Meinungsmache mit dem Thüringer Betreuungsgeld

Von Sven

Es tut mir leid. Ich muss noch einmal drüber schreiben.

Es kann doch nicht sein, dass es zur Selbstverständlichkeit wird, dass ein drittklassiges wissenschaftliches Papier zur Grundlage Thüringer Familienpolitik wird, weil SPD, Grüne und die Blätter der Zeitungsgruppe Thüringen den gleichen Unsinn wieder und wieder wiederholen.

Die TLZ schrieb gestern:

“Eine neue Studie, die die SPD-Landtagsfraktion am Dienstag präsentieren will, bestätigt offenbar alle Vorbehalte gegen das in Thüringen seit 2006 gezahlte Landeserziehungsgeld […] Die Forscher vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) haben sich Thüringer Daten genau angesehen, um die Auswirkungen des Landeserziehungsgeldes zu ermitteln und daraus Schlüsse für die bundesweite Diskussion zu ziehen. Ihr Fazit ist eindeutig: Sie plädieren dafür, die für 2013 geplante bundesweite Einführung des Betreuungsgeldes auf den Prüfstand zu stellen.”

Und dann kommt ganz großer Unfug:

Christina Gathmann, Wirtschaftsprofessorin Heidelberg und Co-Autorin der Studie, warnt: “Insbesondere Geringqualifizierte, deren Familien häufig auf ein zweites Einkommen angewiesen sind, fassen nach längeren Unterbrechungen nur schwer wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt. Zugleich profitieren ihre Kinder überdurchschnittlich von den Fördermöglichkeiten einer qualitativ hochwertigen Betreuung.”

Wir haben Frau Gathmann gefragt, ob diese Aussage aufgrund der Thüringer Daten zustande kommt. Sie verneint das. Tatsächlich ist es so:

“Dies ist in der Tat kein Ergebnis unserer Studie […] Hier beziehe ich mich auf die gesamte Stichprobe (Hoch- und Geringqualifizierte). 2 Jahre nach Bezug des Betreuungsgeldes sind die Erwerbsquoten für Frauen mit Betreuungsgeld (Thüringen) und Frauen ohne Betreuungsgeld (z.B. Sachsen-Anhalt) mit dann 4-jährigen Kindern ähnlich. Wir haben nicht genügend Beobachtungen, um das separat für Geringqualifizierte zu analysieren. “

Das heißt: Über Geringqualifizierte kann Frau Gathmann aufgrund der wenigen Thüringer Daten gar keine Aussage machen. Das gilt auch für die Aussage, dass die Kinder von Geringqualifizierten angeblich stärker von Fördermöglichkeiten profitieren sollen. Frau Gathmann schreibt:

“Auch hier beziehe ich mich wieder auf die gesamte Stichprobe (nicht nur Kinder geringqualifizierter Eltern).”

Die Politiker und die Journalisten haben die Studie entweder gar nicht gelesen oder nicht verstanden oder wollten sie gar nicht verstehen.

Und ich frage mich, warum geht sowas? Und kann da nicht mal jemand was machen. Batman? Hulk? Thor?… hilfe …

So ein Quatsch!Klasse! (+1 von 1 Lesern finden diesen Beitrag klasse)
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5 Responses to “Meinungsmache mit dem Thüringer Betreuungsgeld”

  1. Blogzentrale Says:

    [NEW BLOGPOST] Meinungsmache mit dem Thüringer Betreuungsgeld http://t.co/WeQt4Dhb Da kann da bitte mal jemand was dagegen unternehmen?!!

  2. Thüringer Blogs Says:

    Meinungsmache mit dem Thüringer Betreuungsgeld: Von Sven
    Es tut mir leid. Ich muss noch einmal drüber schreiben…. http://t.co/55tqokb3

  3. Sramten Says:

    Das Märchen von der Wahlfreiheit gewinnt durch ständige Wiederholung nicht an Wahrheitskraft.
    Das Fehlen eines Betreuungsgeldes zwingt genausowenig irgend jemanden sein Kind in die Krippe zu geben wie dessen Existenz gleiches verwehrt. Es geht allenfalls darum, ob eine fehlende finanzielle Balance die “freie Entscheidung” der Familien deutlich beeinflussst. Das kann ich auch beim Fehlen eines Betreuungsgeldes nicht erkennen. Schließlich sind die Kosten für die externe Kinderbetreuung zumindest i Krippenjahr häufig so hoch und das Einkommen aus einer (Teilzeit-) Tätigkeit so gering, dass sich die Arbeit finanziell kaum “lohnt”.

  4. sven Says:

    Sramten, das heißt jetzt bitte was? Dass es völlig egal ist, ob es das Betreuungsgeld gibt oder nicht?

  5. Sramten Says:

    Das heißt, dass sich der Staat nach meiner Auffassung die zusätzlichen Kosten des Betreuungsgeldes sparen sollte oder mit gleicher Höhe die Betreuungseinrichtungen zusätzlich übernehmen müsste. In jedem Fall gibt es aber größere aktuelle Fragen/Probleme als diese Entscheidung.