Traumberuf Chef: Wie die FDP an Schulen verdienen will

Von Neidhart von Schwarzburg

Die FDP ist eine Partei, die viel Geld aus vielen großen Unternehmen deutschen Wirtschaft erhält. Und die FDP tut auch was für das viele Geld, sobald sie in Regierungsverantwortung steht. Wie die FDP sogar selbst Geld verdienen und zusätzlich die Interessen ihrer Partner in der Wirtschaft vertreten will, zeigt das Beispiel Thüringen.

Hier versuchte die FDP nämlich per Landtagsbeschluss ganz spezielle Unterrichtsmaterialien an die Schulen zu bringen.

Diese Broschüren werden von einem Verlag hergestellt, der zu 50% im Besitz der FDP ist, dem Universum-Verlag. Dieser druckt auch andere Schulmaterialien, die kostenlos an Lehrer verteilt werden. Die Verteilung übernimmt ein “gemeinnütziger Verein”, die sogenannte Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung”, die ganz zufällig dieselbe Adresse hat wie der Universum-Verlag – und die Bundesgeschäftsstelle der FDP, nämlich im Thomas-Dehler-Haus in Berlin-Mitte, in der Reinhardtstraße 14-16.

Warum die Schüler, die Schulen oder die Lehrer für diese FDP-“Unterrichtshilfen” – die in Zeiten knapper Kassen wie gerufen kommen – nichts bezahlen müssen, liegt nun ganz einfach daran, dass sie vor allem von der Industrie gesponsert werden. Die Industrie hat nämlich handfeste Interessen. Wie die durchgesetzt werden, beschreibt die Arbeitsgemeinschaft so:

    Werbung ist an Schulen verboten. Materialien der Arbeitsgemeinschaft sind daher grundsätzlich werbefrei. Der Sponsor ist mit seinem Thema und als Mitherausgeber präsent.

Die kostenlosen Unterrichtsmaterialien des FDP-eigenen Universum-Verlages sind also im Grunde Werbebroschüren für die Interessen, die die Unternehmen oder Unternehmensverbände vertreten, die diese Broschüren bezahlen. 3750 Euro berechnet der Universum-Verlag laut Preisliste 2010 den Auftraggebern aus der Wirtschaft für die Erstellung eines Arbeitsblatts.

So zum Beispiel auch der Atomlobby. In einer der Broschüren zum “Unterrichtsthema: Atomkraft” sollen die Schüler verschiedene Statements zur Kernkraft, von Kernkraftbefürwortern und -gegnern lesen und beurteilen.

    “Die Schüler sollen “die Argumente in einer Tabelle nach ,Pro’ und ,Kontra'” ordnen. Sechs Zitate, satt gefüllt mit Fakten und Zahlen, sind schnell als Beiträge pro Kernenergie identifiziert. Die drei Gegenstimmen erschöpfen sich in schlichten Feststellungen wie jener des BUND: “In Deutschland brauchen wir die Atomkraft nicht, die erneuerbaren Energien können sie spielend ersetzen.”

    Derart munitioniert werden die Schüler aufgefordert, die “eher schwachen” und die “überzeugenden” Argumente zu benennen. Und wer noch immer nicht vom Segen der Kerntechnik überzeugt ist, der wird sicher gleich bekehrt sein, wenn er in der folgenden Aufgabe “die Interessen der Arbeitnehmer” berücksichtigen soll. Als Denkanstoß präsentiert das Unterrichtsmaterial eine Passage aus der “Wirtschaftswoche” vom 16. Februar 2009: “Die Atomindustrie blüht und wächst. Inmitten der Wirtschaftskrise gibt es sogar neue Arbeitsplätze und Aufträge aus dem Ausland.”

Das schrieb der SPIEGEL in seiner letzten Ausgabe.

Die Schüler sollen aber noch mehr. Die Aufgaben am Ende des Arbeitsblattes fordern die Schüler auf:

    1. Ein deutschlandweites Stromnetz birgt viele Vorteile. Welche sind das? Nenne mindestens drei Beispiele.

    2. Betrachte die Karte und gebe in eigenen Worten wieder, wie das Import- und Export-Verhältnis zwischen Deutschland und seinen
    Nachbarländern aussieht. Diskutiert dann in Kleingruppen die Bedeutung der folgenden Aussage: „Aufgrund seiner zentralen
    Lage nimmt Deutschland im europäischen Verbundsystem eine besondere Stellung ein“.

    3. Kernkraftgegner fordern Deutschlands Ausstieg aus der Kernenergie. Erkläre in eigenen Worten, warum nach einem Ausstieg
    trotzdem Strom aus Kernkraftwerken in das deutsche Stromnetz fließen würde.

Für die Beantwortung der Fragen werden die Schüler u.a. an die Webseite des “Informationskreises Kernenergie” verwiesen, eine Lobbygruppe der großen deutschen Kernenergieerzeuger. Gemeinsam mit diesen Wirtschaftsvertretern sind die Unterrichtsmaterialien erstellt worden.

In Thüringen sollte die Broschüre “Traumberuf Chef an den Lehrer oder die Lehrerin gebracht werden. Diese Broschüre wird sogar vom FDP-geführten Bundeswirtschaftsministerium unterstützt..

Die FDP konnte sich mit ihrem Antrag im Thüringer Landtag jedoch nicht durchsetzen. Der Abgeordnete Peter Metz (SPD) stellte fest “es grenzt an Dummheit, einen derartigen Antrag in diesem Haus vorzutragen” und die Vizepräsidentin des Thüringer Landtags Astrid Rothe-Beinlich (Grüne) sprach von einer “interessengeleiteten Mappe der FDP” und dass “es nicht alles im Leben sein könne, Chef oder Chefin werden zu wollen”.

Thomas L. Kemmerich, der Mann, der die Materialien im Thüringer Lehrplan verankern wollte, meinte dazu, er wolle “nicht tatenlos zusehen, wie ein an sich gutes Programm zwischen den roten Mühlen zu Nichte gemacht wird”.

Diese Sorge ist offenbar unbegründet. Denn dass die Broschüre vielleicht doch bald auf den Tischen Thüringer Schüler liegen wird, dafür könnten zwei Mitarbeiter des Thüringer Kultusministeriums sorgen: Ministerialrat Dr. Reinhard Köhler ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins “Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung” und sitzt zusammen mit Vorstandsmitglied Cordula Engelhardt auch im Stiftungsrat der “Stiftung Jugend und Bildung”.

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3 Responses to “Traumberuf Chef: Wie die FDP an Schulen verdienen will”

  1. Blogzentrale Says:

    Wie die FDP mit Unterrichtsmaterialien von Lobbygruppen an Thüringer Schulen Geld verdienen will: http://bit.ly/9OSQqC

  2. Benjamin Heinrichs Says:

    Wer die Thüringer FDP als regierungsfähig einstuft sollte bei dieLinke in NRW auch keine Bauchschmerzen mehr haben http://bit.ly/aF5XL7. #fb

  3. Thüringer Blogs Says:

    Traumberuf Chef: Wie die FDP an Schulen verdienen will: Von Neidhart von Schwarzburg
    Die FDP ist eine Partei, die … http://bit.ly/cRl698