Lieber Herr Ramelow,

vielen Dank für Ihr Fax. Offenbar sind Sie nun dazu übergegangen, mir Faxe statt Emails oder Twitterbotschaften zu schicken. Nun ja, nachdem auf diesem Wege zwischenzeitlich →Irritationen über Ihre Identität entstanden waren, ist die Sendung eines Fax’ wohl nur konsequent (Grafiken zum Vergrößern bitte anklicken!).

Wie man sieht, geht es in Ihrem Schreiben um zwei Themen. Einerseits um Ihren →Streit mit der Thüringer Allgemeinen, in der Sie als “Flachzange” bezeichnet wurden. Zum anderen geht es um eine →Frage, die Ihnen die THÜRINGER BLOGZENTRALE am 13. September 2009 per Twitter gestellt hat.

Sie haben damals in Ihrer Reaktion →viele Dinge geschrieben. Dinge, die Sie auch in Ihrem Fax wiederholen und die kaum als eine Antwort gelten können. Zum Beispiel, wer bei Ihnen im Büro arbeitet und wer nicht. Auch, dass zwei Landtagsabgeordnete ihre Biographie offengelegt haben. Sie wiederholen auch die tragische Geschichte von Frau Leukefeld, die – offenbar in Unkenntnis der rechtlichen Grundlagen – ihre Stasiakte veröffentlicht hat. Sie bekräftigen außerdem erneut, dass Sie Auskunft zu allen Personen erteilt haben, die sich in Ihrem “arbeitsrechtlichen Zuständigkeitsbereich” befinden. Was Sie darüber hinaus wiederholt ergänzen, ist, dass jeder Wahlbewerber in Ihrer Partei seine “politische Biographie” offenlegen muss und dass diese Informationen der Presse zur Verfügung stehen.

All das ist bereits bekannt. Sie haben das auch im →Fernsehen nochmal gesagt. Es sind keine Neuigkeiten … und schon gar keine Antworten auf unsere Frage.

Sehr geehrter Herr Ramelow, Sie sind der höchste gewählte Vertreter der Linken im Thüringer Parlament. Sie waren der Kandidat der Linken für das Amt des Ministerpräsidenten. Als ein solcher müßten Ihnen die von uns gewünschten Informationen zur Verfügung stehen oder durch Sie in kürzester Frist in Erfahrung zu bringen sein. Es geht hier nicht darum, die Zahl durch die Presse oder durch uns offenzulegen. Es geht darum, dass die Thüringer Linke und insbesondere Sie, als einer der höchsten Repräsentanten dieser Partei, zu dieser Sache stehen und ganz klar benennen …

“wieviele ehemalige hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit für die Thüringer Linkspartei in Ämtern und als Angestellte arbeiten, wie sie heißen und mit welcher Funktion innerhalb der Partei Die Linke sie betraut sind.”

Dies war unsere Ausgangsfrage. Diese Frage ist und bleibt unbeantwortet durch Sie. Und inzwischen würde uns auch eine einfache Zahl genügen.

Sie mutmaßen zum Abschluss, dass ich wohl einen Privatkrieg gegen Sie führe. Das ist nicht der Fall. Ich will Ihnen noch einmal sagen, warum mir diese Frage so wichtig war und ist: Ich hatte die LINKE für eine wählbare Alternative gehalten. Denn es gibt ein paar ganz wesentliche politische Positionen Ihrer Partei, die meinen Überzeugungen sehr nahestehen. Dazu gehörten auch wesentliche Teile Ihres Wahlprogramms für Thüringen, das koalitionsfreundlich zum damaligen Wahlprogramm der Grünen gepasst hätte, deren Mitglied ich (noch) bin, wie Sie ja auch nicht müde werden zu erwähnen.

Und noch etwas will ich nicht unterschlagen. Ich mag Sie persönlich gern. Ich mag Ihre Authentizität, Ihr Engagement und natürlich Ihre Affinität Neuen Medien gegenüber. Ich mag, dass Sie zu Ihren Schwächen stehen und natürlich, dass Sie als eine Art Underdog den Kampf gegen den Thüringer Medienkraken aufgenommen haben.

Ich führe also keinen “Privatkrieg” gegen Sie. Ich schätze Sie stattdessen als einen fairen Partner in der politischen Auseinandersetzung. Sie haben aber offenbar Angst vor mir. Doch das müssen Sie nicht. Ich möchte lediglich wissen, wem man da draußen noch vertrauen kann. Dazu gehört auch die Beantwortung unbequemer Fragen. Ich möchte deshalb meine Bitte an Sie wiederholen, uns für ein Videointerview zur Verfügung zu stehen.

Hoffend auf eine Beantwortung meiner Fragen und Bitten verbleibe ich ausgesprochen dankbar, dass Sie die Thüringer Blogzentrale Ihrer wertvollen Aufmerksamkeit weiterhin für würdig erachten, ergebenst, Ihr

Dr. S. Oelsner

So ein Quatsch!Klasse! (0 von 2 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
Loading...

4 Responses to “Lieber Herr Ramelow,”

  1. Blogzentrale Says:

    Der @bodoramelow hat der Thüringer @Blogzentrale ein Fax geschickt. Er ist nicht mehr gewillt, etwas zu akzeptieren: http://t.co/5zh4kdYk

  2. Thüringer Blogs Says:

    Lieber Herr Ramelow,: vielen Dank für Ihr Fax. Offenbar sind Sie nun dazu übergegangen, mir Faxe statt Emails od… http://t.co/L0xz8rci

  3. Rainer Aschenbrenner Says:

    Mein Gott, (DIES sei einem Atheisten verziehen!); mein Gott, Dr. Oelsner!

    Zuweilen mutet dieses Ländchen an wie das der Zwerge bei Gulliver. Wenn die drei, vier … (oder wie vielen?) Geistreichen, die Intellektuellen, die eher Nicht-Konformisten, sich elonquent verbal attakieren, dann ist ein atemloses stummes Aufschreien des Restes der denkfähigen Freistaatler gewiss.

    Die Bataille zwischen Ihnen und Ramelow lässt mutmaßen, dass Sie ihm – und er Ihnen! – schlussendlich doch in tiefer Zuneigung zugetan (wie Sie, offenen Visiers, das Sie bevorzugen, kund taten). Förderlich wäre es der öffentlichen Meinung, wenn keiner der beiden Kombattanten sich fürderhin berufen fühlte, den anderen zu bekehren.

    Sie haben beide so Recht, wie sie irren.

    Aber genau das ist es doch, was den Diskurs befördert, oder? Und der (ideologie-, ergebnis-, positions-)offenen Debatte fehlt es doch diesem kuschelig-gemütsvollem Lande. Oder etwa nicht?

    meint der Ihnen zugetane Rainer A.

  4. sowas Says:

    Ich verstehe diesen Blog-Beitrag nicht.
    Menschen aus der Partei “Die Linke” haben vorgeblich früher gespitzelt, heute werden sie bespitzelt.

    Wäre es dabei nicht wichtiger, das heutige Bespitzeln zu beenden, als die vergangenen Tätigkeiten verschiedener Menschen (die sicher nicht gut waren, genausowenig wie es heute gut ist) einem Einzelnen, in dem Fall Herrn Ramelow, anzutragen?

    Nach dem Ende einer Diktatur alle irgendwie Beteiligten aus Amt und Würden zu entfernen halte ich für albern und genauso rückständig, wie die historische Sitte der Ägypter, nach der Krönung eines Neuen sämtliche Statuen des alten Pharaos zu vernichten. Es geht um Menschen, es geht um ihre Fähigkeiten, und es geht darum, nicht jede freie Stelle mit einem Westimport zu besetzen!