Potemkinsche Statistiken: Wie sich die ZGT schönrechnet

“Wir begrüßen 20.000 neue Leser!” titelt heute die Thüringer Allgemeine.

“Ein alter Sack” hat dazu mal recherchiert und im Blog “Medienmoral Thüringen” dazu folgendes kommentiert:

    Die letzte IVW-Statistik 2/2011 sagt: verkaufte Auflage ZGT gesamt 301.105 Exemplare. Zwei Jahre zuvor: 321.442. Wer lügt sich hier aus welchem Interesse die Statistik schön? Das wär mal ein Thema für das neue TA-Rechercheteam und Herrn M., der die “katholische Pfarrerstochter” erfunden hat. Raues Zahlenspiele auf Seite 7 “Mehr junge Leute lesen unsere Zeitungen” sind ein schönes Beispiel für PR in eigener Sache und verarschen arglose Leser.

Diese Zahlen kommen durch eine in letzter Zeit von vielen Zeitungsleuten wiederholte Mär zustande. Eine Legende von einer heftig gestiegenen “Reichweite” der Zeitung, also von wie vielen Lesern eine Zeitung gelesen wird, auch ohne notwendig gekauft worden zu sein.

Diese beliebig herbeiinterpretierte Zahl, steht dem harten Faktum des in Euro meßbaren Auflagenverlustes entgegen. Steigerung der Reichweite bedeutet aber auch, dass die meisten Leute, die die Zeitung lesen, dafür nichts bezahlen. Warum sich die Chefs der ZGT also angesichts klarer Kommerz-Bekenntnisse über sinkende Einnahmen durch die “Gratiskultur” der “Reichweitensteigerung” freuen, erklärt sich vor allem dadurch, dass der Jubel über die gestiegene Reichweite vor allem eine Botschaft an Werbekunden ist. Die Leser der ZGT-Blätter werden schlicht an Autohäuser und Baumärkte verkauft und TLZ/OTZ/TA somit mehr und mehr zu Anzeigenblättern.

Kürzlich konnte der Geschäftsführer der Zeitungsruppe Thüringen, Klaus Schrotthofer, auf einer Podiumsdiskussion fast unwidersprochen feststellen, dass die Auflage der Zeitungsgruppe Thüringen – zusammen mit dem Internetauftritt – in die Millionen ginge, hätte man doch im Internet 430.000 “Unique User”.

Dass diese Zahl der “unique user” auf den Monat hochgerechnet ist und auf den Tag zurückgerechnet lediglich rund 14.000 Leser bedeutet, wäre fast niemandem aufgefallen. 14.000 Leser täglich. Es gibt private Blogger, die diese Zahlen um Längen schlagen.

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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5 Responses to “Potemkinsche Statistiken: Wie sich die ZGT schönrechnet”

  1. Blogzentrale Says:

    Potemkinsche Statistiken: Wie sich die ZGT schönrechnet http://is.gd/RfL9oc

  2. Thüringer Blogs Says:

    Potemkinsche Statistiken: Wie sich die ZGT schönrechnet: “Wir begrüßen 20.000 neue Leser!” titelt heute die Thür… http://bit.ly/oY2v1e

  3. Mazbln Says:

    Danke für die Erläuterung. Bin gerade in Thüringen und bin beim Durchblättern der TA auch ob der Schlagzeile auch stutzig geworden. Die Selbstbeweihräucherung per in meinen Augen zweifelhafter Statistik (glaube keiner Statistik…) habe ich mir dann doch nicht angetan.

  4. THÜRINGER BLOGZENTRALE » Blog Archive » Die Zeitungsgruppe Thüringen schickt uns einen Anwalt Says:

    […] hatten darüber geschrieben, wie es kommt, dass die Zeitungsgruppe Thüringen kürzlich einen Zuwachs von 20.000 Lesern […]

  5. kkkk Says:

    leite ihr solltet euch erstmal informieren, warum die zgt 20.000 leser mehr hat und was reichweite eigentlich bedeutet und wie diese durch ein unabhängiges institut geprüft und erstellt wird, dann können wir auf dem niveau weiterreden. die titel der zgt sind mit abstand die titel mit der größten reichweite, und deutlich mehr leser, als die sogenannten kostenlosen anzeigenblätter, die auch nicht in jeden haushalt kommen, sondern ca. in 70 % der haushalte. ihr könnt euch dann gerne ausrechnen, wie viele leser dann übrig bleiben, wenn man die leute die dieses blatt gleich in die blaue tonne knalle abzieht. viele sind es nicht und überlegt euch mal, warum große deutschlandweite unternehmen in der werbung auf die tageszeitung setzen, richtig, weil sie ja keine ahnung haben, sondern ahnung haben die, die nur billige werbung wollen….aber bin gespannt etwas von euch zu hören.