Wie Facebook an die GMail-Adresse der Thüringer Blogzentrale kam

Von Suicider

Die Thüringer Blogzentrale hat einen →Artikel veroeffentlicht, in welchem der Autor sich ueber die mysterioese Vorgehensweise von Facebook wundert, dass es scheinbar seine Freunde kennt, ohne dass er selbst dort angemeldet ist.

Darueber kann man erstaunt sein. Die Ursache liegt aber nicht etwa bei Google Mail, welches, wie die Blogzentrale behauptet, vermeintlich die Adresse an Facebook weitergegeben hat.

Der einzige Knoten, der diese Personen verbindet, ist meine Emailadresse bei Google …

Das ist natuerlich zu kurz gedacht.

Da der Autor der Blogzentrale kein Facebook und offenbar kein sonstiges Soziales Netzwerk benutzt, zeige ich hier mal beispielhaft, wie einfach Facebook an die GMail-Adresse von der Blogzentrale kommt:

Facebook ist besonders dreist beim Abluchsen von Kontaktadressen.

Deine Freunde auf Facebook sind dieselben Freunde, Bekannten und Familienmitglieder mit denen du in der realen Welt kommunizierst. Du kannst jede Funktion auf dieser Seite benutzen, um weitere Freunde zu finden.

Nehmen wir an, ich bin so bloed und gebe Facebook in bester Absicht mein GMX-Passwort. Was genau danach passiert, habe ich nicht ausprobiert, aber hier ein beispielhafter Screenshot des GMX-Adressbuches:

Das funktioniert natuerlich auch mit dem Mail-Programm, hier beispielsweise Thunderbird:

Das geht auch ueber die plumpe Einladung per Facebook:

Sowas kann das Studierenden-Verzeichnis uebrigens auch:

Vermutlich scannt Facebook auch die Adressen saemtlicher Mails, die sich in meinem Posteingang befinden. Und nicht nur die Absender der Mails an mich, sondern auch CC (Carbon Copy) von empfangenen und gesendeten Mails. Facebook hat dann bereits eine Vielzahl an Kontakten. Ob sofort Einladungen verschickt werden, weiss ich nicht, aber mit Sicherheit hat Facebook sehr gute Algorithmen zur Feststellung, wer mit wem in der Realitaet vernetzt ist und kann von einer eingetragenen Adresse vielleicht gleich auf weitere Bekannt- und Verwandtschaften schliessen. Seltene Nachnamen, Wohnorte, Interessen sind ganz sensible Bausteine in der Facebook-Rasterfahndung.

Die Tatsache, dass Facebook sogar Nicht-Mitglieder scheinbar kennt, hat bereits im Februar fuer Schlagzeilen gesorgt. Es berichteten →Heise, →Heute.de und andere Medien. Mit der spaeteren Eroeffnung eines Bueros in Deutschland wurde Facebook auch Mittelpunkt der Datenschutz-Bemuehungen von →Ilse Aigner und Co.

Facebook und Google sind nur die Stellvertreter fuer viele Soziale Netzwerke und Datensammler. Die Kritik am Datenschutz im Internet ist wichtig, wird aber nicht konsequent gefuehrt. Dass Facebook den User dazu draengt, seine Kontakte preiszugeben, ist der einzige Sinn von Sozialen Netzwerken. Sie funktionieren nur, wenn sie so viele User wie moeglich haben. Das Problem ist die Freigiebigkeit von naiven Nutzern, die das Passwort ihres Mailaccounts da reinhaemmern. Und das wird in Zukunft noch gefaehrlicher, wenn unsere Freunde weiterhin ungefragt Fotos ins Netz kippen, auf denen auch wir abgebildet sind. Denn die Algorithmen zur Gesichtserkennung werden uns bald identifizieren, egal auf welcher Plattform. Davor kann man jetzt nicht oft genug warnen.

Am Ende bleibt immer nur zu sagen, dass wir uns alle gegenseitig viel mehr ueber den Nutzen und die Gefahren sozialer Netzwerke, Google, Flickr, Sonstwas aufmerksam machen muessen. Facebook und Konsorten sind dann ein Problem, wenn sie unreflektiert und unkritisch benutzt werden. Jeder, der Facebook ablehnt, hat auch den Respekt verdient, dass er sich gegen den Herdentrieb stellt, verpasst aber vielleicht eine sehr umfangreiche Plattform zur Vernetzung und Kommunikation. Ein Aufzwingen, etwa durch Freigeben meiner Mailkontakte in die Netzwerke, ist aber grundlegend falsch und sollte auch an die „guten Freunde“ vermittelt werden, die einen damit in Facebook bekannt machen.

Dieser Artikel wurde hier mit freundlicher Genehmigung von Sucider veröffentlicht. Den Originalbeitrag gibt es →hier.

So ein Quatsch!Klasse! (+1 von 1 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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14 Responses to “Wie Facebook an die GMail-Adresse der Thüringer Blogzentrale kam

  1. Blogzentrale Says:

    Neuer Blogeintrag von @Suicider in der BLOGZENTRALE: Wie Facebook an die GMail-Adresse der Thüringer Blogzentrale kam http://bit.ly/cBwo6c

  2. Thüringer Blogs Says:

    Wie Facebook an die GMail-Adresse der Thüringer Blogzentrale kam:

    Von Suicider
    Die Thüringer Blogzentrale hat ei… http://bit.ly/9Dozjb

  3. Tweets die THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Wie Facebook an die GMail-Adresse der Thüringer Blogzentrale kam erwähnt -- Topsy.com Says:

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Blogzentrale erwähnt. Blogzentrale sagte: Neuer Blogeintrag von @Suicider in der BLOGZENTRALE: Wie Facebook an die GMail-Adresse der Thüringer Blogzentrale kam http://bit.ly/cBwo6c […]

  4. modifiziert Says:

    Super!
    Wie bereits in meinem Kommentar im vorhergegangenen Artikel erwähnt:
    Umdenken ist angesagt.

  5. sven Says:

    modifiziert, Du hast in Deinem Kommentar im vorangegangenen Artikel geschrieben:

    “Wer nichts zu verbergen hat, der kann doch ganz locker einem Datenaustausch, zwischen wem auch immer, ob eingewilligt oder nicht, lächelnd ins Gesicht blicken.(…)Daher, wie wäre es mit Ehrlichkeit, keine Verschleierungstaktiken? Ein mangelnder Datenschutz ist doch die einmalige Gelegenheit, Authentizität zu beweisen.”

    Wie darf man eine solche Aussage von jemandem verstehen, der hier unter Pseudonym Kommentare schreibt?

    Authentizität?

  6. sramten Says:

    Die Erklärung passt nicht.
    Habe mich vor etwa einem halben Jahr verleiten lassen, mich bei Facebook anzumelden. Habe auch das Passwort meines web.de-Accounts verraten. Aber jetzt kommt’s: Nach ca. 2 Monaten wurden mir zwei Freunde mit Vor- und Nachnahmen vorgeschlagen, die weder in meinem w*b.de-Adressbuch gelistet sind, noch mit mir in der Zwischenzeit kommuniziert haben. Selbst Kontakte zu anderen akzeptierten “Freunden” oder Adressen in meinem w*b.de-Adressbuch sind hochgradig unwahrscheinlich. Dazu kommt dass beide “Vorschläge” nicht in Deutschland beheimatet sind und einer der beiden “Vorschläge” bei einer direkten Suche auf Facebook gar nicht zu finden war.
    Nehme aber immer gerne Erklärungen entgegen.

  7. StephanJ Says:

    Die Vorschläge auf Facebook erklären sich meist von selbst, sei es durch “… ist ein/e gemeinsame/r FreundIn” oder über gemeinsame Fan-Pages und Interessen.

    Was sicherlich auch berücksichtigt wird, sind gleiche IP-Adressen. Wenn du deinen Bekannten/Verwandten Facebook zeigst und bist/warst selbst eingeloggt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dich Facebook den Bekannten/Verwandten empfiehlt.

    Ich glaube, dass sich über Profiling viel leichter herausfinden lässt, wer wen auch in der Realität kennt, als wir das glauben. Im Detail musst du auch nur darauf achten, welche Informationen du und deine Freunde auf Facebook eingegeben haben (Wohnort, Alter, Schule). Der Rest ist Wahrscheinlichkeitsrechnung.

  8. modifiziert Says:

    @ sven,
    nur keine Aufregung Deinerseits.
    Pseudonym?
    Nur mal so Sven:
    Ich habe nur auf besonderen Wunsch hin, einen anderen Namen angenommen.
    Einen anderen Namen, nämlich “modifiziert”, um hier überhaupt kommentieren zu dürfen.
    Mein Name ist “Mo”, mit dazugehöriger Mail-Adresse, den irgendjemand nicht für “gut” befunden hat, weil da eventuell Ungereimtheiten entstehen könnten (die sich mir bis heute nicht erschlossen haben).
    Also, ich habe auf Wunsch einer einzelnen Person, dem Wunsch entsprochen, hier nicht unter dem Namen “Mo” aufzutauchen.
    Ich erfülle ja gerne Wünsche.
    Authentisch bin und bleibe ich trotzdem,
    da kannst Du noch so viel lamentieren.

  9. Mathias Says:

    Die Frage ist generell in wie Weit sich Vernetzung und Datenschutz vereinbaren lassen. Ich habe ja nicht den absoluten Einfluss auf den Fluss meiner persönlichen Daten, da vernetzte Freunde wieder Zugriff darauf haben und ich nicht kontrollieren kann, wie sie mit Datenschutz umgehen.
    Es ist wohl unterm Strich eine Grundsatzentscheidung für oder gegen Präsenz im weltweiten Netz.

    LG
    Mathias

  10. modifiziert Says:

    @Mathias,
    toll, ganz toll.
    Nichts von dem, was Sie geschrieben haben,
    kann ich inbrünstig nachvollziehen,
    eher halbherzig.

  11. modifiziert Says:

    Ich würde mich auf die “Thüringer Blogzentrale” konzentrieren.
    Da geht noch was.

  12. Chris Sedlmair Says:

    Und was ist jetz das skandalöse? Ich schreibe jamendem eine Mail. Dasurch hat er meine Mailadrese und ich habe keinen realen Einfluß darauf, was er damit macht. Der kann seine Kontakte durchsuchen, ob sie auf Facebook sind und schwups bekomm ich ne Einladung. Where is the fucking problem? Das kann man nicht verhindern. Niemand wird gezwungen dazu, seine Kontakte preiszugeben. Und wenn man einer der Koantkte ist, kann man das kaum verhindern. Was will uns der Autor damit sagen? Daß er Kontakt zu Deppen hat? Datenschutz gibts nicht, hats noch nie gegeben und im Internetzeitalter wird das immer offensichtlicher. Man kann es nur aufwendig oder weniger aufwendig gestalten, daß dritte an die eigenen Kontaktdaten kommen. Am bestn nicht in Internat ghen, auf Mails verzichten, dann kommt niemand an die Kontaktdaten. Und ich bin nun wirklich kein Freund von Konzernen. Wenn man vernetzung will, da hat Mathias völlig recht, muß im Gegenzug auf Datenschutz verzichten. Die Berufsempörten haben irgendwie die Funktionsweise des Web, oder gar dem Web 2.0 noch nicht richtig verstanden. Richtige Terroristen arbeiten übrigens nicht übers Internet, und zwar aus genau diesem Grund. Al Quaida propgiert nuzr übers Internet, Planungen und Orders gehen über Boten mit Handzettel oder mündlich. Die sind ja nicht blöd.

  13. modifiziert Says:

    @Chris Sedlmair,
    Sie regen mich zum Nachdenken an, indem Sie schreiben:

    *Al Quaida propgiert nuzr übers Internet, Planungen und Orders gehen über Boten mit Handzettel oder mündlich. Die sind ja nicht blöd.*

    Was denn nun? Internet oder Handzettel, oder gar nur mündlich?
    *grummel*

  14. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » 4. Thüringer Bloglesung oder so Says:

    […] soll. Eine Twitterwall gibt es natürlich auch schon. Und für alle, die gern Ihr Email-Adressbuch an jemanden verschenken wollen, der es dann eventuell weiterverkauft, gibt es jetzt sogar eine Facebook-Gruppe. Die hat schon 20 […]