Sven Regener & 51 Tatort-Autoren im Kampf gegen das Internet

Von Neidhart von Schwarzburg

Die Piraten nehmen den Künstlern das Butterbrot weg. Zeit, dass die Künstler sich dagegen wehren. Großzügige Unterstützung bekommen sie in ihrem Kampf gegen das Internet von ihren Feudalherren in der Medienindustrie

In einem Resümee der Tagung der “Film- und Medienwirtschaft” zum Thema “Urheberrecht in der digitalen Medienwelt” wurde kürzlich festgestellt:

    Solange die sogenannten Netzaktivisten dank enormer Außenwirkung eine “Meinungsführerschaft” in Fragen der Reglementierung des Internets für sich beanspruchen können, sieht sich die Politik auf breiter Basis buchstäblich außerstande, Regelungen zu treffen, die ein gefühltes “Grundrecht auf Internet”, wie es MdB Thomas Jarzombek (CDU) formulierte, zu berühren drohen.

Dagegen muss man etwas unternehmen. Und man hat auch schon eine Lösung:

    Gleichzeitig unterstrich er (Anmerkung: Staatssekretär Hans-Joachim Otto), wie auch seine Kollegen aus Reihen von CDU, SPD und FDP, dass vor allem die Kreativbranche selbst gefordert sei, der öffentlichen Diskussion eine neue Richtung zu geben, die Anliegen der Urheber begreifbar zu machen. Gerade Künstler seien “sprachgewaltige” Botschafter.

Und schon geht sie los, die ganz spontane öffentliche Debatte:

Erst regt sich Sven Regener öffentlichkeitswirksam im Radio über “die Deppen” auf, die sich Songs seiner Band “Element of Crime” aus dem Netz laden ( … wo er recht hat, welcher Depp saugt sich schon “Element of Crime”…)

Und dann beschweren sich auch noch 51 Tatort-Autoren und bei der “Netz-Gemeinde” über die Mißachtung ihres Urheberrechts:

    Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!

    Wir Unterzeichner erkennen an, dass Sie alle sich eines veritablen Problems annehmen wollen, das die zwei großen, am Internet hängenden „Parteien“ betrifft: Die schlechte Lage der Urheber, ihre unangemessene Vergütung und die millionenfache illegale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten auf der einen Seite, 600.000 Abmahnungen von Usern und die Möglichkeit von Netzsperren und (anlassloser) Vorratsdatenspeicherung, die Sie gerne Zensur nennen, auf der anderen Seite …

Inzwischen haben diese beiden Ereignisse einen besonderen Charakter bekommen. Sie sind selbst zur Meldung geworden, die auch von der Presse dankbar aufgegriffen wird. So widmete gestern beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung dieser Debatte sehr viel Raum:

    Wenn es aber um den harten Kern des Rechts auf Privatheit, den Schutz des privaten (geistigen) Eigentums geht, dann werden die Piraten windelweich. Kein Argument ist ihnen zu schade, das Urheberrecht (das Recht auf die Wahrung und Verfügung über die eigene Kreativität) madig zu machen. […] Dabei ist, sich schadlos zu halten an dem, was andere Leute geschaffen haben, nichts anderes als Diebstahl, wie der Schriftsteller Sven Regener (gefolgt von 51 Tatort-Autoren) in seiner berühmten “Wut-Rede” jüngst drastisch bekannte. […] Ein Parteiprogramm, das Privateigentum ignoriert, missachtet die Grundregeln der Marktwirtschaft.

Und auch andere Zeitungen geben dieser Auseinandersetzung freimütig Platz und äußern sich einschlägig.

Ein weiteres Beispiel dieses verzweifelten Kommunikationsmanagements ist ein Flyer, der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Muskindustrie an Schulen, als “Leitfaden” für Lehrer, Schüler und Eltern verteilt wird und wohl eher der Einschüchterung als der Aufklärung dient.

Was wir hier beobachten können, ist der Kampf zweier Kulturen. Die PR-Kettenhunde der Rechteindustrie ziehen die üblichen Register. Es wird Empörung und ein Skandal inszeniert, der zur Pressemeldung wird und eine öffentliche Debatte in den Feuilletons anstößt. In denen äußern sich überwiegend die Profiteure der Rechteverwertung und damit ist alles gut.

Dumm nur, dass im Internet eine Parallelgesellschaft entstanden ist, die ihre eigenen Informationsquellen, Meinungsführer und politischen Persepektiven entwickelt hat.

Das ist ein spannender Kampf, den die Rechteindustrie eigentlich nur noch mit Astroturfing gewinnen kann. Der Simulation des Meinungswandels im Netz.

Und sowas wird es sicher auch bald geben. Netzaktivisten, die sich für die Urheberrechtsindustrie aussprechen. Alles hat seinen Preis. Den Kampf gewinnt, wer bereit und in der Lage ist, ihn zu zahlen.

So ein Quatsch!Klasse! (Bitte bewerten!)
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4 Responses to “Sven Regener & 51 Tatort-Autoren im Kampf gegen das Internet

  1. Blogzentrale Says:

    []BLOGPOST Die Piraten nehmen den Künstlern das Butterbrot weg. Zeit, dass die Künstler sich dagegen wehren http://t.co/Y9T02HKr

  2. Thüringer Blogs Says:

    Sven Regener & seine 51 Tatort-Autoren im Kampf gegen das Internet: Von Neidhart von Schwarzburg
    Die Piraten neh… http://t.co/FV8j5p4d

  3. Frank Cebulla Says:

    []BLOGPOST Die Piraten nehmen den Künstlern das Butterbrot weg. Zeit, dass die Künstler sich dagegen wehren http://t.co/Y9T02HKr

  4. Danika Says:

    Ich denke, dass diese Debatte ganz dringend sachlicher werden muss. Die extremen Meinung sind bekannt. Es ist an der Zeit ein funktionierendes Konzept aufzumachen.