhebliche Kreativität in der Darstellung ihrer Nutzer- und Leserzahlen bewiesen hat. […]